St. Cyprian von Antiochia - Schutzpatron der Hexen

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Hekate
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Re: St. Cyprian von Antiochia - Schutzpatron der Hexen

#31

Beitrag von Hekate » Di 5. Sep 2017, 17:16

Lakeisha hat geschrieben:
Di 5. Sep 2017, 06:52

Ähhhhmjaaaa.... aber wenn ich mich nicht irre, haben Generationen von Mönchen auch das alte Testament abgeschrieben... :pfeif:
Ja, abgeschrieben, aber nicht neu geschrieben.
Das alles sind meine,
persönlichen Einstellungen, Einsichten und Meinungen.
Niemand braucht mir da zu zustimmen.
Ich, sehe es so und meine es so.
Und das ist schon alles.

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Peregrin
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Re: St. Cyprian von Antiochia - Schutzpatron der Hexen

#32

Beitrag von Peregrin » Di 5. Sep 2017, 18:22

Lakeisha hat geschrieben:
Di 5. Sep 2017, 14:19
habe nochwas gefunden
Der Link befindet sich schon in meinem ersten Posting des Threads. ;)
KiraNeko64 hat geschrieben:
Di 5. Sep 2017, 13:48
Mir gehts nur darum, aus Hexensicht, warum gerade er und niemand anderes, der für Zauberei bekannt war *ich gebe zu, ich bin mit dem Register bekannter Zauberer leider noch nicht wirklich vertraut, aber es wird ja mehr als den einen gegeben haben* also warum gerade er, das interessiert mich nur :)
Um das rauszufinden, müsste man wohl mal recherchieren, wo sein "Kult" als erstes aufkam. Wenn St. Cyprian zum ersten Mal im Hoodoo/Voodo seine Stellung als Heiliger der Hexen erlangt hat, dann wird er wohl wie seine anderen Heiligenkollegen vor allem über die Spanier und Portugiesen in die Neue Welt gelangt sein.

Alle anderen in Frage kommenden Kirchenmänner, die im Ruch der Zauberei standen (spontan fallen mir da Simon Magus, Agrippa von Nettesheim, Albertus Magnus, Michael Scott und Papst Sylvester ein, gibt aber noch einige mehr) kamen vielleicht nicht so in Frage, da von ihnen keiner heiliggesprochen war, sie also nicht so nah an Gott und damit eben nicht so (wirk-)mächtig waren wie St. Cyprian.

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Lakeisha
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Re: St. Cyprian von Antiochia - Schutzpatron der Hexen

#33

Beitrag von Lakeisha » Mi 6. Sep 2017, 07:53

... sorry Peregrin, das hatte ich wohl glatt überlesen... :(

GlG, BB, Lakeisha
Carpe diem & noctem.
Morgengymnastik:
Mit dem richtigen Fuß aufstehen, Fenster seiner Seele öffnen; vor allem was lebt verbeugen; Gesicht der Sonne zuwenden; paar Mal über den eigenen Schatten springen; sich gesund lachen.
Und: :kaffee: ;)

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Etain
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Re: St. Cyprian von Antiochia - Schutzpatron der Hexen

#34

Beitrag von Etain » Mi 6. Sep 2017, 19:09

Also Christentum und Hexerei sind schon vereinbar.

Ich kenne 2 Ansätze:
1) Die Magie, die der Praktizierende besitzt, ist eine Gabe Gottes. Unter der Prämisse, dass man das berücksichtigt, ist Hexerei ok.
2) Die Natur kommt von Gott. Magie kommt aus der Natur. Also ist Magie ein Aspekt des chr. Gottes und ok.

Cyprien steht für die 1. Variante (wobei es auch eine kompliziertere für die 2. gibt). Der Legende nach wurde ihm Gottes Überlegenheit demonstriert, so dass er seinen "Irrtum" einsah. Im Grunde eine Art Kreuzzug. Deshalb seine Akzeptanz und keine Verdammung.

Im Hoodoo ist die Heiligenverwendung komplexer als im trad. westl. Hexentum.
(Schreibe vom Handy, bitte nachfragen, wenn ich irgendwo mehr drauf eingehen soll.)

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Rafael_Chiron
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Re: St. Cyprian von Antiochia - Schutzpatron der Hexen

#35

Beitrag von Rafael_Chiron » Mi 6. Sep 2017, 19:50

Hallo alle beieinander,

Interssante Diskussion :thumbup:
Peregrin hat geschrieben:
Mo 4. Sep 2017, 11:30
Allerdings gibt es auch Praktizierende, die die besagten Bibelstellen auf etymologischer Ebene entkräften und erklären, dass die heutig gängigen Übersetzungen so nicht stimmen, was ich wiederum sehr interessant finde. Denen nach ist im hebräischen Orginaltext der Torah nicht pauschal von Hexen und Zauberern und Wahrsagekunst pauschal die Rede, sondern von Leuten, die schwarze Magie anwenden und unerlaubte Wahrsagekunst betreiben. Ein generelles Verdammen könne man da ihrer Meinung nach nicht rauslesen.
@Peregrin: Diese Argumentationsweise kommt mir bekannt vor... Wird von einer bestimmten magischen Tradition/ Schule auch so erklärt bzw. gelehrt! ;)
Grundsätzlich sehe ich das auch so. Josef betreibt schließlich auch Wahrsagekunst, wenn er die Träume des Pharaos deutet, ohne das dies in der Bibel verurteilt wird. Allerdings lehne ich die ethisch- moralische Bewertung ab, die hier in Kriterien von schwarz und weiß denkt und urteilt. Für mich geht es darum, im bestmöglichsten Einklang mit meinem "Höheren Selbst" (bzw. in Übereinstimmung mit dem Kosmos!) zu handeln und eben nicht mit und für das "Ego".
Peregrin hat geschrieben:
Mo 4. Sep 2017, 11:30
Man darf ja auch nicht vergessen, das selbst die Kirche eine lange magische Tradition hat und die Beschäftigung mit Astrologie und Magie im Sinne der Neuplatoniker und der Theurgie (was man laienhaft durchaus als weiße Magie bezeichnen kann) lange Zeit kirchlich anerkannt war.
Ist es nicht immer noch so? Was sonst sind denn die sakramentalen Handlungen, die Priester und Bischöfe in der Kirche vornehmen? Für mich gibt es keine so großen Unterschiede zwischen Christentum und den antiken Mysterienreligionen, Christentum und Judentum, Christentum und dem Mahayana- Buddhismus und letztlich auch nicht zwischen Christentum und Neuheidentum. Vieles davon ist lediglich äußerliches "Makeup". Interessant sind für mich hier die jeweiligen Konzepte und Standpunkte, die gewissermaßen in der Gegenüberstellung durchscheinen und erkannt werden können.

Ich selbst z.B. bin sehr christlich- katholisch aufgewachsen, war zwei Jahre in einer Klosterschule. Mein erster Lehrer in Sachen "Magie" (auch wenn er es nie so nennen würde!) war ein Benediktinerpater (und Mystiker!). Wenn er die Messe feierte, war das eine ganz klare magische Handlung. Auch seine Erklärungen zum Ritual, z.B. dass die Heilige Eucharistiefeier jenseits von Zeit und Raum stattfindet, d.h. dass das letzte Abendmahl, Tod und Auferstehung Jesu im "hier und jetzt" stattfinden, ist absolut magisch begründet. (Auch im magischen Kreis befinden wir uns zwischen den Welten - außerhalb des gewöhnlichen Zeit- Raum Kontinuums!). Allerdings habe ich nie mehr wieder bei einem anderen Priester diese starke Präsenz und Gegenwärtigkeit in der rituellen Handlung erlebt. Die meisten Priester machen ihren Job einfach nur schlecht, das fängt schon bei der Körperhaltung an. Das Schlimmste aber ist, dass sie nicht die "Annahme der Gottform" praktizieren und daher die Messfeier nur aus einer "Haltung des Egos" heraus zelebrieren. Das macht die Mysterien gewissermaßen zur Karikatur. Es fehlt die echte Hingabe. Wo echte Hingabe da ist, ist auch die "Göttin" da, nicht weil sie äußerlich angerufen wird, sondern sich in dieser Hingabe manifestiert.

Viele Heilige verkörpern übriges nichts anderes als Gottheiten. Nehmen wir z.B. die Heilige Afra, die dazu bestimmt war im Tempel der Venus auf Zypern zu dienen und vor dieser Aufgabe floh, angeblich später Prostituierte wurde etc. Ziemlich dünnes "Makeup", ist doch der Name Afra nichts anderes als die Kurzform von Aphrodite. Zypern, wo es Kupferbergwerke (=Metall der Venus!) gab, war in der Antike der Inbegriff für den Ort an dem Aphrodite (= die Schaumgeborene) an Land gegangen ist.
Peregrin hat geschrieben:
Di 5. Sep 2017, 18:22
Alle anderen in Frage kommenden Kirchenmänner, die im Ruch der Zauberei standen (spontan fallen mir da Simon Magus, Agrippa von Nettesheim, Albertus Magnus, Michael Scott und Papst Sylvester ein, gibt aber noch einige mehr) kamen vielleicht nicht so in Frage, da von ihnen keiner heiliggesprochen war, sie also nicht so nah an Gott und damit eben nicht so (wirk-)mächtig waren wie St. Cyprian.
Möchte hier mal an die Heilige Gertrud, eine Äbtissin, erinnern und das ihr zugeschriebene Buch "Das Geheimnis der Heiligen Gertrudis" (enthält kabbalistisch- magisches Material). Gerade in Klostern gab es eine innere Tradition, wo bestimmte Meditationspraktiken, geistliche Übungen, sakrale Gegenstände etc. über Jahrhunderte von Schwester zu Schwester bzw. Bruder zu Bruder weitergegeben wurden. Auch die alttestamentarischen Psalmen, die in vielen christlichen Orden gebetet/ gesungen werden, stehen in einem bestimmten Bezug zur praktischen Magie.

Zuletzt möchte ich noch an die Heilige Walburga erinnern, interessanterweise ebenfalls eine Äbtissin, offenbar die christanisierte Form der kelitschen Göttin Perchta, deren Name sicher nicht aus Zufall mit der Walpurgisnacht zusammenhängt. Als ich als Jugendlicher einmal in Eichstätt (in der ganzen Innenstadt steht übrigens keine einzige Eiche - lag wohl an so 'nem Fanatiker, der alle umgehauen hat :keule: ) bei der Kapelle/ Kirche der Heiligen Walburga war, standen vor der Tür drei Besen - keine gekauften, sondern handgefertigte Reisigbesen. :green:

:liebegrüße: Rafael Chiron

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Peregrin
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Re: St. Cyprian von Antiochia - Schutzpatron der Hexen

#36

Beitrag von Peregrin » Mi 6. Sep 2017, 22:59

Hallo, Rafael Chiron
Rafael_Chiron hat geschrieben:
Mi 6. Sep 2017, 19:50
Wird von einer bestimmten magischen Tradition/ Schule auch so erklärt bzw. gelehrt! ;)
Sicher von mehr als nur einer. Da sind noch eine ganze Menge kabbalistischer und rosenkreuzerisch angehauchter Orden unterwegs. ;)


Rafael_Chiron hat geschrieben:
Mi 6. Sep 2017, 19:50
Ist es nicht immer noch so?
Ich würde sagen, nein. Auch die christlichen Kirchen haben heute ein kausales Weltbild, das einer mathematisch-physikalischen Kausalität folgt. (So nicht Gott - als eine nicht den Naturgesetzen unterworfenen Macht - gerade eine isolierte, punktuelle Ausnahme vom Kausalgesetz, sprich ein „Wunder“ geschehen lässt.)
In den kosmologischen Überlegungen des Neuplatonismus galt jedoch noch Anstelle des Kausalgesetzes das der Analogie („Wie oben so unten“), was ein direktes Einwirken des Menschen auf die Kräften in der Natur und Schöpfung als möglich ansah.

Rafael_Chiron hat geschrieben:
Mi 6. Sep 2017, 19:50
Was sonst sind denn die sakramentalen Handlungen, die Priester und Bischöfe in der Kirche vornehmen?
Von heute kirchlicher Seite besteht da ein ganz gewaltiger Unterschied, du Häretiker, du! :shocked:
Ein Magier setzt seinen Willen und seine Wünsche durch - ein christlicher Priester zelebriert mit der sakramentalen Handlung das Wirken Gott.

Die offizielle Haltung der Kirche sieht da in etwas so aus: „Von magischen Praktiken, d. h. von einer Magie der Bemächtigung, sind strikt zu unterscheiden die sakralen Handlungen der Kirche und das Gebet im christlichen Sinn. Trotz der Wirksamkeit der Sakramente sind diese nicht magisch aufzufassen. Sie sind vielmehr Medium personaler Begegnung zwischen dem sich unbedingt zusagenden Gott und dem sich öffnenden Menschen. Wo der Versuch unternommen wird, etwa durch eine bestimmte Gebetspraxis, ein numinoses Wesen dienstbar zu machen, wird Religion von ihrem Unwesen bedroht.“

Oder allgemeiner ausgedrückt: Während der "religiöse Mensch" im Gebet von Gott etwas erflehen und das Eintreten oder Nichteintreten seiner Wünsche als Willen Gottes gläubig annimmt, versuche der "magische Mensch" auf Gott einzuwirken und das Eintreten seiner Wünsche durch bestimmte Handlungen zu manipulieren.
Rafael_Chiron hat geschrieben:
Mi 6. Sep 2017, 19:50
Für mich gibt es keine so großen Unterschiede zwischen Christentum und den antiken Mysterienreligionen, Christentum und Judentum, Christentum und dem Mahayana- Buddhismus und letztlich auch nicht zwischen Christentum und Neuheidentum. Vieles davon ist lediglich äußerliches "Makeup".
Meines Erachtens sind die mystischen Schulen der jeweiligen Religionen ähnlich, weil sich deren Gründer mehr oder weniger gezwungen sahen, ihr Erleben in das Gewand derjenigen Lehre zu kleiden, die an dem Ort und der Zeit in der sie lebten, vorherrschten. (Entweder, weil sie sonst mit Repressalien zu rechten hatten (winkt Richtung Meister Eckhart und Al-Hallādsch) oder weil sie keine andere Ausdrucksform für ihr Erleben hatten. (winkt Richtung Böhme)

Der offizielle, von den verschiedenen Kirchen und Schulen gelehrte Glaube hingegen ist meines Erachtens so groß wie der zwischen Mensch und Banane. (Haben vielleicht 50% gleiche DNA, sind aber dennoch grundverschieden.)
Wann hast du zuletzt einen christlichen Erwachsenen-Katechismus durchgelesen, und die mit der mystischen Auslegung der vermutlich synkretistischen Schule, mit der du sympathisierst oder der du folgst, verglichen? (Ich hab's erst vor ein paar Wochen, und ich glaube meinen Nachbarn klingt mein Knurren und die "Nein!, Nein, Nein!" Schreie immer noch in den Ohren... :green: )
Rafael_Chiron hat geschrieben:
Mi 6. Sep 2017, 19:50
Viele Heilige verkörpern übriges nichts anderes als Gottheiten.
Das ist auch wieder die magisch-häretische Auslegung, weit ab von jeder offiziell kirchlichen. ;)

Aber wenn wir schon dabei sind: Ich schmeiß noch St. Brigid in die Runde. Und Anna Selbstdritt oder alle anderen weiblichen, in Dreierform auftretenden Heiligen, die anstelle der Matres getreten sind.

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Rafael_Chiron
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Re: St. Cyprian von Antiochia - Schutzpatron der Hexen

#37

Beitrag von Rafael_Chiron » Fr 8. Sep 2017, 13:28

Hallo Peregrin,
Peregrin hat geschrieben:
Mi 6. Sep 2017, 22:59
Die offizielle Haltung der Kirche sieht da in etwas so aus: „Von magischen Praktiken, d. h. von einer Magie der Bemächtigung, sind strikt zu unterscheiden die sakralen Handlungen der Kirche und das Gebet im christlichen Sinn. Trotz der Wirksamkeit der Sakramente sind diese nicht magisch aufzufassen. Sie sind vielmehr Medium personaler Begegnung zwischen dem sich unbedingt zusagenden Gott und dem sich öffnenden Menschen. Wo der Versuch unternommen wird, etwa durch eine bestimmte Gebetspraxis, ein numinoses Wesen dienstbar zu machen, wird Religion von ihrem Unwesen bedroht.“
Scheint so, als hättest Du irgendeine (offizielle ?) kirchliche Stellungnahme zitiert. Nur schade, dass Du Herkunft und Autor nicht angibst. :(

Das interessante an dem Text ist, wie sich der Autor einfach aus der Thematik herausredet, indem er gewissermaßen Nebelbomben wirft. Er greift einen bestimmten Aspekt von Magie heraus, den er "Magie der Bemächtigung" nennt, distanziert sich davon, und meint damit das Thema Magie abgehakt zu haben. Tatsächlich sind die sakralen Handlungen der Kirche Magie im höchsten Sinne, nämlich Theurgie, d.h. göttliche Magie.

Diese Verschleierungstaktik ist typisch für die katholische Kirche. So kritisiert z.B. Papst Benedikt XVI die evangelischen Kirchen und spricht ihnen den Status ab, "Kirche" zu sein. Sie wären allenfalls christliche Religionsgemeinschaften. Darauf ging natürlich ein Schrei durch die "profane" Öffentlichkeit. Was der Papst jedoch nicht öffentlich sagt, ist, dass sein Verständnis von "Kirche" ein "sakramentales" ist. "Hinterfotzig" nennen wir in Bayern eine solche Verhaltensweise.

Doch zurück zum Thema Magie: Du hast bereits den Willen als wesentlichen Bestandteil von Magie erwähnt. Da der Wille als Triebfeder für verschiedenste Formen von Meditation, spiritueller Übung, Gebet, Ritual etc. fungiert, berühren alle diese Themen mehr oder weniger auch das Thema Magie. Wenn Du mein Posting genauer liest, kannst Du erkennen, dass für mich "Magie" immer eingebunden ist in spirituelle Praxis und nicht allein dem Ego oder "Welt- Ich", wie Karlfried Graf Dürckheim es nennen würde, dient.
Peregrin hat geschrieben:
Mi 6. Sep 2017, 22:59
Oder allgemeiner ausgedrückt: Während der "religiöse Mensch" im Gebet von Gott etwas erflehen und das Eintreten oder Nichteintreten seiner Wünsche als Willen Gottes gläubig annimmt, versuche der "magische Mensch" auf Gott einzuwirken und das Eintreten seiner Wünsche durch bestimmte Handlungen zu manipulieren.
In Deiner Zusammenfassung definierst Du gewissermaßen Mystik (=Religion) und Magie in ihrem unintegrierten Zustand als scheinbar unvereinbare Gegensätze. Doch für mich bilden Mystik und Magie die beiden Säulen des Tempels. Solange ich davor stehe, kann ich gut über ihre Polarität von "schwarz" und "weiß" theoretisieren. (Besonders gerne machen das Leute, die über "schwarze" und "weiße" Magie urteilen!) Doch mein eigentlicher individueller initiatischer Weg eröffnet sich mir erst, wenn ich zwischen die Säulen hindurchtrete. Es ist für mich ein wesentlicher Unterschied, ob mich ich aus rein "profaner Sicht" mit Magie beschäftige (Wunsch nach einer neuen Liebe, einem neuen Job, einer neuen Wohnung, mehr Geld, Macht...) oder ob ich mich "magischen Methoden" aus einem spirituellen Kontext heraus annähere.

Aus der Außensicht heraus, magst Du meine "mystische Auslegung" als Merkmal einer bestimmten "synkretistischen Schule" ansehen oder einordnen - ich habe lediglich meine Innensicht dargelegt. Mit der katholischen Kirche habe ich nur sehr wenig am Hut, denn sie ist eher eine Karikatur ihrer selbst. Dennoch leuchtet für mich in dieser Karikatur immer noch das Licht der Mysterien hindurch. Dieses Licht respektiere und ehre ich.

Ähnlich sehe ich das übrigens mit der Innen- bzw. Außensicht auch in Bezug auf den traditionellen Wicca (obwohl ich selbt nicht in Wicca initiiert bin!). Man kann sich Wicca über Bücher usw. von außen annäheren, sogar bestimmte Rituale etc. machen. Dennoch werden solche Rituale oft nicht mehr als eine Art Karikatur darstellen. Etwas ganz anderes, ist es, wenn man wirklich in Wicca initiiert ist. Denn ein bestimmtes Verständnis kann normalerweise erst aus der Innensicht heraus entstehen, obwohl es bestimmte grundlegende Prinzipien gibt, die sich durch alle Mysterienschulen der westlichen Tradition (und dazu zähle ich auch Wicca!) hindurchziehen...

:liebegrüße: Rafael Chiron

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Peregrin
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Re: St. Cyprian von Antiochia - Schutzpatron der Hexen

#38

Beitrag von Peregrin » Fr 8. Sep 2017, 14:43

Hallo, Rafael Chiron
Rafael_Chiron hat geschrieben:
Fr 8. Sep 2017, 13:28
Scheint so, als hättest Du irgendeine (offizielle ?) kirchliche Stellungnahme zitiert. Nur schade, dass Du Herkunft und Autor nicht angibst. :(
Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, müsste das inhaltlich größtenteils übereinstimmend mit dem "Lexikon für Theologie und Kirche", der Eintrag zum Stichwort "Magie". (Ist kein direktes Zitat, da hier ja nicht erlaubt.)
Rafael_Chiron hat geschrieben:
Fr 8. Sep 2017, 13:28
Er greift einen bestimmten Aspekt von Magie heraus, den er "Magie der Bemächtigung" nennt, distanziert sich davon, und meint damit das Thema Magie abgehakt zu haben.
Eigentlich nicht. So wie ich den Verfasser verstanden habe, bedeutet für ihn 'Magie': alle Anstrengungen das Sein zu manipulieren, womit sich der Magier "bemächtigt".
Rafael_Chiron hat geschrieben:
Fr 8. Sep 2017, 13:28
So kritisiert z.B. Papst Benedikt XVI die evangelischen Kirchen und spricht ihnen den Status ab, "Kirche" zu sein.
Hinterfotzigkeit oder eine Verschleierungstaktik sehe ich da nicht, schließlich hat die katholische Kirche nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie andere Kirchen nicht als solche anerkennt. Wenn die profane Öffentlichkeit aufschreit, dann liegt das m.E. daran, dass sie sich nicht genügend mit der Haltung der katholischen Kirche befasst hat.

Rafael_Chiron hat geschrieben:
Fr 8. Sep 2017, 13:28
Du hast bereits den Willen als wesentlichen Bestandteil von Magie erwähnt. Da der Wille als Triebfeder für verschiedenste Formen von Meditation, spiritueller Übung, Gebet, Ritual etc. fungiert, berühren alle diese Themen mehr oder weniger auch das Thema Magie. Wenn Du mein Posting genauer liest, kannst Du erkennen, dass für mich "Magie" immer eingebunden ist in spirituelle Praxis und nicht allein dem Ego oder "Welt- Ich", wie Karlfried Graf Dürckheim es nennen würde, dient.
Ich glaube, hier reden wir aneinander vorbei. Du hast dich mit deiner Äußerung oben auf meinen Satz: "Ein Magier setzt seinen Willen und seine Wünsche durch - ein christlicher Priester zelebriert mit der sakramentalen Handlung das Wirken Gott." bezogen, nicht wahr?

Da das nicht klar geworden zu sein scheint betone ich das hier lieber mal: Das ist nicht meine persönliche Haltung, sondern die der heutigen Kirchen, die ihre ablehnende Haltung gegenüber der Magie erklärt.
Um das noch mal zu verdeutlichen: Der Magier tut etwas, von dem er erwartet, dass das zu einer Veränderung in seinem Sinne führt. Sein Wille, seine Absicht - so "spirituell" positiv diese auch sein mag - ist dabei Werkzeug und Ziel.
Der Gläubige hingegen hat den Wunsch nach einer Veränderung und bittet Gott darum. Wenn die von ihm gewünschte Veränderung eintritt, ist das Gottes Wille und Wirken, das aus Gottes Ratschluss allein erfolgt ist, das auf keine Weise beeinflusst wurde von dem Wunsch des Gläubigen. Das ist der große Unterschied. Das ist das (oder zumindest 'ein') Herzstück des heutigen christlichen Glaubens - dass man Gott nicht zu irgendetwas zwingen kann, dass man sich nicht einmal etwas verdienen kann, z.B. in dem man alle seine Gebote einhält und ein heiligenmäßiges Leben führt, sondern das man immer von seiner Gnade abhängig ist.
Das die Auffassung in früheren Zeiten eine andere war, und das der "gemeine Gläubige" abseits der geltenden Theologie eine andere Auffassung hatte, und sich "abergläubische" magischer Praktiken befleißigte, ist eine andere Sache. Auch Theurgie hat in den heutigen Kirchen schon lange nichts mehr verloren.

Rafael_Chiron hat geschrieben:
Fr 8. Sep 2017, 13:28
In Deiner Zusammenfassung definierst Du gewissermaßen Mystik (=Religion) und Magie in ihrem unintegrierten Zustand als scheinbar unvereinbare Gegensätze.
Noch mal: Es ist nicht meine persönliche Definition. ;) Ich habe das hier im Thread angeführt, um deutlich zu machen, warum ich die offizielle Auffassung der christlichen Kirchen unvereinbar mit Magie sehe.

Für mich persönlich kann ich nur sagen, dass ich Religion und Mystik als selten kompatibel ansehe, da es für mich keineswegs das gleiche ist. Religion ist für mich ein Gefäß, das hauptsächlich mit Theologie gefüllt ist, in dem der eine oder andere Tropfen Mystik mit eingeflossen ist. Mystik basiert meiner Auffassung nach auf eigenem Erleben, Theologie auf Philosophie. Im häufigsten Fall von Inhalten, die der Theologe nie selbst erlebt hat, da er sich mit seinen Aussagen auf ein Gebiet wagen musste, das nicht mit dem Verstand zu erfassen ist. Und nicht zu vergessen: In der Theologie stecken jede Menge profane, weltliche Gesetze und Anschauungen, da eine Religion ohne solche nicht auskommt.

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Re: St. Cyprian von Antiochia - Schutzpatron der Hexen

#39

Beitrag von Athunis » Fr 5. Jan 2018, 16:10

also ich kenn den Heiligen Cyprian und arbeite auch hin und wieder mit ihm.

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