Selbstgemachte Räucherstäbchen

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Stadteule
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Re: Selbstgemachte Räucherstäbchen

#11

Beitrag von Stadteule » Do 29. Mär 2018, 20:41

Das finde ich toll!!! Danke für Deine ausführliche Beschreibung! :liebegrüße:
Wo beziehst Du Deinen Salpeter, wenn ich fragen darf?


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Sarf
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Re: Selbstgemachte Räucherstäbchen

#12

Beitrag von Sarf » Do 29. Mär 2018, 22:20

Stadteule hat geschrieben:
Do 29. Mär 2018, 20:41
Wo beziehst Du Deinen Salpeter, wenn ich fragen darf?
Der aktuelle Bestand ist teils noch aus der Uni und teils selbstgemacht. Das Zeug ist tatsächlich etwas schwierig zu finden, wenn man es wirklich rein und nicht als Pökelsalzmischung haben möchte.
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Re: Selbstgemachte Räucherstäbchen

#13

Beitrag von Stadteule » Do 29. Mär 2018, 22:58

:schleich: ich bin ja schon mehrfach bei uns vor einer Wand gestanden, die ausblüht, und war kurz davor, es da einfach abzukratzen....
Eigentlich dachte ich, es müsste im Chemikalienbedarf simpel zu besorgen sein, ist es aber nicht.

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Re: Selbstgemachte Räucherstäbchen

#14

Beitrag von Rafael_Chiron » Do 29. Mär 2018, 23:17

Stadteule hat geschrieben:
Do 29. Mär 2018, 22:58
:schleich: ich bin ja schon mehrfach bei uns vor einer Wand gestanden, die ausblüht, und war kurz davor, es da einfach abzukratzen....
Eigentlich dachte ich, es müsste im Chemikalienbedarf simpel zu besorgen sein, ist es aber nicht.
@Sarf & Stadteule: Interessantes Thema. :thumbup:

Zumindest vom alchemistischen Standpunkt her, soll der künstlich hergestellte Salpeter nicht ganz das gleiche sein wie der natürlich gewachsene. Es würde mich interessieren, woran Ihr die natürlichen Ausblühungen an Gemäueren erkennt...

:liebegrüße: Rafael Chiron

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Re: Selbstgemachte Räucherstäbchen

#15

Beitrag von Stadteule » Do 29. Mär 2018, 23:51

Rafael_Chiron hat geschrieben:
Do 29. Mär 2018, 23:17
Zumindest vom alchemistischen Standpunkt her, soll der künstlich hergestellte Salpeter nicht ganz das gleiche sein wie der natürlich gewachsene. Es würde mich interessieren, woran Ihr die natürlichen Ausblühungen an Gemäueren erkennt...
Das erste Mal stand ich etwas ratlos vor der Wand und habe mich gefragt, ob das Schimmel ist oder mumifizierter Staub? Oder eine Salzkruste? Oder eine vertikal wachsende Tropfsteinwand ohne Stalagmiten und -titen? (Der Raum war früher nass, weil darin 150 Jahre lang Wasser über ein Mühlrad geführt wurde und ist jetzt noch gut feucht, weil eine Quelle da nach außen geführt wird). Und dann habe ich gegoogelt. Das ist der ganze Zauber. Ich kenne mich damit nämlich gar nicht aus.
Aber ich gebe zu, dass ich dann irgendwie freudig aufgeregt vor Augen hatte, was ich damit alles machen könnte... :mad3:


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Re: Selbstgemachte Räucherstäbchen

#16

Beitrag von Sarf » Fr 30. Mär 2018, 00:10

Rafael_Chiron hat geschrieben:
Do 29. Mär 2018, 23:17
Zumindest vom alchemistischen Standpunkt her, soll der künstlich hergestellte Salpeter nicht ganz das gleiche sein wie der natürlich gewachsene. Es würde mich interessieren, woran Ihr die natürlichen Ausblühungen an Gemäueren erkennt...
Ich kenn mich zwar sehr gut mit Kristallen und Kristallstrukturen aus, aber ich eben nicht aus geologischer Sicht. Heißt, wenn ich was finde, was mein INteresse weckt, dann mach ich diverse Versuche damit und befrage Google im Vorfeld was es sein könnte. :green:
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Re: Selbstgemachte Räucherstäbchen

#17

Beitrag von Schneewoelfin » Fr 30. Mär 2018, 15:32

Chemisch gesehen ist Salpeter Kaliumnitrat, geologisch werden diverse Nitrate als Salpeter bezeichnet:
Salpeter (durch Dissimilation von mittelhochdeutsch/mittellateinisch salniter entstanden aus lateinisch sal, ‚Salz‘, und ägyptisch ntr, ‚Salpeter‘, und verwandt mit hebräisch neter und deutsch „Natron“;[9] auch (volksetymologisch) abgeleitet von lat. sal petrae, „Felsensalz“, „Steinsalz“)[10] Trivialname einiger häufig vorkommender Nitrate. Im Einzelnen unterscheidet man folgende Salpeterarten:

Ammonsalpeter, brennbarer Salpeter (Ammoniumnitrat)
Barytsalpeter (Bariumnitrat)
Chilesalpeter, Natronsalpeter (Natriumnitrat)
Bengalsalpeter, Kalisalpeter (Kaliumnitrat)
Kalksalpeter, Mauersalpeter (Calciumnitrat)
aus dem Wiki kopiert

die Metalle der Salzverbindung sind jeweils andere: Barium, Natrium etc.... deswegen ist ausgeblühter Mauersalpeter nicht mit dem chemischen Salpeter (Kaliumnitrat) identisch


es gibt ein (für Chemiker zumindest ;) ) recht umständliches Verfahren, aus Dung und und Harn Salpeter zu gewinnen, so wie man es früher machte (auch aus dem Wiki)
Bakterielle Nitrifikation stickstoffreicher organischer Abfälle
Von Ende des 14. bis in das 19. Jahrhundert wurde in Europa mithilfe von Bakterien und Luftsauerstoff Salpeter erzeugt, um vom Import dieses für Kriegszwecke unentbehrlichen Rohstoffes unabhängig zu sein (siehe „Geschichte“). Man vermengt stickstoffreiche organische Abfälle (Dung und Harn) mit Kalk und Holzasche (Pottasche) und lässt diese in lockeren, luftdurchlässigen Erdhaufen verwesen. Dabei werden die Stickstoffverbindungen durch Bakterien zu Nitraten umgesetzt. Nach zwei Jahren wird die Masse mit Wasser ausgelaugt. Der Rohlauge (insbesondere bestehend aus Natronsalpeter bzw. Natriumnitrat)[4] wird Pottasche (Kaliumcarbonat) zugesetzt und dadurch Calcium- und Magnesiumnitrat zu Kaliumnitrat und schwerlöslichem Erdalkalicarbonat umgesetzt. Durch Eindampfen der filtrierten Lauge gewinnt man den Kalisalpeter, der durch Umkristallisation gereinigt wird.

hoffe, das 30 Jahre nach dem Studium noch korrekt zusammengefasst zu haben :mad3:

LG Schnee
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Re: Selbstgemachte Räucherstäbchen

#18

Beitrag von Stadteule » Fr 30. Mär 2018, 15:41

Kaliumnitrat. So was dacht' ich mir fast - hab's bisher auch nicht von der Wand gekratzt :green:


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Re: Selbstgemachte Räucherstäbchen

#19

Beitrag von Rafael_Chiron » Fr 30. Mär 2018, 17:40

Stadteule hat geschrieben:
Fr 30. Mär 2018, 15:41
Kaliumnitrat. So was dacht' ich mir fast - hab's bisher auch nicht von der Wand gekratzt :green:
@Stadteule: Bei dem, was Du an der Mühlenwand gesehen hast, dürfte es sich wahrscheinlich eher um Mauer bzw. Kalksalpeter gehandelt haben...
Wikipedia hat geschrieben:Calciumnitrat bildet zudem auf Mauern eine Art weißen Schleiers, der die Konsistenz von Watte hat. Man kann es mit einem Besen abfegen oder mit einem Spachtel abkratzen. Das Salz wird in Wasser gelöst, die Verunreinigungen sinken dann auf den Boden. Die Salzlösung wird abgegossen, vorsichtig eingedampft und getrocknet.
Ich finde den Salpeter (=Salz des Petrus, der die Schlüssel des Himmels verwaltet!) v.a. aus alchemistischer Sicht interessant, da er der Schlüssel zu den höheren mineralischen Arbeiten ist. Von dem großen Alchemisten Basilius Valentinus gibt es hierzu ein sehr aufschlussreiches Gedicht (Chymische Schriften, Hamburg 1677):
Basilius Valentinus hat geschrieben:Ein Wunder Saltz bin ich auff Erden /
Meins gleichen wird kaum gesehen werden /
Ohn mich kann man schier nichts verrichten /
All Sach muß ich mit helffen schlichten.
Der Adler mein nicht kan entrathen /
Wann er Metalln gedenckt zu braten /
Gemein Salz kann ohn mich nichts enden /
Wann sichs schon gar von mir wolt wenden.
Mein Form ist schlecht ein lauter Eyß /
Darinn findst du ein höllschen Geist /
In welchen beyden die Natur /
Erweiset sich in viel Figur.
:liebegrüße: Rafael Chiron

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Re: Selbstgemachte Räucherstäbchen

#20

Beitrag von Sarf » Fr 30. Mär 2018, 17:43

Schneewoelfin hat geschrieben:
Fr 30. Mär 2018, 15:32
es gibt ein (für Chemiker zumindest ;) ) recht umständliches Verfahren, aus Dung und und Harn Salpeter zu gewinnen, so wie man es früher machte (auch aus dem Wiki)
Bakterielle Nitrifikation stickstoffreicher organischer Abfälle
Von Ende des 14. bis in das 19. Jahrhundert wurde in Europa mithilfe von Bakterien und Luftsauerstoff Salpeter erzeugt, um vom Import dieses für Kriegszwecke unentbehrlichen Rohstoffes unabhängig zu sein (siehe „Geschichte“). Man vermengt stickstoffreiche organische Abfälle (Dung und Harn) mit Kalk und Holzasche (Pottasche) und lässt diese in lockeren, luftdurchlässigen Erdhaufen verwesen. Dabei werden die Stickstoffverbindungen durch Bakterien zu Nitraten umgesetzt. Nach zwei Jahren wird die Masse mit Wasser ausgelaugt. Der Rohlauge (insbesondere bestehend aus Natronsalpeter bzw. Natriumnitrat)[4] wird Pottasche (Kaliumcarbonat) zugesetzt und dadurch Calcium- und Magnesiumnitrat zu Kaliumnitrat und schwerlöslichem Erdalkalicarbonat umgesetzt. Durch Eindampfen der filtrierten Lauge gewinnt man den Kalisalpeter, der durch Umkristallisation gereinigt wird.
Ei, den Aufwand würde ich nicht betreiben, wobei der letzte Schritt in etwa das ist was ich mache: Metathese!
Eine Metathese ist, wenn man aus 2 unterschiedlichen Salzen, 2 neue Salze herstellt. Meist ist die Grundlage der Metathese, dass sich eins der neugebildeten Salze im verwendeten Lösungsmittel nicht gut löst und deshalb ausfällt (dem System entzogen wird). Man würde es in etwa so formulieren: AB + CD --> AD + CB

Ich verwende für die Metathese eig verschiedene Salzpaare, je nachdem was ich grad da hab, eine Auswahl:
Ca(NO3)2 + K2CO3 --> CaCO3 + 2KNO3
AgNO3 + KCl --> AgCl + KNO3
KOH + HNO3 --> KNO3 + H2O (Theoretisch eine Neutralisationsreaktion, aber im weitesten Sinne auch ne Metathese, da Austausch von Ionen)

Ansonsten kann man für die Stäbchen so ziemlich jede Art von Salpeter nehmen, abgesehen von Ammoniumnitrat (NH4NO3; Fragt die BASF :green: ), Barytsalpeter (Ba(NO3)2; Barium ist giftig) und Silbernitrat (AgNO3; ist ätzend, macht langanhaltende schwarze Flecken auf der Haut und ist nicht stabil bei Lichteinwirkung).
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