Heilkräuter nutzen?

Solaris
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Heilkräuter nutzen?

#1

Beitrag von Solaris » Di 9. Jan 2018, 12:32

Hallo ihr lieben,

ich bin neu hier und ich hab noch kein Thema konkret nur zu Heilkräutern gefunden... :liebegrüße: Mich würde interessieren, wie groß der Bereich für euch ist und ob ihr das in euren Alltag integriert? Wie habt ihr die Kräuter kennen gelernt? Alles selbst beigebracht? Hattet ihr einen Lehrer?

Wie viel Kraft steckt tatsächlich in den Heilkräutern? Welche Bereiche deckt ihr im Alltag damit ab?

Das ist auf jeden Fall ein Bereich, in dem ich mehr lernen will und in dem ich mich professionalisieren möchte. Würde mich über ein paar Rückmeldungen von euch freuen!

Liebe Grüße!

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Stadteule
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Re: Heilkräuter nutzen?

#2

Beitrag von Stadteule » Di 9. Jan 2018, 12:56

Hallo Solaris,

ich finde Phytotherapie sehr spannend und spreche besser darauf an, als auf viele allopathischen Heilmittel (was sicherlich auch an der psychischen Placebo-Nocebo-Komponente liegt, aber das spielt für mich keine Rolle, ich bin ja nicht nur Körper). Kennen gelernt habe ich das als Kind und Jugendliche auf eher "flacher Ebene", weil meine Oma ihre Salben selbst gemacht hat, meine Patentante als Ärztin Salben selbst gemischt hat und ich das Maria-Treben-Buch meiner Mutter so spannend fand. Allerdings habe ich es bei mir immer im für mich praktischen und hilfreichen low-level-Umfang gelassen: Heilsalben, Tinkturen, kosmetische Anwendungen und Tees für Erkältung, Schmerzen etc...
Im Laufe der Jahre habe ich begonnen, die Pflanzen, die ich dafür regelmäßig brauche und die nicht ohnehin als "Unkraut" hier wachsen, im Garten anzubauen, so dass ich sie jedes Jahr neu verwenden kann.

Eine Freundin von mir beschäftigt sich als Biologin und Kräuterpädagogin beruflich mit der Thematik und es beeindruckt mich immer wieder, wie viel sie weiß und wie wirksam ihre Tipps sind.

In welcher Weise stellst Du Dir eine professionelle Umsetzung für Dich vor?



LG, Stadteule
Wer sie nicht kennte, Die Elemente, Ihre Kraft und Eigenschaft, wäre kein Meister über die Geister. (J.W.v.Goethe)

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Hagezorn
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Re: Heilkräuter nutzen?

#3

Beitrag von Hagezorn » Di 9. Jan 2018, 14:50

Zur Zeit darf ich in einer anthroposophischen Klinik arbeiten.
Dort bin ich überrascht und gespannt,was man alles für Pflanzen verwenden kann.
Ein wenig Salbe,ein wenig Tee.....habe ich schon vorher gemacht.
In der Pflanzenheikunde lernt man nie aus!
Wer uns Denken erspart, erspart uns Schmerzen, wie ein Arzt, oder ein Drogenhändler.
Dushan Wegner

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Bodecea
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Re: Heilkräuter nutzen?

#4

Beitrag von Bodecea » Di 9. Jan 2018, 16:09

Hallo,

ich bin schon als Kind begeistert mit einem Heilkräuterlexikon durch die Gegend gestapft, habe gelernt und gesammelt, es liegt mir. Ich kenne mich auch gut mit den Heilwirkungen von kultiviertem Gemüse- und essbaren Wildpflanzen aus; es haben ja durchaus auch viele Pflanzen, die man vor allem als Nahrungsmittel nutzt, heilsame Einflüsse (Beispiel: Kohl!). Ich versuche, mich beim Erkennen und Bestimmen von Pflanzen immer weiterzubilden; bei essbaren Wildkräutern bin ich schon ganz gut und biete auch geführte Touren an. Ein Freund von uns ist Biologe, von dem lerne ich in letzter Zeit auch viel.

Zur Krankheitsbehandlung greife ich allerdings meist aus Faulheit, z. T. auch zur Sicherheit auf standardisierte Mittel zurück - Tees, Salben, Tabletten. Phytotherapie ist meist meine erste Wahl bei einer Medizin, außer bei innerlich angewendeten Schmerzmitteln und Antibiotika, sollte das mal nötig sein. Worauf ich nicht so stehe, sind die ganzen "In-Pflanzen", die um die halbe Welt geschippert werden und die dann jeder in seine Smoothies kippt.

Für mich ist es eine so tolle und faszinierende Sache, dass die netten Pflanzen Stoffe produzieren, die uns Menschen, ihren Fressfeinden, helfen. Finde ich sehr anständig von denen.

LG
Bodecea
Tu was du willst, aber trage dann auch die Konsequenzen.

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Hagezorn
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Re: Heilkräuter nutzen?

#5

Beitrag von Hagezorn » Di 9. Jan 2018, 16:16

Man könnte es auch anders sehen...
Pflanzen richten uns ab,damit wir uns um sie kümmern.....
Es fehlt nur der Beweis.
Wer uns Denken erspart, erspart uns Schmerzen, wie ein Arzt, oder ein Drogenhändler.
Dushan Wegner

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Peregrin
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Re: Heilkräuter nutzen?

#6

Beitrag von Peregrin » Di 9. Jan 2018, 16:17

Hallo Solaris,

Was das Lernen betrifft, finde ich, kommt es immer darauf an, was man möchte. Die ein bis zwei Dutzend Heilkräuter für den eigenen Garten kennenlernen und die intensiv nutzen? Wofür genau? Küche, Kosmetik, Arznei (für wen? Menschen oder Tiere? Das kann einen großen Unterschied machen!), "schamanische Reisen", Pflanzenkommunikation?
Oder möchte man jede Menge Wildkräuter erkennen? Möchte man beruflich etwas in der Art machen? Eine Zusatzausbildung? Und so weiter.
Für manche Zwecke mach es reichen, sich ein paar gute Bücher zuzulegen, für andere ist es ratsamer, z.B. hin und wieder einen VHS-Kurs mitzumachen und an Kräuterwanderungen teilzunehmen. Für andere Bereiche würde ich eine tatsächliche Ausbildung empfehlen, die sich mit der Praxis beschäftigt und über eine langen Zeitraum geht.

Auch wieviel Kraft in den Heilkräutern steckt, kann man so pauschal nicht sagen.
Das ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich, zum Beispiel u.a. abhängig von diversen Wuchs- und Erntebedingungen. Und vor allem auch von Mensch zu Mensch: Manche reagieren sehr empfindlich und können z.B. nach der Einnahme eines Mazerats aus Camellia sinensis (sprich einer Tasse Schwarztee :green: ) nicht einschlafen und sind hellwach, andere stört das hingegen kein bißchen.

Es kommt da auch sehr auf die Zubereitungsart an. Heiß- oder Kaltwasserauszug, Tinktur, Ölauszug, ect. der selben Pflanze extrahiert andere Wirkstoffe bzw. Wirkstoffmengen ein und derselben Pflanze. Wenn du in den Bereich Spagyrik, Bachblüten und Homöopathie gehst, kommen noch mal jede Menge anderer Faktoren dazu, die eine Rolle spielen.

Was das Lernen besonders im Pflanzenbereich betrifft: Das Tolle dabei: Man lernt nie aus und vielen greift ineinander. Ist wie bei einer Patchworkdecke, an die immer noch ein neuer Flicken dranpasst um das Muster zu erweitern.

Caolainn
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Re: Heilkräuter nutzen?

#7

Beitrag von Caolainn » Di 9. Jan 2018, 16:27

Hallo Solaris,
ich habe in einer Tierheilpraktikerausbildung festgestellt,dass klassische Phytotherapie genau mein Thema ist.Allerdings würde diese in der Ausbildung nur angeschnitten und ich habe angefangen,mich selber mit Pflanzenheilkunde und Pflanzen zu beschäftigen.Zunächst mal habe ich nur viel gelesen und jetzt endlich,seit 2 Jahren,habe ich einen kleinen Kräutergarten.Dann kaufe ich Pflanzen oder Samen,auch von Wildkräutern und lasse sie wachsen,um sie kennenzulernen.Die die bleiben wollen bleiben,bei den anderen weiss ich dann wenigstens,wie sie aussehen,riechen und schmecken,wenn ich sie draussen finden möchte.Bisher habe ich nur klassische Dinge wie Johanniskrautöl,Arnikatinktur und Tees gemacht.Aber ich habe ja Zeit und das Gärtchen entwickelt sich ja auch weiter.Ich hoffe nur,der nächste Sommer wird nicht so trocken,der letzte hat sogar zum Teil den Thymian verbrannt.

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Re: Heilkräuter nutzen?

#8

Beitrag von abendhirsch » Di 9. Jan 2018, 22:02

Hei Solaris,
danke für das tolle Thema!
Ich habe jahrelang nur ganz selten in Büchern gelesen, die ich schon ewig im Schrank stehen hatte. Vor einiger Zeit (Midlifecrisis?!) habe ich dann in mancherlei Hinsicht gedacht, ich müsste jetzt etwas explizit für mich tun, und habe u.a. intensiver gelesen, Kurse besucht, Wanderungen mitgemacht.
Ich kann Seminare und Wanderungen bei der Volkshochschule und anderen Anbietern nur empfehlen. Dadurch kann man dann auch Kontakte zu anderen Kräuterhexen bekommen. Da lassen sich sehr interessante Leute kennenlernen!
Tja, im Alltag ... bei uns eher wenig, aber Tendenz leicht zunehmend ... ist halt beeindruckend, wenn man z.B. bei einer Wanderung dem Sohn eines Kollegen ein paar ordentlich gewalkter Spitzwegerichblätter auf den fetten Wespenstich reiben und sehr bald eine Wirkung erzielen kann ...
Ich denke, ich weiß über Kräuter mehr als die allermeisten in meinem alltäglichen Umfeld, aber das ist eigentlich noch sehr wenig, aber auch hier Tendenz zunehmend ...
LG
abendhirsch
)O( Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als unsere Wissenschaftler uns erklären können.

Solaris
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Re: Heilkräuter nutzen?

#9

Beitrag von Solaris » Mo 15. Jan 2018, 16:21

Hallo! Danke für die vielen, tollen Antworten! Hatte ich gar nicht mit gerechnet, wenn ich ehrlich bin...
Eigene Salben herzustellen, Tinkturen oder einen eigenen Kräutergarten - ein Traum!
Mich überrascht, wie viele von euch sich schon eingehend damit auseinander gesetzt haben. Ich meinte mit professionalisieren nicht, dass ich das beruflich machen will, aber weil ihr jetzt so viel von Phytotherapie erzählt habt (besonders Caolainn und die Heilpraktikerausbildung haben mich inspiriert), habe ich mal recherchiert, was man so an VHS Kursen machen kann. Sieht leider relativ mau aus und da dachte ich an eine Art Fernstudium oder Lehrkurs in Phytotherapie? Ich hab zb das gefunden, was einen ganz guten Eindruck macht. Hat das jemand von euch gemacht?

Wer hat noch Erfahrungen in Bachblüten? Ich kenne die nur aus der Apotheke vor Prüfungen und die verschiedenen Zusammensetzungen für Tiere. Noch viel zu lernen, denke ich mir.

Ach, ein bisschen bin ich auch neidisch auf die, die damit aufgewachsen sind. Ich muss mir das jetzt mühsam zusammensuchen, das Wissen.

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Peregrin
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Re: Heilkräuter nutzen?

#10

Beitrag von Peregrin » Mo 15. Jan 2018, 17:17

Hallo Solaris,

wie teuer ist denn das von dir verlinkte Fernstudium, hast du danach schon mal recherchiert? (Ich würde so etwas nur ins Auge fassen, wenn du das als Weiterbildung bezahlt bekommst, beruflich irgendwie verwenden oder irgendwie von der Steuer absetzen kannst.) Ich spreche aus Erfahrung. :mad3:

Ich kann auch sagen, dass das Angebot an "Phyto-Ausbildungen" (unter allen möglichen Bezeichnungen) z.Z. gigantisch ist.

Da bekommt man wirklich alles angeboten und muss ausführlich vergleichen. Von der Zusatzausbildung für Heilpraktiker und anderen Leuten mit medizinischem Hintergrundwissen auf wissenschaftlicher Basis bis hin zu Kurse in Bäume-Umarmen und Kontakt mit Sylphen aufnehmen ist alles dabei. Und vor allem ganz viel zwischen diesen beiden Polen. Eben auch angeboten von Leuten mit fundierter Ausbildung bis hin zu windigen Esoterikern.
Bei manchen hast du später zwar ein hübsches "Diplom" an der Wand hängen aber viel Geld ausgegeben für Zeug, was aus Büchern genauso gut zu lernen gewesen wäre. Ohne zusätzliche Gebühren und Fahrtkosten. (Da der "Dozent" auch nichts anderes tut, als dir das von ihm mundgerecht aufbereitete Bücherwissen vorzusetzen.)

Ich würde mir an deiner Stelle viel Zeit nehmen, dir alle Angebote raussuchen die in deinem Umkreis von verschiedenen Seiten aus angeboten werden, und dann mal preislich und inhaltlich vergleichen und vorher gut überlegen, was du überhaupt lernen und was du mit dem Wissen anfangen willst. Bei einem Fernstudium hast du z.B. nur theoretisches Wissen. Andere Anbieter haben hingegen einen eigenen Heilkräutergarten und ihre Kurse beeinhalten das praktische Verarbeiten der Pflanzen. Oder sie haben ihre Stellen in der Umgebung, von denen sie genau im Laufe des Jahres wissen, wo da was wächst und gerade zu sammeln ist.

Es gibt nicht nur die VHS, auch viele andere (semi-)private Anbieter, die manchmal sogar kleine "Phyto-Schulen" betreiben mit 3-4 Dozenten.
Oft bieten private Experten Kurse über die üblichen Stellen der Erwachsenenbildung an. So gibts auch vielleicht Kurse von deiner regionalen Stelle des NABU oder des BUND oder von einem Naturpark. Die haben oft Sachen wie Kräuterwanderungen, bieten aber auch Ausbildungen z.B. zum Pilz-Coach an.

Auch mal ganz altmodisch abseits des Internets in der Tageszeitung gucken oder bei der Tourismus- oder Stadt-Info, wo häufig Flyer der entsprechenden Leute ausliegen bzw. man an Institutionen gerät, die man bis dahin gar nicht kannte, und sich wundert, was es in der eigenen Region alles abseits der VHS gibt, und was die alles anbieten. Selbst kirchliche Organisationen bieten "kräuterhexische" Sachen an. :) (Die entsprechenden Dozenten müssen sich nämlich breit aufstellen, um davon leben zu können.)

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