Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

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SchwarzesWusel
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Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#1

Beitrag von SchwarzesWusel » Mo 20. Aug 2018, 17:47

Hallo Ihr Lieben.
Erst einmal Entschuldigung, wenn das Thema redundant sein sollte, oder Euch als unnötig erscheint. Aber neben dem ganz alltäglichen Wahnsinn an verblendetetem Egoismus und Anspruchshaltungen, den man so erlebt, wenn man Wert darauf legt, mit seiner eigenen Existenz andere und unseren Planeten so wenig zu schädigen wie möglich, hatte ich neulich ein Erlebnis, dass über den normalen Unmut, den man manchmal beim "Durchschnittsverbraucher" auslöst, wenn man es wagt sich mal konsumkritisch bzw. von einem ökologischen Standpunkt her zu äußern, WEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIT hinausging.

Es begann damit, dass ich einfach, als ich mich mit einer Kommilitonin über Urlaubsreisen unterhielt, weder bösartig, noch herablassend in irgendeiner Art und Weise, einfach nur erklärte, dass ich, persönlich, nichts an diesen klassischen Club-Pauschal-Reisen habe. Zunächst wurde mir dann besserwisserisch erklärt, ich hätte es ja nur noch nicht ausprobiert.
Als ich freundlich erklärt habe, dass ich zwar aus einer Familie stamme, die durchaus innereuropäisch versucht hat Flüge zu vermeiden, und nein, nicht gezwungenermaßen aus Kostengründen, man aber doch gerade als ich ein Kind war und man auch mal mit befreundeten Familien verreiste doch diverse "Urlaubsmodelle" ausprobiert hat, und man es trotzdem doch, für sich selbst bevorzugt, mehr von Stadt, Land, und Leuten zu sehen, wurde schon leicht aufgebracht für meine Begründung dafür gefragt.

Also habe ich brav meine Gründe aufgelistet, die da reichen von starken ökologischen Belastungen durch die Infrastruktur und das geschaffene (Über-) Angebot vor Ort, über eventuelle Ausbeutung von EInheimischen, für die dann, klar, Arbeitsplätze geschaffen werden, aber zu welchen Bedingungen?...
Bis hin zu profanen, persönlichen Sachen wie (kleiner Scherz: eine Klischee-Schützenaussage meinerseits: Ich will im Urlaub einfach mehr tun, als von Strand, zum Büffet, zum Pool, wenn es hoch kommt noch zum Yoga/Zumba zu gehen. Mir persönlich, ist das zu langweilig, ich bekomme da Hummeln im Hintern und habe auch das Gefühl, ich verpasse das echte Land und die Kultur. Auch hier hatte ich niemanden angegriffen, der das in seiner Freizeit gerne tut, wohlbemerkt.

Trotzdem war der Stein ins Rollen geraten, und obwohl sie mich ja zuvor gefragt hatte, kam eine Welle der Empörung, was denn mit Menschen wäre, die das gerne täten. Ich habe mich bis dahin nicht erinnert, es ihnen verboten zu haben.

Als ich ihr dann aber entgegnete, dass man für so einen Urlaub dann nicht exorbitant weite Flugreisen auf sich nehmen müsse, und das auch zu ökologisch und sozial besseren Bedingung möglich, war es vollkommen vorbei.

Dann wurde wieder wild mit persönlicher Freiheit um sich geworfen ist, was ja gerne mal ein Argument ist um Dinge zu tun oder zu konsumieren, die für sich selbst und andere schädlich sind. Was mir einfallen würde . Eine ganze Tirade. Ich hatte wohl wirklich, ohne es zu wollen und irgendetwas böse zu sagen, einen echt wunden Punkt erwischt, und war ab da dann das Feindbild "Ökofaschist, der anderen die Butter auf dem Brot oder ein bisschen Lebensfreude" nicht gönnt.

Dabei habe ich stets betont, dass es sich auch jeweils nach den Möglichkeiten der Einzelnen richtet, und explizit mehrfach erwähnt, dass ich volles Verständnis dafür habe, dass nicht jede-r Einzelne alles an "Gutem" leisten kann, was die Welt brauchen würde, die Welt aber alles "Gute" gebrauchen kann, was jeder Einzelene beizutragen gewillt und fähig ist.

Und natürlich ist es jedem Stadtbewohner ohne konkreten Sachgrund (Arbeit in einem Forstbetrieb, Landwirtschaft, Viehhaltung etc.) freigestellt, einen VW Tiguan Diesel mit 245 PS zu kaufen. Klar.
Aber dann zu erwarten, dass man das (oder vergleichbares Verhalten) quasi noch beklatscht, oder gut heißt beziehungsweise in diesem Fall eben zu erwarten, dass ich es gut finde/relativiere und dann nachahme....Das finde ich absolut stramm.

Da argumentieren sie alle immer mit Freiheit und werden ganz aggressiv, wenn jemand selbst einfach einen anderen Lebensweg gehen will.

Wie gesagt, dass man sich austauscht, diskutiert, Dinge mal anders sieht oder sich manchmal für "absurde" Müll-/Ressourcensparmethoden rechtfertigen oder belächeln lassen muss, ist für mich alles normales Grundrauschen, und auch vollkommen in Ordnung.

Es ist auch nicht mein Problem, dass mein Weltbild jetzt dadurch ins Wanken kommen würde, ich bin eher entsetzt, dass es okay zu sein scheint, einen derartigen Hass auf Menschen zu entwickeln, die eigentlich Verbesserungen bewirken wollen (und wie gesagt, mehrfach erklären, es anderen nicht aufdiktieren zu wollen)
Und ich schätze, das musste wohl raus.

Und natürlich bin ich neugierig...Wie ist es bei euch?

Gerade bei den Veganern und auch Vegetariern ist das ja auch eine beliebt Kerbe, in die sehr gerne geschlagen wird?

Danke fürs Lesen und schonmal für jede Antwort.

Ich bin dankbar für jeden Austausch und gespannt, was Euch vielleicht so widerfahren ist und unter den Nägeln brennt.



Alles Liebe


Wusel

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Peregrin
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Re: Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#2

Beitrag von Peregrin » Mo 20. Aug 2018, 18:40

Hallo Wusel,

wie du schon selbst geschrieben hast - wenn jemand mitbekommt, dass du einen anderen Lebensstil hast als sie (was z.B. Dinge wie Religion, sexuelle Orientierung, Politik, Ernährung, etc. betrifft) und die Reaktion der Leute fällt darauf aggressiv aus, dann haben die da einen wunden Punkt.

Ab dem Moment bzw. mit der Person ist ein sinnvoller Meinungsaustausch nicht mehr möglich, da sie sich in die Ecke gedrängt sieht und alles was du sagst, als Angriff gewertet wird. (Du missionierst, willst ihnen etwas verbieten, du hältst dich für was besseres, du bist ein "Ökoterrorist", du bist ein Handlanger der Lügenpresse, ein "Gutmensch", und so weiter.)

Da etwas zu sagen ist Energieverschwendung und zementiert nur ihr Schutzschild.

Fällt einem natürlich schwer, nichts zu sagen, wenn man die Haltung dieses Menschen katastrophal findet und/oder sieht, dass deren Haltung auf absurden Theorien basiert und man selbst mit massenhaft Fakten aufwarten könnte. Oder man denkt: "Ich muss das klarstellen! Ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dass da jemand über das Thema Lügen verbreitet oder Unsinn glaubt und erzählt! Dann trage ich ja Mitschuld, da ich nichts gesagt und den nicht aufgeklärt habe!"

Ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen: Es bringt nichts. Man kann nur etwas bewirken, wenn der andere Argumenten zugänglich ist. Und das sind Leute nicht, die allein bei der Erwähnung, das du etwas vertrittst, gleich aggressiv werden.

SchwarzesWusel
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Re: Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#3

Beitrag von SchwarzesWusel » Mo 20. Aug 2018, 19:07

Liebe Peregrin,

Danke für Deine Antwort.

Ich gebe Dir da absolut recht, und weiß, rein vom Verstand her auch, dass ich den Vorfall ziehen lassen muss, weil diese Interaktion zu nichts, außer emotionalem Aufruhr (vermutlich auf beiden Seiten ^^) geführt hat.
Ich gebe dir, und auch einigen Vorrednern aus anderen, thematisch ähnlichen Threats auch dabei recht, dass Missionierung nicht der Weg ist und nur Fronten verhärtet.
Deswegen gebe ich mir immer große Mühe, so sehr ich auch manchmal innerlich den Kopf schütteln oder mir an denselbigen fassen mag, in solchen Situationen zu vermitteln, dass ich die Thematik ja durchaus differenziert sehe, und die von mir ausgedrückten Präferenzen erst mal für mich gelten, und weiter sieht man dann...

Und genau daran habe ich mich auch gehalten. Ich hätte es auch nicht von mir aus vertieft, sondern nur auf ihre Fragen hin und war dabei tatsächlich sogar mehr diplomatisch, beziehungsweise vorsichtig, als "ehrlich" (im Sinne dessen, dass ich mir einiges an Gedanken zu dem Thema auch verbal erspart habe, wohlwissend, dass das nur Öl in die Flammen gewesen wäre =/).

Vielleicht hat es mich deswegen so aufgewühlt: da hat man schon "alles richtig machen wollen", hat nicht von sich aus das Thema gesucht, brav andere Lebensumstände angesprochen und berücksichtig und erklärt, dass man auch dafür durchaus Verständnis hat (und wohlbemerkt auch selbst nicht perfekt ist.), tut alles, um sich von den "nervigen Missionierern" und generellen "Partypoopern"zu distanzieren, und wird trotzdem genauso behandelt, als hätte man ihnen eine Schwarz-Weiß-Weltsicht steinewerfend ins Gesicht gepöbelt.

Es ist ein bisschen ironisch, dass man im gleichen Atemzug von denselben Leuten, die selbst ausgerechnet die "Freiheitskeule" schwingen ein echtes Feuerwerk an Aggressionen kassiert, dafür, dass man, AUF NACHFRAGE, seine Meinung mitgeteilt hat *kopschüttel* .

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Peregrin
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Re: Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#4

Beitrag von Peregrin » Mo 20. Aug 2018, 19:44

SchwarzesWusel hat geschrieben:
Mo 20. Aug 2018, 19:07
... dass man, AUF NACHFRAGE, seine Meinung mitgeteilt hat *kopschüttel* .
:happy:

Ich wollte damit auch nicht sagen, dass es einfach wäre, nicht Stellung zu beziehen! Vor allem lässt es sich ja auch nicht immer vermeiden.


Übliches Gespräch:

- "Warum nimmst du dir denn kein Brötchen? Ich dachte, du hast Hunger?

- "Hab ich, sind aber nur noch welche mit Wurst und Schinken da."

- "Und'? Magst du das nicht?"

- "Ich bin Vegetarier."

- "Warum das denn?!"

Erklärung, aus welchen Gründen man sich dafür entschieden hat. Es kommt zu einer Diskussion. Ende der Diskussion mit einem "Wunden-Punktler": "Das Vegetarier immer missionieren müssen! Ist ja wieder mal typisch!"


Das ist ja eine Art Gespräche, die man kaum vermeiden kann. Ich kenne zwar manche, die keine Lust auf eine Diskussion haben und darum eine Unverträglichkeit vorschützen oder ähnliches, aber das sähe ich nicht ein. Lügen, damit andere sich in ihrer Haltung nicht angegriffen sehen? Nö.

Aber im Enddefekt weiß man ab einem gewissen Punkt bereits, dass man genauso gut mit einer Wand reden könnte. ;)

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Re: Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#5

Beitrag von SchwarzesWusel » Mo 20. Aug 2018, 20:05

Ich kann mir die Szenen, die Du beschreibst, bildhaft vorstellen ^.^*

Manchmal hat man aber auch wirklich den Eindruck, es nur verkehrt machen zu können. Egal wie harmlos eine Aussage auch manchmal scheinen mag, der "richtige" Rezipient (= :girlie-lala: ) ist manchmal schon fruchtbarer Boden für eine unnötige Schreierei, in die man selbst seine Lebenszeit garantiert nicht investieren wollte.

Und sich wirklich komplett zu verstellen oder zu "vertuschen" beispielsweise kein Fleisch zu essen, wäre für mich auch das Ende der Fahnenstange... :rapzap:


Naja, wie sagt man so schön? Aufstehen, Staub abklopfen, Krönchen richten, weiterlaufen....

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Re: Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#6

Beitrag von Catweazle » Mo 20. Aug 2018, 20:13

Wenn man mit begrenztem Etat urlauben möchte, geht eigentlich nichts an einer Flug/Pauschalreise vorbei... Da ich im Winter stets besonders sonnenbedürftig bin, fliegen wir dann mal ne Woche auf die Kanaren. Da gibt es Angebote ab 180,- € für eine Woche Fuerte inkl. Flug. Selbst organisiert und ohne Flugreise kann man das nicht mal annähernd realisieren. Wir sind früher auch gerne mit den Motorrädern auf dem Autoreisezug in die Provence gefahren, aber dieses Angebot wurde europaweit - obwohl angeblich umweltfreundlich - bis auf ganz wenige Ausnahmen gestrichen.

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Re: Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#7

Beitrag von Athunis » Mo 20. Aug 2018, 20:17

ach, das passiert doch oft. Meisten wenn die Leute sich auf den Schlipps getreten fühlen. Das gibts hier im Forum genauso, wie bei der Familie, im Freundeskreis oder bei simplen Dates. Mach deine Urlaube wie du magst. Du kannst dein Leben so gestalten wie du magst. Es ist deines. DAzu muss man auch das der anderen akzeptieren. Irgendwann kommt die Harmonie, manchmal muss man sich auch von Leuten trennen die einem nicht gut tun.

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Re: Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#8

Beitrag von SchwarzesWusel » Mo 20. Aug 2018, 20:53

Catweazle: Da sind wir doch aber auch wieder im Bereich der begrenzten Möglichkeiten. Wenn es finanziell nicht anders geht, und man ansonsten der Familie nichts in der Richtung bieten könnte oder selbst gar keine Lebensfreude mehr haben kann, würde da niemand, der er es generell gut meint, etwas Abfälliges dazu sagen. Niemand aus meinem gesamten engeren Freundeskreis, und da sind viele sehr sehr nachhaltigkeitsbestrebt, wenn auch mit unterschiedlichen Umsetzungsmöglichkeiten. Das ist auch nicht die Haltung der meisten "Grünen" oder "Gutmenschen" oder "selbsterklärte Weltverschlimmbesserer", oder wie man sie nun nennen mag =) (aber klar gibt es da auch eine Minderheit von lauten Hardlinern, keine Frage, die können auch unangenehm werden, oder auch so links, dass es quasi schon wieder an rechts grenzt...=/)
Genauso wenig wie zu Urlaub am Strand oder in der Sonne generell.
Dass auch Menschen mit kleineren Budgets an Reiseerlebnissen teilhaben können, die für Seele, Geist und Körper auch durchaus wertvoll sein können, finde ich persönlich, auch wichtig, und zugehörig zu einer gerechten Gesellschaft.

Das war ja aber gerade nicht der Punkt.

Es ging ja gerade um "verbessern, wo es möglich ist", und nicht den totalen Verzicht um jeden Preis für einen Großteil der Bevölkerung. So war es wirklich gemeint =)

Mein Punkt war ja gerade, dass ich das im Gespräch auch mehrfach gesagt hatte, und trotzdem einen verbalen Shitstorm eingesteckt habe.

Athunis: das ist ja leider die Crux an der Geschichte. Manchmal kann man so viel Verständnis zeigen, wie es bei einer Sache menschenmöglich ist. Und trotzdem wird jemand Anstoß daran finden, dass man eine Meinung hat.
Mein Problem ist nicht, dass sie sich über meine Meinung echauffiert hat, oder was sie als vertretbares Konsumverhalten erachtet. Problematisch fand ich die Intoleranz mir gegenüber, während sie selbst quasi laut "Intoleranz" geschrien hat. Aber ja, wenn das die Art von Reaktion auf die Beantwortung einer Frage ist, gibt es keine andere Möglichkeit, als Lerngruppen mit anderen Leuten zu gründen. Ich finde es nur schade. Dann lebt ja jeder nur in seiner Blase und umgibt sich folglich nur noch mit Gleichgesinnten.
Eigentlich gerade etwas, was ich nicht kultivieren will. Aber sowas habe ich wirklich noch nie erlebt, auch in Gesprächen mit Leuten von denen ich explizit weiß, dass sie zu vielen Dingen einen anderen Standpunkt vertreten als ich. Ich will nur sagen, es war, im negativen Sinn, eine Diskussionskultur, wie ich sie im echten Leben, unter erwachsenen Menschen, noch nie angetroffen habe, und bisher nur aus der Kommentarspalte von Youtube kannte ^^*

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Peregrin
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Re: Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#9

Beitrag von Peregrin » Mo 20. Aug 2018, 21:05

Ich bin jetzt nicht mehr ganz sicher, Wusel, ob du den Schwerpunkt hier auf der "Anfeindung" haben willst, oder auf den "grünen Werten". Ich dachte der läge auf den Anfeindungen und ich komme darum darauf noch mal zurück. Wenn das nicht deine Absicht mit dem Thread hier war, sag Bescheid. :)

Der Grund dafür ist wohl die "kognitive Dissonanz", die dazu führt, das Leute ärgerlich werden, wenn ihre Weltsicht in Frage gestellt wird. Wenn (neue) Informationen mit den bisherigen Vorstellungen in Konflikt geraten, dann aktiviert das die selben Bereiche im Gehirn, die bei realen Bedrohungen aktiv sind. Der Stress ist also real, auch wenn die Bedrohung nur eine der Werte ist und nicht der Person selbst.

Ich denke, Personen, die in einem Umfeld (einem Land, einem Ort, einer Familie) leben, in dem Pluralismus herrscht, die sind da viel weniger betroffen von, als Menschen, die in einem Umfeld leben, in denen eine einzige Sicht als selbstverständlich für normal und richtig gehalten wird. Für die bedeutet ein Hinterfragen, Anzweifeln, in Frage stellten ihrer Werte sehr hohen Stress.

Das erklärt vielleicht etwas die "wunden Punkte" und warum Leute, bei denen man das vielleicht nicht erwartet hätte, aggressiv ihre Ansichten vertreten.


In anderen Fällen ist es wiederum sicher das schlechte Gewissen. Im Grund sind sie überzeugt, dass du ja eigentlich recht hast und ihre Wut wird dadurch ausgelöst, dass du im Gegensatz zu ihnen konsequent bist und die Wut gilt eigentlich ihnen selbst und nicht dir.

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Re: Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#10

Beitrag von SchwarzesWusel » Mo 20. Aug 2018, 21:29

Ja Peregrin, der Fokus liegt schon irgendwie auf den Anfeindungen.
Aber natürlich ist die Abgrenzung auch schwierig, weil die Gründe ja auch immer mitreinspielen. Tut mir leid, wenn ich an einigen Stellen schwammig damit war.

Ich weiß, es war viel Text den ich hier losgelassen habe, und vor "lauter lauter" war ich vielleicht auch nicht ganz deutlich, mit dem, was ich da eigentlich moniere.

Wenn ich es allerdings herunterbreche, befürchte ich, klingt es auf den ersten Blick sehr banal: Dem allen zugrunde, liegt gerade einfach nur der Wunsch, dass jeder zu seiner Meinung berechtigt ist, aber man sich eben auch offen mal austauschen kann. Ganz amikabel und erwachsen. Vielleicht lernen ja alle Beteiligten etwas dazu? =)

Was mich gestört hat, war einfach, dass man schnell in eine Schublade gesteckt wird, dann wird dazu ein Schema aktiviert, dass man zu dieser Klischeeschubladengruppe hat, und dann werden alle negativen Emotionen entladen, die man jemals bezüglich dieser Gruppe hatte.
Ich möchte mich gerne offen austauschen, und mir auch gerne andere Standpunkte anhören. Ich will mich aber nicht "Öko-Nazi" nennen lassen, nur weil ich für mich selbst entschieden habe, einige Konsumtrends nicht mitzutragen, die für viele vielleicht zur Normalität gehören.
Umgekehrt halte ich genauso wenig davon, undifferenziert andere "Nazikeulen" zu schwingen.

Wahrscheinlich fasst es der letzte Teil meines letzten Posts gut zusammen: Die Diskussionskultur und der Umgangston, haben sich, und das ist auch wieder nur meine Erfahrung, allein in den letzten zehn Jahren als die ich als Erwachsene erlebt habe, stark verändert. Und in weiten Teilen nicht zum Positiven.

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