Ich-Transzendenz

Runeninteressierter
Beiträge: 216
Registriert: So 23. Okt 2016, 20:41

Ich-Transzendenz

#1

Beitrag von Runeninteressierter » So 4. Mär 2018, 11:39

Hallo
Was würdet Ihr als Ich-Transzendenz bezeichnen?
Wenn sich das Ich auflöst und man mit seiner Umgebung verschmilzt? Wenn man hört aber man es nicht selbst ist der hört?
Oder würdet Ihr die Einheitserfahrung das verbunden fühlen mit allem als Ich-Transzendenz bezeichnen?
Oder wenn man vom Ego zum Selbst kommt?
Also die Konditionierungen einen weniger beeinflussen?
Oder gar wenn sich das Bewusstsein ausdehnt und man gleichzeitig da wo man ist ist aber sich das Bewusstsein auch über die ganze Umgebung überstülpt (kosmisches Bewusstsein, was schon eine geile Erfahrung ist) und es sich anschließend so anfühlt als ob das ganze Universum Liebe ist.

Also, was bezeichnet Ihr als Ich-Transzendenz?

Lg

Benutzeravatar
Sarf
Beiträge: 398
Registriert: So 6. Mär 2016, 10:39
Benutzertitel: Meister der Methoden
Wohnort: München

Re: Ich-Transzendenz

#2

Beitrag von Sarf » So 4. Mär 2018, 11:50

Runeninteressierter hat geschrieben:
So 4. Mär 2018, 11:39
Was würdet Ihr als Ich-Transzendenz bezeichnen?
Wenn sich das Ich auflöst und man mit seiner Umgebung verschmilzt? Wenn man hört aber man es nicht selbst ist der hört?
Das klingt mir eher nach nem Ketamin-Rausch, also eher Dissoziation als Transzendenz, wobei es da bestimmt ne Schnittmenge gibt.
Runeninteressierter hat geschrieben:
So 4. Mär 2018, 11:39
Oder wenn man vom Ego zum Selbst kommt?
Also die Konditionierungen einen weniger beeinflussen?
Das Ego (lat. "ich") ist doch mein Selbst und die Erfahrungen und Konditionierungen sind doch die Farben und Formen auf meiner Leinwand (=also ich, mein Ego, mein Selbst, meine ganze Existenz). Warum sollte das Entfernen dieser Farben und Formen mich mehr zu "mir selbst" machen? Selbst Diamanten entstehen erst unter Druck (davor sind sie weich, schwarz und hässlich) und zeigen ihre volle Schönheit erst durch den richtigen Schliff. Ich glaube nicht, dass wir besser, reiner, erleuchteter oder sonstwas werden, wenn wir alles ablegen und abstreifen, was uns geformt hat. Es macht uns nur nackig, langweilig und leer.
"Mit der Maid spiel im Dunkeln: manch Auge hat der Tag.
Das Schiff ist zum Segeln, der Schild zum Decken gut,
Die Klinge zum Hiebe, zum Küssen das Mädchen."

- Edda, Hávamál 81

Runeninteressierter
Beiträge: 216
Registriert: So 23. Okt 2016, 20:41

Re: Ich-Transzendenz

#3

Beitrag von Runeninteressierter » So 4. Mär 2018, 12:07

Na ja also ich sehe das so:
Wir haben auch Konditionierungen durch Fremdeinflüsse wie Medien, Politik, Institutionen, Gesellschaft welche
Uns beschwerlich sind und wie eine Trance/Hypnose wirken. Ich spreche hier von negativen Konditionierungen . Wenn wir diese ablegen sind wir wieder wie im Flow.
Die Dualitäten sind das beste Beispiel. Unnatürlich und eben eine Massenhypnose. Ausserdem ziehen sich die meisten Menschen unbewusst eine Maske auf, geformr durch die Psycho-Spielchen und Rollenspiele die tagtäglich gespielt werden.
Es geht auch nicht darum alle Konditionierungen abzulegen sondern nur die die einen behindern.
Also dass man bewusster handelt, seine Überkonditionierungen einen nicht mehr steuern.
Ich nenne Dir mal ein Beispiel:
Ich hatte früher öfter Misserfolge. Und warum? Weil ich oft diese Erfahrungen gemacht habe die mich haben scheitern lassen. Imzwischen hören die auf mich zu beeinflussen zumindest tun sie es weniger und ich kann klarer denken und mich wieder auf Erfolg konzentrieren. Eben weil die Misserfolgs Konditionierungen abgeschwächt sind. Oder nehmen wir jemanden der sich so oft aufregt dass er sich selbst schadet und seinen Mitmenschen auch. Ist so ein Ego dann gut? Nein ich glaube kaum.

Benutzeravatar
Sarf
Beiträge: 398
Registriert: So 6. Mär 2016, 10:39
Benutzertitel: Meister der Methoden
Wohnort: München

Re: Ich-Transzendenz

#4

Beitrag von Sarf » So 4. Mär 2018, 12:52

Runeninteressierter hat geschrieben:
So 4. Mär 2018, 12:07
Die Dualitäten sind das beste Beispiel. [...] Ist so ein Ego dann gut? Nein ich glaube kaum.
Du führst Dualitäten als Beispiel für "negative" Konditionierungen an und bedienst dich in deinem ganzen Beitrag dieser negativen Konditionierung "Dualität". Was ist negativ? Was ist denn ein "gutes" Ego? Das Ego ist für mich in erster Linie neutral, ob ich mit dem Ego eines anderen klar komme oder nicht, ist zweitrangig und liegt nicht unwesentlich auch an meinem eigenen Ego.

Das Ding ist, das Leben ist kein Ponyhof. Das Leben ist auch kein Wunschkonzert. Das Leben besteht aus förderlichen und hinderlichen Umständen und gerade das macht das Leben doch schön. Was wäre das bitte für eine Welt, wo immer alles klappt, alle sich nur lieben und überhaupt nichts schief läuft? Wäre das eine gute Welt, deiner Meinung nach? Man sagt nicht umsonst, dass man aus Fehlern und Niederlagen mehr lernt als aus Sieg und Erfolg.

Was die Masken angeht. Bin ich denn nicht mehr ich selbst, wenn ich ne Maske trage? Ist es denn zwangsläufig notwendig, sein Herz in der Hand vor sich herzutragen? Im Endeffekt sind wir doch alle eigenständige Lebewesen mit einem Bewusstsein: Das heißt, ich kann darüber entscheiden was auf mich Einfluss hat, wo ich mich beuge und wo nicht - zumindest hab ich die Möglichkeit modulierend in diesen Prozess einzugreifen. Ich sage nicht, dass alles perfekt ist, aber ich sehe uns auch nicht als eine Art loses Blatt im Sturm. Das Leben wirft dir nur das Material hin, was du daraus machst liegt an dir.
"Mit der Maid spiel im Dunkeln: manch Auge hat der Tag.
Das Schiff ist zum Segeln, der Schild zum Decken gut,
Die Klinge zum Hiebe, zum Küssen das Mädchen."

- Edda, Hávamál 81

Runeninteressierter
Beiträge: 216
Registriert: So 23. Okt 2016, 20:41

Re: Ich-Transzendenz

#5

Beitrag von Runeninteressierter » So 4. Mär 2018, 13:06

Hi
Nein das wäre keine gute welt wo sich alle nur lieben.
Ich denke es ist wichtig zu erkennen dass die welt eben durch ihre ecken und Kanten gut so ist wie sie ist.
Dass man sowohl die “rosa Wolken“ als auch das Gewitter kommen und gehen lässt. Dass man seine Gefühle fühlt und zulässt. Wenn man sich gut und geil fühlt ist das ok aber auch Wenn man mal niedergeschlagen ist oder auch alles andere.
Stimmt ich gebs zu man kann nicht nur in oder ausserhalb der Dualität leben es gibt auch Menschen die bewegen sich mal innerhalb mal ausserhalb dieser.
Hab nochmal nachgedacht wenn man die Dualität komplett abstößt bewegt man sich wieder innerhalb dieser. Und zu den Masken. Manchmal sind sie notwendig aber es kommt halt drauf an dass es noch gesund ist. Wir leben in einer Gesellschaft wo das auf die Spitze getrieben wird. Solche Konditionierungen meine ich z.B.
Lg R

Benutzeravatar
Peregrin
Beiträge: 1417
Registriert: So 16. Jul 2017, 13:24

Re: Ich-Transzendenz

#6

Beitrag von Peregrin » So 4. Mär 2018, 13:15

Ich bin ein Fan des Zen-Lehrers Brad Warner, da er die Dinge mit modernen Metaphern in einer westlichen Sprache ausdrückt.

Er vergleicht das "Selbst" mit der imaginären Grenze, die Menschen um das Konstrukt "Staat" ziehen. Das "Ich" ist eine imaginäre Grenze, die wir um eine Ansammlung von zusammenhängenden Aspekte unserer Existenz ziehen, so wie die Menschen kollektiv imaginäre Grenzen um ein bestimmtes Gebiet ziehen und das so eingefasste "Staat" nennen.

Diese Grenzen sind Konstrukte, die wir in unserer kollektiven Vorstellung erschaffen haben und als real betrachten, darum kann man schlecht so tun, als gäbe es diese Grenzen nicht. Sie sind für uns Menschen wirklich. ("wirklich" nicht im Sinne von "real", sondern im Sinne von "haben eine Wirkung" - sie bewirken, dass wir uns mit dem innerhalb der Grenzen identifizieren und das jenseits der imaginären Grenze als nicht zu uns zugehörig ansehen.


Als "Ich-Transzendenz" würde er wohl bezeichnen (wenn er solche esoterischen angehauchten Worte wie "Tanzsendens" nicht meiden würde :green: ), wenn man aufhört, das Sein durch das Okular eines Mikroskops zu betrachten sondern den Kopf hebt. Nichts hat sich verändert, außer der Perspektive. Aufgelöst hat sich da aber nichts.

Benutzeravatar
Sarf
Beiträge: 398
Registriert: So 6. Mär 2016, 10:39
Benutzertitel: Meister der Methoden
Wohnort: München

Re: Ich-Transzendenz

#7

Beitrag von Sarf » So 4. Mär 2018, 13:23

Um aber noch auf deine Frage zu antworten, was für mich Ich-Transzendenz wäre:
Wenn man die gemachten Erfahrungen zusammen mit seinem Ego zu etwas Besserem verflechten kann, man aus einer Situation oder Phase gestärkt rauskommt, so wie wenn man unedles Material vergoldet: Die Vergoldung tut weh, es ist unbeschreiblich heiß, unangenehm und man kriegt etwas übergezogen was man eig nicht möchte, man kann sich aber nicht wehren und so macht man das Beste draus. Am Ende sehen wir, dass es sich gelohnt hat: unser relativer Wert in der Gesellschaft steigt, wir glänzen, sind beständig gegen Oxidation und haben dadurch eine Art Schutzschild aus gelernten Lektionen, buchstäblich eine Rüstung aus Gold.

Das wäre für mich Transzendenz des eigenen Ichs oder ich glaube, ich würde sogar eher von einer Transmutation - im Sinne, dass etwas Unedles durch eine andere Substanz veredelt, transmutiert wird - reden, da ich eh schon (al)chemische Metaphern bemühe. :green:
"Mit der Maid spiel im Dunkeln: manch Auge hat der Tag.
Das Schiff ist zum Segeln, der Schild zum Decken gut,
Die Klinge zum Hiebe, zum Küssen das Mädchen."

- Edda, Hávamál 81

Benutzeravatar
Peregrin
Beiträge: 1417
Registriert: So 16. Jul 2017, 13:24

Re: Ich-Transzendenz

#8

Beitrag von Peregrin » So 4. Mär 2018, 13:32

Sarf hat geschrieben:
So 4. Mär 2018, 13:23
Das wäre für mich Transzendenz des eigenen Ichs oder ich glaube, ich würde sogar eher von einer Transmutation - im Sinne, dass etwas Unedles durch eine andere Substanz veredelt, transmutiert wird - reden, da ich eh schon (al)chemische Metaphern bemühe. :green:
Widerspricht das nicht deiner Erklärung zur Vergoldung aus dem vorigen Abschnitt? Transmutation bezeichnet eine tatsächliche Umwandlung (von Blei zu Gold). Nicht einfach nur den Bleikern behalten und da eine Goldschicht drum herum legen.

Benutzeravatar
Sarf
Beiträge: 398
Registriert: So 6. Mär 2016, 10:39
Benutzertitel: Meister der Methoden
Wohnort: München

Re: Ich-Transzendenz

#9

Beitrag von Sarf » So 4. Mär 2018, 13:39

Peregrin hat geschrieben:
So 4. Mär 2018, 13:32
Widerspricht das nicht deiner Erklärung zur Vergoldung aus dem vorigen Abschnitt? Transmutation bezeichnet eine tatsächliche Umwandlung (von Blei zu Gold). Nicht einfach nur den Bleikern behalten und da eine Goldschicht drum herum legen.
Nun, es gibt viele Arten der Transmutation, man muss nicht immer den Kern ändern, manchmal reicht es nur eine Qualität an die Oberfläche zu holen. Natürlich entspricht dies nicht unbedingt dem Opus Magnum, aber ich bin eben auch Chemiker(es gibt einige Zubereitung der alten Alchemie, die lediglich auf Vergoldung basieren; die bekannteste ist wohl die Variante mit Zink, wo lediglich Zink-Cluster mit feinen Goldpartikeln überzogen werden.) und verzichte zugunsten der Wissenschaft gern auf die überholte Ideologie von damals.

Aber ich gebe dir Recht, im strengem 17. Jhd-Sinn widerspricht sich da meine Aussage der Erklärung.
"Mit der Maid spiel im Dunkeln: manch Auge hat der Tag.
Das Schiff ist zum Segeln, der Schild zum Decken gut,
Die Klinge zum Hiebe, zum Küssen das Mädchen."

- Edda, Hávamál 81

Benutzeravatar
Peregrin
Beiträge: 1417
Registriert: So 16. Jul 2017, 13:24

Re: Ich-Transzendenz

#10

Beitrag von Peregrin » So 4. Mär 2018, 14:02

Sarf hat geschrieben:
So 4. Mär 2018, 13:39
... verzichte zugunsten der Wissenschaft gern auf die überholte Ideologie von damals.
Wenn du die "Ideologie" wegnimmst, dann ist Alchemie nur noch Chemie.

Antworten