Ahnenfeste

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Etain
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Re: Ahnenfeste

#21

Beitrag von Etain » Mo 21. Okt 2019, 07:03

Kätzchen2904 hat geschrieben:
So 20. Okt 2019, 08:39
Wie ist denn das wenn man Ahnen hat, die sich untereinander nicht grün sein können? Die väterliche Seite stammt von einem SS General - damit irgendwie die kriegstreiberseite - ab und die mütterliche stammt aus Frankreich und Polen. Meine leibliche Uroma ist beim einsammeln von Verletzten über eine Landmine gefahren. Hat sowas Auswirkungen? Ist halt echt ne krasse Diskrepanz zwischen beiden Seiten.
Ich habe eine ähnliche Mischung: französische Seite war aktiv in der Resistence und die Deutsche aktiv bei den Nazis. Trotzdem waren beides meine Ahnen und Menschen. Wir pflegen in meiner Familie einen sehr speziellen Ahnenkult - nicht slawisch, soviel ich weiß. Das wichtige dabei ist bei uns, das respektieren der Individualität und eine positive Grundhaltung ohne die Schattenseiten zu negieren. Natürlich hat jede Lebensgeschichte ihre Auswirkungen. Es liegt gleichzeitig in unserer Hand wie wir selbst in unserem Leben mit der Lebensgeschichte anderer umgehen und was wir von unseren Ahnen übernehmen. Wir sind die Nachfolge und nicht nur Schatten unserer Ahnen!
LG,
Etain

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izento
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Re: Ahnenfeste

#22

Beitrag von izento » Mo 21. Okt 2019, 07:22

Hekate hat geschrieben:
Sa 19. Okt 2019, 21:55
Wollen wir "reine" Heiden, müssen wir, gut + gerne, ein weiteres Jahrtausend zurück gehen.
Also soweit wollen wir es nun doch nicht treiben.
Also ich treibe es soweit und sogar noch weiter.
Wollen wir uns wirklich vom Christentum und seinen Vorläufern lösen, so müssen wir mindesten bis ins 1. Jahrtausend VOR Christus gehen.

Denn spätestens seit 400 n. Chr. fiel das Christentum über alle hier her. :papst:
...und es wird der Tag kommen dass die Welt versinkt im Chaos. Und wir werden auferstehen und tanzen auf den Ruinen.
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atemkristall
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Re: Ahnenfeste

#23

Beitrag von atemkristall » So 27. Okt 2019, 00:32

Ich vertrete das Statement, das ich vertrete. Meine Vorfahren waren selbstverständlich auch als Christen, und nur von diesen gibt es Überlieferungen und Dokumente, eingebunden in ihre sozialen und politischen Bindungen. Dazu gehörte unter Umständen auch "buckeln" sowohl unter Königen, als auch Kaisern und sogar in einem Zweig unter dem Zaren. Ob das anders war, als sie "Heiden" waren, bezweifle ich. Freie Abenteurer waren, soweit ich weiß, keine darunter, bei Helden kommt es sehr auf die Definition an (der Begriff ist für mich eher belastet) und natürlich waren viele Bauern und Landwirte, einige Handwerker, einige aber auch Soldaten und Krieger, einige Mörder sind leider auch dabei und einiges an Klerus. Für diese Familiengeschichte kann ich nichts, dafür habe ich nichts getan. Warum mein Statement unkritisch sein soll, verstehe ich nicht und warum ich unterschwellig in einer nationalistischen Ecke lande schon gar nicht. Oder hab ich was falsch verstanden?
Beste Grüße vom
atemkristall

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Hagezorn
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Re: Ahnenfeste

#24

Beitrag von Hagezorn » So 27. Okt 2019, 07:37

Von meiner Seite nicht.
Ich verstehe auch nicht warum das nationalistisch sein soll stolz auf seine Ahnen zu sein.
Menschen brauchen einen Glauben,sonst hätte Ihre Existenz keinen Sinn....

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atemkristall
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Re: Ahnenfeste

#25

Beitrag von atemkristall » So 27. Okt 2019, 10:27

Hagezorn hat geschrieben:
So 27. Okt 2019, 07:37
Von meiner Seite nicht.
Ich verstehe auch nicht warum das nationalistisch sein soll stolz auf seine Ahnen zu sein.
Na, vielleicht, weil es problematisch ist, auf etwas stolz zu sein, wozu Du selbst keinerlei Beitrag geleistet hast. Meiner Erfahrung nach sind eben Leute, die sich qua Geburt ein stolzbegründendes Selbstbewusstsein aneignen entweder adelig oder eben nationalistisch.

Beste Grüße vom
atemkristall

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Peregrin
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Re: Ahnenfeste

#26

Beitrag von Peregrin » So 27. Okt 2019, 10:30

@ Atemkristall:

Ich bezog mich auf die Aussage: "Wir sind Heiden, unsere Weltanschauung und unser Glaube sind von unseren Vorfahren geerbt."

Wie ich schrieb, ist das leider ein Statement, das von der unkritischeren (meist nationalistischen) Seite der Neuheiden gerne vertreten wird.

Ich zumindest habe meinen Glauben und meine Weltanschauung ganz sicher nicht von vorchristlichen Ahnen geerbt.

Erstens ist das Neuheidentum etwas anderes als das Heidentum, welches meine vorchristlichen Ahnen gelebt haben (wir kennen nun mal trotz aller Forschung von dem tatsächlichen vorchristlichen Glauben nur Bruchstücke. Die späte Skandinavische Literatur kann man kaum auf die Lebens- und Glaubenspraxis einige Jahrhunderte früher auf dem Kontinent übertragen. Das wäre genauso absurd als würde man glauben die modernen Christen würden die selbe Lebenspraxis, Glaubensanschauung haben wie die Christen im Nahen Osten in der Antike.).

Zweitens ist unsere Weltanschauung durch die naturwissenschaftlichen Moderne mit all ihrem (Un-)Wissen geprägt. Ich kann z.B., selbst wenn ich wollte, nicht zurückgehen zu einem vormodernen Weltbild und z.B. vergessen, dass elektrostatische Aufladungen für Wetterphänomene verantwortlich sind. Ich werde nie die Sorge meiner Ahnen nachvollziehen oder nachempfinden, die atropäische Maßnahmen gegen den gefürchteten Blitzeinschlag in ihrem Haus unternommen haben, wie Gebete, Kräuter verbrennen, Kerzen anzünden, etc. da ich weiß, dass ich sicher und gefahrenlos in einem Haus mit Blitzableiter sitze.)
Und ich bin auch z.B. nicht wie selbstverständlich mit dem Wissen um hugr,hamr, fylgja und ähnlichen Konzepten aufgewachsen, sondern mit einem, das in Leib und Seele alleine unterteilt. Mein heidnisches Wissen ist angeeignet, nicht geerbt.

Und um weitere Diskussionen in der Richtung vorzubeugen: Ich habe nicht gesagt, dass per se jeder, der die Ansicht vertritt, er hätte seinen Glauben geerbt, nationalistisch sei oder dass gar der Stolz auf die eigenen Ahnen nationalistisch sei.
(Obwohl ich "Stolz" in dem Zusammenhang nicht wirklich verstehe. Absolut jeder Mensch hat Ahnen, auf die per se Stolz zu sein ist so, als wäre ich Stolz darauf, zehn Finger zu haben. Das gehört nun mal zur menschlichen Grundausstattung. Oder warum stolz auf etwas sein, was jemand in meiner Ahnenreihe errungen hat? Ich schäme mich ja auch nicht für die Greueltaten, die jemand aus meiner Ahnenreihe vollbracht hat. Ich würde mir beide Schuhe nicht anziehen und erst recht nicht mit nur einem davon herumlaufen. :green: )
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Hagezorn
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Re: Ahnenfeste

#27

Beitrag von Hagezorn » So 27. Okt 2019, 11:36

atemkristall hat geschrieben:
So 27. Okt 2019, 10:27
Hagezorn hat geschrieben:
So 27. Okt 2019, 07:37
Von meiner Seite nicht.
Ich verstehe auch nicht warum das nationalistisch sein soll stolz auf seine Ahnen zu sein.
Na, vielleicht, weil es problematisch ist, auf etwas stolz zu sein, wozu Du selbst keinerlei Beitrag geleistet hast. Meiner Erfahrung nach sind eben Leute, die sich qua Geburt ein stolzbegründendes Selbstbewusstsein aneignen entweder adelig oder eben nationalistisch.

Beste Grüße vom
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Sie haben überlebt.
Sie haben Hunger durchstanden und Krankeiten getrotzt.
Wenn das nicht anerkennenswert ist.....
Ansonsten finde ich es schade Peregrin,das Du so denkst.
Ich hatte meine Großeltern gerne.
Viele Geschichten konnten sie mir nicht erzählen....zum Beispiel wie sie meinen Opa den Werkzeugmacher aus der Tschechei rausschmuggeln mußten......
Einerseits stelle ich mir die Frage in Gedenken -wie bewerte ich mein Leben.
Werden meine Kinder ihr Leben auch nur als Grundausstattung sehen? Nicht als Ergebnis einer großen Liebe?
Dein Post wirft ein ganzes Rudel an Fragen auf.
Sicher wir kennen uns nicht persönlich.Und wir wollen auch kein Seelenstriptese machen.
Aber wie ich mit meiner Vergangenheit umgehe zeigt wie ich mich heute definiere und sehe-und verspricht mir was ich in Zukunft hoffen darf.
Mir sind fremde Schubladen egal.
Was Neuheiden glauben oder nicht ist sehr pauschalisiert.
Ich glaube darüber könnte man noch viel mutmaßen.
Wissen tut man es nur,wenn man fragt.
Menschen brauchen einen Glauben,sonst hätte Ihre Existenz keinen Sinn....

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Re: Ahnenfeste

#28

Beitrag von Hekate » So 27. Okt 2019, 15:30

atemkristall hat geschrieben:
So 27. Okt 2019, 10:27
Hagezorn hat geschrieben:
So 27. Okt 2019, 07:37
Von meiner Seite nicht.
Ich verstehe auch nicht warum das nationalistisch sein soll stolz auf seine Ahnen zu sein.
Na, vielleicht, weil es problematisch ist, auf etwas stolz zu sein, wozu Du selbst keinerlei Beitrag geleistet hast. Meiner Erfahrung nach sind eben Leute, die sich qua Geburt ein stolzbegründendes Selbstbewusstsein aneignen entweder adelig oder eben nationalistisch.
Oder beides!

Und vereinzelt => pseudo-heidisch!
Das alles sind meine,
persönlichen Einstellungen, Einsichten und Meinungen.
Niemand braucht mir da zu zustimmen.
Ich, sehe es so und meine es so.
Und das ist schon alles.

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Re: Ahnenfeste

#29

Beitrag von Peregrin » So 27. Okt 2019, 18:18

Hagezorn hat geschrieben:
So 27. Okt 2019, 11:36
Ansonsten finde ich es schade Peregrin,das Du so denkst.
Warum? :nixweiss:

Was Geschichten über Groß- und Urgroßeltern anbelangt - die sind genau das: Geschichten. Da werden Menschen auf singuläre Ereignisse und Taten reduziert, die man mit ihnen verknüpft oder die man von ihnen weiß, es wird aber nicht mehr der tatsächliche Mensch gesehen, mit seinen Vorlieben, seinen Ängsten, seinen Wünsche, seinen Träume, seinem alltäglichen Leben und Tun, das ihn viel mehr prägten und ausmachten als die paar hervorstechenden Taten, über die Geschichten erzählt werden.

Mir ist klar, das Ahnen (gerade bei Neuheiden) sehr viel mit Identitätsstiftung zu tun haben (darum werden ja die christlichen gerne außer Acht gelassen, da die schlecht zur Identitätsstiftung als Hex' und Heide passen). Man kann sich selbst in anderem Licht sehen, wenn man sich als Nachfahre von (hier die Wahrsagerin, den tapferen Wiederstandkämpfer, den berüchtigten Schmuggler, den germanischen Krieger, den stolzen Kelten oder ähnlichen einsetzen) sieht. Das möchte ich aber nicht.

Das, was ich von meinen Ahnen abbekommen habe, sind konkrete Energien: Diverse Ängste und psychische Folgen der (Nach-)Kriegszeit. Die künstlerische Ader der Großmutter der mütterlichen Seite, die fast alle ihrer Nachkommen teilten, usw.
Das ist das, was mich konkret beeinflusst und zum Teil als ihr Nachfahre ausmacht - nicht irgendeine singuläre Tat eines aus der Masse der Ahnen herausgepickten Vorfahren, nicht der Adelstitel, nicht der Beruf oder die Staats- oder gar Stammeszugehörigkeit eines weit entfernten Urahns.

Mein eigenes Leben bewerte ich nicht im Lichte dessen, wer meine Ahnen waren (bzw. nach den winzigen Bruchstücken, die ich von deren Leben kenne). Daran finde ich nun wirklich nichts schade. :girlie-oh-my-god:
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Hagezorn
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Re: Ahnenfeste

#30

Beitrag von Hagezorn » Sa 2. Nov 2019, 18:47

Zu Ehren der geflügelten Husaren-Denkmal
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