Was ist Naturverbundenheit?

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LiH
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Re: Was ist Naturverbundenheit?

#21

Beitrag von LiH » Mo 15. Jan 2018, 17:01

izento hat geschrieben:
Mo 15. Jan 2018, 12:42
@LiH: Mein Beitrag war auch nicht gegen dich und die Theorie der "kleinen Schritte" gerichtet.
Ich weiß :) .
Ich habe es ausgeführt weil ich immer wieder feststelle, dass genau an einem bestimmten Punkt oft nicht weiter gedacht wird. Nämlich, wo die Theorie auf die Praxis trifft, Logik auf Gefühl und Idealismus auf Trieb :) . Ganz allgemein, unterstelle ich jetzt weder Dir noch jemandem hier.

Beispiel, sinngemäß, so ähnlich gaaanz oft erlebt: "Bio-Tomaten aus Spanien außerhalb der Saison sind Mist!" Gemeint ist: Bio ist in dem Fall inkonsequent und scheinheilig. Soweit zur Theorie. In der Praxis ist man ein Mensch mit Vorlieben, Schwächen, Gewohnheiten...Viele der Menschen, von denen ich das o.g. Argument höre, ziehen für sich nicht etwa den Schluss, außerhalb der Saison auf Tomaten zu verzichten, sondern kaufen konventionelle von sonstwoher. Weil Bio ja Blödsinn ist. Es ist aber nur Blödsinn aus einer theoretischen, sehr rationalen und ide.alisierten Perspektive. So funktionieren wir Menschen nicht, meiner Meinung nach. Wenn man aus irgendeinem Grund nicht auf seine Tomaten verzichten "kann", dann ist Bio von sonstwoher unter Umständen besser, als nicht-Bio von sonstwoher.
izento hat geschrieben:
Mo 15. Jan 2018, 12:42
Ich habe nur kritisch hinterfragt, ob der "grosse Schritt" Veganismus überhaupt etwas mit Naturverbundenheit zu tun hat wenn alle anderen Dinge ausser Acht gelassen werden.
Finde ich gut! Ich bin mir sicher, dass auch sämtliche Konzepte/Verhaltensweisen, die nach außen sehr altruistisch aussehen, oft dazu benutzt werden, sich anderen moralisch überlegen zu fühlen. Gerade vom Naturschutz kenne ich einige Leute ...ich will mal gar nicht sagen, dass ALLES geheuchelt ist...aber zumindest zu einem großen Teil scheint es ihnen mehr ums eigene Ego zu gehen, als um die Sache. Ich führe das hier nicht weiter aus, weil offtopic, jedenfalls sind es Erfahrungswerte und keine Mutmaßungen.
izento hat geschrieben:
Mo 15. Jan 2018, 12:42
Wäre es nicht viel naturverbundener, wenn der Durchnschnitts-Stadtbewohner endlich mal sein Smartphone aus der Hand legen würde, die Glotze ausschalten, sich eine Jacke überwerfen und die 800 Meter bis zum nächsten Burgerladen zu Fuß gehen würde.
Dabei würde er sich viel mehr mit der Natur verbinden ... und wenn es nur der Regen ist der ihm ins Gesicht klatscht.
Und wenn er dann im Burgerladen einen Veggieburger isst (gerne auch mit einer Scheibe Käse) und auf Plastikbesteck verzichtet - um so besser.
Ja! Deswegen finde ich es auch wichtig, wenn man solche Menschen kennt, das zu sehen und zu loben, und dem mit Anerkennung zu begegnen auch wenn man selber nie auf die Idee kommen würde, die 800m zur Bushaltestelle als Herausforderung zu sehen.

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abendhirsch
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Re: Was ist Naturverbundenheit?

#22

Beitrag von abendhirsch » Di 16. Jan 2018, 23:25

Hei,
auch wenn die Diskussion schon etwas weiter gegangen ist, muss ich doch noch einmal auf die Begrifflichkeit zurückkommen:
LiH hat geschrieben:
Fr 12. Jan 2018, 13:38
Für mich ist neben Natur die Verbundenheit genauso wichtig. Sich dessen bewusst sein, dass man Teil des Großen Ganzen ist.
Absolut! Das sehe ich auch so.

Peregrin hat geschrieben:
Fr 12. Jan 2018, 17:23
LiH hat geschrieben:
Fr 12. Jan 2018, 14:19
Naja, im Endeffekt schaden wir doch alle, die in der "zivilisierten" Gesellschaft leben, oder?
Ja, weshalb ich die "Naturverbundenheit" in Hexen- und Heidenkreisen eher lediglich als "Naturinteresse" bezeichnen würde.
Nein, da muss ich vehement widersprechen. Ich bin naturinteressiert und naturverbunden ... weil ... (s.o., erstes Zitat)

Ich habe einen sehr geschätzten Kollegen, mit dem ich mich zuweilen austauschen kann. Er ist promovierter Physiker und Atheist. Er ist sehr naturinteressiert, aber nicht wirklich naturverbunden. Da gibt es einen klaren Unterschied.

Ich wünschee euch den Frieden der Nacht und den Segen der Götter.

LG & BB
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)O( Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als unsere Wissenschaftler uns erklären können.

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Re: Was ist Naturverbundenheit?

#23

Beitrag von Peregrin » Di 16. Jan 2018, 23:36

Eine Naturverbundenheit die sich lediglich in einem Bewusstsein ausdrückt, erscheint mir so abstrakt, dass es keinen Unterschied zu machen scheint, ob man dieses Bewusstsein hat oder nicht. Welche Konsequenz hat es denn letztendlich, wenn sich der naturbewusste Mensch ebenso verhält wie der naturunbewusste?

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Re: Was ist Naturverbundenheit?

#24

Beitrag von LiH » Mi 17. Jan 2018, 08:56

Peregrin hat geschrieben:
Di 16. Jan 2018, 23:36
Eine Naturverbundenheit die sich lediglich in einem Bewusstsein ausdrückt, erscheint mir so abstrakt, dass es keinen Unterschied zu machen scheint, ob man dieses Bewusstsein hat oder nicht. Welche Konsequenz hat es denn letztendlich, wenn sich der naturbewusste Mensch ebenso verhält wie der naturunbewusste?
Ich denke, es gibt keine "Naturverbundenheit die sich lediglich in einem Bewusstsein ausdrückt" gibt, weil das Besusstsein zwangsläufig Konsequemzem im Handeln nach sich zieht. Es kann nur sein, dass es nicht gleich die ganz großen, offensichtlichen Sachen sind, wie z.B. den kompletten Konsum auf Bio+Fairtrade umzustellen. Sondern vielleicht Subtileres. Hier Fehlverhalten von jemandem liebevoll verzeihen, da einen Regenwurm von der Straße aufheben, ein anderes mal die 800m zur Bushaltestelle zu Fuß laufen. Für mich ist bei der Frage nach der Konsequenz weniger wichtig "Wie weit ist der Mensch vom Idealzustand entfernt", sondern viel mehr "Wie viel Mühe, Herzblut und Energie verwendet er dafür, diesem Idealzustand näher zu kommen".

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Re: Was ist Naturverbundenheit?

#25

Beitrag von Lakeisha » Mi 17. Jan 2018, 09:06

Hallo Ihr Lieben,

gestern habe ich einen Bericht im TV gesehen, dass die EU darüber nachdenkt, eine Steuer auf Plastikverpackungen zu legen. Mh, ich fände sogar noch besser, bei gewissen Produkten ganz darauf zu verzichten - z.B. Gurken - warum müssen die im Discounter nochmal in Folie gepackt werden - und wieso die Bio-Gurken????? Nur um sie unterscheiden zu können? Meiner Meinung nach absurd. Was spricht dagegen, wie früher (so vor 30 - 40 Jahren) Gemüse in mitgebrachte Beutel zu packen, nachdem sie abgewogen wurden?? Auf dem Markt kaufe ich immer mit Beutel ein - finden viele Verkäufer gut, weil - sie sparen sich den Plastikbeutel :aufkopf: Beim Wocheneinkauf nutze ich meine Körbe und Stoff-Beutel. Habe sogar einen Iso-Korb für Kaltes.... geht. Diese Wiederverwendung nenne ich persönlich nachhaltig. Keines der gekauften Produkte schimmelt schneller oder verdirbt schneller. Nunja, vermutlich weil ich es auch verbrauche, bevor es schimmeln kann....

Naturverbundenheit.... will die EU wirklich auch was tun, sollte sie im Kleinen anfangen, nicht noch mehr Geld in die Kassen spülen, sondern Plastik in einigen Bereichen einfach verbieten, wo es wirklich verzichtbar ist. Obwohl - schon bei "verzichtbar" gäbe es vermutlich wieder endlose Diskussionen.... :girlie-gfk:

GlG, bb, Lakeisha
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Und: :kaffee: ;)

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Re: Was ist Naturverbundenheit?

#26

Beitrag von izento » Mi 17. Jan 2018, 10:03

abendhirsch hat geschrieben:
Di 16. Jan 2018, 23:25
Ich habe einen sehr geschätzten Kollegen, mit dem ich mich zuweilen austauschen kann. Er ist promovierter Physiker und Atheist. Er ist sehr naturinteressiert, aber nicht wirklich naturverbunden. Da gibt es einen klaren Unterschied.
Ich hoffe bzw. gehe davon aus, daß das nun nicht wieder ein Atheistenbashing werden sollte.
Denn ich denke die meisten Atheisten (einschließlich Satanisten und Buddhisten) sind genauso, wenn nicht sogar deutlich mehr, "naturverbunden" wie die Monotheisten und Pagane.
Ich würde nämlich Naturverbundenheit nicht gleichsetzen mit Naturspiritualität.

Der erste, wenn nicht sogar wichtigste, Schritt zur Naturverbundenheit ist für mich, zu akzeptieren daß der Mensch ein Teil der Natur ist und nicht ein übergeordnetes, höheres Wesen das sich die Natur untertan machen kann bzw. darf.

Denn ich kann nur mit etwas verbunden sein, mit dem ich mich auf die gleiche Stufe stelle oder von dem ich ein Teil bin.
...und es wird der Tag kommen dass die Welt versinkt im Chaos. Und wir werden auferstehen und tanzen auf den Ruinen.
Follow your dreams and be TRUE to yourself.
Der alte Narr sagt: Ich bin ein alter Weiser. Der alte Weise sagt: Ich bin ein alter Narr.

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Re: Was ist Naturverbundenheit?

#27

Beitrag von Peregrin » Mi 17. Jan 2018, 10:58

LiH hat geschrieben:
Mi 17. Jan 2018, 08:56
Ich denke, es gibt keine "Naturverbundenheit die sich lediglich in einem Bewusstsein ausdrückt" gibt, weil das Besusstsein zwangsläufig Konsequemzem im Handeln nach sich zieht.
Das bezweifle ich eben, denn das was du "subtil" nennst, würde ich jetzt mal ganz provokativ - das ist mir bewusst - als Makulatur bezeichnen. Als etwas, das wir tun, um unserem Selbstbild als Naturfreunde gerecht zu werden und uns selbst noch im Spiegel angucken zu können.
Wir wissen im Grunde aber, dass die Lebensart, die uns der Kapitalismus diktiert, zutiefst krank ist. Wir können diese Krankheit nicht überwinden, solange wir als Teil dieser Gesellschaft leben, darum ist hier mal ein wenig Bio kaufen, da mal ein wenig mit dem Bus fahren, im Grunde genommen nur Akte der Hilflosigkeit.

Wenn wir als normales Mitglied unserer Gesellschaft leben, sind wir nun mal Umweltsäue. Wirklich konsequent ist in unserem Umweltverhalten keiner. Die Schmerzgrenze in Bezug auf das, auf was wir verzichten würden, liegt nur unterschiedlich hoch. Und in den Bereichen in denen sie uns zu hoch liegt, fangen wir an nach Rechtfertigungen für unser Handeln bzw. Nichthandeln zu suchen.

Vieles, was anders zu machen wäre, gelangt ja nicht einmal mehr in unser Bewusstsein, weil es so abseits unserer Lebensrealität wäre. Nur essen um den Hunger zu befriedigen, nicht weil es lecker ist? Nicht nur sich selbst vegan ernähren, sondern dann auch konsequent auch auf die Freundschaft des fleischessenden Haustieres verzichten? (Überhaupt: Haustiere. Die halten wir zu unserem Vergnügen in Gefangenschaft und ihre Zuneigung zu uns entspringt dem Stockholm-Syndrom. Welches Wohnungstier würde es nicht vorziehen in Freiheit unter Artgenossen zu leben anstatt im goldenen Käfig mit der Kreatur einer anderen Rasse, dessen Willen und Regeln unterworfen?) Auf den Gebrauch aller elektronischen Geräte verzichten, so der Gebrauch nur unserer Unterhaltung und Zerstreuung dient?

Denken wir nicht auch bei solchen größeren und großen Verzichten - die allerdings der wahrhaft konsequente Ausdruck eines naturliebenden Bewusstsein wären - es bringt der Natur überhaupt nichts, wenn ich alleine das so mache, aber Millionen andere Menschen um mich herum weiter wie gewohnt verbrauchen und verschmutzen. Warum soll ich mir also solche Entbehrungen auferlegen?

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Re: Was ist Naturverbundenheit?

#28

Beitrag von LiH » Mi 17. Jan 2018, 14:50

Peregrin hat geschrieben:
Mi 17. Jan 2018, 10:58
LiH hat geschrieben:
Mi 17. Jan 2018, 08:56
Ich denke, es gibt keine "Naturverbundenheit die sich lediglich in einem Bewusstsein ausdrückt" gibt, weil das Besusstsein zwangsläufig Konsequemzem im Handeln nach sich zieht.
Das bezweifle ich eben, denn das was du "subtil" nennst, würde ich jetzt mal ganz provokativ - das ist mir bewusst - als Makulatur bezeichnen.

Für mich kommt es eben komplett darauf an, woher der Mensch kommt, wohin er sich bewegt und was sein Antrieb ist. Weil, wie Du selber schreibst, "Wir wissen im Grunde aber, dass die Lebensart, die uns der Kapitalismus diktiert, zutiefst krank ist." Da raus zu kommen ist ein Prozeß, bei dem jeder mit anderen Voraussetzungen startet. Für mich war es vor einigen Jahren fast wie eine Erleuchtung, einen Gundermann erkennen zu können und herauszufinden, dass ich mir kein Duschgel in Plastikflaschen kaufen muss, sondern mich mit Seife waschen kann. Klingt lächerlich - für mich war es keine Makulatur, sondern der erste Schritt auf einem wunderschönen Weg. Auf der anderen Seite klingt es wahnsinnig vorbildlich, dass ich nahezu 100%-ig ethisch einwandfreie Klamotten habe. Also nicht so ein "Kram" wie Bio und FairTrade, sondern richtig made in Germany, langlebig, ohne Transportwege undso. Wer kann da schon mithalten? Ist aber Makulatur, was mein Naturverbundenheits-Karma-Konto angeht. 1. kann ich mir berufsbedingt selber alles nähen, habe Freude daran, es ist für mich billiger, weil ich nur die Stoffe bezahlen muss und 2. passen mir gekaufte Sachen sowieso nie und ich will aus Eitelkeit und Egoismus hübsch aussehen, ich mache das gar nicht aus Idealismus oder Naturverbundenheit.

Ich hoffe man versteht, worauf ich hinaus will...

Peregrin hat geschrieben:
Mi 17. Jan 2018, 10:58
Wir wissen im Grunde aber, dass die Lebensart, die uns der Kapitalismus diktiert, zutiefst krank ist. Wir können diese Krankheit nicht überwinden, solange wir als Teil dieser Gesellschaft leben, darum ist hier mal ein wenig Bio kaufen, da mal ein wenig mit dem Bus fahren, im Grunde genommen nur Akte der Hilflosigkeit.

Wenn wir als normales Mitglied unserer Gesellschaft leben, sind wir nun mal Umweltsäue. Wirklich konsequent ist in unserem Umweltverhalten keiner. Die Schmerzgrenze in Bezug auf das, auf was wir verzichten würden, liegt nur unterschiedlich hoch. Und in den Bereichen in denen sie uns zu hoch liegt, fangen wir an nach Rechtfertigungen für unser Handeln bzw. Nichthandeln zu suchen.
Ich bin stimme dem weitestgehend zu, und auch den Sachen, die weiter unten im Text stehen. Nur - was ist für Dich eine sinnvolle Konsequenz daraus? Wenn wir alle Umweltsäue sind, die an der Krankheit der vom Kapitalismus diktierten Lebensart leiden, was wäre für Dich ein konsequenter und vor allem praktikabler Weg, den ein naturverbundener Mensch gehen kann bzw. sollte?

Weil..das hier ist theoretisch machbar, aber nicht wirklich lebensbejahend:
Bodecea hat geschrieben:
Fr 12. Jan 2018, 15:58
Möglichst viel Askese, nur noch selbst gezogene Rüben essen und ansonsten still vor mich hin weinen, weil ich so schlecht bin?

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Re: Was ist Naturverbundenheit?

#29

Beitrag von Peregrin » Sa 20. Jan 2018, 21:12

LiH hat geschrieben:
Mi 17. Jan 2018, 14:50
Nur - was ist für Dich eine sinnvolle Konsequenz daraus? Wenn wir alle Umweltsäue sind, die an der Krankheit der vom Kapitalismus diktierten Lebensart leiden, was wäre für Dich ein konsequenter und vor allem praktikabler Weg, den ein naturverbundener Mensch gehen kann bzw. sollte?
Ich sehe da eigentlich keinen Weg raus, wenn man nicht bereit ist, radikal auszusteigen. Jeder sollte das tun, was er/sie kann. Nur sollten wir uns bewusst sein, dass es eine Illusion ist, das wir damit naturverbundener sind als Vertreter anderer Religionen. (Christen sind längst von dem "macht euch die Erde untertan"-Trip runter, das Problem sind heute die Materialisten aller Couleur.

Duke Meyer, Vicky Gabriel und andere Bekanntheiten aus der Hexen- und Heidenszene geben immer mal wieder schöne Beispiele dafür, wie es oft mit der Natuverbundenheit in der Praxis aussieht: Der Heide, der bei der Ritualvorbereitung im Wald die ganze Zeit mit seinem Handy telefoniert und beim Ritual als erster was von den kraftvollen Naturgeistern erzählt, die Hexe, die zu einem Ritual für die Stärkung der Landgeister fährt, und als sie dort darauf aufmerksam gemacht wird, dass ihr Auto Öl verliert, erklärt, das sie das wüsste, aber sie hätte nun mal keine andere Gelegenheit gehabt zum Versammlungsort zu kommen ...

Ich denke, da jeder seine eigenen Definitionen setzt, was "Naturverbundenheit" für ihn bedeutet, kann es da leicht zu solchen Widersprüchen kommen, für die man selbst dann besonders betriebsblind ist, wenn man sein Interesse für die Natur und seine Liebe für ihre schönen Seiten mit Verbundenheit verwechselt.

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Re: Was ist Naturverbundenheit?

#30

Beitrag von LiH » So 21. Jan 2018, 11:56

Peregrin hat geschrieben:
Sa 20. Jan 2018, 21:12
Ich sehe da eigentlich keinen Weg raus, wenn man nicht bereit ist, radikal auszusteigen. Jeder sollte das tun, was er/sie kann.
Spannend - denn für mich ist der 2. Satz genau der Weg raus...

Peregrin hat geschrieben:
Sa 20. Jan 2018, 21:12
Nur sollten wir uns bewusst sein, dass es eine Illusion ist, das wir damit naturverbundener sind als Vertreter anderer Religionen.
Vor allem glaube ich, dass genau mit dieser Denkweise "wir sind in irgendeiner Hinsicht besser als die" viele der Probleme überhaupt erst entstehen. Vielleicht ist es so, vielleicht auch nicht, meiner Meinung nach sollte es nicht darum gehen, sich irgendwem überlegen zu fühlen, sondern um die eigenen Werte und Möglichkeiten.
Peregrin hat geschrieben:
Sa 20. Jan 2018, 21:12
Ich denke, da jeder seine eigenen Definitionen setzt, was "Naturverbundenheit" für ihn bedeutet, kann es da leicht zu solchen Widersprüchen kommen, für die man selbst dann besonders betriebsblind ist, wenn man sein Interesse für die Natur und seine Liebe für ihre schönen Seiten mit Verbundenheit verwechselt.
Ja, das denke ich auch. Gleichzeitig finde ich es extrem wichtig, da nicht allzuschnell Urteile über andere zu fällen. Für mich ist Naturverbundenheit weniger ein Zustand, sondern vielmehr ein Prozeß. Mag sein, dass sich der andere einfach nur am Anfang befindet.

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