Alle Göttinnen- eine Göttin...?

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Hagezorn
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Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#11

Beitrag von Hagezorn » Sa 17. Aug 2019, 07:04

Ich finde die Frage :wie definiere ich das Göttliche genauso wie die Frage wie definiere ich einen Menschen.
Alle Männer sind ein Mann alle Frauen sind eine Frau?
Selbst wenn wir die Götter erschaffen hätten...was ich nicht glaube.....
Wie wollten wir das Ultimativ Göttliche definieren?
Klar habe ich eine Theorie.
Aber das ist nur ein weiterer Gedanke/Hoffnung/what ever,das durch nichts zu beweisen wäre.
Wenn ich davon ausginge, Götter seien nur höhere Tulpas komme ich dem Problem nicht näher....
...........
Ich hatte mal ne liebe Freundin,die sagte Wir Menschen sind im Werden begriffene Götter.
Sie war vom Film Bleep inspiriert.
Und so ganz kann ich mich der Faszination dieses Filmes nicht entziehen.
Wie kann ich kleine Kohlenstoffeinheit überhaupt die Größe und die Multidimensionalität der Götter begreifen?
(und ich bin schon froh,das ich begriffen habe,das Götter Persönlichkeiten sind)
Menschen brauchen einen Glauben,sonst hätte Ihre Existenz keinen Sinn....

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Satyr
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Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#12

Beitrag von Satyr » Sa 17. Aug 2019, 11:54

atemkristall hat geschrieben:
Do 15. Aug 2019, 10:44
Aus Dion Fortunes Roman "Die Seepriesterin" stammt wohl der einflussreiche Satz: "Alle Göttinnen sind eine Göttin - alle Götter sind ein Gott." Läuft das nicht auf einen Duotheismus hinaus, der ziemlich gewaltsam die gewachsene Vielfalt der Pantheons der Kulturen in ein wiccanisches, genderbinäres Schema presst? Werden hier göttliche Persönlichkeiten zu bloßen Aspekten minimiert oder respektiert gerade diese Formel die Wertgleichheit aller paganen Religionen? Wie seht ihr das? Ist das wiccanischer Imperialismus oder würdigt es die letzlich allen Religionen zugrunde liegende Wahrheit, das alles ein (oder zwei) ist?

Beste Grüße vom
atemkristall
Hallo Atemkristall,
ich möchte dazu auch gern meine Gedanken teilen.

Zuerst zu Deinem Bezug zu Wicca:
- auch wenn einige Wicca diesen Satz für sich angenommen haben, so heisst das nicht, dass dieser Satz Wicca "repräsentiert". Im Wicca gibt es Menschen die sind: Animinsten, Polytheisten und oder Pantheisten. Das ist überhaupt nicht vorgeschrieben und weil es ein Erfahrungskult ist, macht da jeder seine eigenen Erfahrungen und es entwickelt sich individuell eine "Idee" von spiritueller inneren Landkarte.
- "wiccanischer Imperialismus" löst in mir ein Fragezeichen aus. Mir ist noch gar nicht aufgefallen dass Wicca anderen Menschen, die auf einem spirituellen Pfad sind, vorschreiben wollen wie etwas ist. Das entspricht auch gar nicht dem ungeschrieben Gesetz von Wicca, nicht missionarisch zu sein. Allerdings orientieren sich nicht wenige Menschen an Wicca und reagieren entrüstet, wenn da etwas nicht ihren Vorstellungen entspricht.
- "wiccanisches, genderbinäres Schema" ja das könnte man meinen, dass es genderbinär ist. Bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch für mich(!) heraus, dass Götter keine Menschen, keine Frauen und keine Männer sind. Was auch immer Götter oder das Göttliche ist (von richtig und falsch aus unserer Sicht zu sprechen finde ich müßig), nach meiner aktuellen Erfahrung rufen wir etwas an oder interagieren mit einer bestimmten, erwünschten Qualität von Energie oder Geist. Die Namen und Attribute haben wir Menschen uns ausgedacht, sie wirken wie ein Tor, durch welches wir Zugang zu dieser Qualität von Bewusstheit bekommen. Nicht die Götter gaben sich "diese" Namen, sondern wir Menschen.
Das Geschlecht ist meiner Erfahrung nach egal, nur, womit Wicca tatsächlich arbeitet, ist das Spannungsfeld zwischen zwei Polaritäten. Wie diese benannt werden ist völlig egal oder welches Geschlecht sie haben. Hauptsache es besteht aus Liebe. Mit dieser Spannung arbeiten wir. Und weil viele Menschen ein "bestimmtes" Genderbild haben, arbeiten sie genau damit, weil es viel in ihnen auslöst. Heißt nicht, dass genau dieses Genderbild benutzt werden muss. Man nimmt was funktioniert.

zurück zu dem Satz.
reine Spekulation von meiner Seite, wie jemand auf eine solche Aussage kommen könnte: "Alle Göttinnen sind eine Göttin - alle Götter sind ein Gott."
Wenn es eine Erkenntnis aus einer Erfahrung war, dann vielleicht weil diese Person erfahren hat, mit "Allem" verbunden zu sein, dem Geist allen Lebens, die Trennung der Dinge aufgehoben war und gleichzeitig hat die Person eine Polarität empfunden. Dann kann es zu einer Wahrheit dieser Person werden und sie hat es Göttin / Gott genannt. Und ich denke es hat mit dieser Person zu tun, welche diese Erfahrung gemacht hat oder zu dieser Erkenntnis gekommen ist.

Das muss aber nicht für andere Menschen so sein. Du fragst uns nach unserer Meinung. Also ich denke, ich verstehe was gemeint sein könnte, jedoch ist es für mich komplexer. Vielleicht habe ich da nicht den Überblick, aber in meiner Erfahrung kann ich nicht "Alles" auf zwei Polaritäten "reduzieren". All-Verbundenheits-Erfahrungen habe ich auch schon gemacht und gleichzeitig war der Geist Allen Lebens so facettenreich und dabei in Liebe zu allem was ist, dass ich nicht den Eindruck hatte, alles in zwei Polaritäten zusammenfassen zu können. Das käme mir irgendwie konstruiert vor. Aber das ist nur meine Erfahrung.
In der Trennung erleben wir emotional das Spannungsfeld von Polaritäten und, das ist spannend :green:
Wie auch immer sie genannt werden oder wie viele sie sind.
oder respektiert gerade diese Formel die Wertgleichheit aller paganen Religionen?
Wenn das mit dem Satz gemeint ist, dann finde ich das anderen Glaubensinhalten gegenüber recht wertschätzend.

verrückte Grüße
Satyr

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Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#13

Beitrag von Bodecea » Sa 17. Aug 2019, 12:05

Hallo,

ich denke, diese Frage kann man kaum logisch beantworten (das fängt ja schon an mit was sind Götter, gibt es Götter...), sondern eher mystisch, durch das, was man persönlich von den Göttern erfahren hat oder zu haben glaubt. Für mich (!) sind Götter Facetten einer göttlichen Kraft des Seins, aus dem dieses Universum besteht - das offensichtliche Bestreben der Materie, sich zu organisieren, die biologische Evolution, die neues und immer komplexeres Leben schafft, die geistige Evolution die uns an kreativen Leistungen, zu Liebe und Mitgefühl (und wer weiß, was noch kommt) heranführt...

Themen wie die Anzahl von Geschlechtern spielen dabei ja (wahrscheinlich) nur für uns Säugetiere hier auf der Erde eine besondere Rolle. Aber da ich hier a) Mensch, b) Mitteleuropäerin und c) Frau bin (und noch vieles mehr), ist mir die Facette eines menschenähnlichen Gottes, bzw, einer Göttin, die auch einen Bezug zu meiner Kultur, meinen Lebens- und Werteinstellungen leichter zugänglich als, was weiß ich, der nackte Geist einer Sonne.

Nur so ein paar wirre freiliegende Hexengedanken :-).

LG
Bodecea
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Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#14

Beitrag von Ashar Starchild » Sa 17. Aug 2019, 14:18

Hi,

mal unabhänig von Wicca:
als ich bei den Rosenkreuzern war, haben wir mit Entitäten, der reinen Energieform, die "hinter menschlichen Konzepten" steht gearbeitet und ihnen auch keinen persönlichen Aspekt zugewiesen.
Der hermetische Grundsatz: "Wie oben - so unten" spielte in den Lehren eine grosse Rolle, ebenso, wie der Satz, der ehemals über dem Portal des Tempels des Apollon zu Delphi stand: "Erkenne Dich selkbst!" und, wenn man des Einlasses für würdig befunden wurde, konnte man lesen "und Du erkennst die Götter!"
Dadurch dachte ich i-wann: wenn beides gilt und wir Menschen eine Persönlichkeit haben, dann müssen auch die ENtitäten, die wir rufen eine haben, machte mich auf die Suche und kam im WIcca mit meinen persönlichen Göttern in Kontakt :)
Meine persönliche Göttin existiert auch in der allgemeinen Mythologie (schreibe hier nicht konkreter, weil der Thread im öffentlichen Bereich ist :) ), jedoch schreibe ich ihren Namen etwas anders, sie ist für mich nicht "weiblich" im menschlichen Sinne, jedoch weiß ich, dass ich durch sie in diese Dimension gelangte, sie war für mich sozusagen der Transformator von der Ebene, in der ich vor meiner Geburt war, in diese und deswegen verwende ich den Begriff "Mutter" für sie, auch wenn das "geboren werden" imo ein anderer Prozess ist
Ähnlich ist es auch bei meinem persönlichen Gott: da er mich sozusagen durch seine Kraft "auf den Weg" in diese Dimension schickte, was wir Menschen eher mit dem männlichen Prinzip verbinden, sehe ich ihn als meinen Vater
Wobei ich beiden in sich keine Geschlechtlichkeit zuordne.

Und hier sind wir im WIcca bei der Einführenden Anrufung angelangt (siehe ebenfalls Online BoS):
"Laßt uns eins sein mit der Kraft

Der Kraft die das Universum bewegt denn siehe:

Die Herren des Lichts haben ihre Sterne auf die Himmel gesetzt

Die Erde dreht sich

und die Mondin zieht ihre Bahn.

Laßt uns stolz unsere Köpfe erheben denn die Erde ist unsere Mutter

Und der Himmel ist unser Vater

Und wir sind die Kinder der Götter."
LG Ashar Starchild :girlie-mr-miyagi:
"Wenn du einen Fehler in deinem Bruder siehst, so ist der Fehler, den du in ihm siehst, in dir selbst." Jalal Ad Din Rumi

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Frater Josephus
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Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#15

Beitrag von Frater Josephus » So 18. Aug 2019, 04:31

"Alle Gottheiten sind eine Gottheit!"

Wenn ich das aus dem Theologiestudium richtig in Erinnerung habe, so gibt es im Hinduismus die Differenzierung zwischen Sanguna Brahman und Nirguna Brahman. Sanguna Brahman ist das abbildbare göttliche, das Eigenschaften hat - wie eine Gottheit, die zum Beispiel in einer Statue darstellbar ist, und über die sich Geschichten erzählen lassen. Nirguna Brahman hingegen ist das unnennbare Eine - etwa wie das Tao, das man schon verfehlt, wenn man es nur beim Namen nennt - oder wie der Gott der Negativen Theologie, "der" sich allen Begrifflichkeiten entzieht - der Urgrund allen Seins, der nicht in Worte, Formen oder Geschichten zu fassen ist.

Das Genderbinäre (oder überhaupt das Duale) wäre dann wieder eine andere Darstellungsform dieses Alleinen. Dabei ist die Zuordnung bestimmter Eigenschaften zum jeweils weiblichen oder männlichen Pol allerdings fast willkürlich und kulturabhängig. Wie zum Beispiel der Mond im Deutschen (und z.B. auch im Arabischen) grammatisch männlich ist, und die Sonne weiblich, so ist es in den meisten anderen Sprachen genau umgekehrt (vgl. z.B. die vielen weiblichen Mondgottheiten und den arabischen Mondgott Hubal). Ebenso könnte ich in diesem Dualismus den Tod einmal dem weiblichen Part zuordnen (wenn ich z.B. eine weibliche Todesgottheit als Göttin anbete) und dem Leben den männlichen - und wenn ich es will, dann genau umgekehrt den Tod der männlichen und das Leben der weiblichen Seite - oder gleich den ganzen Dualismus einem der beiden Gender - dann wahrscheinlich vorzugsweise dem weiblichen.

Ich bedanke mich ebenfalls bei Atemkristall und bei allen, die vor mir etwas gepostet haben für die guten Gedankenanstöße.
Noch ist nicht der letzte Hahn nach Karthago gegangen.

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Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#16

Beitrag von atemkristall » Do 22. Aug 2019, 21:04

Allen, die hier ihre Gedanken geteilt haben, danke ich sehr. Ich finde es wirklich wichtig, sich gerade in der paganen Gemeinschaft über Fragen, die kontrovers diskutiert werden können, auszutauschen. Das passiert meineserachtens nicht oft genug, weil sich zu viele in ihre "Konfession", ihren Pfad einigeln möchten. Gerade die Vielfalt aber braucht die Begegnung. Und Vielfalt ist für mich das Wesen der heidnischen Religiösität. Sonst kann ich auch weiter nur katholisch bleiben. Das Verhältnis der einzelnen Gottheiten, wie sie uns begegenen, ist dehalb, glaube ich, ein wichtiges Thema.
Beste Grüße vom
atemkristall

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