Die Pflanze Wermut

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LiH
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Die Pflanze Wermut

#1

Beitrag von LiH » Sa 12. Jan 2019, 09:39

Guten Morgen ihr Lieben.

Mich interessiert:

- Welche Erfahrungen habt ihr mit Wermut gemacht?

- Wie empfindet ihr das Wesen, die Energie dieser Pflanze?

Hintergrund der Frage ist, dass ich schon seit längerem mit einer Freundin darüber diskutiere. Üblicherweise sind wir, gerade wenn es um das Wesen einer Pflanze geht, ganz auf einer Linie. Beim Wermut gibt es große Unterschiede, und das finde ich erstaunlich. Nachdem ich eine andere 'Kräutertante' gefragt habe, erhielt ich eine 3. Meinung... Inhaltlich schreibe ich zunächst bewusst nichts dazu, damit die Diskussion/Die Beiträge möglichst unvoreingenommen sind. :)

Grüße und Danke für das Lesen & Antworten.

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Rotfuchs
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Re: Die Pflanze Wermut

#2

Beitrag von Rotfuchs » Sa 12. Jan 2019, 10:58

Also gleich mal vorweg, magische Erfahrungen (im Sinne von formalen Ritualen) habe ich noch nicht mit Wermut gemacht.

Auf mich wirkt die Pflanze kalt und "flüsternd" wenn ich über sie meditiere. Aber ich würde sie definitiv dafür nutzen einen Raum /Altar zu reinigen (was ich mehrmals ausprobiert habe) oder ein Bündel davon über die Tür zu hängen.

Sie hat eine gewisse Ähnlichkeit zu ihrer Schwesterpflanze, dem Beifuß. Beide haben ein sehr ähnliches Wesen wobei letztere etwas "wärmer" auf mich wirkt. Vielleicht zwei Seiten der Artemis?
Jedenfalls empfinde ich Wermut als sehr starke magische Pflanze, noch nicht so schwer zu handhaben wie andere Pflanzen, aber möglicherweise noch nichts für eine Junghexe.

Das Gespräch hatte ich interessanterweise auch schon, dabei meinte eine bekannte dass sie Wermut als "böse" oder "dunkel" bezeichnete. Kann ich nicht nachvollziehen, aber ich bin vielleicht auch voreingenommen weil ich der Artemis sehr zugeneigt bin und den Wermut/Beifuß dadurch sehr "hell/lebensbejahend" sehe.

Aufgenommen habe ich die Pflanze in Form von Spirituosen (Wermut (Vermouth) und Absinth) sowie als Tee. Appetitanregend finde ich keins der Getränke. Eine halluzinogene Wirkung, wie dem Wermut nachgesagt wird, habe ich wenn dann nur sehr subtil ausgemacht - es kann auch sein dass der hohe Alkoholgehalt seine Wirkung getan hat.
Can Wisdom be put in a silver rod?
Or Love in a golden bowl?

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Rafael_Chiron
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Re: Die Pflanze Wermut

#3

Beitrag von Rafael_Chiron » Di 15. Jan 2019, 12:46

Hallo beeinander,

taste mich mal aus homöopathischer Sicht an den Wermut (Absinthium= Artemisia absinthium heran. Leider ist die Pflanze nur sehr unzureichend geprüft, die meisten Symptome beruhen auf beobachteten Intoxikationen, die wohl auf den exzessiven Genuss von Absinth - einer Wermutspirituose - zurückzuführen sind.

Vom Gemüt her fällt die große Benommenheit, Betäubungsgefühl, Gleichgültigkeit, Gefühl wie in einem (schönen) Traum zu sein auf. Diese Seelenruhe schlägt plötzlich um in heftige Gewaltausbrüche und Brutalität, bis hin zur manischen Furcht jemanden zu töten. Absinthium hat viele innere Bilder, Visonen, visuelle & akustische Halluzinationen und viele Wahnideen, u.a. vom Bösen/ Teufel etc. verfolgt zu werden.

Körperlich fällt die große nervliche Erregbarkeit und Nervosität auf. Ruhelosigkeit, springt plötzlich aus dem Bett. Zittern, Zuckungen bis hin zu epileptischen Anfällen. Die meisten Einträge im homöopathischen Repertorium beziehen sich übrigens auf diese epileptischen Konvulsionen.

Interessant finde ich, dass die Pflanze der Göttin Artemis geweiht ist, deren Zwillingsbruder (=männliche Ergänzung) Apollon ist, dessen Heiligtum das Orakel von Delphi ist. Für mich steht Absinthium im positiven Sinne im Zusammenhang mit der Fähigkeit, Botschaften aus höheren Ebenen zu channeln. Das war auch der Grund, warum Epilepsie in der Antike als "Heilige Krankheit" bezeichnet wurde. Später degenerierte dieses Wissen, weshalb Epilepsie dann nur noch als eine Form dämonischer Besessenheit gedeutet wurde.

Tatsächlich kann man eine Volltrance als eine Art Besesseheit bezeichnen. Denn aus pathologischer Sicht bedeutet dies eine Art Spaltung zwischen Geist und Körper, wobei man den Körper einer anderen Wesenheit zur Verfügung stellt. Diese Spaltung schwingt auch in der Bezeichnung von Absinthium in der Bedeutung "Abgrund" mit. Nun geht es aber genau darum, diesen Abgrund zu überwinden. In der Natur zeigt sich uns das durch die plötzliche Entladung elektrostatischer Aufladungen, die sich durch Gewitter erden.
:wolke:
Das ist der Grund, warum Wermut bzw. Beifuß ein wichtiger Bestandteil des an Maria Himmelfahrt geweihten Kräuterbündels ist, das man u.a. gegen Blitzschlag in den Dachfirst hängt. Auf der nervlichen Ebene kann "Epilepsie" als "mikrokosmisches Gewitter" verstanden werden, das sich quasi über Nervensystem in unwillkürlichen Muskelzuckungen und Krämpfen entlädt. Auf der rein körperlichen Ebene, bedeuten "Vergeistigung" und "mangelnde Erdung" auch, dass Raum entsteht für Parasiten & Würmer, die gewissermaßen dieses Vakuum "besetzen". Das erklärt auch die volkstümliche Verwendung des Wermuts als Wurmkraut. In diesem Sinne ist Wermut auch appetitanregend, denn "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen"

Soweit mal meine Charakterisierung... :rapzap:

:liebegrüße: Rafael Chiron

P.S. @LiH: Würde mich irgendwann aber trotzdem interessieren, was Deine Freundin bzw. die andere "Kräutertante" zum Wermut gesagt haben.

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LiH
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Re: Die Pflanze Wermut

#4

Beitrag von LiH » Mi 16. Jan 2019, 21:47

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für die spannenden und erkenntnisreichen Antworten!
Auch die Tatsache, dass bei der weiblichen Artemisia zwei Männer antworten und keine Frau, erstaunt mich sogar ein bisschen...

@Rafael Chiron: selbstverständlich kommt auch von mir etwas Ausführlicheres, ich war nur die letzten Abende zu müde. :love2:

Hochinteressant finde ich, dass dieses Zitat sehr gut die Diskussion von meiner Freundin und mir zusammenfasst:
Rotfuchs hat geschrieben:
Sa 12. Jan 2019, 10:58
Das Gespräch hatte ich interessanterweise auch schon, dabei meinte eine bekannte dass sie Wermut als "böse" oder "dunkel" bezeichnete. Kann ich nicht nachvollziehen, aber ich bin vielleicht auch voreingenommen weil ich der Artemis sehr zugeneigt bin und den Wermut/Beifuß dadurch sehr "hell/lebensbejahend" sehe.
Wermut/Artemisia begleiten mich schon seit der Kindheit. Strenge, Kühle, Härte, Reserviertheit - ja. Also definitiv weniger Nettigkeit und Freundlichkeit als z.B. ein Gänseblümchen, Löwenzahn oder Baldrian. Aber böse oder dunkel finde ich Wermut absolut nicht. Meine Freundin warnte sogar davor, Wermut könne jemanden einfangen und in Abgründe ziehen. beim Thema Abgründe komme ich evtl. noch mit. Aber etwas Einfangendes und Tückisches empfinde ich gar nicht. Helle und lebensbejahende Aspekte sehe ich auf jeden Fall...ungefähr so : "Wenn du mit meiner Bitterness umgehen kannst, schenke ich dir meine Kraft und meine Wärme". Die andere Frau, die ich gefragt habe, meinte: " Da ist nichts Dunkles. Für mich sind alle Kräuter nur Licht." Leider ergab es sich nicht, das Gespräch zu vertiefen. Ich vermute aber, dass sie die Aussage irgendwie aus einer anderen Perspektive tat, und es evtl. gar nicht in Widerspruch zu dem oben Besprochenen steht.

Lustigerweise sind meine Freundin und ich wieder auf einer Linie, wenn es um Beifuß geht: Ja, er ist mit Wermut verwandt und es gibt Ähnlichkeiten in Wesen und Wirkung. Aber er ist als eigenständiges Kraut zu sehen und nicht als "schwächere Ausgabe von Wermut", wie wir sinngemäß schon in Kräuterliteratur gelesen haben. @Rotfuchs: Als Du die 2 Schwestern genannt hast, ist mir aufgefallen: Meine Schweser und ich regen uns immer wieder darüber auf, dass wir miteinander verglichen werden und in unsere Verwandschaft mehr Ähnlichkeiten interpretiert werden, als da sind :thumbup:.

@Rotfuchs: Räume mit Kräutern reinigen oder Kräuterbündel über der Tür aufhängen mag ich nicht, keine Ahnung warum. Allerdings bringt mich dieser Vorschlag auf eine Idee: vor unserem neuen Haus ist ein Beet zugewuchert mit wahnsinnig putzigen Blümchen. Mir fehlte da was. Jetzt steht der Entschluss: sie bekommen Gesellschaft von Wermut, in der Ecke neben dem Hauseingang. Danke für die Anregung!

Auch was die Wirkung angeht, kann ich Deine Aussagen unterschreiben: Ich habe weder eine halluzinogene, noch eine Appetit anregende Wirkung festgestellt.

Wegen Erschöpfungszuständen verwende ich Wermuuttee und habe auch ein alkoholisches Getränk mit einer viel höheren Wermutkonzentration als bei Absinth hergestellt. Die Wirkung ist bei mir: wärmend, anregend (ohne Nervosität), kräftigend. Achja und speziell beim alkoholischen Getränk stellt sich bei mir eine unendliche Klarheit auf allen Ebenen ein.

@Rafael Chiron: Wow, das, was Du schreibst, klingt z.T. ähnlich wie die Aussage meiner Freundin.
Deine homöopathische Perspektive erweitert meinen Horizont, denn da kenne ich mich gar nicht aus. Das empfinde ich als sehr bereichernd, dankeschön! :liebegrüße:

Gefühlsmäßig verbinde ich die Extreme wie Benommenheit, Betäubungsgefühl, Gleichgültigkeit, und auf der anderen Seite Gewaltausbrüche, Brutalität, Halluzinationen und Wahnideen, eher mit exszessivem Missbrauch von Absinth. Meine Vermutung ist, dass diese Wirkungen weniger mit Wermut zu tun haben, sondern vor allem (oder nur?) mit Qualität & Quantität von Alkohol, kombiniert mit evtl. labilen Persönlichkeiten.

Körperlich große nervliche Erregbarkeit und Nervosität, Zittern, Zuckungen bis hin zu epileptischen Anfällen...kann ich jetzt aus eigener Erfahrung gar nicht bestätigen...Bei starker Überdosierung evtl. vorstellbar. Allerdings ist Wermut natürlich wahnsinnig bitter. Lange bevor man ihn überdosiert, dürfte man des bitteren Geschmacks überdrüssig werden.

Dass sich die meisten Einträge im homöopathischen Repertorium auf diese epileptischen Konvulsionen beziehen, finde ich spannend.
Du schreibst in diesem Zusammenhang einerseits von der Fähigkeit, Botschaften aus höheren Ebenen zu channeln und andererseits von Abgrund. Als Entsprechung auf der physischen Ebene in der Natur: Entladung elektrostatischer Aufladungen, die sich durch Gewitter erden. Das ist für mich eine neue Perspektive, über die ich noch nachdenken muss...also zuckende, wilde Entladungen bringe ich spontan nicht mit Wermut oder Artemisia zusammen. Elektrezität allgemein, hohe Konzentration von Kraft wie beim Gewitter schon. Den Zugang zu höheren Ebenen und Abgrund ebenso. Auf eine eher nicht-wertende, gleichmütige Art und Weise.

Offensichtlich scheint es nicht nur bei meiner Freundin und mir sehr kontroverse Sichtweisen auf die Pflanze Wermut zu geben.

herzliche Grüße,

LiH

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