Witchcraft, Gender, & Marxism

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Rotfuchs
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Witchcraft, Gender, & Marxism

#1

Beitrag von Rotfuchs » So 2. Feb 2020, 20:34

Hatte gestern große Freude die folgende Episode von Philosophy Tube zu sehen:

Witchcraft, Gender, & Marxism | Philosophy Tube

Vielleicht kennt ihr die üblichen Halbwahrheiten über die Hexenverfolgung, wie man sie evtl. als Teenager verbreitet ("Millonen Hexen wurden verfolgt und verbrannt..."). Diese Episode geht in eine erfrischend andere Richtung. :)
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Ashar Starchild
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Re: Witchcraft, Gender, & Marxism

#2

Beitrag von Ashar Starchild » Di 4. Feb 2020, 21:56

Hi Rotfuchs,

vllt magst Du ja eine Zusammenfassung von dem Youtube Video schreiben - mich interessiert es :girlie-nick: , nur habe ich zZt im neuen Zuhause noch kein Internet und kann mir das leider nicht anschauen ... :girlie-gfk:
Auch interessiert mich Deine Meinung zu dem im Titel genannten Punkten :)

LG Ashar
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Rotfuchs
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Re: Witchcraft, Gender, & Marxism

#3

Beitrag von Rotfuchs » So 8. Mär 2020, 14:02

Ashar Starchild hat geschrieben:
Di 4. Feb 2020, 21:56
vllt magst Du ja eine Zusammenfassung von dem Youtube Video schreiben - mich interessiert es (...)
Auch interessiert mich Deine Meinung zu dem im Titel genannten Punkten :)
Sehr gerne! :)

Gestern hatte ich eine längere Antwort auf deine Frage, aber da habe ich zu lange gebraucht (und nicht zwischengespeichert)....

Aber hier nochmal die Kurzform:

Der Autor stellt hauptsächlich die Thesen der italienischen Professorin Silvia Federici vor. Habe dazu auch gestern ein Interview in der taz gefunden, dass vielleicht ganz interessant ist: "Die Hexenjagd ist zurückgekehrt"

Federici vertritt in ihrem Buch "Der Caliban und die Hexe" die These, dass die Hexenverfolgung keine nebensächliche Kuriosität der Geschichte darstellt, sondern im Kontext des Wandels vom Feudalismus zum Kapitalismus eine wichtige Rolle spielt.

Was ich daraus mitgenommen habe (aber vor dem kritisieren besser selbst lesen):
- Heilerinnen/Hebammen etc. waren selbst im christianisierten Mittelalter ein wichtiger Bestandteil der Dorfgemeinschaften. Ihre "Macht" über die Gesellschaftliche Reproduktion (auf deutsch: sie hatten möglichkeiten der Empfängnisverhütung in der Hand) war ein Dorn im Auge der Herrschenden.
- Denn nachdem die Pest in Europa gewütet hatte, sahen die Mächtigen ihren Wohlstand in Gefahr, da die Arbeiterschaft stark dezimiert war. Der "liebe Gott" wollte dann nicht mehr dass Frauen über ihre Körper entscheiden, sondern dass es möglichst viel Nachwuchs gibt, so dass die Landwirtschaft wieder Luxus produziert.

Zu deinen anderen Fragen:
- Witchcraft finde ich fantastisch :D
- Marxismus ist meiner Meinung nach nichts was man per se gut oder schlecht finden kann. Es ist eine ziemlich komplexe Wirtschaftstheorie, die je nach Lesart auch auf andere Gesellschaftsbereiche angewedet werden kann. Marx Analyse der kapitalistischen Wirtschaft halte ich für brauchbar, was auch sehr viele Ökonomen sehen. Seine Aussagen darüber was die Zukunft bringen wird ("Diktatur des Proletariates" usw.) halte ich für hemdsärmelig, aber so geht es mir eigentlich mit allen großen Prophezeiungen für die Zukunft.
Ich bin nicht der Meinung dass der Marxismus für die DDR und andere Unrechtsstaaten verantwortlich zu machen ist, auch wenn die faschistischen Diktaturen die Werke von Marx und Engels zu einem ihrer Leitwerke machte.
Wie ich bestimmt schon zur genüge in einzelnen Posts gesagt habe :), bin ich (je nach Definition) nicht begeistert von Kommunismus oder Staatssozialismen, glaube aber dass es andere Modelle gibt (z.b. Anarcho-Syndikalismus) die uns Menschen und der Natur besser tun würden.

Aus soziologischer Perspektive ist der Marxismus jedoch eine sehr interessante Spielerei (ich denke vorallem an Pierre Bordieu), aber das ist glaube ich nur "Nerdstuff" für Leute die sich damit beschäftigen wollen.

- Die Gendertheorie ist eine der wohl am meisten (vermutlich auch absichtlich) missverstandenen Theorien unserer Zeit. Ihre Aussage: "Geschlecht ist sehr viel mehr "gespielt" als tatsächlich biologisch angelegt". Bin absolut dafür, dass Menschen ein Recht darauf haben dem Geschlecht anzugehören für dass sie sich entscheiden. Hab noch kein intelligentes Argument gegen diese Theorie gehört (nur: "ich finde gendern in Texten total doof".).

Ganz liebe Grüße
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