Labyrinthe

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Peregrin
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Labyrinthe

#1

Beitrag von Peregrin » Do 26. Jul 2018, 14:57

Bild

Wie die Überschrift schon sagt, hier soll es um Labyrinthe gehen. Jede Kultur kennt Labyrinthe, Steinritzungen sind bis in die Anfänge der Menschheit zurückzudatieren, es gibt Mythen über Labyrinthe (das griechische um König Minos ist vielleicht das bekannteste), es gab Kulte, die mit Labyrinthen zu tun hatten (Labyrinthtänze) und die Christen haben einen Teil davon übernommen. Labyrinthe werden als Kraftorte angesehen (Das Mosaiklabyrinth von Chatre ist hier wohl das bekannteste). Letztens wurde hier auf eine Veranstaltung hingewiesen, in dem ein Labyrinth eine Rolle spielte. In der Popkultur hat das Thema eine Bedeutung (Film: Pans Labyrinth. Oder: "Labyrinth gegen Söhne Mitras" in der TV-Serie "Da Vincis Deamons")

Darum wundert mich, dass das Thema hier noch nie aufgenommen wurde. :shocked: (Ich habe es mit der Suchfunktion jedenfalls nicht gefunden...)

Erzählt doch mal etwas von euren Ideen zum Thema Labyrinth. Hat das überhaupt eine Bedeutung für euch? Ist das sogar Teil eurer Praxis? Wie sind eure Deutungen? Und so weiter, und so fort. Erzählt doch mal.
:stuhlkreis:

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Schneewoelfin
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Re: Labyrinthe

#2

Beitrag von Schneewoelfin » Do 26. Jul 2018, 16:10

Hi Peregrin,
Peregrin hat geschrieben:
Do 26. Jul 2018, 14:57
Hat das überhaupt eine Bedeutung für euch? Ist das sogar Teil eurer Praxis? Wie sind eure Deutungen? Und so weiter, und so fort. Erzählt doch mal.
ich habe mal die Interpretation gehört, dass ein Labyrinth die Suche nach sich selbst/dem Höheren Selbst symbolisiert, bei der man seinem Schatten (bzgl des kretischem Labyritn´s: dem Minotaurus) begegnet - ein Initiationsweg also. Der Ariadne Faden soll dabei die Intuition symbolisieren, durch die man wieder zurück findet.
In diesem Kontext wurde auch darauf hingewiesen, dass die Symbolik des Stiers etwas mit dem Platonischen Weltenjahr in Bezug auf die Erbauung (hier des Labyrinth´s) zu tun haben soll - dazu gibt es unterschiedliche Ansätze: dieser Interpretation zu Folge soll eine Kulturepoche ca 2160 Jahre dauern solange, wie die Sonne benötigt, um ein Tierkreiszeichen rückläufig zu durchlaufen (Christentum: Fische, jetzt Age of Aquarius.....) Dem zu Folge wäre das kretische Labyrinth vor ca 6.000 Jahren erbaut worden.
(Ähnliche zeitliche Interpretationen existieren in diesem Zusammenhang auch bzgl den Geschichten aus dem AT: die Judäer verehren das Goldene Kalb, was auf das Ende des Stierzeitalters hinweisen soll, da es sich ja auf einen rückläufigen Umlauf bezieht; oder in Ägypten auf die Widderallee in Luxor.

Auch wenn die Wortherkunft des Begriffes Labyrinth ungeklärt ist, gibt es doch Ansätze:
Die Herkunft des Wortes Labyrinth (griechisch λαβύρινθος labyrinthos) ist ungeklärt.

MacGillivray will es auf den Pränomen Labaris des ägyptischen Pharaos Amenemhet III. zurückführen. Laut Egli ist das griechische Wort verderbt aus ägyptisch Lope-ro-hun.t (‚Palast am Eingang des Sees‘), in Bezug auf ein Gebäude an einem See, wo Statuen von König Amenemhet III. und dessen Gemahlin stehen. Eine alte Theorie sieht einen Zusammenhang zwischen den Worten Labyrinth und Labrys (was ursprünglich (Doppel-)Axt bedeutet haben könnte) mit der Ortsendung -inthos.

Der Kunsthistoriker Henry M. Sayre (* 1948) vermutet, dass die Griechen den komplex gebauten Palast von Knossos, aufgrund der zahlreich auftauchenden Abbildungen von Doppeläxten im Palast selbst, "das Haus der Doppeläxte" nannten (labyrinth) und das Wort später dann seine Bedeutung Irrgarten erhielt.[4][5] Nach Karl Kerényi bezeichnete das Wort Labyrinth einen Steinbruch mit vielen Schächten und Gängen.[6] Eine der ältesten Quellen für das Wort ist eine bei Knossos gefundene Steintafel in Linear B, welche die Wörter DA-PU-RI-TO-JO PO-TI-NI-JA enthält. Aus DA-PU-RI-TO-JO könnte das Wort Labyrinth entstanden sein.[
Quelle Wiki

LG Schnee
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Re: Labyrinthe

#3

Beitrag von Peregrin » Do 26. Jul 2018, 17:18

Danke für die Antwort! :)
Schneewoelfin hat geschrieben:
Do 26. Jul 2018, 16:10
ich habe mal die Interpretation gehört, dass ein Labyrinth die Suche nach sich selbst/dem Höheren Selbst symbolisiert,
Das denke ich auch.

Schneewoelfin hat geschrieben:
Do 26. Jul 2018, 16:10
In diesem Kontext wurde auch darauf hingewiesen, dass die Symbolik des Stiers etwas mit dem Platonischen Weltenjahr in Bezug auf die Erbauung (hier des Labyrinth´s) zu tun haben soll - dazu gibt es unterschiedliche Ansätze: dieser Interpretation zu Folge soll eine Kulturepoche ca 2160 Jahre dauern solange, wie die Sonne benötigt, um ein Tierkreiszeichen rückläufig zu durchlaufen
Das das Labyrinth auf verschiedenen Ebenen etwas mit den Planeten zu tun hat, das liegt auch nahe. :girlie-nick:
Ich habe in Bezug auf den Minotaurus gar nicht an das Tierkreis-Stier gedacht, darum danke für deinen Hinweis! :thumbup: Wohl weil Labyrinthe an sich schon viel älter sind und ich mich vor allem auf die in Nordeuropa konzentriert habe, habe ich da gar nicht dran gedacht. Aber klar, das macht absolut Sinn. :girlie-nick:
Ich dachte nur an den Minotaurus als den Tier-Menschen, der vom Helden überwunden werden muss, um ganz Mensch/höherer Mensch zu werden.

Über den Namen "Labyrinth" an sich hatte ich mir auch noch keine Gedanken gemacht. Ich fand es nur spannend, das das griechische "Haus des Dädalus" = Labyrinth, dem "Haus des Wieland" in Skandinavien entspricht. Dädalus ist ja laut des Mythos der Erbauer des Labyrinths, das ist also der Name klar. Aber es gibt keinen Mythos, der den Schmied Wieland/Völundr/Wayland aus der germanischen Sagenwelt direkt mit einem Labyrinth in Verbindung bringt.

Ah, da fällt mir ein sehr, sehr guter Roman wieder ein: Die "The Winter of the World" Trilogie von Michael Scott Rohan. Er nimmt und interpretiert alle nordischen und finnischen Sagen um Wieland als Gesamtheit. Dabei bringt er das Labyrinth mit ins Spiel, indem er Wieland als König Nidungs Gefangener dem eine Mauer gegen die Invasion seiner Feinde baut, die Irrgarten-artige Eingänge hat, die den Angriff seine Kraft nehmen und die mit Fallen gespiekt sind.
Okay, das hat aber nichts mit der arkanen Bedeutung von Labyrinthen zu tun.


P.S.: Hö? Ich lese gerade in der Wiki: "In einigen Versionen der Sage wird Wieland von seinem Bruder Egil unterstützt. Dieser ist ein berühmter Bogenschütze und Jäger. Um ihn zu testen, lässt ihn Nidung einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen – dieser Teil der Sage zeigt deutliche Motivparallelen zur Sage von Daidalos und vom Meisterschützen Toko bei Saxo Grammaticus, die als Vorbild für die Entstehung der Legende des Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell im 15. Jahrhundert diente."

Wo genau drin liegt denn die Parallele zu Daidalos? Ich kenne mich, wie es scheint, mit den Griechischen Sagen zu wenig aus, da das viiiiiiiel zu lange her ist, dass ich die mal gelesen habe...

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Re: Labyrinthe

#4

Beitrag von Peregrin » Do 26. Jul 2018, 18:18

Falls hier von den Schweizer Forumsmitgliedern jemand mit liest: Ist einer kommt jemand von euch nach Zürich?

Das Labyrinth finde ich total spannend: http://www.ksbuelach.ch/fach/as/galleri ... _19_03.htm Leider findet man da im Internet so gut wie gar nichts drüber. :(
Und es scheint auch nur eine einzige halbwegs vernünftige Farbaufnahme zu geben. (Ich bekomme leider keinen direkten Link hin - einfach mal "labyrinth lebensbaum zürich" in der Bildersuche eingeben, das erste ist es.)

Was erkennt ihr in dem Dings rechts zwischen Baum und Fleur de Lys? (Im farbigen Bild orange-braun)

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Re: Labyrinthe

#5

Beitrag von Schneewoelfin » Do 26. Jul 2018, 21:08

Peregrin hat geschrieben:
Do 26. Jul 2018, 18:18
Was erkennt ihr in dem Dings rechts zwischen Baum und Fleur de Lys? (Im farbigen Bild orange-braun)
erkennen? nix :nein1: ... geraten: Schlange, Ast, Haken :nixweiss:
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Re: Labyrinthe

#6

Beitrag von Peregrin » Do 26. Jul 2018, 21:39

Ich hatte bei dem schwarzweißen Bild ja ein hebräisches Schriftzeichen vermutet, käme vielleicht hin, wenn oben noch eine Schleife wäre. Aber auf dem farbigen sieht das nur aus wie ein Bogen. Manno, dass man da nicht mehr drüber findet. Es ist mir nicht mal klar, was das für ein Material oder wie verwittert das ist... :worried: War das schon immer farbig, oder hat man das nachträglich angemalt...?

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Re: Labyrinthe

#7

Beitrag von Schneewoelfin » Do 26. Jul 2018, 21:47

Peregrin hat geschrieben:
Do 26. Jul 2018, 21:39
War das schon immer farbig, oder hat man das nachträglich angemalt...?
das s/w Bild ist auf der HP der Stadt Zürich - schreib die doch einfach mal an ;)
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Re: Labyrinthe

#8

Beitrag von Catweazle » Do 26. Jul 2018, 21:52

Knossos in seiner heutigen Gestalt wird ja gerne als "mißglückte Rekonstruktion" bezeichnet, insofern ist bei der Interpretaion der Dekoration Vorsicht angebracht. Auffallend sind die zahlreichen und aufwendigen Darstellungen von Delphinen und Stieren, Doppeläxte habe ich im ganzen Areal ganze 2 mal und in sehr schlichter Ausführung gesehen. Ich würd ja auch gerne ein Foto anhängen, weil die Delphine wirklich sehenswert sind, aber der Editor mault, dann die Datei sei als Anhang zu groß ?

https://www.imagebanana.com/s/1131/dtU5lfFZ.html
Zuletzt geändert von Catweazle am Fr 27. Jul 2018, 06:29, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Labyrinthe

#9

Beitrag von Peregrin » Do 26. Jul 2018, 22:39

@ Catweazle: Am Besten immer in einem externen Bildhoster (z.B. www.imagebanana.com) hochladen und hierher (als vergrößerbares Vorschaubild) verlinken.

P.S: Im anderen Thread sagst du ja, dass du immer auf der Suche nach schönen Orten bist. Das Bild oben (Waldlabyrinth) habe ich im Bexaddetal gemacht, einem absolut wunderschönen, geschichtsträchtigem Ort in dessen Umkreis es auch Großsteingräber und andere sehr tolle Orte zu erkunden gibt.

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Re: Labyrinthe

#10

Beitrag von Lynx » Do 26. Jul 2018, 22:54

Das mit der Doppel- Axt wurde auch auf der o.g. Veranstaltung genannt. Weiter darauf eingegangen wurde damit auf den Hinblick der Bedeutung im Jahreskreis - insbesondere dem Lauf der Sonne. Die immer enger werdenden Bögen/ Schlingen dieses Labyrinth- Typus können als Weg der Sonne über den Himmel gedeutet werden, der immer kürzer bis zum Zentrum (Wintersonnenwende) wird und die Sonne von dort von einem Helden befreit werden muss. Uns wurde erzählt, dass das vermutlich mit einem zeremoniellen Lauf durch das Labyrinth geschah.

Ich glaub ich hatte oben etwas von Irrgarten-artig gelesen, finde es aber nicht wieder :/
Bedeutungsmäßig ist (zumindest für mich) Labyrinth und Irrgarten zu trennen, allein dass der Irrgarten Jahrhunderte später enstand (Spätrenaissance).
Klassische Labyrinthe haben keine verzweigungen, weshalb z.B. das "Labyrinth" des König Minos, streng genommen garkeins ist.

Bedeutungen für mich:

Labyrinth:
*Weg zur Einkehr, inneres Zentrum
*(meditativer) Weg zur Trance
*Energiefeld
(*Ich persönlich beziehe mich auf kein Labyrinth im Jahreskreis)

Irrgarten:
*Schutz, Wall
*(Irr-)Weg zur Erleuchtung (quasi ein Synonym für den Lebensweg)
*Gefängniss, Problem, Rätsel

LG, Lynx

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