Leichter, warmer Umhang

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Peregrin
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Leichter, warmer Umhang

#1

Beitrag von Peregrin » Sa 16. Feb 2019, 22:18

Hi!

Ich hatte schon länger einen Blick auf dieses Stück hier geworfen: https://www.amazon.de/Live-Up-Meditatio ... th=1&psc=1
Ich bin zwar wirklich kein Fan von Kunstfasern, aber in dem Fall halte ich das für die beste Wahl, weil das nun einmal wirklich sehr leicht ist. Die selbe Menge an Stoff wären in wärmenden, wasserabweisenden, leicht "schneiderbaren" Naturfasern echt schwer. (Oder als Meterware ebenso teuer. Wollfilz z.B.)

Ich war aber nicht bereit, dafür fast 100 Euro zu zahlen. (Und so ein auffällig rotes Teil wollte ich natürlich auch nicht.) Darum habe ich mir zwei Polyesterdecken (130 x 170) gekauft und habe vor, die einfach oben und an den Seiten aneinander zu nähen - oben in der Mitte Loch um den Kopf durchzustecken aussparen - und das Ergebnis wird für schlappe 6,- € ,nicht viel anders aussehen als das "Achtsamkeits-Tool für den ultimativen Komfort" :umfall: . Das Ding hat ja schließlich auch keine richtige Ärmel, sondern die werden von dem überschüssigen Stoff gebildet. Und der Vorteil meiner billigen Deckenvariante: Das ist nicht nur ein hüftlanges Cape, sondern man hat einen Umhang, der bis zu den Füßen, bzw. Waden, reicht.

Ein deutlicher Unterschied ist allerdings das Fehlen der Kapuze. Hat da jemand mit mehr Näherfahrung eine Idee, wie ich die schneiden könnte?

Noch mal zur Verdeutlichung, wie ich das mit den beiden aneinander genähten Decken meine. So in etwa wie der Chiton: http://www.vroma.org/~bmcmanus/clothing2.html Oben bis auf Kopfloch zunähen, an den Seiten bis auf Ärmellöcher und das ganze mit Kordel zusammenraffen. Wie bekommt man nun an den "Halsschlitz" am geschicktesten eine Kapuze..? :nixweiss:
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FreieAtem
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Re: Leichter, warmer Umhang

#2

Beitrag von FreieAtem » Sa 16. Feb 2019, 23:29

Es gibt zwei Möglichkeiten:

1. Zwei spiegelverkehrte, aber gleiche Teile. Stell dir dafür eine Kaputze im Seitenprofil vor:

Halskante:
Die Teile müssen an einer Kante so lang sein wie die Kopflochkante von der Halsmitte bis zur Nackenmitte + Nähzugabe. Die Halskante in einer geraden Linie aufzeichnen.
Eine Nähzugabe ist wichtig, sonst ärgert man sich später: Darum immer Links und rechts 1-2 cm dazuberechnen, um den Stoff vor dem Gesicht einnähen (einmal umschlagen) und um beide Teile hinten zusammenzunnähen zu können.

Gesichtskante:
Sie geht, wenn dein Umhang keinen Auschnitt hat, im 90° Winkel von der Halskante weg. Sie ist ebenfalls gerade.
Je höher Du die Gesichtkante machst um so weiter wird sie vom Gesicht wegfallen.
Ich würde die Gesichtkante mit einer Schnur ausmessen. Schnur mit einer Hand an den Hals halten dann das andere Ende auf den Kopf und schauen welche Höhe ich da brauche ... soll sie bis zur Schulter fallen, oder fast am Gesicht anliegen usw? Das ist dann die Länge die du für die Gesichtkannte brauchst. (Auch hier Nähzugabe nicht vergessen)

Kaputzenform:
Dann schließt du die Form. Vom höchsten Punkt der Gesichtskante zum anderen Ende der Halskante. Mit einer Rundung, einem Eck oder einem Zipfel, etc.
Je weiter du bei der Rundung über die Halskante hinausgehst um so weiter nach hinten wird sie fallen. Ein bischen Rundung würde ich auf jeden Fall zugeben, sonst fällt sie nicht sonder geht Vom Nacken zum Kopf dirket hoch. Wenn Zipfel dann würde ich ihn von der Halskante aus nur ganz leicht aufsteigend machen - sonst steht der Zipfel ab. (Auch hier Nähzugabe nicht vergessen)

Ich würde eine Papierschablone machen, bevor ich den Stoff schneide.

Dann die Kanten jeweils zusammennähnen. Gesichtskante einmal einschlagen und rundrum einnähen.

Das ist vermutlich die schönere, wenn auch aufwendigere Variante.

2. Kaputze in einem Stück:
Eine gerade Kante zeichnen, die zweimal so lang ist wie das Kopfloch, also einmal rundrum geht + ca 6 cm Zugabe (rechts, links jeweils 3). Dann was großes Rundes über der Kante zeichnen. Also so, dass der Stoff aussieht wie ein abgeschnittener Kreis, Elypse. Je größer der Kreis um so größer die Kaputze und um so weiter wird sie auch hier nach hinten und vom Gesicht wegfallen.
Um die runde Kante einen Tunnel nähen aus den überschüssigen 3 cm Zugabe.
Gerade Kante an das Kopfloch nähen. Dabei an der Halsmitte beginnen und enden.
Kordel durch den Tunnel ziehen. Zusammenraffen, so dass sich ein für dich passender Sack für den Kopf und eine Öffnung fürs Gesicht bildet.
Ein Sack bildet sich schon durch die Rundung vom Kopfloch. Von dem her könnte das trotz dickem Stoff gehen, ohne dass es allzu rüschig wird.


Was ich dir an jeder Schnittkante empfehlen würde (auch da wo du den Stoff umschlägst) ist ein mal im Zickzackstich entlang nähen. Sonst fransen dir die Nähte aus.

Und ... mit viel Zugabe schneiden, bwz. abstecken vor dem Endgültigen nähen und schneiden. Oder besser vorher einmal mit Papier schneiden und zusammenstecken. Nichts schlimmeres als wenn man von der Form her noch unschlüssig anfängt zu schneiden und dann feststellt: War zu klein.

LG FreieAtem
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Re: Leichter, warmer Umhang

#3

Beitrag von Ashar Starchild » So 17. Feb 2019, 00:49

Hi Peregrin,

wenn Du magst kannst Du ja mal die Begriffe "Schnittmuster Gugel" in eine Suchmaschine eingeben und das dann modifizieren :)

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Re: Leichter, warmer Umhang

#4

Beitrag von FreieAtem » So 17. Feb 2019, 02:35

PS:

Bei Variante 2 Kaputze aus einem Stück, könnte man den Rüschenevekt, evlt. sogar die ganze Kordel vielleicht umgehen, wenn man die Halskante in der Mitte anwinkelt. In einem gleichschenkligen Winkel von ca 140-150°? und dann die Form mit einer ganz hohen Rundung schließt.
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Re: Leichter, warmer Umhang

#5

Beitrag von Hekate » So 17. Feb 2019, 12:43

Vor ein paar Jahren, hab ich mir einen "Poncho" gemacht.

Ich habe eine Decke genommen.
Diese zusammen gelegt.
2 mal
Dann in der Mitte, etwas eingeschnitten.
(Vorsicht, nicht zu weit.)
Und noch etwas an der Vorderseite.

Die Schnitte habe ich dann mit Band eingefasst.
(Schutz vor dem einreisen + ausfransen.)

Rechts + links habe ich nur eine Naht gesetzt,
wie ein Abnäher.

Das Ding sieht zwar nicht hübsch aus, aber für meine Zwecke reichts.

***

Bei dem Model - Chiton - rate ich zu:

A) oben zunähen UND zu einer Naht Abdeckung + Verstärkung

Oder

B) zusätzlich zu einen kleinen Schulterteil.

Besonders, wenn du es auch im Wind + Regen + Kälte nutzen willst.

Gruß

Hekate
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Re: Leichter, warmer Umhang

#6

Beitrag von Peregrin » So 17. Feb 2019, 13:38

Hi, FreieAtem,

öhm... ich bin nicht sicher, ob ich deine Anleitung verstanden habe... das müsste ich wohl mit Bildern sehen. Umnähen muss ich bei dem Stoff zum Glück nichts. Die Decken waren zwar gesäumt, aber der Faden war reine Deko, da franst- oder ribbelt nichts auf, wenn ich da im Stoff herumschneide.

Deine Idee mit einer Gugel klingt gut, Schneewölfin. Dann kann man den Umhang sogar noch als normale Decken falten und nutzen, da da nichts absteht.

@ Hekate: An die Poncho-Variante hatte ich auch erst gedacht, aber bei den Maßen der verfügbaren Decken war die Chiton-Lösung die bessere, da das dann bis über die Beine reicht wenn ich stehe oder auf etwas etwas wie einem Stuhl, statt auf der Erde sitze.

Ich habe überlegt, ob die simpelste (und meinen nicht vorhandenen Nähkünsten angemessene :green: ) Kapuzenvariante nicht die wäre: Einfach ein rechteckiges Stück Stoff zu einem "Schlauchschal" zusammennähen, und den dann an den Halsausschnitt der Decke. Wird beim Tragen zwar sicher superdämlich aussehen, aber darauf kommt's ja nicht an. (Und es ist ja auch nicht so, als würden Kapuzen, die aus zwei gleichen Teilen zusammengenäht sind wie Spitztüten vom Wochenmarkt, weniger doof aussehen...)
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Re: Leichter, warmer Umhang

#7

Beitrag von Hekate » So 17. Feb 2019, 18:55

Mit der Länge hab ich mir mit einen "Schlauchrock" geholfen.

Sieht echt irre doof aus. - Aber ich will ja nicht nach Paris, Mailand oder NY damit und Blumentöpfe gewinnen.

:girlie-gfk:

"Schlauchkragen" könnte gehen.

Aber er darf nicht zu kurz sein.
Du brauchst was zum Annähen. Und das würde ich zwingend anraten. Sonst bleibt da ein offener Bereich. Bzw ein Bereich, der sich dauernd öffnet.
Und der Bereich, Mantel + Kragen sollten sich mehrere cm überlappen. Und gut angenäht sein. (Unbewusst, zerrt man daran. Einfache Naht, reisst leicht.)
Das annähen zieht auch oben Stoff weg, wenn der Schlauch zu kurz ist, kann es in der Praxis sein, das er den Kopf, bei Wind usw nicht bedeckt.
Die Frage wäre, ob man Oben nicht eine Kordel anbringt.
(Zum zusammen halten).

Bei genug Stoff kann sich in der Praxis, für manche ergeben, das am Hals dann zu viel Stoff ist.

Gruß

Hekate
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Re: Leichter, warmer Umhang

#8

Beitrag von LiH » So 17. Feb 2019, 23:26

Hallo Peregrin,

Ich würde ein altes Kleidungsstück mit einer Kapuze als Schnittmuster verwenden. Du schneidest einfach die Nähte durch und die dann flachen Stoffstücke kannst Du 1:1 + Nahtzugabe auf Deinen Stoff übertragen. Abgesehen von der Kapuze selber überträgst Du auch die Form vom Halsausschnitt des alten, zerlegten Kleidungsstückes auf Dein Werk. Kapuzen sind oft wirklich sehr einfach geschnitten: 1 Mittelnaht und 1 Abnäher pro Seite. Wenn man noch den passenden Bogen vom Halsausschnitt hat, ist es mMn eine recht schnelle und unkomplizierte Angelegenheit.

Liebe Grüße,

LiH

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Re: Leichter, warmer Umhang

#9

Beitrag von Ashar Starchild » So 17. Feb 2019, 23:48

Peregrin hat geschrieben:
So 17. Feb 2019, 13:38
Deine Idee mit einer Gugel klingt gut, Schneewölfin. Dann kann man den Umhang sogar noch als normale Decken falten und nutzen, da da nichts absteht.
weniger Idee, als Mittelalterlagererfahrung ;) auch wird es oft so gemacht, eine Decke mittels einer Spange im keltischen Stil zum Umhang umzufunktionieren und viceversa :)

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Re: Leichter, warmer Umhang

#10

Beitrag von Peregrin » Mo 18. Feb 2019, 00:18

Schneewoelfin hat geschrieben:
So 17. Feb 2019, 23:48
weniger Idee, als Mittelalterlagererfahrung ;) auch wird es oft so gemacht, eine Decke mittels einer Spange im keltischen Stil zum Umhang umzufunktionieren und viceversa :)
Da bekam aber die A-Fraktion Schnappatmung! :green:
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