Über den Dirigenten Teodor Currentzis: Die Sprache unserer Träume

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Rafael_Chiron
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Über den Dirigenten Teodor Currentzis: Die Sprache unserer Träume

#1

Beitrag von Rafael_Chiron » Sa 19. Jan 2019, 23:53

Eine gute Freundin hat mir gerade einen absolut interessanten Film empfohlen, den ihr nicht verpassen solltet. Er lief gerade auf 3Sat und wird noch für 6 Tage in der Mediathek abrufbar sein.

Die Sprache unserer Träume

In der Reportage geht es um den "rebellischen" Dirigenten Teodor Currentzis, der seit September 2018 erster Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters ist. Es ist absolut spannend zu sehen, wie er das Orchester mit seiner außergewöhnlichen exzentrischen Imagination und Kreativität inspiriert. Es geht nicht um Reproduktion von Musik, sondern um die Manifestation von etwas Größeren, das gewissermaßen transzendent hinter den Noten der geschriebenen Partitur verborgen liegt und ins "jetzt" gebracht werden muss. Interessant wie er die 9. Symphonie von Bruckner einstudiert und auch sein persönlicher Kommentar zum Finale von Gustav Mahlers 3. Symphonie zum Ende der Reportage. :thumbup:

Noch eine persönliche OT- Anmerkung: Bruckners 9. Symphonie ist für mich die magische Symphonie überhaupt. Ich nenne sie deshalb auch gerne die Plutonische. Sie blieb unvollendet, da Bruckner noch vor Vollendung des vierten Satzes (des Finales) verstarb. Wer sich die Mühe macht und den Beginn der Bibel (Genesis 1,1) mitliest, dem wird auffallen, dass Bruckner hier das erste Kapitel der Schöpfungsgeschichte wortwörtlich in Musik umgeschrieben hat: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde... Und Gott sprach, es werde Licht. Und es ward Licht... Currentzis kommentiert genau diese Stelle ab 35:30... :D

:liebegrüße: Rafael Chiron

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Regenbogen
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Re: Über den Dirigenten Teodor Currentzis: Die Sprache unserer Träume

#2

Beitrag von Regenbogen » So 20. Jan 2019, 11:26

Danke für den Hinweis, Rafael_Chiron. Ich habe grade mal reingespickt und der Anfang schon macht neugierig auf den Film!

Vom ersten Eindruck erinnert mich Teodor Currentzis an Mikis Theodorakis.

Mehr, wenn ich den Film angeschaut habe.

LG Regensbogen

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Re: Über den Dirigenten Teodor Currentzis: Die Sprache unserer Träume

#3

Beitrag von Rafael_Chiron » Mi 23. Jan 2019, 16:05

Auch wenn es in der Reportage niemanden aufzufallen scheint und es auch nicht direkt angesprochen wird, so ist für Teodor Currentzis das Erschaffen von Musik ein tief spiritueller Prozess. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass er jeden seiner Konzertauftritte mit den Kreuzzeichen beginnt. (Er macht das orthodoxe Kreuzzeichen, das in seiner Zugrichtung dem kabbalistischen Kreuz(zeichen) entspricht! :D )


Anbei aus der Reportage ein paar Zitate von Teodor Currentzis, die ich sehr interessant finde:

"Musik ist nicht, was der Komponist geschrieben hat. Es gibt sie nur jetzt."

"Die tranzsendentale Erfahrung hat nichts mit der Dynamik zu tun, ob man laut oder leise spielt, sondern wir müssen es erschaffen, unser ganzes Herz und allen Geist in den Prozess stecken. Und dann wird dieser Prozess jemanden anderen berühren. Das ist der Trick."

"Das Wunder ist, wenn Deine Gebete nicht von der Decke des Konzertsaales gestoppt werden, sondern sie durchbrechen, so dass die Sonne hereinscheinen kann."

"Es ist sehr tragisch, wenn die Leute Dich nach dem Konzert mit Tränen in den Augen bejubeln und du erkennst, sie haben nichts davon verstanden, was du getan hast, sondern sie haben nur an den Tod ihrer Oma gedacht, als du das Adagio gespielt hast." :(

"Stellen Sie sich einen Radioapparat vor. Da spielt Musik, aber wir suchen etwas, das uns mehr inspiriert. Wie kann man sich selbst so einstellen, dass man in sich selbst diese bestimmte Frequenz findet, die einem atmen lässt und einen inspiriert?"

:liebegrüße: Rafael Chiron

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Re: Über den Dirigenten Teodor Currentzis: Die Sprache unserer Träume

#4

Beitrag von Regenbogen » Fr 25. Jan 2019, 22:41

Hallo Rafael Chiron,

jetzt habe ich die Reportage im Ganzen angeschaut.

Da springt ein Funke über. Teodor Currentzis ist ein sehr inspirierter Mensch, der Grenzen und Konventionen durchbricht (im löchrigen Pullover zum Antrittsgespräch im Stuttgarter Orchester antritt bspw. . Den Applaus nach einem Konzert nicht alleine entgegen nimmt - als "Maestro", sondern gemeinsam mit dem , ebenso erhobenen , Orchester. Verkrustete Strukturen aufbricht )

Er wird ja von allen (den meisten ?) Musikern in seinem Orchester sehr gelobt und diese werden vom Reporter so beschrieben:

Allen Musikern gemeinsam ist ein gewisses Leuchten in den Augen.

Was Wunder auch - er fordert die Menschen auf, nicht stur Partituren herunterzuspielen, wie seit anno Anno , sondern Neues auszuprobieren ...

Den Erfolg seines Orchesters erklärt er :

"Wenn Du an das glaubst, was Du machst ... wenn das einzigartig ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit , bis Du Erfolg hast. "

Ich liebe es, inspirierte Menschen zu sehen , von ihnen zu hören. Sie haben mich schon immer aus der Drögheit des Alltags herausheben können.

Fasziniert hat mich auch das enge und feinst abgestimmte Zusammenspiel zwischen Dirigenten und Orchester -- sie agieren wie ein Organismus.
Ich hatte die Assoziation zu einer Parts Party -- das ist eine Methode aus der Familientherapie, in der ein Mensch alle seine inneren Anteile benennt und interagieren lässt, während er selber, als "Besitzer" derselben, zuschaut.

hier noch eine weitere Reportage über diesen ungewöhnlichen Dirigenten - ebenfalls sehr sehenswert: https://www.youtube.com/watch?v=5TXW-UfUmfk&t=2373s

"Jeder Mensch hat seine ganz besondere Begabung und verfügt über Möglichkeiten, seine innere Mission zu erfüllen. Wenn ich dirigiere, erfüllt sich meine Bestimmung" (aus dem o.g. Film zitiert)


Danke Rafael Chiron, dass Du von dieser Reportage berichtet hast - sie wird dazu führen, dass ich meine Klassiksammlung , die ich voriges Jahr geschenkt bekommen habe, nun einmal durchhören werde.

Liebe Grüße

Regenbogen

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Re: Über den Dirigenten Teodor Currentzis: Die Sprache unserer Träume

#5

Beitrag von Rafael_Chiron » Mo 28. Jan 2019, 23:07

Übrigens: In der 3Sat- Mediathek ist die Reportage leider inzwischen abgelaufen :( , kann aber weiterhin bei SWR Classic angesehen werden. :D

:liebegrüße: Rafael Chiron

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