Die Ignoranz der Menschen

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Moira
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Re: Die Ignoranz der Menschen

#11

Beitrag von Moira » So 2. Apr 2017, 14:43

Niemand sollte versuchen umwelt"neutral" zu leben, jeder sollte sich bewusst sein, dass sein Handeln irgendwie geartete Konsequenzen hat und dass auch er nur ein Teil des Ganzen ist. Was ich auch sehr wichtig finde, ist der Focus auf das Kleine. Ich kann im Großen nur dann etwas veränder, wenn ich auf das Kleine achte. Was nutzt es mir einen Quadratmeter Regenwald zu kaufen oder ein Tier in Spanien zu retten, wenn bei mir vor der Haustür alles dem Bach runter geht? Es gibt den Spruch "Kehre vor deiner eigenen Haustür und nicht zwei Orte weiter!" Da ist durchaus was dran und DA kann man was erreichen. Ich kann mich aufrauchen für Ziele, die weit weg liegen oder ich kann etwas in meinem eigenen Bewusstsein ändern und dies dann weiter ziehen lassen. Man erreicht was, andere ziehe nach und nach einer gewissen Zeit vergrößert sich der Radius des Umdenkens ganz von alleine. Steter Tropfen höhlt den Stein. Diese Hauruckaktionen sind es, die mehr kaputt machen als sie nützen. Egal in welche Richtung. Ein Hauruck bewirkt immer, dass sich an einer Stelle etwas versteift und es zur Blokarde kommt. Dagegen ein stetig sanftes fließen schafft eine ganz neue Welt in Harmonie mit sich selbst. Es beginnt sich irgendwann ganz von selber zu bewegen und das viel schonender als man es jemals mit Hauruck erreichen würde und vor allem mussman sich dann auch nicht über etwas ärgern, sondern schöpft aus sich selber und nicht aus den Anderen. Das nennt man Eigenverantwortung. Ich kann nur mich selber ändern. Andere zu verändern liegt nicht in meiner Macht und nicht in meiner Befugnis. Wenn man das selber kapiert hat, raucht man sich selbst nicht auf. Raus aus dem notorischen Helfersyndrom, was letztendlich auf allen Seiten nur Frust schafft.
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Maire
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Re: Die Ignoranz der Menschen

#12

Beitrag von Maire » Mo 3. Apr 2017, 08:27

Ich danke euch!

Ich möchte nochmal betonen das ich meistens wirklich nur innerlich sauer bin, manchmal rutscht mir eine Bemerkung gegenüber des Verhaltens raus, aber das ist selten. Weil, ich weiß, es nervt.
Niemand will ständig hören was er falsch macht.

Viel eher versuche ich mit positiven Beispiel voran zu gehen. So habe ich z.B. meinen Kolleginnen auf der Arbeit die Säckchen gezeigt um Ost/Gemüse zu transportieren, um keine Plastiktüten mehr nutzen zu müssen.
Oder weise auch mal gern auf mein neuestes T-Shirt hin, fair, bio und vegan, damit gesehen wird das nachhaltige Mode weder hässlich noch teuer sein muss.

Nur manchmal, manchmal fühle ich mich innerlich echt ko. Als würde man gegen den Strom schwimmen (was man ja auch tut), das ist anstrengend. Da brauch ich eine Pause am Rand ;) Aber: Wichtig ist ja letztendlich nur, was ich selber tue.

Und auch wenn man über mich lacht: Ich habe eine Patenschaft für ein Kälbchen :)
Ja, es ist mega süss und nein, ich wollte keine Patenschaft für eine Katze. Weil eben auch ein Kälbchen das Recht zu leben hat. Und dann wurde ich gefragt, was das Kälbchen denn jetzt machen würde... und ich sage: Leben.

Es tat gut seinen Frust mal loszuwerden, mir geht besser und ich mach motiviert weiter :liebegrüße:
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Stadteule
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Re: Die Ignoranz der Menschen

#13

Beitrag von Stadteule » Mo 3. Apr 2017, 09:22

Maire hat geschrieben:
Fr 31. Mär 2017, 17:51
Aber genau das machen viele nicht. Das Menschen in Bangladesch von ihrer Arbeit nicht leben können weil wir hier billige Kleidung kaufen oder das Tiere leiden weil wir hier billiges Fleisch kaufen - das alles sind Dinge die änderbar wären wenn man bewusster Entscheidungen treffen würde.
Mir ist klar dass das nicht jeder kann - aber jeder sollte Rahmen seiner Möglichkeit es zumindest versuchen.
Das sehe ich wie Du. Meiner bisherigen Erfahrung nach bleibt mir aber oft (zunächst) verborgen, wo oder in welchem Rahmen jemand seinen Teil zu einer "besseren Welt" beiträgt und nicht immer sind die Maßstäbe, die jemand ansetzt die gleichen wie meine.
Beispiel: ein guter Freund von mir legt herzlich wenig Wert auf Umweltschutz, fährt dicke Autos, trägt Designerklamotten und all so Zeug - ich kenne aber niemanden, der sich stärker im Opferschutz und im Kinderschutz engagiert, als er. Sieht man ihm nicht an und erzählt er normalerweise auch nicht.

LiH hat geschrieben:
Fr 31. Mär 2017, 21:39
Missionierung oder schlechtes Gewissen einreden erzeugt fast immer nur Antipathie, außerdem finde ich so ein Verhalten grundsätzlich anmaßend.
Ich auch. Es steht niemandem zu, mir seine Maßstäbe als einzig richtige aufzuschwatzen, das tu' ich andersrum ja auch nicht.

Bodecea hat geschrieben:
Sa 1. Apr 2017, 09:19
Die dritten geben sich Mühe, aber manchmal habe ich das Gefühl, die sind am zerknirschtesten, weil ihnen bewusst ist, wie wenig ihr handeln weltweit bewegt bzw. wie viel Kompromisse sie eingehen müssen.
Ich glaube, an diesen Punkt kommen zumindest vorübergehend viele, die sich engagieren. Mittlerweile denke ich für mich: ich kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen, aber ich kann etwas tun und meinen Überzeugungen und Wertmaßstäben entsprechend handeln, das ist ein guter Ansatz, wenn das viele tun. Brächte ja auch nichts, wenn sich z.B. alle für die Rettung der Wale einsetzen würden und niemand mehr ehrenamtlich für die Tafel arbeiten würde.

Moira hat geschrieben:
So 2. Apr 2017, 14:43
Niemand sollte versuchen umwelt"neutral" zu leben, jeder sollte sich bewusst sein, dass sein Handeln irgendwie geartete Konsequenzen hat und dass auch er nur ein Teil des Ganzen ist.
Mit "niemand sollte" habe ich ein Problem, denn wenn es jemandem wichtig ist, kann er es doch tun *?*.

mrsmushroom hat geschrieben:
Sa 1. Apr 2017, 23:48
Es gibt viele Menschen, die sich etwas nehmen ohne zu geben.
Genau da bin ich mir echt nicht so sicher. Ich möchte nicht auf den ersten Blick urteilen, ob jemand nimmt ohne zu geben oder ob er nur da gibt, wo es mir vielleicht verborgen bleibt.

Meine eigenen Ansätze und Maßstäbe unterscheiden sich sogar von den Menschen mit vermeintlich ähnlicher Weltsicht manchmal erheblich. Hin und wieder kommt es dann zu Diskussionen, v.a. wenn irgendwer völlig selbstverständlich seine eigene Ansicht als die einzig nachhaltige, soziale etc. vertritt, denn darauf reagiere ich ziemlich empfindlich. Aber das ist dann halt so.

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Moira
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Re: Die Ignoranz der Menschen

#14

Beitrag von Moira » Mo 3. Apr 2017, 13:26

Stadteule hat geschrieben:
Mo 3. Apr 2017, 09:22
Moira hat geschrieben:
So 2. Apr 2017, 14:43
Niemand sollte versuchen umwelt"neutral" zu leben, jeder sollte sich bewusst sein, dass sein Handeln irgendwie geartete Konsequenzen hat und dass auch er nur ein Teil des Ganzen ist.
Mit "niemand sollte" habe ich ein Problem, denn wenn es jemandem wichtig ist, kann er es doch tun *?*.
Er kann es versuchen, doch egal WIE, er wird trotzdem irgendwie einwirken, denn von Luft und Liebe allein kann man nicht leben und essen will man auch. Ich verwende Papier, auch bei Recyclingpapier sterben Bäume, da pures recyling nicht funzt, dann muss das Papier aufbereitet werden, was auch wieder auswirkungen hat. Zwar weniger, aber es ist nicht "neutral". ich bewirtschafte ein Stück Land und grabe den Boden um. Ich setze einem Nahrungsarmen Boden Kompost hinzu, was auf diesem kleinen Stück "Natur" die Biologie des Bodens verändert. Einerseits sterben vorhandene Bodenkulturen ab und neue bilden sich bzw wirken auf dieses Stück Boden ein usw. Auch das ist nicht "Neutral". Schon garnicht zur Umwelt, weil ich auf meine eigene Umwelt vor meiner Haustür einwirke. Es ist keine Positiv-negativ-Wertung, es ist eine Feststellung, wenn man sich damit gedanklich auseinander setzt. Der Fehler der Menschen ist sich aus der Natur heraus zu nehmen und nach außen zu stellen anstatt sich als Teil des Ganzen zu sehen und als Teil des Ganzen wirkt man auch immer auf das Ganze mit ein.

Man kann umweltbewusst handeln, aber niemals neutral
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Re: Die Ignoranz der Menschen

#15

Beitrag von izento » Mo 3. Apr 2017, 13:55

Moira hat geschrieben:
Mo 3. Apr 2017, 13:26
Man kann umweltbewusst handeln, aber niemals neutral
Ich muß mich da Moira mal vollumfänglich anschliessen.

Auch vor meheren tausend Jahren hat der Mensch Tiere getötet und Früchte geerntet um zu essen, Bäume gefällt um daraus Häuser zu bauen und Feuer zu machen und in den Wald geschissen und dadurch wieder bestimmte Stellen gedüngt.
Das war niemals "neutral" - jedes Lebewesen hat seine Auswirkung auf die Natur.
...und es wird der Tag kommen dass die Welt versinkt im Chaos. Und wir werden auferstehen und tanzen auf den Ruinen.
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Re: Die Ignoranz der Menschen

#16

Beitrag von Stadteule » Mo 3. Apr 2017, 14:27

Ja aber egal, wenn es jemandem wichtig ist, das zu versuchen, steht es mir nicht zu ihm zu sagen, dass niemand das sollte. Vielleicht will er als Eremit in die Wüste und von Lichtnahrung leben, whatever. Und selbst wenn er dann nach objektiven Maßstäben immer noch in Wechselwirkung mit der Natur und seiner Umwelt steht, ist es immer noch seine Sache, wenn er weiterhin das Ziel verfolgt "umweltneutral" zu (über)leben.

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LiH
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Re: Die Ignoranz der Menschen

#17

Beitrag von LiH » Mo 3. Apr 2017, 20:15

Worüber ich mich immer wieder wundere...wie kam es eigentlich dazu, dass so viele überzeugt sind, man müsste entscheiden zwischen "ich oder die anderen" "Mensch oder Natur" "gesund oder erfolgreich" "billig oder bio" Spaß oder Umwelt"?

Das ist meiner Meinung nach der Hauptgrund für diese Ignoranz: Man möchte eigentlich nur glücklich sein und nix kaputt machen. Aber weil man glaubt, zwischen diesen Dingen entscheiden zu müssen, kommt man zu dem Schluss, dass man doch zunächst nach sich selber, der Familie, usw. gucken möchte und nimmt die Schäden am anderen Ende der Kette in Kauf. Weil man denkt, dass beides auf einmal nicht möglich ist. Und weil man sich eigentlich dafür schämt, für Schaden und Leid, mitverantwortlich zu sein, verdrängt manch einer das Thema lieber ganz.

Ich weiß nicht, woher die Überzeugung kommt, die o.g. Sachen wären Gegensätze.

Ein paar Beispiele:

Bio UND billig: Bei uns in der Stadt vergammeln sowohl auf städtischen, als auch auf privaten Grundstücken jedes Jahr Tonnen von Äpfeln. Keine Bio-Zertifikat, viel besser. Einfach Obstbäume, die ohne Ertragsdruck vor sich hin wachsen. Kostenlos! (Natürlich in Absprache mit den Besitzern.)

Pestizide, Herbizide, Monokulturen usw. mindern die Artenvielfalt und schaden den Lebensräumen von einigen Lebewesen. Es werden Lebensmittel produziert, die im Laden günstiger sind als bio-Qualität. Die andere Seite: gesetzlich ist der Schutz von Arten und Umwelt vorgeschrieben. Es werden also Unsummen ausgegeben, um selten gewordene Arten zu schützen, Lebensräume werden künstlich angelegt, u.v.m. (Ich bin Kreisvorstand und sehe deswegen regelmäßig die Zahlen.) Es fließt so viel Geld, um mehr schlecht als recht die Schäden zu reparieren - STEUERGELD. Für das, was uns als "günstig" verkauft wird, bezahlen wir in Wahrheit auf Umwegen sehr viel mehr. Da müsste man evtl. auf der politischen Ebene Dampf machen, direkt beim Einkaufen hat da wirklich nicht jeder die Mittel.

Schöne Sachen für die Wohnung und Kleiderschrank gehen nur durch Ausbeutung, wenn man wenig Geld hat? Mit Upcycling lassen sich wundervolle Unikate herstellen, die oft viel mehr Charme und Seele haben, als gekaufte Sachen. Es gibt mittlerweile so viele kostenlose Anleitungen, auch für Menschen mit wenig handwerklicher Erfahrung und ohne Spezialgeräte. Dafür braucht man Zeit...aber um die Läden abzufahren/abzulaufen doch auch!

Dann möchte man gerne schöne Haare haben, als Frau. Es werden Dutzende von Flaschen, Tuben, Kuren gekauft, auch ausprobiert und weggeworfen. Dabei sind diese "Pflege"-Produkte oft die Ursache von den Problemen, die man mit ihrer Hilfe beheben will. Z.B. weil sie Silikone enthalten, die das Haar nur gut aussehen lassen, ohne ihm gut zu tun. Solange man sie verwendet und am besten immer mehr davon. Viele machen die Erfahrung, dass - sobald man das nicht mehr verewendet - Seife/Shampoo + Leave-in mit z.B: Essig oder Kräutern und etwas Öl für die Spitzen, völlig ausreichen. Das ist umweltfreundlich UND billig UND gesund UND schön. (Dass es auch andere Fälle gibt und Haarprobleme auch andere Ursachen haben können, ist mir schon klar.)

Je mehr ich mich mit dem Thema umweltbewusstes, faires, tierfreundliches und auch menschenfreundliches Handeln auseinandersetze, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass der eigene Egoismus und die Ideale ganz oft auf dieselbe Handlung hinaus führen. Selbst wenn mir die Tiere schei*egal wären, würde ich keine Massentierhaltungsprodukte essen.

Deswegen glaube ich, dass viele Menschen sich weniger ignorant verhalten würden wenn sie nicht so fest den Glaubenssatz in sich verankert hätten, dass ihre eigene Lebensqualität und umweltbewusstes Handeln Gegensätze seien.

Salix-Alba
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Re: Die Ignoranz der Menschen

#18

Beitrag von Salix-Alba » Do 27. Jul 2017, 21:29

Hallo zusammen!

Mich treibt dieses Thema auch ziemlich um.
Aktion- Reaktion ist eine Sache.
Ich stimme euch da zu, dass jedes (Konsum)Verhalten einen Nachhall erzeugt.
Jeder oder die meisten von uns hier im Forum pflegen einen bewussten Umgang mit sich und der Natur. Verletzend finde ich es, wie inflationär Menschen mittlerweile mit der Natur, Lebensmitteln, anderen Menschen.. usw usf umgehen. Was mir an diesem Thema in erster Linie bitter aufstösst ist der Umgang miteinander.. Prassen, verschwenden, verletzen ist normal geworden. Man definiert sich über den Neid anderer Menschen, zumindest empfinde ich das so.

Für mich gehört das zum Thema des Threads dazu, weil es so gut veranschaulicht wie destruktiv sich Menschen in manchen Belangen verhalten können.
Das ist meine Meinung und leider auch das was ich so mitunter an Schwingungen wahrnehmen kann.
Liebe Grüsse
.. and into the forest i go, to lose my mind and find my soul.

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Feri
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Re: Die Ignoranz der Menschen

#19

Beitrag von Feri » Do 27. Jul 2017, 22:47

Die Menschen und ihre Psyche sind da schon ziemlich verwirrend... Manchmal frage ich mich, was ein Außerirdischer von uns denken würde, wenn er uns sehen könnte. Also wirklich als Außenstehender, neutral und ohne anerzogene Werte und Ansichten. Und der eben auch nicht den Menschen als Mittelpunkt der Welt sieht, sondern das Gesamtsystem Erde betrachtet.

Zu diesem "ganz oder gar nicht", das viele Leute dazu treibt, dann eben gleich gar nichts zu machen, oder das Kaufen von überteuerten Produkten, die sowohl ethisch als auch aus Sicht des Umweltschutzes eine absolute Katastrophe sind... Ich glaube, was dazu führt ist ein Mischmasch aus verschiedenen Ursachen. Die meisten Menschen wollen ja ansich niemandem was böses und auch nicht, dass die Leute die ihre Klamotten herstellen sich dran vergiften und die Natur zerstören. Aber Menschen sind Herdentiere - sie wollen dass ihnen gesagt wird was sie tun sollen und sie wollen nicht als Sonderling der Herde auffallen. Daraus ergibt sich, dass sie Verhaltensmuster die um sie herum "normal" sind, ebenfalls übernehmen und selten hinterfragen. Und wenn sie sie hinterfragen, dann sind die Hürden für ein tatsächlich abweichendes Verhalten hoch. Ich glaube, dass viele Leute tatsächlich automatisiert verdrängen bzw. das eigene Verhalten mit (teils sehr fadenscheinigen) Ausreden stützen aus Selbstschutz. Solche Ausreden sind das besagte "ganz oder gar nicht", da der Konsum heute so komplex ist, dass wohl niemand komplett durchblicken kann was man nun noch kaufen darf, ohne irgendwas Negatives zu finanzieren, noch essen kann was nicht irgendwie ungesund ist (nichtmal bei selbst angebauten Hülsenfrüchten, da schreien die Paleo-Anhänger schon wieder dass die ungesund sind) und überhaupt noch anfassen kann ohne irgendwelche Schadstoffe abzubekommen. Das überfordert die meisten Menschen schlicht - geistig, nervlich, vom Aufwand her, wie auch immer - und dann springt da die Werbung ein, oder irgendeine (aus fraglicher Quelle finanzierte) Studie. Und die Werbung agiert gerissen, denn sie wird von Psychologen entwickelt. Den Menschen wird wieder gesagt, was sie tun (d.h. was sie konsumieren) sollen, und die sind glücklich und tun es. Völlig egal, dass die Bodylotion "mit wertvollem Mandelöl" (in quasi homöopathischer Dosis vorhanden irgendwo zwischen Wasser, Erdöl, Parfum, Farbstoffen, Glitzerpigmenten und anderem Zeug) in der Plastikflasche genauso viel kostet wie eine Flasche richtiges Mandelöl - einem wird gesagt das ist gut, das soll man kaufen, die Frau in der Werbung hat schöne Beine (und ist glücklich verliebt, erfolgreich usw. usf., die Werbung für ein Produkt hört ja nicht bei diesem auf). Klar gibt es immer auch Studien die sagen, dass diese Sachen überteuert und ungesund und umweltschädlich sind. Aber die Informationen die der Mensch aufnimmt wird gefiltert, es kommt nur durch was man hören möchte, der Rest wird möglichst unreflektiert verdrängt und abgetan.

Daher glaube ich kaum, dass sich mit reden und erzählen wirklich dauerhaft und in der breiten Masse was ändern würde. In der Evolution schien diese Herdentiertaktik nämlich bislang ein erfolgreiches Vorgehen gewesen zu sein, denn nur in der Herde konnten wir überleben, daher war dazugehören das wichtigste. Das legt eine Spezies ja nicht so einfach ab. Aber, um hier selbst mal vom schwarz-weiß-Denken wegzukommen: einige denken quer. Und erreichen dadurch auch wieder weitere Personen. Ob das ein "Anfang" ist oder ob es nie wirklich viel weiter gehen wird (denn bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts organisieren sich Umwelt- und Naturschützer und engagieren sich politisch), ist fraglich. Aber immerhin handeln nicht alle wie die Zombies.
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Felis Saeva
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Re: Die Ignoranz der Menschen

#20

Beitrag von Felis Saeva » Fr 28. Jul 2017, 08:00

Ich glaube, die Menschen, die nicht so umweltschützend, sozial, kreativ, aufbauend, bewahrend, etc. unterwegs sind, sind da, um uns einen Spiegel vorzuhalten.

Wie sehr ruhe ich in mir? Wie sehr mache ich etwas, weil ich davon überzeugt bin und wie sehr mache ich etwas, weil ich andere überzeugen oder beeindrucken möchte.

Je mehr ich in mir ruhe, desto eher bin ich in der Lage, vorbildlich zu leben, ohne es selbst so zu sehen. Ich tu einfach mein Ding. Egal was andere davon halten, dazu sagen oder ob sie mitziehen. Ich leiste meinen persönlichen Teil. Wer dabei mit macht: Herzlich willkommen. Wer nicht: Schönes Leben.
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