Anspruch und Kritik an spirituellen Lehren und Weltbildern

Benutzeravatar
<kranich>
Beiträge: 283
Registriert: Sa 4. Mai 2013, 09:06
Benutzertitel: ∵ i think ∴ i am

Re: Anspruch und Kritik an spirituellen Lehren und Weltbildern

#21

Beitrag von <kranich> » Sa 28. Apr 2018, 16:12

Nunja, ich bin ja freifliegend-eklektisch, also muss ein System für mich nicht geschlossen sein, sonder ich übernehme Teile, die ich als schön, nützlich....etc empfinde.

Ich kann zum Beispiel Teile der Kabbalah faszinierend und "richtig" empfinden, ohne das ich mir eine Kippa aufsetzen muss. Ich kann das Crowley-tarot mögen, ohne zu behaupten, das ich das Liber Al verstanden hätte. Ich kann einen Luziferianischen Satanismus verstehen, ohne das ich auf "das Recht des Stärkeren" bestehe. Ich kann "grüne" Esoterik mögen, ohne technologiefeindlich zu sein.

Und wenn ich das kann, dann muss das auch "andersherum" gelten: Menschen sind Frei. Und Fehlbar. Auch wenn Sie irgendwelche Gurus sind. Wenn (eingangsbeispiel) der Makrobiotiker die ....hmmmmm... vielfalt in sexuellen Beziehungen verurteilt, so muss ich das ja nicht übernehmen.

Newton (zum Beispiel) war wohl auch ein großer Alchemist. Trotzdem hat seine Übersetzung der "Tabula" keinen Einzug in die Physikbücher gehalten :)

It is true without lying, certain and most true. That which is Below is like that which is Above and that which is Above is like that which is Below to do the miracles of the Only Thing. And as all things have been and arose from One by the mediation of One, so all things have their birth from this One Thing by adaptation. The Sun is its father; the Moon its mother; the Wind hath carried it in its belly; the Earth is its nurse. The father of all perfection in the whole world is here. Its force or power is entire if it be converted into Earth. Separate the Earth from the Fire, the subtle from the gross, sweetly with great industry. It ascends from the Earth to the Heavens and again it descends to the Earth and receives the force of things superior and inferior. By this means you shall have the glory of the whole world and thereby all obscurity shall fly from you. Its force is above all force, for it vanquishes every subtle thing and penetrates every solid thing. So was the world created. From this are and do come admirable adaptations, whereof the process is here in this. Hence am I called Hermes Trismegistus, having the three parts of the philosophy of the whole world. That which I have said of the operation of the Sun is accomplished and ended.

Benutzeravatar
Peregrin
Beiträge: 1283
Registriert: So 16. Jul 2017, 13:24

Re: Anspruch und Kritik an spirituellen Lehren und Weltbildern

#22

Beitrag von Peregrin » Sa 28. Apr 2018, 17:22

Wenn Schönheit und Nützlichkeit die Hauptansprüche an eine spirituelle Lehre sind, dann verstehe ich die Ablehnung des Christentums vieler. Da ist besonders im AT zu viel Unschönes und für unsere heutige Lebensrealität zu viel Unnützes. :teufelchen:

Das man etwas faszinierend finden kann, ohne sich damit in der Tiefe beschäftigt zu haben, kann ich nachvollziehen. (Ich muss dabei immer an C.G. Jung denken, dem ein Mütterchen auf der Straße mal für seine Arbeit herzlich gedankt hat. Als er vorsichtig nachhakte um zu sehen, ob sie überhaupt begriffen hat, worum es in der analytischen Psychologie, stellte sich heraus, dass dem nicht so war. Trotzdem hatte er wohl so den Nerv getroffen, bzw. ein Vakuum ausgefüllt, dass selbst die, die intellektuell nichts verstanden oder sich gar nicht weitergehend damit beschäftigt hatten, die Wichtigkeit oder Richtigkeit seiner Arbeit intuitiv begriffen.)

Das Newton ein Alchemist war, sehe ich nicht als Widerspruch in sich oder zu irgendetwas, also auch kein irgendwie geartetes "trotzdem". Besonders nicht zu seiner Zeit.

Benutzeravatar
LiH
Beiträge: 464
Registriert: So 22. Nov 2015, 16:49
Wohnort: Enzkreis
Kontaktdaten:

Re: Anspruch und Kritik an spirituellen Lehren und Weltbildern

#23

Beitrag von LiH » Mi 2. Mai 2018, 11:51

Hallo Peregrin,

Wenn ich mich mit Lehren/Weltbildern von anderen beschäftige, ist mir der Autor enorm wichtig, um seine Lehren/Weltbilder sozusagen auf der Glaubwürdigkeitsskala einzuordnen. Habe ich z.B. das Gefühl, der Autor steht allzu gerne im Rampenlicht oder kommt mit sich selber nicht klar, steht für mich sein Werk - auch wenn es schlüssig erscheint- unter einem großen Fragezeichen. Andererseits, kann es sein, dass ich mein eigenes Weltbild aufgrund einer Aussage eines Kindes überdenke.

Außerdem schaue ich immer bei mir - warum "schmeckt" mir eine Theorie: geht es wirklich um Logik - oder ist da etwas Wunschdenken im Spiel? Warum habe ich gegen ein Argument Abneigung - triggert es etwa einen wunden Punkt bei mir?
Peregrin hat geschrieben:
Do 26. Apr 2018, 12:54
Meine Fragen an euch jetzt ist: Wie geht ihr mit so etwas generell um? Was macht ihr, wenn ihr auf solche Punkte in einem Weltbild/einer Lehre stoßt, von der ihr sonst überzeugt seid?
Das ist mir völlig egal - außer, wenn es mir einen Grund gibt, an der Glaubwürdigkeit des Autors zu zweifeln, s.o.
Außerdem finde ich, dass bei näherer Betrauchtung scheinbare Widesprüche ganz oft überhaupt keine sind.
Peregrin hat geschrieben:
Do 26. Apr 2018, 12:54
Habt ihr den Anspruch an eine wie auch immer geartete Lehre oder ein Weltbild, dass diese(s) zeitlos gültig sein muss, und darum solche aus dem Lebensverständnis eines Gründers/Lehrers entstandene Aussage nicht passieren darf, weil damit die Basis des Weltbildes in Frage gestellt wird?

Oder meint ihr, so etwas sei unvermeidbar, Menschen können keine Aussagen außerhalb ihrer eigenen Lebensrealität machen?
Eher Letzteres. Menschliche Wahrnehmung ist begrenzt, ebenso wie die Kapazitäten des Gehirns und die Zeit.

Abgesehen davon denke ich: Leben ist Veränderung. Selbst wenn wir heute DAS richtige Weltbild finden würden, könnte es sein, dass es später nicht mehr stimmt, weil sich die Dinge auf eine Art und Weise verändert haben, die wir uns mit dem heutigen Horizont überhaupt nicht vorstellen können.

Mit dem Weltbild ist es bei mir grundsätzlich so, dass ich ein eigenes hab - wobei das für mich ein immerwährender Prozess ist und kein starres Gebilde.
Es wandelt sich und wird schärfer, abhängig von meinen Erfahrungen.
Letztendlich ist es mir egal, ob ich 0,5% oder 99,5% von einer fremden Lehre oder einem Weltbild glaubwürdig finde- was schlüssig ist, wird in meines integriert, der Rest nicht.
Z.B. gibt es manche in sprirituellen Kreisen hoch gehandelten Konzepte, die Jahrtausende alt sind, von denen ich wenig halte. Mir egal, ob es anmaßend ist zu denken, ich wüsste es besser - wenn es um mein Weltbild geht, lasse ich mir nix vorschreiben ;) .

Was für mich die glaubwürdigste Instanz ist: ich gehe mehrere Male pro Woche in einer Meditation in den Zustand, wo ich alles als Einheit empfinde und dort fühle ich auch eine Ahnung davon wie das Gefüge der Welt so ist (oje, mir fehlen wie so oft die richtigen Wörter dafür). Ja, es ist vage und ich leite davon keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit ab. Aber ich überprüfe jede Theorie/Lehre bez. Weltbild, dahingehend ob sie dazu passt, was ich dort in der Meditation erlebe. Was ich dort an weltlichen Dingen erfahren habe, hat sich nämlich als wahr herausgestellt, deswegen vertraue ich dem.

Benutzeravatar
izento
Beiträge: 1408
Registriert: Di 12. Apr 2016, 20:05
Benutzertitel: Der Meister
Wohnort: bei Herne und im Wald

Re: Anspruch und Kritik an spirituellen Lehren und Weltbildern

#24

Beitrag von izento » Do 17. Mai 2018, 09:55

<kranich> hat geschrieben:
Sa 28. Apr 2018, 16:12
Ich kann einen Luziferianischen Satanismus verstehen, ohne das ich auf "das Recht des Stärkeren" bestehe.
Ähm, da muß ich jetzt aber reingrätschen, da du den Luziferianismus offensichtlicht NICHT verstanden hast.

(Neo-)Luziferianismus hat absolut nichts mit (LaVey-)Satanismus zu tun, außer daß es ein paar gemeinsame Wurzeln beim Thelemismus (A. Crowley) gibt.

Das "Recht des Stärkeren" des LaVey-Satanismus stammt übrigens aus dem sozialdarwinistischen Standardwerk "Might is Right" von Ragnar Redbeard und nicht aus dem "Liber al vel Legis" von A. Crowley! (Tu was du willst ...)

Der Luziferianismus hingegen bezieht sich auf die individuelle Freiheit und ein humanistisch, egalitäres Weltbid.
Zentral für diese Glaubensrichtung ist das Ablehnen von Dogmen und Religion sowie die Verneinung des dualistischen Prinzips von Gut und Böse.

https://de.wikipedia.org/wiki/Luziferia ... stellungen

Luziferianer sind (freifliegenden) Eklektikern eigentlich sehr ähnlich mit dem Unterschied, daß keiner der Glaubensgrundsätze als Dogma angenommen wird.

"Blöd" bei denen ist nur der übertriebene Humanismus, der meinem animistischen Weltbild entgegensteht und die Sache mit der "Erleuchtung". ;)
...und es wird der Tag kommen dass die Welt versinkt im Chaos. Und wir werden auferstehen und tanzen auf den Ruinen.
Follow your dreams and be TRUE to yourself.
Der alte Narr sagt: Ich bin ein alter Weiser. Der alte Weise sagt: Ich bin ein alter Narr.

Benutzeravatar
<kranich>
Beiträge: 283
Registriert: Sa 4. Mai 2013, 09:06
Benutzertitel: ∵ i think ∴ i am

Re: Anspruch und Kritik an spirituellen Lehren und Weltbildern

#25

Beitrag von <kranich> » Do 17. Mai 2018, 14:33

Ich weiß, Izento. Manchmal schreibe ich trotzdem Mist - weil nur am Rande zusammenhängend - wenn ich nicht gründlich nachdenke :)

Der Satz sollte irgendwie anders lauten:

Ich kann Satanismus (zum beispiel einen aufklärerischen wie den Luziferianismus) verstehen, ohne das im Satanismus häufig vertretene "recht des Stärkeren" zu vertreten. Oder so ähnlich.

In der Praxis (guck mal welche Orden dem L.S. zugerechnet werden, siehe mein Link oben) ist der Schritt nicht allzu groß.
Wenn ich mal wieder Zeit habe schreibe ich was über den Marquis, Aufklärung und Luziferianismus. Oder auch nicht, so viel habe ich damit ja nicht zu tun.

Runeninteressierter
Beiträge: 207
Registriert: So 23. Okt 2016, 20:41

Re: Anspruch und Kritik an spirituellen Lehren und Weltbildern

#26

Beitrag von Runeninteressierter » Do 17. Mai 2018, 18:29

Also
Ich habe angefangen mich mit Spiritualität zu beschäftigen um dadurch Wege zu mir selbst zu finden.
Ich hatte schon früh die Idee dass ich meine Konditionierungen wie Zwiebeln schälen will, nur wusste ich nicht dass man dadurch Erleuchtung und Bewusstsein erreichen und erweitern kann. Angefangen hat das ganze bei mir mit Meditation. Dann weiter über NLP, Runen, Reiki, Ilahinoor und Yuen-Methode. Ich meditiere jetzt seit dreieinhalb Jahren täglich. und was jetzt letztendlich draus geworden ist ist dass ich als Anspruch Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung gesetzt habe.
Na ja jetzt wieder zurück zu Ilahinoor, NLP und immer noch Meditation. Das nächste Projekt was ich starte ist dann aussersinnliche Wahrnehmung.

Benutzeravatar
Schneewoelfin
Beiträge: 2572
Registriert: Sa 6. Apr 2013, 13:11
Benutzertitel: dunkelbunt
Wohnort: in der mittelhessischen Walachei zwischen Giessen und Marburg

Re: Anspruch und Kritik an spirituellen Lehren und Weltbildern

#27

Beitrag von Schneewoelfin » Do 17. Mai 2018, 19:22

Runeninteressierter hat geschrieben:
Do 17. Mai 2018, 18:29
Also
Ich habe angefangen mich mit Spiritualität zu beschäftigen um dadurch Wege zu mir selbst zu finden.
Ich hatte schon früh die Idee dass ich meine Konditionierungen wie Zwiebeln schälen will, nur wusste ich nicht dass man dadurch Erleuchtung und Bewusstsein erreichen und erweitern kann. Angefangen hat das ganze bei mir mit Meditation. Dann weiter über NLP, Runen, Reiki, Ilahinoor und Yuen-Methode. Ich meditiere jetzt seit dreieinhalb Jahren täglich. und was jetzt letztendlich draus geworden ist ist dass ich als Anspruch Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung gesetzt habe.
Na ja jetzt wieder zurück zu Ilahinoor, NLP und immer noch Meditation. Das nächste Projekt was ich starte ist dann aussersinnliche Wahrnehmung.
Hi Runeninteressierter,

kann es sein, dass Du Peregrin´s Fragen am Anfang des Threads übersehen hast? :)
Peregrin hat geschrieben:
Do 26. Apr 2018, 12:54

Meine Fragen an euch jetzt ist: Wie geht ihr mit so etwas generell um? Was macht ihr, wenn ihr auf solche Punkte in einem Weltbild/einer Lehre stoßt, von der ihr sonst überzeugt seid?

Habt ihr den Anspruch an eine wie auch immer geartete Lehre oder ein Weltbild, dass diese(s) zeitlos gültig sein muss, und darum solche aus dem Lebensverständnis eines Gründers/Lehrers entstandene Aussage nicht passieren darf, weil damit die Basis des Weltbildes in Frage gestellt wird?

Oder meint ihr, so etwas sei unvermeidbar, Menschen können keine Aussagen außerhalb ihrer eigenen Lebensrealität machen? (Ich hoffe auf Antworten, die nicht auf Wicca bezogen sind, da Wicca einfach zu jung ist, um da mit entsprechenden Faktoren belastet worden zu sein... ;) )

Gibt es für euch unumstößliche Ordnungen, die sich auf die menschliche Lebensrealität beziehen?

die Fragen beziehen sich auf das, was er dazu noch gepostet hat ...

LG Schnee
"Wenn du einen Fehler in deinem Bruder siehst, so ist der Fehler, den du in ihm siehst, in dir selbst." Jalal Ad DIn Rumi

Antworten