Christian Rätsch & Claudia Müller-Ebeling 12.07.2019 in Marburg

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Rotfuchs
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Christian Rätsch & Claudia Müller-Ebeling 12.07.2019 in Marburg

#1

Beitrag von Rotfuchs » Do 13. Jun 2019, 12:12

Vielleicht ist das ja für einige interessant:

Christian Rätsch und Claudia Müller-Ebeling kommen für einen Vortragsabend nach Marburg.

Er spricht über Ayahuasca und allgemeines zu Zauberpflanzen

Sie spricht über Frauen in der Psychedelik

Ort: Hörsaalzentrum Marburg
Einlass: 19 Uhr
VVK: 15€
Abendkasse: 18€


Der Vorverkauf kann hier gefunden werden: https://www.hipf-marburg.de/ticketverkauf/


Nach den Vorträgen gibt es eine Fragerunde und eine Autogrammstunde.

Dr. phil. Christian Rätsch,
geb. 1957, studierte in Hamburg Altamerikanistik, Ethnologie und Volkskunde und promovierte - finanziert vom DAAD (Deutscher Akademischer Auslandsdienst) - zum Erlernen von Zaubersprüchen bei den Lakandonen. Er erlernte die Mayasprache der in Chiapas, Mexiko, lebenden Lakandonenindianer, bei denen er insgesamt drei Jahre lebte. (...)

Auswahl seiner Bücher:
1996 Räucherstoffe ? Der Atem des Drachen. Aarau: AT Verlag (3. Aufl. 2002).
1998 Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Vorwort von Albert HOFMANN. Aarau: AT Verlag. Ebenfalls: Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (WVG).[6., korrigierte Aufl. 2001]
2003 Lexikon der Liebesmittel: Pflanzliche, mineralische, tierische und synthetische Aphrodisiaka, Aarau: AT Verlag.


Dr. phil. Claudia Müller-Ebeling (Jahrgang 1956)

studierte Kunstgeschichte, Ethnologie, Indologie und Literaturwissenschaft in Freiburg, Hamburg, Paris und Florenz. Promovierte in Kunstgeschichte über visionäre Malerei im 19. Jahrhundert am Beispiel des französischen symbolistischen Malers Odilon Redon.

Studienreisen zur Erforschung des Heilpflanzenwissens und Gebrauchs auf Guadeloupe (Karibik) und auf den Seychellen. Langjährige Erforschung des Schamanismus in Nepal mit vergleichenden Studien in Korea, im Amazonasgebiet von Peru und in Kolumbien.

Auswahl ihrer Bücher:
"Verbotene Visionen - Hexen und ihre Kräuter in der Kunst, Schamanisches Erbe des Hexenbildes", Hexenwelten. Mitteilungen aus dem Museum für Völkerkunde Hamburg, Neue Folge Bd. 31: 45-68.
"Die Dämonisierung der Natur", Rituale des Heilens. Ethnomedizin, Naturerkenntnis und Heilkraft, hrsg. von Franz-Theo GOTTWALD und Christian RÄTSCH, Aarau: AT: 15-22.
"Schamanische Elemente in der Kunst von Joseph Beuys", Schamanische Wissenschaften. Ökologie, Naturwissenschaft und Kunst, hrsg. von Franz-Theo GOTTWALD und Christian RÄTSCH, München: Diederichs: 226-237.
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Re: Christian Rätsch & Claudia Müller-Ebeling 12.07.2019 in Marburg

#2

Beitrag von Ashar Starchild » Mi 3. Jul 2019, 14:27

sehe jetzt erst, dass die Veranstaltung einen ganz schön "saftigen" Entrittspreis hat :girlie-oh-my-god:
wollte eigtl hin, aber das wird wohl dann doch eher nichts :(

Schade! Jedenfalls wünsche ich denjenigen, die hingehen einen interessanten Abend!

LG Schnee
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Re: Christian Rätsch & Claudia Müller-Ebeling 12.07.2019 in Marburg

#3

Beitrag von Rotfuchs » Fr 5. Jul 2019, 10:42

nur ganz kurz:
Der Preis ist bei 15€ (AK18, Ermäßigt 12,50, Begleitpersonen von Menschen mit Behinderung frei), das ist je nach Einkommen nicht wenig.

Aber Räume Kosten hohe 3-stellige Beträge, Rätsch und Müller-Ebeling bekommen sehr viel Gage (Richtwert: niedriger 4-Stelliger Bereich), üblicherweise zahlt der Veranstalter Hotel, Anfahrt und Abendessen...
Dabei sind noch nicht die Druckkosten für Werbung und Tickets.
Gehalt bekommt keiner der Organisatoren oder Helfer (Arbeitszeit für den VVK ist üblicherweise nicht wenig).

Nicht als Kritik.. sondern nur dass keine falschen Vorstellungen aufkommen. :)
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Re: Christian Rätsch & Claudia Müller-Ebeling 12.07.2019 in Marburg

#4

Beitrag von Ashar Starchild » Do 11. Jul 2019, 16:49

An diesem WE findet in MR auch das Marburger Stadtfest "3 Tage Marburg" statt, Eröffnung ist Freitag 18:00 und dem entsprechend wird mehr los, mehr Autos und Menschen auf den Strassen sein -> gut wenn man mehr Zeit einplant um zum Audimax zu gelangen, denn das befindet sich zwischen den beiden Hauptveranstaltungsorten: Lahnwiesen und Oberstadt

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Re: Christian Rätsch & Claudia Müller-Ebeling 12.07.2019 in Marburg

#5

Beitrag von Ashar Starchild » Sa 13. Jul 2019, 18:59

Hi,

erstmal möchte ich Dir, Rotfuchs und dem HIPF Team danken, dass Ihr die beiden nach MR geholt habt :thumbup: es war für mich sehr interessant und ich konnte von beiden Vorträgen auch etwas für mich mitnehmen :girlie-mr-miyagi:
Auch war es schön, Dir mal persönlich zu begegnen :thumbup:

hier meine Eindrücke und, was ich mir notiert habe - natürlich wurde viel mehr gesagt ...

Frau Dr. Müller Ebeling zum Thema: Frauen in der Psychedelik:



Sie erzählte von einem Besuch bei den Lakandonen im Amazonas. Dort gab es ein "Männerhaus", in dem das Ayahuasca Ritual abgehalten wurde. Die Frauen sassen am Rand und beobachteten das Geschehen.... ihr wurde durch die Dynamik der Unterhaltung der Frauen klar, dass diese sich über die Männer amüsierten und garnicht - wie sie zunächst dachte ausgeschlossen seien, sondernihr wurde klar, dass Männer spirituelle Rituale brauchen, Frauen weniger oder nicht, weil Frauen sowieso durch Schwangerschaft, Geburt, bei der sie auch sterben können sowieso an den Kreislauf des Lebens angebunden sind - Männers halt nicht....

*bämmm* machte es bei mir und mir wurde endlich klar, wieso:
1. Männer und Frauen manchmal so komische Sessions, wie "Women Sharing Circle"/Res Tent oder "Men Sharing Circle" brauchen .... bis jetzt fand ich das immer doof, dachte: wieso machen die nicht einen inklusiven Sharing Circle - aaaber unter dem Aspekt: klar, das ist anders!
2. wieso ich beim Konsum von .....ääähm... gewissen Substanzen, Pflanzen :joint: in den meisten Fällen nur die körperliche Wirkung spüre

die 2. Geschichte, die sie erzähle erlebte eine mit ihr befreundete Ethnologin, die einen Stamm in Westafrika besuchte. Es war ihre letze Forschuungsreise und sie hatte sich das Thema "Stillen und die Frau" vorgenommen, denn das war das Einzige, das sie noch nicht erforscht hatte.
Sie stellte fest, dass Säuglingsmädchen wenn sie schrien, ignoriert wurden, Säuglingsjungen hingegen sofort die Brust bekamen. Auf ihre Frage diesbezüglich wurde ihr geantwortet, die Mädchen sollen sich gleich daran gewöhnen, dass sie im Leben zu kurz kommen....

mir fiel dazu die Saharasia These von James De Meo ein, die sich imo durch die beiden Berichte bestätigt..... :girlie-gfk:

Daher war/ist Frau Dr. Müller-Ebelings Anliegen, vor allem über die Frauen in der Psychedelik/Psychonautik zu referieren.

Sie stellte u.a Maria Sabina vor, deren Biographie "Botin der heiligen Pilze" lautet, sowie Bücher von Marlene Dobkin de Rios: Visonary Vine: Hallucinogenic Healing in the Peruvian Amazon; A Hallucinogenic Tea, Laced with Controversy: Ayahuasca In The Amazon And The United States... sie hat noch weitere Bücher mit interessanten Titeln geschrieben, von denen jetzt ein paar auf meiner Wunschliste stehen :thumbup:

Dann zeigte sie noch Fotos sowohl von psychedelischen KünstlerInnen als auch von deren Bildern. Hier die Seite von Nana Nauwald. Sie erlernte von ihrem Vater das Handwerk des Restaurierens und u.a dafür die Lasurtechnik, Zusammensetzung von Farben, wie man welche Pigmente berwendet wodurch ihre Bilder die ungeheure Strahlkraft und Tiefe bekommen - finde Ihr Bilder hammergeil!!!

https://visionary-art.de/bilder/

und auch hier hab ich wieder was für mich mitgenommen: Frau Dr. Müller-Ebeling berichtete, wie Nana Nauwald´s Bilder entstehen: für ihre Bilder verwendet sie eine schwarze – nicht weisse – Grundierung. Dann setzt sie sich davor und malt, die Bilder die in ihr hoch kommen.
Bei mir machte es "click", denn ich kapierte, dass ich die Bilder, die ich im Kopf habe, nicht genauso – und das war mein Problem: sie sind nämlich "mehr-als- 3dimensional" und so auf einem 2dimensonalem Medium (Bild) nicht darstellbar... - malen muss, sondern einfach das, was mir dazu bildhaft einfällt und mit einer schwarzen grundierung umgehe ich die Blockade, die ich da in Bezug auf meine Mam habe, denn sie malt-e immer auf eine weisse Grundierung :D

Dann zeigte sie noch ein Bild von Maria Torres in dem sie ein Pilzritual/Velada von Maria Sabina darstellt. Leider finde ich das Bild nicht, es ist auf den ersten Blick gegenständlich gemalt, Kennern von Pilzritualen eröffnet sich jedoch dass sie eben eine Velada dargestellt hat - alle Utensilien sind genauso vorhanden, wie sie benötigt werden:
sehr sorgfältig, als hübsches Geschenk verpackte Zigarren: zum Schutz unfals Geschenk an die Geistern, die Dreiheit: Tabak, Mais (auch als Orakelgenutzt) und Bohnen (bin mir nicht sicher, ob ich das korrekt notiert habe..? Rotfuchs, erinnerst Du Dich vllt ? ), Schnaps für die Geister, damit sie vom Kranken ablassen.
Dann erwähnt sie noch, dass man mit der Tabakasche sowohl magische, als auch pragmatische Kreise ziehen kann: die Tabakasche hält Insekten fern.
Auf eine Frage aus dem Punblikum, was mit dem Schnaps gemacht wird: der Schnaps wird versprüht.

Dann berichtete sie noch darüber, dass in manchen Stämmen die Frauen erst, wenn sie sich in den Wechseljahren befinden anfangen Ayahuasca zu konsumieren, in anderen Stämmen trinken Frauen während ihres ganzen Lebens Ayahuasca, auch während der Schwangerschaft und es wird oft einem Neugeborenen als erstes, noch vor der 1. Muttermilch gegeben, damit das Neogeborene den kontakt zu der Welt, aus der es gerade gekommen ist aufrecht erhält, in Mexico gilt das selbe für Peyotl.
Bzw nehmen in manchen Stämmen die Frauen während ihrer Menstruation keine psychedelischen Pflanzen zu sich, weil sie sonst zu stark sind, iin anderen wiederum spielt das keine Rolle -> diese Info begegnet mir jetzt zum 2. Mal, das 1. Mal war es im Kontext mit Schwitzhütten

Gute Überleitung zum anschliessenden Vortrag über Ayahausca von Dr Rätsch :thumbup:

Dr Rätsch referierte frei und stellte sich auf das Publikum ein, indem er zunächst ein paar Statements formulierte und Fragen stellte, um dann den Reaktionen folgte, wie zB:
Religion ist eine kulturelle Geisteskrankheit
in der Spiritualität erfahren wir die GöttInnen
Brauchen wir einen Sinn des Lebens?

Zunächst gab er -ziemlich schnell – ein paar Tips für Ayahausca Konsum:
Fahrt einfach ....da ... und dort.. hin zu den Chipivas in den Amazonas und fragt danach :D
Es muss immer im Dunkeln - im Hellen "sieht man nichts" und rituell konsumiert werden. Die Geister des Ayahuasca werden ziemlich sauer, wenn man überheblich ankommt, man ist ein Lernender
Zu sonstigen Ratschlägen zur Verwendung bzw was zu beachten sei, meinte er: das einzige, was stimme, sei, dass man Sex nur aus Liebe machen soll, während der Ayahuasca Wirkung, der Rest (fasten, kein Salz essen etc ) ist Quatsch! Bis auf den Punkt, dass Tabak während der Wirkung unbedingt dazu gehört, weil Tabak erst die Wirkung ermöglicht, er ist der Hilfsgeist, ein Verbündeter, eine Heilpflanze und ein Geschenk der Götter, der die beiden Spirits von Anaconda + Jaguar = Liane und der Strauch, aus dem Ayahausca gebraut werden, erst "aktiviert":
"Ayahausca ohne Tabak ist wie Spaghetti ohne Sauce"
Auch betonte er, dass es keine Ayahausca "Zeremonie" gäbe, Zeremonien sind einstudierte Verhaltensabläufe, sondern stets ein Ritual sei, denn bei einem Ritual sind alle miteinander verbunden.
Hier möchte ich anmerken, dass ich diese Beschreibung vollkommen begrüsse, denn ich kenne es so, dass ein Ritual ein lebendiges Symbol ist und Symbole die Sprache des Bewusstseins sind Zeremonien sind für mich Abläufe ohne Energiearbeit – freute mich, dass er das ähnlich sieht.

Dann knallte er mit der Info zur Entstehung von Ayahausca ´raus, dass ein Schamane das Wissen von Sirius (sic!!!) bekommen hat – ich war total baff weil in der äg. Mythologie Sirius = Sopdet mit Aseth (äg für Isis) in Verbindung steht und Aseth ist ja die grosse Zauberin, bzw in der Kabbala werden beide der Du´at zugeordnet. Auch habe ich schon lange die Idee/bzw erfahre ich es so, dass der ganze ritualmagische Pomp sich eigtl aus afrikanischen - schamanischen Praktiken entwickelt hat.
Dann führte er die wichtigsten Dinge, im Umgang mit Ayahuasca an:
-> ein offenes Herz ist das Tor zur Welt
-> nicht mit Religion mixen (er sprach vorher darüber, dass inzwischen Christen in Südamerkia Ayahausca nutzen und eben in Verbindung mit Jesus etc setzen)
-> Schamanen eröffnen uns den Blick hinter die Illusionen
-> wir sind Lernende
-> macht nur, was ihr wirklich wollt und findet das ´raus!
Dann ging er noch – durch eine Frage aus dem Publikum – daruaf ein, dass der Verstand und das Herz nur funktionieren, wenn man den Sex gleichwertig, alle 3 gleichwichtig sieht
Und erwähnte noch so beiläufig, dass wenn man Freude am Leben erfährt, sich die Frage nach dem Sinn des Lebens erübrigt und er mal in einer Ayahuasca Reise gestorben ist und das als rieeeeesigen Orgasmus erlebt hat- also braucht mn auch keine Angst vorm Tod zu haben, wenn seine Vision stimmt. Wir kommen mit einem Orgamsus – seine Mutter hatte einen bei seiner Geburt – und gehen mit einem Orgasmus
Dann gab es noch eine Autogrammstunde und jetzt ist mein Buch von ihm "Räucherstoffe – Der Atem des Drachen" von ihm signiert

Es war ein interessanter und lehrreicher Abend und ich werde mich freuen, wenn es wieder sowas gibt und Du, Rotfuchs uns darüber informierst :thumbup: :hüpf:

LG Schnee
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