Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

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Peregrin
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Re: Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

#31

Beitrag von Peregrin » Mo 22. Apr 2019, 14:45

Hagezorn hat geschrieben:
Mo 22. Apr 2019, 14:07
Vielleicht drückst Du Dich einfach nicht klar aus?
Wenn es am Willen zum Zuhören mangelt, ist der Grad der Klarheit des Ausdrucks wohl irrelevant.

Und ich hoffe doch sehr, dass du deine Haltung auf dein "anderes Bewusstsein" zurück zuführen ist, und nicht auf dein Wissen als Krankenschwester. Denn eine medizinische Fachkraft, die meint Met hülfe gegen eine bakterielle Meningitis, Lungenentzündung und ähnliches fände ich etwas gruselig.
Zuletzt geändert von Peregrin am Mo 22. Apr 2019, 19:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Arleen
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Re: Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

#32

Beitrag von Arleen » Mo 22. Apr 2019, 15:26

Hallo ihr Lieben, ich würde mich gerne auch mal zu Wort melden, weil dieses Thema ein Dauerthema bei uns auf der Arbeit ist.
Ich arbeite zufällig in einer medizinischen Mikrobiologie und wir haben tagtäglich mit diesen resistenten Keimen zu tun. Daher ein paar Fakten mal:
- Impfen kann Krankheiten ausrotten, in einer Gesellschaft, in der die Menschen durchgeimpft sind. Polio und Pocken sind dafür gute Beispiele (zumindest in unseren Ländern). Auch Diphterie und Tetanus weisen wir kaum noch nach, man merkt aber, dass grade Diphterie wieder sehr auf dem Vormarsch ist, weil die Leute ihre Kinder nicht impfen. Das ist nicht gut, da es auch keine Antitoxine mehr wirklich gibt. Diese müssen extra hergestellt werden und da es kaum Nachfrage gab, sind sie schwer zu bekommen. Mit Masern verhält es sich ähnlich. Immer mehr Infektionen, viele leiden, einige sterben. Natürlich kann eine Impfe Nebenwirkungen haben, die sind aber im Vergleich zur Erkrankung sehr gering.
- Colis an Gebrauchsgegenständen: Natürlich sind überall in unserer Umwelt diese Fäkalkeime zu finden. Man hat sie an den Händen, an den Einkaufswagen, an der Tastatur, am Handy, etc... aber diese sind meistens ungefährlich. Schlimm wird es dann, wenn sie zu sogenannten 3 oder 4 MRGNs werden. D.h. sie sind gegen 3 oder 4 Antibiotika Gruppen resistent. Die Besiedlung alleine damit macht noch nichts, aber bei anderen Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, können sie Wunden infizieren oder sich direkt durch die Darmwand ins Blut fressen. Dann helfen nur noch wenig Medikamente, wenn überhaupt. Bakterien dieser Ordnung haben ihre Resistenzgene oft auf ihren Plasmiden liegen. Diese Plasmide geben sie weiter, so dass andere Bakterien ebenfalls resistent gegen die Antibiotika werden. Nicht selten verliert man Patienten an einer Sepsis mit genau diesen unbesiegbaren Keimen.
- MRSA: Natürlich gibt es MRSA auch in unserer Umwelt. Es gibt aber nachweislich einen Stamm (MecC), der ausschließlich von Tieren kommt.
Außerdem gibt es noch einige andere multiresistene Erreger mit ubiquitärem Vorkommen. Die WHO gibt an, dass in Zukunft viele Menschen an Infektionen mit Keimen sterben werden. Tuberkulose und selbst der Tripper werden alle resistenter.

Ich denke um der Lage Herr zu werden, ist es wichtig, Antibiotikum wirklich nur zu nehmen, wenn es nötig ist und dann auch direkt testen lassen, welches wirklich hilft. Außerdem sollte man schon drauf achten, welches Gemüse, Fleisch und Obst man konsumiert.
Keiner von uns alleine wird die Welt verändern, aber jeder für sich kann ein kleines Stück dazu beitragen.

Sollte das nun zu fachchinesisch geschrieben sein, gerne nachfragen!

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Rotfuchs
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Re: Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

#33

Beitrag von Rotfuchs » Mo 22. Apr 2019, 20:30

Arleen hat geschrieben:
Mo 22. Apr 2019, 15:26
- MRSA: Natürlich gibt es MRSA auch in unserer Umwelt. Es gibt aber nachweislich einen Stamm (MecC), der ausschließlich von Tieren kommt.
Außerdem gibt es noch einige andere multiresistene Erreger mit ubiquitärem Vorkommen. Die WHO gibt an, dass in Zukunft viele Menschen an Infektionen mit Keimen sterben werden. Tuberkulose und selbst der Tripper werden alle resistenter.

Ich denke um der Lage Herr zu werden, ist es wichtig, Antibiotikum wirklich nur zu nehmen, wenn es nötig ist und dann auch direkt testen lassen, welches wirklich hilft. Außerdem sollte man schon drauf achten, welches Gemüse, Fleisch und Obst man konsumiert.
Keiner von uns alleine wird die Welt verändern, aber jeder für sich kann ein kleines Stück dazu beitragen.
Danke für den fundierten Beitrag :)

Ich neige dazu mich manchmal verkürzt auszudrücken, was dann eventuell für Irritationen sorgt. Um mich nochmal klarer auszudrücken:
NDR hat geschrieben: Im Sommer haben Wissenschaftler der Universitätsklinik Bonn an 80 Orten in Niedersachsen Wasserproben genommen und auf Antibiotika-Rückstände und resistente Keime untersucht. Fast überall wurden sie fündig. An einigen Stellen wiesen sie auch Keime nach, bei denen fast alle zur Verfügung stehenden Antibiotika, auch Reservemittel, nicht mehr wirken.
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... me400.html
Ist jetzt nicht weiter schlimm für gesunde Erwachsene. Dagegen haben Kranke, Alte und Kinder halt ggf. ein Problem beim Baden. Ist das in irgendeiner Form natürlich im Sinne von: "würde es das auch in einer vernünftigen Gesellschaft/Wirtschaft/ der unberührten Wildnis* geben? Eher nicht.
Problematisch ist dabei übrigens eher der spendable Umgang mit Antibiotika in der Massentierhaltung - weniger der menschliche Gebrauch.
(* das was ich normalerweise mit "Natur" meine)
Solasard hat geschrieben:
So 21. Apr 2019, 19:00
Wer sich wirklich gesund und Umwelt verträglich ernähren möchte, der findet auch einen Weg. Alles eine Sache der Priorität.
Ich bin mir nicht so ganz sicher wie du das meinst.

Meinst Du dass es das Problem der Leute ist die Massentierhaltungsfleisch kaufen wenn sie sich Krankheiten einfangen? So dass sie schlicht etwas anderes kaufen müssten und dann würde es ihnen besser gehen?
(Das ist keine rhetorische Frage, ich verstehe es wirklich noch nicht so ganz).
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Re: Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

#34

Beitrag von Bodecea » Di 23. Apr 2019, 10:45

Hallo,

ich wollte nur anmerken, dass ja oft auch gesagt wird "mulitiresistente Keime kommen von zu viel Hygiene", und dass das einfach nur falsch ist. Was Keime oberflächlich abtötet, verursacht keine Resistenzen. Und zu wenig Hygiene und KHs und Heimen verursacht wahre Epidemien... ein Arzt erzählte mir, in vielen KHs werden neue Patienten nicht auf multirestistente Keime getestet. Das heißt, solange sie keine deutliche Erkrankung damit haben, verbreiten sie es auch dort fröhlich weiter, wo die Leute anfällig sind.

Die multiresitenten Keime kommen auch von zu viel und falsch eingenommener Antibiotika. ich bin kein Feind von Antibiotika und froh, dass es sie gibt! Aber ich höre auch immer wieder im Bekanntenkreis von Leuten, die sich bei Erkältungen "vorsichtshalber" Antibiotika verschreiben lassen. Oder es wird bei unklarem Befund gleich mal die Breitbandantibiotika verschrieben. ich hatte bisher erst sagte und schreibe einmal einen Arzt bzw. eine Ärztin, die ein Mittel erst nach Abstrich und Analyse verschrieb. Auf einem Vortrag lernte ich auch, dass die Menge der Menschen, die mit multiresitenten Keimen belastet sind, in manchen Ländern viel niedriger ist, wo solche Test vor einer Verschreibung Standard sind (ich glaube, es waren die Niederlande, die da positiv hervorstachen).

Ein Problem ist auch, dass viel Antibiotika zu schnell absetzen. Dann fühlt man sich gut, aber ein paar Keime überleben, und das sind die, die die Antibiotika besser aushalten als andre. So züchtete man sich den Stamm antibiotikarestitenter Keime sozusagen selbst.

Ich hoffe sehr, wie bekommen das in Griff. Knoblauch oder Met in allen Ehren, aber darauf will ich mich bei einer schweren Lungenentzündung nicht verlassen wollen.

LG
Bodecea
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Peregrin
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Re: Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

#35

Beitrag von Peregrin » Di 23. Apr 2019, 12:30

Ärzte, die "auf Verdacht" Antibiotika verschreiben, oder "weil der Patient das will", obwohl klar ist, dass das nicht gegen den viralen Infekt Erkältung hilft, den sollte man echt ihre Approbation entziehen! :wolke: Oder bei Blasenentzündung gleich ein Antibiotikum verschreiben, obwohl pflanzliche Mittel plus simplem "Puderzucker" (D-Mannose) nicht nur genauso, sondern besser helfen!

Wegen der MRSA im Krankenhaus verstehe ich nicht, warum die dt. Krankenhäuser nicht dem Vorbild der Niederländer folgen, bei denen die Infektionsrate weit niedriger ist. Solche Präventionsmaßnahmen wie statt Plastikgriffe welche aus Metallen, auf deren Oberflächen Erregern nicht so lange überleben, kann doch nun wirklich kein Aufwand sein!
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Hagezorn
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Re: Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

#36

Beitrag von Hagezorn » Di 23. Apr 2019, 15:01

Peregrin hat geschrieben:
Mo 22. Apr 2019, 14:45
Und ich hoffe doch sehr, dass du deine Haltung auf dein "anderes Bewusstsein" zurück zuführen ist, und nicht auf dein Wissen als Krankenschwester. Denn eine medizinische Fachkraft, die meint Met hülfe gegen eine bakterielle Meningitis, Lungenentzündung und ähnliches fände ich etwas gruselig.
Das ist eine Unterstellung.
Das habe ich nie behauptet.
Das habe ich geschrieben:
Gegen MRSA hilt sogar ein Rezept aus dem Mittelalter.(gesichert durch die Wissenschaft)
Wo steht was von Met?
Mir macht diese Aussage eher Kopfzerbrechen:
Es betrifft uns alle und beeinflusst die ganze Natur. Uns droht eine Welt ohne wirksame Antibiotika!
Und die stammt nicht von mir!
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Peregrin
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Re: Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

#37

Beitrag von Peregrin » Di 23. Apr 2019, 15:26

Hagezorn hat geschrieben:
Di 23. Apr 2019, 15:01
Gegen MRSA hilt sogar ein Rezept aus dem Mittelalter.(gesichert durch die Wissenschaft)
Wo steht was von Met?
Ich dachte das von dir angesprochene Rezept aus dem Mitteltalter sei das, was du verlinkt hast: "Die Lösung für eine Zukunft ohne Antibiotika: Met? – Das „Wundermittel“ der Wikinger."

Was wirkt denn deiner Meinung nach gegen Hirnhautentzündung und Lungenentzündung, so das Antibiotika nicht notwendig seien?
Hagezorn hat geschrieben:
Di 23. Apr 2019, 15:01
Mir macht diese Aussage eher Kopfzerbrechen:
Es betrifft uns alle und beeinflusst die ganze Natur. Uns droht eine Welt ohne wirksame Antibiotika!
Und die stammt nicht von mir!
Nein, das stammt von mir.

Was genau bereitet dir denn daran Kopfzerbrechen? Ich finde die Erklärungen, die ich verlinkt habe, sehr verständlich, besonders für jemanden mit medizinischem Background.
Wenn du meine Beiträge oder Links nicht lesen möchtest, kannst du sicher auch Arleen nach dir unklaren Aspekten fragen - sie hat es ja extra angeboten.
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Re: Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

#38

Beitrag von Arleen » Di 23. Apr 2019, 16:54

Also tatsächlich ist es so, dass man weiß, dass bestimmte Kräuter und alternative Heilmittel gegen multiresistente Erreger helfen.
Man kann Patienten mit MRSA infizierten Wunden mit Thymian oder anderen Kräuterbädern waschen und weiß, dass das auch hilft. Das Problem ist hier nur die Anwendbarkeit und die Schnelligkeit. Weiß man, dass ein gesunder Mensch besiedelt ist, ist diese Art sicherlich eine gute Alternative. Liegt ein Patient mit 40 Fieber auf der Intensivstation, hilft ihm das Thymianbad leider nicht sehr viel.
Ebenso weiß man, dass Asiaten, die Mukoviszidose haben, weniger Probleme mit multiresistenten Pseudomonaden haben, weil diese keinen grünen Tee mögen, der dort viel getrunken wird. Klar, wenn man das weiß, kann man frühzeitig zur Unterstützung damit therapieren... bei fortschreitender Verschlimmerung hilft eben leider auch kein grüner Tee.

Bodeaca hat völlig Recht, es muss das richtige Antibiotikum gegeben werden und es muss bis zu Ende genommen werden, das würde schon deutlich helfen. Außerdem sträubt es mich immer, wenn ich sehe, dass die Patienten 2 mal die Woche gescreent werden, aber die Besucher das Klo im Zimmer benutzen oder lustig fröhlich auf der Station alles anfassen. So haben wir mal eine Übertragung bei Frühchen festgestellt, die auf einmal alle einen multiresistenten Keim hatten. Die Mutter des besiedelten Kindes hat sich nach dem Windeln wechseln die Hände nicht gewaschen und sich am Kaffeewagen bedient. Die anderen Mütter haben dann dort ebenfalls die "besiedelten" Kaffeekannen und Milchkännchen benutzt und ihren Kindern damit im Gesicht rumgefummelt und schon musste die Station geschlossen werden. Das war alles keine böse Absicht, aber es fehlt eben auch bei Angehörigen an einer ordentlichen Portion Aufklärung.

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Re: Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

#39

Beitrag von Peregrin » Di 23. Apr 2019, 17:07

Arleen hat geschrieben:
Di 23. Apr 2019, 16:54
Man kann Patienten mit MRSA infizierten Wunden mit Thymian oder anderen Kräuterbädern waschen und weiß, dass das auch hilft.
Weißt du, ob man das dann auch in der Praxis in "normalen" Krankenhäusern (also nicht anthroposophisch geleiteten oder so) auch tatsächlich macht, oder bleibt das leider nur beim theoretischen Wissen?
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Hagezorn
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Re: Resistente Keime in Supermarkt-Geflügel

#40

Beitrag von Hagezorn » Di 23. Apr 2019, 17:27

Wir machen das auf unserer Station.Die ist schulmedizinisch.
Menschen brauchen einen Glauben,sonst hätte Ihre Existenz keinen Sinn....

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