Neue Heilpraktiker Ausbildung-wer weiss mehr?

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Runeninteressierter
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Neue Heilpraktiker Ausbildung-wer weiss mehr?

#1

Beitrag von Runeninteressierter » Mi 17. Jan 2018, 14:57

Hallo
Weiss jemand mehr darüber wie die Heilpraktiker Ausbildung reformiert wird oder werden soll?
Mich würde es freuen wenn es eine anerkannte Berufsausbildung wäre und man mehr und ganzheitlichen Lernstoff in der Ausbildung mitbekommt.
Auch wäre es dann ein guter Ausgleich zur Schulmedizin die sich durch Fachidioten und einseitiges Wissen manchmal selbst zunichte macht und disqualifiziert.

LG R

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Hekate
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Re: Neue Heilpraktiker Ausbildung-wer weiss mehr?

#2

Beitrag von Hekate » Fr 19. Jan 2018, 12:35

Hallo R,

Moira, wird da mehr wissen.

Gruss

Hekate
Das alles sind meine,
persönlichen Einstellungen, Einsichten und Meinungen.
Niemand braucht mir da zu zustimmen.
Ich, sehe es so und meine es so.
Und das ist schon alles.

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Rafael_Chiron
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Re: Neue Heilpraktiker Ausbildung-wer weiss mehr?

#3

Beitrag von Rafael_Chiron » Fr 19. Jan 2018, 14:32

Runeninteressierter hat geschrieben:
Mi 17. Jan 2018, 14:57
Weiss jemand mehr darüber wie die Heilpraktiker Ausbildung reformiert wird oder werden soll?
Wer behauptet denn eigentlich, dass die Heilpraktiker- Ausbildung reformiert werden muss bzw. eine anerkannte Berufsausbildung benötigt? Im vergangenen Jahr wurde sehr viel Heilpraktiker- Bashing :aufkopf: betrieben. Vor allem wurde so getan, als sei sowohl die Zulassung zum Heilpraktiker als auch seine Tätigkeit gesetzlich ungenügend geregelt. Dabei wird dann noch scheinheilig damit argumentiert, dass man den Patienten nur vor unseriösen Behandlungen schützen und die Patientenrechte stärken wolle; aber wer schützt uns eigentlich vor der Krankenkassen- & Pharmalobby? :shocked:

Das kam überraschenderweise sogar von einer Partei, die allgemein als "alternativ" :würg: gilt. Interessanterweise wurde von Politikern Kritik an den Heilpraktikern geübt, ohne dass vorher mit den betreffenden Heilpraktikerverbänden überhaupt mal Kontakt aufgenommen oder geredet worden wäre. (Soviel zur sprechenden Medizin, die gerne lauthals gefordert wird...)

Grundsätzlich sollte man wissen, Heilpraktiker sind in in vielerlei Hinsicht in der Ausübung der Heilkunde beschränkt. Sie dürfen z.B. bestimmte Infektionskrankheiten nicht behandeln. Ferner dürfen sie keine Betäubungsmittel verabreichen und auch nicht verordnen, ebenfalls können sie keine rezeptpflichtigen Arzneimittel verschreiben. Wie Ärzte unterliegen sie jedoch der Schweige-, Dokumentations- & Sorgfaltspflicht. Wenn invasive Maßnahmen angewendet werden, wie z.B. Blutabnahme, Quaddeln oder Akkupunktur, müssen die entsprechenden Hygieneverordnungen eingehalten werden u.v.m. Der Heilpraktikerberuf ist also alles andere als ungeregelt, auch wenn das von Kritikern oft behauptet wird. Und es gibt auch jede Menge rechtkräftige Urteile dazu.

Ferner sollte man auch wissen, dass die Berufsbezeichnung Heilpraktiker gesetzlich geregelt ist. Nur wer eine schriftliche & mündliche amtsärztliche Überprüfung besteht, die von den Gesundheitsbehörden auf Landkreisebene, manchmal auch auf kommunaler Ebene durchgefürt wird, darf sich Heilpraktiker nennen, sonst macht er sich sogar strafbar. Und nur wer sich dann auch bei seiner zuständigen Gesundheitsbehörde mit einer eigenen Praxis anmeldet, darf dann auch praktizieren. Was wohl tatsächlich ansteht, ist, dass man die Durchführung der amtsärztliche Überprüfung zwischen den einzelnen Bundesländern noch etwas einheitlicher regeln will.

Was nicht explizit geregelt ist, sind die Inhalte, die an Heilpraktikerschulen und -Ausbildungsstätten vermittelt werden. Allerdings müssen diese auf einem Niveau sein, dass der Schüler mit dem dort vermittelten Wissen auch die amtsärztliche Überprüfung bestehen kann, bei der schulmedizinische Grundlagen und korrektes Verhalten in akuten und Notfallsituationen geprüft wird. Die Inhalte alternativer Heilmethoden werden an den meisten HP- Schulen erst ab dem dritten Jahr angeboten, d.h. wenn die amtsärztliche Überprüfung bereits bestanden wurde. Wenn Ausbildungen dabei bestimme Qualitätskritierien erfüllen, werden sie oft von den Heilpraktikerverbänden zertifiziert. Aber eine einheitliche Regelung diesbezüglich gibt es nicht, und kann es auch nicht geben, da Heilpraktiker letzten Endes nonkonformistisch sind; nicht einmal die Interessen der verschiedenen Heilpraktikerverbände lassen sich leicht unter einen Hut bringen. Und das ist auch gut so, denn nur so ist ein großes Spektrum individueller & alternativer Heilmethoden gewährleistet, die letztlich auf ganz unterschiedlichen Lebensauffassungen beruhen...
Runeninteressierter hat geschrieben:
Mi 17. Jan 2018, 14:57
Mich würde es freuen wenn es eine anerkannte Berufsausbildung wäre und man mehr und ganzheitlichen Lernstoff in der Ausbildung mitbekommt.
Auch wäre es dann ein guter Ausgleich zur Schulmedizin die sich durch Fachidioten und einseitiges Wissen selbst zunichte macht und disqualifiziert.
@Runeninteressierter: Ich glaube kaum, dass Du Dir wirklich eine anerkannte Berufsausbildung wünscht. Denn das würde bedeuten, dass diese staatlich reglementiert werden würde und es schnell vorbei wäre, mit der Vielfalt und Individualität alternativer Heilmethoden. Glaubst Du ernsthaft daran, dass es derzeit eine politische Lobby dafür gibt, die sich für einen Ausgleich gegenüber der Schulmedizin einsetzen würde? Die einzige Lobby, die ein Heilpraktiker hat, sind seine Patienten; besonders die, die wirklich Heilung erfahren haben...

Das besondere am Heilpraktiker ist, egal nach welcher Methode er praktiziert, dass er sich am Patienten bewähren muss. Denn der Patient bezahlt und will dafür auch etwas bekommen. Dies setzt sehr viel persönliches Engagement voraus. Denn ein Patient, der in der Behandlung keine Besserung erfährt, ist ganz schnell wieder weg. Die Heilpraktiker, die vollberuflich in der Praxis stehen (d.h. nicht nur so ein bisschen nebenher praktizieren!), haben sich daher meist auch bewährt.

Beim Schulmediziner ist das ganz anders. Durch das gesetzliche Krankenkassensystem wird er quasi gesponsert und es erscheint für den Patienten so, als wäre die Behandlung kostenlos - obwohl ihm das Geld hierfür monatlich automatisch aus der Tasche gezogen wird. Ferner hat der Arzt eine halbstaatliche Funktion; nur er kann Krankschreibungen und andere Bescheinigungen & Gutachten ausstellen. Außerdem ist er regelmäßige Anlaufstelle für legalisierte "Drogen". Das schafft Kundenbindung. Oder mit anderen Worten: Er muss sich nicht unbedingt am Patienten bewähren! Doch diese Wettbewerbsverzerrung hat auch ihren Nachteil, steht er doch zugleich unter dem Kartell der Pharma-, Diagnostik- & Medizingeräteindustrie, gegenüber dem bestimmte Abzahlungen zu leisten sind. Da kann man dann als Arzt (auch aus echtem Idealismus!) schon mal eifersüchtig zum Heilpraktiker hinüberschielen...

Letztlich muss man sich bewusst sein. Obwohl dem Patienten formal ausdrücklich die freie Wahl bzw. Abwahl von Therapiemethoden und auch die Behandlerwahl zugestanden wird, wird es diese Möglichkeit bald nicht mehr geben, wenn von ihr nicht Gebrauch gemacht wird. Der Patient muss also lernen kritischer, selbstverantwortlicher & mündiger zu werden.

:liebegrüße: Rafael Chiron

Knufflon
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Re: Neue Heilpraktiker Ausbildung-wer weiss mehr?

#4

Beitrag von Knufflon » Fr 19. Jan 2018, 14:48

Danke für diese gute Zusammenfassung! So ist es. Leider.
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Pain
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Re: Neue Heilpraktiker Ausbildung-wer weiss mehr?

#5

Beitrag von Pain » Mo 22. Jan 2018, 23:32

Schön geschrieben Rafael. :) ich glaube der Wunsch nach einer einheitlichen Ausbildung ist vielmehr der Wunsch nach der allegmeinen Akzeptanz des Berufes, denn leider hat der HP einen zwiespältigen Ruf und sie sind auch die ersten auf denen rumgehackt wird. Wenn ein Arzt einen "Kunstfehler" macht wird das schnell unter den Tisch gekehrt, aber wehe ein HP setzt den Blutegel falsch an :D Ich glaube wenn man HP werden will braucht man einfach ein dickes Fell und sehr viel Interesse an Schulmedizin und alternativer Medizin.
Ich werde leben, denn ich kann mich heilen, selbst wenn ihr Menschen sterbt,
aber du kannst lernen, wie Kinder es sollten, in Frieden unter dem Himmel zu wachsen.
-aus dem "Lied der Allmutter"

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