The age of surveillance capitalism

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Peregrin
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The age of surveillance capitalism

#1

Beitrag von Peregrin » Di 30. Apr 2019, 18:14

https://www.theguardian.com/technology/ ... e-facebook

Zwar nichts neues, aber trotzdem interessanter Artikel. :crash:
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Rotfuchs
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Re: The age of surveillance capitalism

#2

Beitrag von Rotfuchs » Do 2. Mai 2019, 10:38

In dem Zusammenhang ebenfalls interessant:
https://www.youtube.com/watch?v=GhpY80qR7zE
Noam Chomsky on Google and Facebook

Ein kleiner Essay zum Thema, der nichts mit der Realität zu tun hat:

Die Überwachungskomponente ist der nächste Schritt des "Kapitalismus" uns noch weiter zu fangen.

Kapitalistische Strukturen haben die Menschen der Welt mit ihren Versprechungen in einen wundervollen Goldenen Käfig gelockt - und die Überwachung von und durch Amazon, Google und Co ist genau Das.
Wir können uns zu Tode fressen mit giftigen Nahrungsmitteln und Netflix, während Tausende (Lohn-)Sklaven auf der Welt unsere Schuhe und Kleidung nähen oder sich in den Apple-Fabriken zu Tode stürzen.
Das wird bestimmt alles besser, oder?

Unsere Lebensgrundlagen werden immer weiter zerstört - während uns Hollywood und Politik/Wirtschaft erklären dass schon bald alles wieder gut ist wenn wir nur schön "grün wählen" und auf die Plastiktüte beim Einkaufen verzichten. Wir erfinden schon "Carbon Capturing" und machen die Ozeane wieder plastikfrei. Alles wird gut... kein Grund zur Sorge.... Schau die nächste Folge Game Of Thrones...
Wach nicht auf, rebelliere nicht. Die Politik und die freundlichen, selbstlosen Menschen in der Wirtschaft werden es schon richten.
In unserer Demokratie können alle mitreden. Es gibt keine Korruption. Alle alternativen sind schlecht und wer darüber nachdenkt ist kriminell oder ein verachtenswürdiger Utopist. Bitte sei jetzt ruhig bis zur "Wahl".
Alles Pessimismus was er da sagt, es wird schon alles gut, oder?

Außerdem sind ja die anderen Mitmenschen schuld. Wie können die einfach so schlecht konsumieren? Hätten sie mal nicht ihr ganzes Geld für Schnaps und Zigaretten ausgegeben dann könnten sie auch im Bioladen einkaufen. Alles wird gut sobald alle Bio kaufen.
Die Wirtschaft ist gut. Technik bringt uns alle Lösungen. Wir sind die Guten. :)

Jede Kritik am System verpufft, weil wir schon so Gehirngewaschen sind dass wir uns Alternativen gar nicht mehr vorstellen können und die Überwachungsdystopie in der wir leben lächelnd hinnehmen. "Big Brother" passt ja auch auf uns auf!
Man hört schon ehrlich gemeinte Sätze wie:
Jetzt mal ehrlich, wen interessiert es denn dass amazon weiß was für Bücher ich lese?
Dann sieht Google eben welche Bilder ich auf meinem Handy habe, und?
Ist doch nicht schlimm wenn Facebook mein surf-Verhalten kennt.
Apple, Microsoft und Google schalten ungefragt die Front/Webcam ein und beobachten mich, na und?
ist doch auch nicht so wichtig oder? wir haben ja nichts verbrochen. Das wird bald verboten und dann ist alles wieder gut.

Zum Glück haben wir jede Menge Beruhigungsmittel auf chemischer und technischer Basis, die schnell das Unwohl-Sein wieder brechen wenn wir darüber nachdenken.
So schlimm ist doch alles gar nicht... oder doch?

Ich erinnere mich an das Ende von 1984
"O grausames, unnötiges Missverstehen! O eigensinniges, selbst auferlegtes Verbanntsein von der liebenden Brust! Zwei nach Gin duftende Tränen rannen an den Seiten seiner Nase herab. Aber nun war es gut, war alles gut, der Kampf beendet. Er hatte den Sieg über sich selbst errungen. Er liebte den Großen Bruder."
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Re: The age of surveillance capitalism

#3

Beitrag von Knufflon » Do 2. Mai 2019, 13:02

Das Zeichen einer dystopischen Welt ist, dass ihre Bewohner glauben, sie leben in der bestmöglichen aller Welten......
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As a son of night and day, I am gray.

Allgemeine Meinungen entstehen aus der Unfähigkeit zur eigenen und dürfen nicht durch Quantität legalisiert werden. (Werner Lind)

Meine Foto-Homepage: https://www.flickr.com/photos/goldtop57/

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Re: The age of surveillance capitalism

#4

Beitrag von Peregrin » Do 2. Mai 2019, 14:14

Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich mit den vielen Menschen, die dem zustimmen würden, nicht unbedingt einer Meinung bin, da deren Folgeschlüsse mir nicht behagen.

Einer dieser Folgeschlüsse wäre:

"Ich kann sowieso nichts tun gegen die Verschwörung der großen Konzerne. Darum werde ich auch nicht auf Demos gegen den Naturzerstörung durch Braunkohleabbau oder gegen die Aromkraft gehen oder Petitionen und Volksbegehren gegen Bienensterben oder so ein Scheiß unterstützen wie irgendwelche grünen Spinner, die das ja nur machen, um ihr eigenes Gewissen zu beruhigen.
Und was ich schon gar nicht machen werde, ist auf irgendetwas zu verzichten oder mit einschränken werde in meiner Lebenshaltung! Ich lasse mir doch nicht einreden, dass ich ein Teil des Problems bin! Ich kann nichts gegen die da oben tun, wer das glaubt, ist ein Illusionistischer Spinner! Wer mir also sagt - oder gar vorlebt! - das er auf etwas verzichtet, den verachte und verspotte ich dafür!"

Oder ein anderer beliebter Folgeschluss ist:

"Man kann gegen das jetzige System nichts machen, aber man kann vorsorgen für den Zeitpunkt, wenn es endlich zusammenbricht. Ich habe Lebensmittel und Edelmetalle gebunkert, habe mir Waffen besorgt und mir alle nötigen Survival-Skills beigebracht, wie Metbrauen, Jagen und Selbstverteidigung. Wenn dieses System endlich zusammenbricht, werden ich und meine Gleichgesinnten überleben und endlich die Oberhand haben. ("Dann wird das glorreiche 4. Reich entstehen"/ "Dann werden alten Götter wieder herrschen! / Dann wird .. hier beliebige andere Utopie einsetzen.)"
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Re: The age of surveillance capitalism

#5

Beitrag von Rotfuchs » Fr 10. Mai 2019, 10:40

Peregrin hat geschrieben:
Do 2. Mai 2019, 14:14
Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich mit den vielen Menschen, die dem zustimmen würden, nicht unbedingt einer Meinung bin, da deren Folgeschlüsse mir nicht behagen.

Einer dieser Folgeschlüsse wäre:

"Ich kann sowieso nichts tun gegen die Verschwörung der großen Konzerne. Darum werde ich auch nicht auf Demos gegen den Naturzerstörung durch Braunkohleabbau oder gegen die Aromkraft gehen oder Petitionen und Volksbegehren gegen Bienensterben oder so ein Scheiß unterstützen wie irgendwelche grünen Spinner, die das ja nur machen, um ihr eigenes Gewissen zu beruhigen.
Und was ich schon gar nicht machen werde, ist auf irgendetwas zu verzichten oder mit einschränken werde in meiner Lebenshaltung! Ich lasse mir doch nicht einreden, dass ich ein Teil des Problems bin! Ich kann nichts gegen die da oben tun, wer das glaubt, ist ein Illusionistischer Spinner! Wer mir also sagt - oder gar vorlebt! - das er auf etwas verzichtet, den verachte und verspotte ich dafür!"
Danke für den Einwurf. Das ist ein berechtigter Einwand. Meine Gedanken
  1. Aktivismus und Optimismus müssen immer da bleiben. Wir Menschen haben - wenn überhaupt - nur eine sehr rudimentäre Idee was auf der Welt passiert. Und so lange wir Atmen können wir auch etwas verändern. Egal wieviel wir wissen oder zu wissen glauben. Ich halte es mit Hannah Arendt: Handlungsfähigkeit ist oft von größerer Bedeutung als absolutes Wissen.
  2. Wir sind teil in einem komplexen System. Ganz sicher sind wir nicht "Schuld" an Umweltzerstörungen. Wir sind gezwungen so zu konsumieren wie wir konsumieren. - Keiner von uns kann auf Technik, Autos etc. verzichten. Wir können "nur" anders konsumieren. Das wird die Welt aber leider nicht retten. Auch wenn ich alle toll finde die versuchen den kleinsten Impact auf die Welt zu haben. Der Kapitalismus kann nicht grün werden (das ist eine persönliche Meinung, keine Tatsache), deshalb glaube ich nur an für mich "richtige" Lösungen. Und nicht Bio kaufen. (Obwohl ich das wie gesagt unterstützenswert finde, wegen dem Symbolischen Wert!)
  3. Fatalismus ist eine blöde Idee. Und menschliche Systeme bestehen aus Menschen (duh...) nicht aus Maschinen, d.h. wenn wir uns kollektiv ändern, könnnen wir auch das System ändern.
Peregrin hat geschrieben:
Do 2. Mai 2019, 14:14
Oder ein anderer beliebter Folgeschluss ist:

"Man kann gegen das jetzige System nichts machen, aber man kann vorsorgen für den Zeitpunkt, wenn es endlich zusammenbricht. Ich habe Lebensmittel und Edelmetalle gebunkert, habe mir Waffen besorgt und mir alle nötigen Survival-Skills beigebracht, wie Metbrauen, Jagen und Selbstverteidigung. Wenn dieses System endlich zusammenbricht, werden ich und meine Gleichgesinnten überleben und endlich die Oberhand haben. ("Dann wird das glorreiche 4. Reich entstehen"/ "Dann werden alten Götter wieder herrschen! / Dann wird .. hier beliebige andere Utopie einsetzen.)"
  1. Man kann immer was tun. Meine Ansicht ist aber dass "Demokratie" bzw. das was wir heute Demokratie nennen sehr gut dazu geeignet ist echte Lösungen verpuffen zu lassen. Wenn man sie kritisiert wird man gleich als Unmensch dargestellt. Oder es wird die "Bei uns ist doch alles noch gut im Vergleich zu..." Keule geschwungen. Ähm.. wir führen Kriege für die Handys und PCs an denen wir diese Nachrichten lesen.. und das ist auch nicht zu ändern. Zumindest nicht wie "das System" jetzt aussieht.
  2. Ich bin Pazifist und eher gesellig -> Hab kein Interesse mich mit irgendwelchen Faschistoiden Waffennarren einzubunkern. Das führt doch nur in eine barbarische "Mad Max"-artige andere Dystopie als die, die wir gerade erleben. Außerdem, mal ganz am Rande: Wer so blöd ist essen gegen Gold einzutauschen, dem ist eh nicht mehr zu helfen. Sorry, in einer Apokalypse würde ich Wasser und Essen immer dem Gold vorziehen :D
  3. Das ist mir das wichtigste: Ich bin Soziologe und kein Hassgetriebener Antisemit: Ich kann keine weltweite Verschwörung der Industrie, der Hochfinanz etc erkennen. Die Weltlage die wir haben ist ein organisches Produkt aus komplexen Entscheidungen die schon seit der Kolonisierung der Amerikas oder der Industrialisierung getroffen werden. Es konnte niemand sehen was daraus werden wird, da Menschen nicht wirklich dafür geschaffen sind weltumspannende Gemeinschaften zu konzipieren (zumindest war dies nicht so als die Menschen anfingen die Wirtschaft wie wir sie kennen aufzubauen).
    Das System dass wir geschaffen haben korrumpiert aber die "Regierenden" die an der Macht sind und befürwortet die schlechtesten Eigenschaften im Menschen. Wenn Profite wichtiger werden als Menschenleben, dann läuft was schief. Ich weiß dass das ein Klischee ist - aber manchmal sind diese auch wahr.
Meine Schlussfolgerung
Gibt es einfache Lösungen?
Nein.
Können wir den Kapitalismus positiv Transformieren?
Ich glaube nicht, auch wenn sich die Idee schön anfühlt.
Gibt es etwas dass wir tun können?
Uns deutlich Fragen ob wir wirklich keine Zeit und Lust haben die Welt zu ändern. Es gibt Lösungsvorschläge die weit weniger utopisch in der Ausführung sind als sie klingen.
Das Blöde ist nur dass die Herrschenden nicht gerne hören dass ihre Herrschaft ein Teil des Problems ist. Deshalb werden wir schon so erzogen (man verzeihe den verschwörerischen Unterton), dass sich alle Menschen sofort an die Gurgel gehen wenn keinen Idioten wählen der uns regiert. Ich für meinen Teil habe nicht so ein mieses Menschenbild dass ich nicht mit Menschen zusammenleben könnte ohne mich zu schlagen.
(Ordnung und Struktur erfordert keine Herrschaft. Herrschaft heftet sich an menschliche Ordnungen und gaukelt uns das vor. Und ich rede dabei nicht von Machtgefällen, sondern von der Aufgabe seiner eigenen Autonomie gegenüber "dem Gesetzgeber". Und nochmal: ich sage nicht dass Gesetze schlecht sind, ich sage dass wir uns abseits von einem Herrscher / Herrschende Parteien organisieren können.)


Homo homini lupus est... und schön wählen gehen!
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Re: The age of surveillance capitalism

#6

Beitrag von Peregrin » Sa 11. Mai 2019, 16:03

Rotfuchs hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 10:40
[*] Wir sind teil in einem komplexen System. Ganz sicher sind wir nicht "Schuld" an Umweltzerstörungen. Wir sind gezwungen so zu konsumieren wie wir konsumieren. - Keiner von uns kann auf Technik, Autos etc. verzichten. Wir können "nur" anders konsumieren. Das wird die Welt aber leider nicht retten.
Sehe ich nicht ganz so.

Wir sind schuld an der Umweltzerstörung, die wir mitbewirken.

Allein im Rahmen unseres Systems können wir nichts ändern. Wir sind gezwungen zu konsumieren, wenn wir die Vorteile, die unser System hat, behalten wollen.
Es wäre definit möglich als Aussteiger alternativ zu leben. Aber wer ist schon zu so einem radikalen Schritt bereit?

An einem System, an dem viele profitieren wird sich erst etwas drastisch ändern, wenn der Leidensdruck zu groß ist.

Momentan ist der Leidensdruck der Verursacher noch viel zu gering. Und ich fürchte, wenn der Leidensdruck so groß ist, das die Bereitschaft zur radikalen Veränderung gegeben ist, dann ist es zu spät, etwas zu ändern ohne anderes Leiden hervorzurufen. (z.B. Kampf um die verbleibenden Ressourcen, etc.)

Rotfuchs hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 10:40
Der Kapitalismus kann nicht grün werden (das ist eine persönliche Meinung, keine Tatsache), deshalb glaube ich nur an für mich "richtige" Lösungen. Und nicht Bio kaufen. (Obwohl ich das wie gesagt unterstützenswert finde, wegen dem Symbolischen Wert!)
Das ein "-ismus" sich nicht ändern kann, glaube ich auch. Sonst wäre er ja nicht der "-ismus" der er ist. :green:

Ich denke, das Problem wird nicht bei der Wurzel behandelt. Und die Wurzel sehe ich in dem Menschen, der dieses System lebt.

Darum hat sich meines Erachtens der Kommunismus auch nicht als praxistauglich erwiesen.
Wäre schön, wenn alle das selbe und nur das notwendige hätten. Aber so lange Menschen aus psychologischen und ähnlichen Gründen mehr besitzen wollen als andere (z.b. weil sie sich dadurch überlegen fühlen), oder Besitz anhäufen wollen (z.B. weil sie sich dadurch sicher fühlen), konsumieren wollen (z.B. weil sie das von der Realität ablenkt und das kurzfristig helfende Surrogate zur Befriedigung andere Bedürfnisse sind) wird kein "-simus", kein System sie davon abhalten. (Bzw. der "-ismus" wird nur mit Gewalt aufrechterhalten und unterminiert wo es nur geht, bis das System irgendwann zusammenbricht.)

Innerhalb des Systems etwas ändern zu wollen bzw. sich so zu verhalten, als würde das etwas ändern (im Sinne von: "Wenn alle das täten, was man da tut, würde sich tatsächlich etwas ändern, wenn man nur selbst oder nur wenige das tun, hat das leider keinen spürbaren Impact auf das System haben") sehe ich dennoch nicht als nur symbolisch. Es bewirkt etwas im Kleinen. Und viele kleine Veränderungen könnten bestenfalls im kleinen Rahmen auch große Veränderungen hervorrufen.

Und ich glaube vor allem auch, das die Bewusstseinsänderung eines Menschen auch auf feinstofflicher Ebene einen Einfluss auf die Menschen in seiner Umgebung haben.
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Re: The age of surveillance capitalism

#7

Beitrag von Rotfuchs » Di 28. Mai 2019, 22:38

Peregrin hat geschrieben:
Sa 11. Mai 2019, 16:03
Rotfuchs hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 10:40
[*] Wir sind teil in einem komplexen System. Ganz sicher sind wir nicht "Schuld" an Umweltzerstörungen. Wir sind gezwungen so zu konsumieren wie wir konsumieren. - Keiner von uns kann auf Technik, Autos etc. verzichten. Wir können "nur" anders konsumieren. Das wird die Welt aber leider nicht retten.
Sehe ich nicht ganz so.

Wir sind schuld an der Umweltzerstörung, die wir mitbewirken.

Allein im Rahmen unseres Systems können wir nichts ändern. Wir sind gezwungen zu konsumieren, wenn wir die Vorteile, die unser System hat, behalten wollen.
Es wäre definit möglich als Aussteiger alternativ zu leben. Aber wer ist schon zu so einem radikalen Schritt bereit?
Erstmal ist Aussteiger sein nur für sehr wenige eine Option - leider. (Stichwort Grundbesitz, Staatsbürgerschaft... Geld)
Zweitens gibt es sehr wenige "Aussteiger-Modelle" die wirklich CO2 Neutral sind. Wenn dich das Thema interessiert, da gibt es eine handvoll wirklich guter Studien die das im Modell berechnen. (kommt halt auch auf den grad an Kultur an dem man festhalten möchte.)

Peregrin hat geschrieben:
Sa 11. Mai 2019, 16:03
Rotfuchs hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 10:40
Der Kapitalismus kann nicht grün werden (das ist eine persönliche Meinung, keine Tatsache), (...)
Das ein "-ismus" sich nicht ändern kann, glaube ich auch. Sonst wäre er ja nicht der "-ismus" der er ist. :green:

Ich denke, das Problem wird nicht bei der Wurzel behandelt. Und die Wurzel sehe ich in dem Menschen, der dieses System lebt.

Darum hat sich meines Erachtens der Kommunismus auch nicht als praxistauglich erwiesen.
Wäre schön, wenn alle das selbe und nur das notwendige hätten. Aber so lange Menschen aus psychologischen und ähnlichen Gründen mehr besitzen wollen als andere (z.b. weil sie sich dadurch überlegen fühlen), oder Besitz anhäufen wollen (z.B. weil sie sich dadurch sicher fühlen), konsumieren wollen (z.B. weil sie das von der Realität ablenkt und das kurzfristig helfende Surrogate zur Befriedigung andere Bedürfnisse sind) wird kein "-simus", kein System sie davon abhalten. (Bzw. der "-ismus" wird nur mit Gewalt aufrechterhalten und unterminiert wo es nur geht, bis das System irgendwann zusammenbricht.)
Also ich bin kein Freund des Kommunismus, aber ich glaube dass er sich deshalb nicht als praxistauglich erwiesen hat weil er nirgends im Sinne des erfinders angewendet wurde (wenn ich mich nicht irre?). Waren das nicht in der Praxis immer hyper-korrupte Staatsfaschismen mit reichen Eliten und massiver Unterdrückung kompletter Bevölkerungsgruppen?
Problematisch ist im Kommunismus auch nicht dass der Mensch mehr haben will als alle anderen. Materialismus ist ein gewünschter Bestandteil des Kommunismus (egal ob nach Lehrbuch oder "Real(-faschistischer)Kommunismus").

Der Kommunismus erweist sich aber auch unter besten Umständen (=mäßige Gewalt -vergleichbar zum Kapitalismus) als nicht-praxistauglich. Einfach weil der Kapitalismus um ein vielfaches besser den Bedarf an Gütern deckt als planwirtschaftliche Dilettierungen. - Leider auch mit allen ökologischen und sozialen Konsequenzen.
Peregrin hat geschrieben:
Sa 11. Mai 2019, 16:03
Und ich glaube vor allem auch, das die Bewusstseinsänderung eines Menschen auch auf feinstofflicher Ebene einen Einfluss auf die Menschen in seiner Umgebung haben.
Das unterschreibe ich dir sehr gerne. Und darin sehe ich auch unsere größte Hoffnung.

Interessanterweise - wo wir gerade bei Kommunismus waren - war Marx anderer Meinung:
Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.
Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 13, 7. Auflage 1971 S.8-9
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Re: The age of surveillance capitalism

#8

Beitrag von izento » Mi 29. Mai 2019, 06:45

Rotfuchs hat geschrieben:
Di 28. Mai 2019, 22:38
Also ich bin kein Freund des Kommunismus, aber ich glaube dass er sich deshalb nicht als praxistauglich erwiesen hat weil er nirgends im Sinne des erfinders angewendet wurde (wenn ich mich nicht irre?). Waren das nicht in der Praxis immer hyper-korrupte Staatsfaschismen mit reichen Eliten und massiver Unterdrückung kompletter Bevölkerungsgruppen?
Ich denke da irrst du ein wenig. Neben den pseudokommunistischen Diktaturen (Stichwort - Diktatur des Proletariats, die Partei hat immer recht) gab es durchaus Länder und Regionen, die sich eine Zeit lang mit kommunistischen Modellen ganz gut schlugen.
Das Problem des "utopischen Kommunismus" ist aber, daß er von einem utopischen Menschenbild ausgeht in dem Neid und Mißgunst keine Rolle spielen.
Meiner Meinung nach ist aber genau das was den modernen Menschen ausmacht.
Der Humanismus (in fast allen Religionen) erhebt den Menschen über die Natur und das Streben nach "Vollkommenheit" erhebt das Individuum über die Masse. Jeder will der Beste, der Schönste und der Intelligenteste sein. Wahrscheinlich ist es genau diese "Störung" die die Trockenasenaffen der Spezies Homo zu dem gemacht hat, was den heutigen Menschen ausmacht.

Erst wenn wir lernen wieder halbwegs im Einklang mit der Natur zu leben, werden wir es auch schaffen im Einklang mit anderen Menschen zu leben.

dunkle Grüsse
izento
...und es wird der Tag kommen dass die Welt versinkt im Chaos. Und wir werden auferstehen und tanzen auf den Ruinen.
Follow your dreams and be TRUE to yourself.
Der alte Narr sagt: Ich bin ein alter Weiser. Der alte Weise sagt: Ich bin ein alter Narr.

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Re: The age of surveillance capitalism

#9

Beitrag von Rotfuchs » Mi 29. Mai 2019, 11:49

izento hat geschrieben:
Mi 29. Mai 2019, 06:45
Rotfuchs hat geschrieben:
Di 28. Mai 2019, 22:38
Also ich bin kein Freund des Kommunismus, aber ich glaube dass er sich deshalb nicht als praxistauglich erwiesen hat weil er nirgends im Sinne des erfinders angewendet wurde (wenn ich mich nicht irre?). Waren das nicht in der Praxis immer hyper-korrupte Staatsfaschismen mit reichen Eliten und massiver Unterdrückung kompletter Bevölkerungsgruppen?
Ich denke da irrst du ein wenig. Neben den pseudokommunistischen Diktaturen (Stichwort - Diktatur des Proletariats, die Partei hat immer recht) gab es durchaus Länder und Regionen, die sich eine Zeit lang mit kommunistischen Modellen ganz gut schlugen.
Ḱannst du mir (nur für meine Bildung) ein paar Beispiele nennen? Meinst du die lateinamerikanischen Beispiele?
izento hat geschrieben:
Mi 29. Mai 2019, 06:45
Das Problem des "utopischen Kommunismus" ist aber, daß er von einem utopischen Menschenbild ausgeht in dem Neid und Mißgunst keine Rolle spielen.
Meiner Meinung nach ist aber genau das was den modernen Menschen ausmacht.
Der Humanismus (in fast allen Religionen) erhebt den Menschen über die Natur und das Streben nach "Vollkommenheit" erhebt das Individuum über die Masse. Jeder will der Beste, der Schönste und der Intelligenteste sein. Wahrscheinlich ist es genau diese "Störung" die die Trockenasenaffen der Spezies Homo zu dem gemacht hat, was den heutigen Menschen ausmacht.
Kann gut sein dass das stimmt.

um hier auch nochmal Marx zu bemühen:
Der Kommunismus als positive Aufhebung des Privateigentums als menschlicher Selbstentfremdung und darum als wirkliche Aneignung des menschlichen Wesens durch und für den Menschen; darum als vollständige, bewußt und innerhalb des ganzen Reichtums der bisherigen Entwicklung gewordne Rückkehr des Menschen für sich als eines gesellschaftlichen, d.h. menschlichen Menschen. Dieser Kommunismus ist als vollendeter Naturalismus = Humanismus, als vollendeter Humanismus = Naturalismus, er ist die Wahrhafte Auflösung des Widerstreites zwischen dem Menschen mit der Natur und mit dem Menschen, die wahre Auflösung des Streits zwischen Existenz und Wesen, zwischen Vergegenständlichung und Selbstbestätigung, zwischen Freiheit und Notwendigkeit, zwischen Individuum und Gattung. Er ist das aufgelöste Rätsel der Geschichte und weiß sich als diese Lösung.
die Idee über der Natur stehen zu müssen, war also nicht unumstößlich im Kommunismus angelegt. Natürlich ist da wieder die Frage wie der Kommunismus dort ausgelegt wird.


Wie dem auch sei. Ich hoffe darauf dass wir Menschen irgendwann lernen dass wir verschieden sind, und dass keine Ideologie, sei sie Demokratie/Kapitalismus oder Kommunismus, den Menschen ändern können wird. Wenn wir wirklich mit der Welt im Einklang leben wollen, dann sollten wir uns überlegen ob wir wirklich Könige/Tyrannen/Politiker brauchen die darüber entscheiden wie wir zusammen leben wollen - oder ob nicht konsensuelle Entscheidungen aller Menschen fairer sind.
Ich hab da so das Gefühl das sämtliche ursprüngliche menschliche Gesellschaften recht gut ohne auskommen...
izento hat geschrieben:
Mi 29. Mai 2019, 06:45
Erst wenn wir lernen wieder halbwegs im Einklang mit der Natur zu leben, werden wir es auch schaffen im Einklang mit anderen Menschen zu leben.
:thumbup:
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