Alle Göttinnen- eine Göttin...?

Benutzeravatar
atemkristall
Beiträge: 426
Registriert: Di 4. Apr 2017, 09:13
Wohnort: In einer anderen Bärenstadt

Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#1

Beitrag von atemkristall » Do 15. Aug 2019, 10:44

Aus Dion Fortunes Roman "Die Seepriesterin" stammt wohl der einflussreiche Satz: "Alle Göttinnen sind eine Göttin - alle Götter sind ein Gott." Läuft das nicht auf einen Duotheismus hinaus, der ziemlich gewaltsam die gewachsene Vielfalt der Pantheons der Kulturen in ein wiccanisches, genderbinäres Schema presst? Werden hier göttliche Persönlichkeiten zu bloßen Aspekten minimiert oder respektiert gerade diese Formel die Wertgleichheit aller paganen Religionen? Wie seht ihr das? Ist das wiccanischer Imperialismus oder würdigt es die letzlich allen Religionen zugrunde liegende Wahrheit, das alles ein (oder zwei) ist?

Beste Grüße vom
atemkristall

Knufflon
Beiträge: 526
Registriert: Mi 3. Jul 2013, 12:16
Benutzertitel: Dr. Sun
Wohnort: westlicher Odenwald

Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#2

Beitrag von Knufflon » Do 15. Aug 2019, 11:42

Für mich letzteres. Alles ist eins, und es ist göttlich, nur wir dummen Tiere glauben, die Götterwelt sei wie wir polar aufgebaut.
Love as thou wilt.

As a son of night and day, I am gray.

Allgemeine Meinungen entstehen aus der Unfähigkeit zur eigenen und dürfen nicht durch Quantität legalisiert werden. (Werner Lind)

Meine Foto-Homepage: https://www.flickr.com/photos/goldtop57/

Benutzeravatar
Hagezorn
Beiträge: 601
Registriert: Mo 29. Feb 2016, 17:45

Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#3

Beitrag von Hagezorn » Do 15. Aug 2019, 13:57

Früher war ich derselben Meinung.
Heute weiß ich das diese Einstellung respektlos ist.
Vergleich:
In jedem Dorf gibt es einen Schmied,einen Bauern eine Magd ect.
Der Schied in Dorf A hat andere Ansichten als Schmied B oder als Schmied aus dem Dorf C.
Wenn ich also arbeite macht es sehr wohl einen Unterschied,aus welchem Dorf ich den Schmied hole.
Weil -ich hole mir da einen Rattenschwanz ins Haus,der mit Besonderheiten gespickt ist.
Sicher kennt jeder Schmied sich mit seinem Handwerk aus.
In sofern kann ich verallgemeinern-mehr aber auch nicht.
Menschen brauchen einen Glauben,sonst hätte Ihre Existenz keinen Sinn....

Knufflon
Beiträge: 526
Registriert: Mi 3. Jul 2013, 12:16
Benutzertitel: Dr. Sun
Wohnort: westlicher Odenwald

Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#4

Beitrag von Knufflon » Do 15. Aug 2019, 14:00

Der direkte Vergleich zwischen Gottheiten und Menschen ist mMn doch ein wenig unpassend. Aber bitte, jedem das seine. Nur bitte bezeichne meine Anischt nicht als respektlos; du kannst schreiben, dass es sich *für dich* so anfühlt, aber so verallgemeinerst du deine Meinung.
Love as thou wilt.

As a son of night and day, I am gray.

Allgemeine Meinungen entstehen aus der Unfähigkeit zur eigenen und dürfen nicht durch Quantität legalisiert werden. (Werner Lind)

Meine Foto-Homepage: https://www.flickr.com/photos/goldtop57/

Benutzeravatar
Hekate
Beiträge: 4312
Registriert: Mi 27. Mär 2013, 19:58
Benutzertitel: Alte Hex!
Wohnort: BY

Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#5

Beitrag von Hekate » Do 15. Aug 2019, 16:44

Und die Göttin + der Gott sind das EINE Göttliche.

Und ja, gleichzeitig so unterschiedlich

Für mich war das nie ein Widerspruch.

Gruß

Hekate
Das alles sind meine,
persönlichen Einstellungen, Einsichten und Meinungen.
Niemand braucht mir da zu zustimmen.
Ich, sehe es so und meine es so.
Und das ist schon alles.

Benutzeravatar
Rafael_Chiron
Beiträge: 1063
Registriert: Mi 28. Sep 2016, 18:42
Wohnort: Bayern

Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#6

Beitrag von Rafael_Chiron » Do 15. Aug 2019, 20:59

atemkristall hat geschrieben:
Do 15. Aug 2019, 10:44
Aus Dion Fortunes Roman "Die Seepriesterin" stammt wohl der einflussreiche Satz: "Alle Göttinnen sind eine Göttin - alle Götter sind ein Gott."
@atemkristall: Ich für mich lese Dion Fortunes Aussage so: "Alle Göttinnen sind in ihrer Essenz eine Göttin - alle Götter sind in ihrer Essenz ein Gott." Allerdings ist das eher eine sprituelle (=initiatische) Erfahrung, die man erst einmal selbst machen muss, aber eben keine "theologische Wahrheit".

In der Spätantike gab es tatsächlich eine Art Verschmelzung verschiedender Gottheiten. So wurde z.B. Isis über Ägypten hinaus zu einer fast universalen Göttin des Mitgefühls. Und da auch Demeter durch den Raub ihrer Tochter einen ähnlichen Schmerz erfuhr, wurden die beiden "funktional" gleichgesetzt und schließlich auch miteinander verschmolzen.
atemkristall hat geschrieben:
Do 15. Aug 2019, 10:44
Läuft das nicht auf einen Duotheismus hinaus, der ziemlich gewaltsam die gewachsene Vielfalt der Pantheons der Kulturen in ein wiccanisches, genderbinäres Schema presst? Werden hier göttliche Persönlichkeiten zu bloßen Aspekten minimiert oder respektiert gerade diese Formel die Wertgleichheit aller paganen Religionen? Wie seht ihr das? Ist das wiccanischer Imperialismus oder würdigt es die letzlich allen Religionen zugrunde liegende Wahrheit, das alles ein (oder zwei) ist?
Das Problem ist, dass die gesamte Diskussion, wie sie übrigens gerne von christichen Theologen über Glaubensinhalte geführt wird, auf abstrakte & theoretische Wahrheiten hinausläuft. Heute sind solche theologischen Themen nicht mehr so beliebt. Deshalb ersetzten wir sie dann gerne durch weltanschauliche Diskussionen, wie z.B. die Genderfrage... :girlie-oh-my-god:

Wenn Wicca von der Polarität von Göttin & Gott spricht, so verstehe ich, dass darunter die vielfältigen Manifestationen in der Natur (=Göttin) & das aktivierende Energieprinzip (=Gott) gemeint sind (Vgl. den Text: Was ist Wicca?). In verwandten westlichen Mysterienschulen gelten vergleichbare Prinzipien. Hier wird diese Polarität z.B. durch die schwarze Säule (=weiblich, Formprinzip) und weiße Säule (=männlich, Energieprinzip) am Baum des Lebens dargestellt. Es geht hier aber weder um weltanschauliche Wahrheiten, noch primär um die sexuelle Interaktion zwischen Göttin & Gott (obwohl das auch mal vorkommen kann!), sondern um ein rituelles Grundverständnis. Denn zwischen diesen Polaritäten eröffnet sich der "rituelle Raum". Oder anders ausgedrückt: Wer in den Tempel gehen will, tritt zwischen der weißen & schwarzen Säule (Jachim & Boaz) ein. Hier beginnt der initiatische Weg...

Wer diesen Weg nicht geht, für den haben diese Konzepte auch keine Bedeutung, denn dies kann nur im Ritual selbst erfahren werden. Daher kann es auch keinen "wiccanischen Imperialismus" geben, denn dieser beruht auf dem "Missionsverständnis" bzw. dem "Wahrheitsanspruchsdenken" etablierter Religionen...

:liebegrüße: Rafael Chiron

Benutzeravatar
Hagezorn
Beiträge: 601
Registriert: Mo 29. Feb 2016, 17:45

Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#7

Beitrag von Hagezorn » Fr 16. Aug 2019, 05:54

:D
Knufflon hat geschrieben:
Do 15. Aug 2019, 14:00
Der direkte Vergleich zwischen Gottheiten und Menschen ist mMn doch ein wenig unpassend. Aber bitte, jedem das seine. Nur bitte bezeichne meine Anischt nicht als respektlos; du kannst schreiben, dass es sich *für dich* so anfühlt, aber so verallgemeinerst du deine Meinung.
:D
Nun sei doch nicht gleich so zimperlich.
Ich mußte mir diesen Vorwurf auch gefallen lassen als ich mit polnischen Heiden unterwegs war.
Ich hab lange darüber nachgedacht.
Die Intension eine Religion bis ins Mark zu fühlen hat nicht jede/r.
Und da ich für mich nicht an der Borke des Baumes kratzen wollte lies ich mich darauf ein-mit überraschenden Ergebnissen.
Und ja...diese Religion ist klar polar , absolut nicht genderkonform , hierarchisch strukturiert und wenn der Priester die Flammen tanzen läßt ,
bebt der Boden,denn die Götter sind anwesend.
Und ja,ich rede nicht von WICCA.
Es ist ganz einfach der Weg meiner Vorfahren.Meine Familie wurde aus Polen rausgeworfen-nach dem zweiten Weltkrieg.
Und ich hab lange gesucht......
Wie bereits gesagt.....
in meiner Jugend war ich obiger Ansicht.
Ich glaubte die Völker haben nur verschiedene Namen für das gleiche Prinzip.
Im Erleben hat sich mein Standpunkt gewandelt.
Es war ein Unterschied und fühlte sich verschieden an ob ich den Gott des Wassers aus Griechenland oder aus Italien rief.
Ob ich Indra kontaktierte,oder die Göttin.
Oder aus Afrika Mami Water.
Das zu verallgemeinern ist einfach wenn man anfängt.
Es gibt ein göttliches Prinzip. Ja.
Es gibt verschiedene Namen. Und es gibt verschiedene Persönlichkeiten des göttlichen Prinzip.
Jede/r davon hat seine Geschichte,seine Vergangenheit,seine Überschneidungen und seine Berechtigung.
Und die Menschen haben verschiedene Zugänge dazu-resultierend aus Seelenvergangenheiten ,Taten und Temperamenten.
Soweit mein Wissensstand.
Menschen brauchen einen Glauben,sonst hätte Ihre Existenz keinen Sinn....

Benutzeravatar
Ashar Starchild
Beiträge: 2861
Registriert: Sa 6. Apr 2013, 13:11
Benutzertitel: Traveller
Wohnort: in der mittelhessischen Walachei zwischen Giessen und Marburg

Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#8

Beitrag von Ashar Starchild » Fr 16. Aug 2019, 16:13

@ Hagezorn: Im Wicca gibt es durchaus ein übergeordnetes Prinzip, so wie Knufflon das hier
Knufflon hat geschrieben:
Do 15. Aug 2019, 11:42
Für mich letzteres. Alles ist eins, und es ist göttlich, nur wir dummen Tiere glauben, die Götterwelt sei wie wir polar aufgebaut.
schreibt und ich finde, jemandem Respektlosigkeit vorzuwerfen und dann zu schreiben, er solle doch nicht "zimperlich" sein, voll daneben bzw distanzlos :worried: vor allem, weil der Text, in dem das steht im free obline BoS hier im Forum zu lesen ist:
"Im Namen von Dryghten

der uralten Vorsehung

die da war von Anbeginn

und für die Ewigkeit ist,

männlich und weiblich

die Ursprüngliche Quelle aller Dinge allwissend, allesdurchdringend, allmächtig, unveränderlich, ewig;

In den Namen der Herrin der Mondin und des Herrn über Tod und Auferstehung

in den Namen der Mächtigen der vier Reiche,

der Könige der Elemente,

Gesegnet sei dieser Ort, diese Zeit,

und die, die mit uns sind."
Ashar
"Wenn du einen Fehler in deinem Bruder siehst, so ist der Fehler, den du in ihm siehst, in dir selbst." Jalal Ad Din Rumi

Benutzeravatar
Hagezorn
Beiträge: 601
Registriert: Mo 29. Feb 2016, 17:45

Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#9

Beitrag von Hagezorn » Fr 16. Aug 2019, 17:56

Meine eigentliche Frechheit besteht nicht darin,das ich Knuffelon angehe sondern meine Behauptung das der Satz :
"alle Götter sind ein Gott,alle Göttinnen sind eine Göttin." schlicht falsch ist.
Arbeitsbedingt habe ich auch mit der Göttin La Muerte zu tun.
Eine Mexikanische Göttin, die auch und gerne für Transgender zuständig ist.
Weiblich oder männlich-die Frage stellt sich ihr nicht.
Es wäre ne Frechheit sie mit Hel oder anderen Unterweltsgöttern gleich zu setzen.
Deshalb ist mein Vergleich der Götter mit den Menschen auch nicht respektlos.
Weil jede/s/r seinen zugehörigen Gott hat.
Das ich derzeit meine Blutlinie bearbeite schmälert den Kontakt zu anderen Göttern keinesfalls-weil ich weiß das sie existieren.
So wie es das Finanzamt gibt-oder den Postboten.
Sie zu verleugnen wäre realitätsfremd.
Und nur weil jemand Kluges sich in einem Punkte irrte ist er deshalb nicht weniger klug oder fähig.
Wir haben alle mal nen schlechten Tag.
Übrigendas danke für ein tolles Thema,Atemkristall!
Menschen brauchen einen Glauben,sonst hätte Ihre Existenz keinen Sinn....

Knufflon
Beiträge: 526
Registriert: Mi 3. Jul 2013, 12:16
Benutzertitel: Dr. Sun
Wohnort: westlicher Odenwald

Re: Alle Göttinnen- eine Göttin...?

#10

Beitrag von Knufflon » Fr 16. Aug 2019, 19:41

Die Frage ist, ob das, was du Götter nennst, in dem Sinne göttlich ist, dass diese Entitäten eine unbegrenzte Macht haben, seit ewig existieren und Dinge etc erschaffen können.

Glaubst du ernsthaft, dass es auch nur eine dieser Wesenheiten/Entitäten gäbe, wenn unser Planet nicht von Menschen (und auch keiner anderen intelligenten Lebensform) bewohnt wäre? Diese Götter sind merkwürdigerweise beinahe alle, durch alle Kulturen, menschengestaltig.....wir haben sie erschaffen.
Ich denke, diese uns erfahrbaren Kräfte sind am ehesten so etwas wie durch sehr lange Zeit menschlicher Hinwendung aufgeladene Archetypen, oder auch Energieformen. Aber eben keine Götter, wie sie am Anfang der verschiedenen Schöpfungsgeschichten stehen - das Unnennbare, Tao, All-Eine, Dryghtyn.

Meine Haus-und Hofgötter sind Lugh, Freya und Maria - ich erkenne und erlebe sie als definitiv eigenständige Wesenheiten. Aber sie sind letztlich, wie ich auch, "nur" ein Aspekt der Göttlichkeit, die das bisschen mehr ist, als die Summe der einzelnen Teile dieser Welt. Und eben nicht das Göttliche per se.
Love as thou wilt.

As a son of night and day, I am gray.

Allgemeine Meinungen entstehen aus der Unfähigkeit zur eigenen und dürfen nicht durch Quantität legalisiert werden. (Werner Lind)

Meine Foto-Homepage: https://www.flickr.com/photos/goldtop57/

Antworten