Die Menschen scheitern an ihrer eigenen Kultur...

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Rafael_Chiron
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Die Menschen scheitern an ihrer eigenen Kultur...

#1

Beitrag von Rafael_Chiron » Do 11. Jul 2019, 21:12

Auf der Suche nach dem folgenden Zitat des Dirigenten Kent Nagano,...
Kent Nagano hat geschrieben:„Wir verlieren [durch die Konzentration auf die Naturwissenschaften] unglaublich viel: Inspiration, Trost, Gemeinsinn, einen Teil unserer großen abendländischen Tradition. Wir verlieren die Möglichkeit, Dinge zu entdecken und zu erfahren, die größer sind als wir selbst. Das ist der Sinn ästhetischer Erfahrungen, ohne die wir alle in unserer Vorstellungskraft sehr viel ärmer würden.“
...das ich in einem Vortrag gehört habe, bin ich auf einen interessanten Artikel gestoßen, in dem es um den Zusammenhang von Wissenschaft, Kunst und Religion geht. Überforderte Ressourcen, Ökosysteme und Gesellschaften, aber auch eine rasch wachsende Zahl überforderter Individuen, sind das Resultat der einseitigen Konzentration auf die Wissenschaften, die uns eigentlich die Lösung globaler Probleme versprechen: Die Menschen scheitern an ihrer eigenen Kultur

:liebegrüße: Rafael Chiron

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Peregrin
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Re: Die Menschen scheitern an ihrer eigenen Kultur...

#2

Beitrag von Peregrin » Do 11. Jul 2019, 21:59

Ich sehe weder die Naturwissenschaft noch die Wissenschaft allgemein als ein Problem. Das Problem fängt erst an, wenn die Wissenschaft vor den Karren der Profitgierigen (und Kriegsmachern) gespannt wird.
Ich würde nicht auf die Entdeckungen der großen Forscher der 20. Jahrhunderts verzichten wollen und bin auch heute immer wieder begeistert, was findige Köpfe alles für wahnsinnig tolle Problemlösungen kreieren. Ich bin auch absolut dafür, dass die "Liberal Arts" aufgewertet werden, unter ihnen Kunst, Philosophie und so weiter. (Dass das nicht passiert, liegt eben an den Profitgierigen - naturwissenschaftliche Erkenntnis lassen sich zu Geld machen, philosophische nicht.)

Wissen steht uns im Prinzip im Internetzeitalter ja auch unbegrenzt zur Verfügung - das Problem ist, das den Kindern nicht mehr beigebracht wird, zu denken. (Ich hätte gerne, dass das Trivium wieder an den Schulen gelehrt wird.) Ist aber auch nicht im Interesse der Reichen, denkende Menschen heranzuziehen. Die sind schlecht zu steuern.

Die negativen Auswirkungen des Medienkonsums ist ja schon lange vor der allgemeinen Verbreitung von Internet- und Smartphones erkannt worden. (Sehr gut finde ich da Neil Postman, der schon in den 80er Jahren hervorgesagt hat, dass durch die Vermüllung mit Informationen im Informationszeitalter die Orientierungslosigkeit der Menschen katastrophale Ausmaße annimmt. )

Was die Religion als Teil der Kultur betrifft: Nein danke. Spiritualität ja, aber bitte kein institutionalisierter Glaube, der schafft m. E. nur mehr Schaden als er der Kultur Gutes bringt. (Kulturelle Erneuerung und Religion klingt für mich sehr nach Widerspruch, da Religion dem Wesen nach reaktionär ist.)

Warum hältst du es denn für wünschenswert, das Religion wieder ein Teil der Kultur wird, Rafael_Chiron?
Silence is the language of God, all else is poor translation. — Rumi

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Rafael_Chiron
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Re: Die Menschen scheitern an ihrer eigenen Kultur...

#3

Beitrag von Rafael_Chiron » Do 11. Jul 2019, 23:23

Peregrin hat geschrieben:
Do 11. Jul 2019, 21:59
Was die Religion als Teil der Kultur betrifft: Nein danke. Spiritualität ja, aber bitte kein institutionalisierter Glaube, der schafft m. E. nur mehr Schaden als er der Kultur Gutes bringt. (Kulturelle Erneuerung und Religion klingt für mich sehr nach Widerspruch, da Religion dem Wesen nach reaktionär ist.)

Warum hältst du es denn für wünschenswert, das Religion wieder ein Teil der Kultur wird, Rafael_Chiron?
@Peregrin: Religion hat für mich nicht unbedingt was mit institutionalisiertem Glauben zu tun. Ich verstehe das Wort "religio" eher in seiner ursprünglichen Bedeutung als "Rückverbindung" zu einer größeren Ganzheit, die über mich selbst hinausgeht, dem Göttlichen.

:liebegrüße: Rafael Chiron

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Peregrin
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Re: Die Menschen scheitern an ihrer eigenen Kultur...

#4

Beitrag von Peregrin » Do 11. Jul 2019, 23:43

Und wie sollte die Rückverbindung mit dem Göttlichen in einer Kultur, also wenn das nichts individuelles, sondern Teil einer Massenbewegung ist, passieren? :shocked:
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Re: Die Menschen scheitern an ihrer eigenen Kultur...

#5

Beitrag von Rafael_Chiron » Fr 12. Jul 2019, 09:28

Peregrin hat geschrieben:
Do 11. Jul 2019, 23:43
Und wie sollte die Rückverbindung mit dem Göttlichen in einer Kultur, also wenn das nichts individuelles, sondern Teil einer Massenbewegung ist, passieren? :shocked:
@Peregrin: Rückverbindung zum Göttlichen ist immer etwas Individuelles, das jeder auf seine ganz eigene Weise tun muss. Kultur kann nur der Nährboden sein, der solche individuellen Erfahrungen begünstigt oder sogar ermutigt. Unsere momentane Gesellschaft/ Kultur, die nur einem "wissenschaftlichen Objektivitätswahn" nachläuft, bzw. diesen zu einem "quasi religiösen Status" erhebt (=Tarotkarte: Der Turm!), ist da natürlich äußerst kontraproduktiv...

:liebegrüße: Rafael Chiron

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Re: Die Menschen scheitern an ihrer eigenen Kultur...

#6

Beitrag von Peregrin » Fr 12. Jul 2019, 13:22

@ Rafael_Chiron: Welche Art religiösen Nährboden hältst du denn für das beste Substrat für den spirituellen Wachstum?
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