Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

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Luce
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Re: Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

#11

Beitrag von Luce » Di 25. Jul 2017, 15:56

Huhu Peregrin,
Peregrin hat geschrieben:
Di 25. Jul 2017, 13:25
Wenn du "Gott" und "Göttin" als Polariäten eines Ganzen siehst, dann hast du da die Wicca-Theologie übernommen, in der alle Göttinnen Aspekte einer Göttin sind und alle Götter Aspekte einen Gottes? Das geht für mich schon in die Richtung "Archetypen".
Tja, keine Ahnung. Ich kann es dir ehrlich gesagt nicht beantworten - mir fehlen die richtigen Worte. Wenn ich den Post von Hagezorn lese mit den Göttern als Personen, dann denke ich mir: Ja, irgendwie schon, ich spreche sie ja auch als Personen an, auch wenn ich das natürlich tue um mit einer gewissen "Energie" in Kontakt zu treten. Gaaaanz schwierig, vielleicht auch gar nicht eindeutig lösbar.
Und wie passt der in dein polare Yin-Yang-Einteilung? (Ich bin mit der evangelischen Deutung des Hl. Geistes nicht wirklich vertraut.)
Ja gar nicht. Wie gesagt: das ist eher das Göttliche um uns rum, der Aether, die Universalenergie. Keine Ahnung, ob die Personen, die man direkt anspricht, dazugehören?
Ich habe meine Vorstellungen (<- !!!) von "mythologischen Göttern" natürlich aus meiner Sozialisation und aus der Literatur.

Generell ist meine Einstellung zu Göttern die hermetische, nach der man das Göttliche (also das, was über oder hinter den menschlichen Vorstellungen liegt) erst begreift, man man ihm gleich ist. Was religiösen Glauben betrifft, da bekenne ich mich zu keinem sondern versuche einer "Erfahrungs-Philosophie" zu folgen, quasi einem vom Buddhismus befreites Zen.
Das hört sich so emotionsfrei an....ist es das? Und wenn ja: geht das überhaupt?
Warum und wie trittst du denn in Kontakt mit göttlichen Energien? Wenn ich deine Worte richtig verstehe, dürftest du ja direkt niemanden / nichts ansprechen. Ist das so?

LG Luce
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Luce
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Re: Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

#12

Beitrag von Luce » Di 25. Jul 2017, 16:03

Liebe Schneewölfin, liebe Hagezorn, :liebegrüße:

ihr habt beide so Recht. Ich lese eure Beschreibungen und bin ganz angetan von euren Gedanken und den ganzen Input, den ich bekomme und über den ich echt nachdenken kann und wahrscheinlich muss.

Allerdings stimmt auch das:
Hagezorn hat geschrieben:Manche Hintergrundinfo hätte ich nicht,wenn ich zu viel Bimborium veranstalten würde.....
Eigentlich gehe ich auch recht "spielerisch" (bitte nicht mit repektlos verwechseln) mit dem Ganzen um und denke auch, dass zuviel Denken manchmal hindert.
Ich habe ja schon weiter oben vermutet, dass ich (wir) da gerade versuche(n) etwas in Worte zu fassen, was gar nicht so wirklich in Worte zu fassen geht.

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Peregrin
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Re: Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

#13

Beitrag von Peregrin » Di 25. Jul 2017, 16:30

Luce hat geschrieben:
Di 25. Jul 2017, 15:56
Das hört sich so emotionsfrei an....ist es das?
Nein, höchstens in dem Sinne, dass ich meine mit Emotionen aufgeladenen Vorstellungen vom Göttlichen von dem Göttlichen als solches trennen will, um das eine nicht mit dem anderen zu verwechseln.

Ansonsten denke ich, war das historische Heidentum was ihre emotionale Bindung an die Götter betrifft, wesentlich unemotionaler oder nüchterner als die Christen. Da wurde häufig eine Staatszeremonie ausgeführt oder ein nüchtener Handel geschlossen. Dem Gott wird ein Opfer versprochen, wenn er einen dafür auf der Reise schützt oder im Kampf zum Sieg verhilft. Und wenn er das nicht konnte, hat man sich das nächste Mal halt an einen anderen gewandt.
Luce hat geschrieben:
Di 25. Jul 2017, 15:56
Warum und wie trittst du denn in Kontakt mit göttlichen Energien? Wenn ich deine Worte richtig verstehe, dürftest du ja direkt niemanden / nichts ansprechen. Ist das so?
Ich glaube bei der Beantwortung der Frage kommt wieder die Gottes-Definition in die Quere. :) Ich sehe da einmal diverse Kräfte, mit denen man magisch arbeiten kann und die die meisten Völker im Laufe ihrer Geschichte als Götter bezeichnet haben - manchmal haben sie auch nur einen "Geisterstatus", wenn die vom christlichen Weltbild geprägten "Übersetzer" aus anderen Sprachen, Kulturen und Zeiten sie einordnen wollten, wie z.B. Loa oder Kami - und dann gibt es das Göttliche hinter/über diesen Göttern. Mit ersteren kann man mit Gebeten, Opfern und all den anderen üblichen Methoden in Austausch treten wenn man konkrete Dinge erreichen will. Mit dem anderen geht es einem da eher wie Faust mit dem Erdengeist. :green: Das eine sehe ich als Lebensbewältigung an, das andere als .... Erfüllen des Lebenszwecks. (Was nicht sonderlich geschickt ausgedrückt ist und sehr leicht außerhalb des richtigen Kontextes falsch gedeutet werden kann.)

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Re: Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

#14

Beitrag von Luce » Di 25. Jul 2017, 16:40

Peregrin hat geschrieben:
Di 25. Jul 2017, 16:30

Ich glaube bei der Beantwortung der Frage kommt wieder die Gottes-Definition in die Quere.
...was unglaublich schwer und gar nicht wirklich zu greifen ist, wie wir gerade merken.
Und vermutlich hat Hagezorn Recht, wenn sie sagt, das ungezwungene Vorgehen sei mitunter das Sinnvollste (frei zitiert und hoffentlich getroffen ;) ).
Mir schießt gerade eins der 10 Gebote durch den Kopf "Du sollst dir kein Bildnis machen" - vielleicht war das ein sehr netter, sinnvoller Rat, um die Überladung im Kopf zu verhindern. :green:
Mir geht es jedenfalls gerade so - ich merke schon, dass ich einen ganz seltsamen Humor entwickle, wie immer, wenn mein Kopf "genug" hat. ich werde also einfach mal raus gehen, frische Luft schnappen und mich an einem Baum erden. Ich glaube, das ist ein sinnvoller Gedanke.

Danke für die vielen Gedanken. :liebegrüße:

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Re: Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

#15

Beitrag von Peregrin » Di 25. Jul 2017, 18:54

Luce hat geschrieben:
Di 25. Jul 2017, 16:40
Mir schießt gerade eins der 10 Gebote durch den Kopf "Du sollst dir kein Bildnis machen"
Das finde ich einen sehr weisen Rat der alten hebräischen Priester. Nur wird der eben nicht weit genug geführt. (Okay, für die damaligen Verhältnisse schon, zu einer Zeit, da jeder Gott sein eigenes Idol hatte.) Ich meine, man sollte sich auf der Ebene, auf der sich dieser Rat bewegt, nicht nur nicht von dem Äußeren seines Gottes ein Bild machen, sondern eben auch nicht von seinem Wesen. Aber ab da fängt die Bibel - bzw. die Tora - an, sich selbst zu widersprechen, da sie ja da ein Bild von ihrem Gott zeichnet. :worried:

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Re: Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

#16

Beitrag von Schneewoelfin » Di 25. Jul 2017, 19:22

Peregrin hat geschrieben:
Di 25. Jul 2017, 18:54
nicht nur nicht von dem Äußeren seines Gottes ein Bild machen, sondern eben auch nicht von seinem Wesen.
da bin ich eher, bzw vollständig in der Hermetik zu Hause und unterschreibe den Spruch, den die alten Griechen über das Portal des Apollon zu Delphi schrieben: "Erkenne Dich selbst" und wenn man für würdig befunden wurde, den Tempel zu betreten, konnte man innen lesen:

"und Du erkennst die Götter!"

LG Schnee
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Re: Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

#17

Beitrag von Peregrin » Di 25. Jul 2017, 19:27

Das klingt so, als würde meine Aussage in deinen Augen dem von dir gebrachten Zitat widersprechen? Tut sie meines Erachtens nicht. Wo siehst du denn den Widerspruch?

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Re: Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

#18

Beitrag von Luce » Di 25. Jul 2017, 19:39

Schneewoelfin hat geschrieben:
Di 25. Jul 2017, 19:22
Peregrin hat geschrieben:
Di 25. Jul 2017, 18:54
nicht nur nicht von dem Äußeren seines Gottes ein Bild machen, sondern eben auch nicht von seinem Wesen.
da bin ich eher, bzw vollständig in der Hermetik zu Hause und unterschreibe den Spruch, den die alten Griechen über das Portal des Apollon zu Delphi schrieben: "Erkenne Dich selbst" und wenn man für würdig befunden wurde, den Tempel zu betreten, konnte man innen lesen:

"und Du erkennst die Götter!"

LG Schnee
In Delphi war ich sogar schon einmal. Vielleicht hätte ich, anstatt die Pythia zu geben, lieber über den Satz nachdenken sollen. Das hätte vielleicht den einen oder anderen Gedankengang erspart. :kaffee:
(Nein, hätte es nicht - hätte ich damals nicht verstanden.)

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Re: Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

#19

Beitrag von Peregrin » Do 27. Jul 2017, 11:13

Ja, du hast sicherlich recht, Arion. Ich meinte halt das ganze Background-Packet von Fraser und Murray bis hin zu den Theosophen, die zur wicca'schen Auffassung und Ausprägung des Gottes-Göttin-Bild geführt haben. Mich interessierte eben, ob Luce das Bild im Kopf hatte, unabhängig davon, auf was genau das nun alles basierte.

Ich meine, man muss klären, auf welcher Ebene man sich befindet. Meint man Das Göttliche, das durch den ganzen Lebensbaum repräsentiert ist, meint man die Dualitäten Jachin und Boas oder meint man die "Ur-Energien" die durch die einzelnen Sephiroth repräsentiert werden. (Vermutlich habe ich hier einige Begrifflichkeiten nicht so verwendet, wie du es tun würdest, da ich weder Wicca bin, noch ein sonderliches Interesse an der modernen westlichen Auffassung der Kabbalah habe. Ich hoffe, du verstehst trotzdem, was ich damit sagen wollte?)

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Re: Gedanken zur Entstehung meines Glaubens

#20

Beitrag von Shekinah » Mi 2. Aug 2017, 17:53

Luce hat geschrieben:
Di 25. Jul 2017, 10:34

Kurzum: Ich frage mich, ob Heidentum wirklich u.a. "Nicht-Christentum" bedeutet oder ob es nur eine Distanzierung zur Katholischen Machtpolitik ist - also dem weltlichen Teil.
Zudem habe ich das Gefühl, dass wenn man von allen Religionen die Machtstruktur der Menschen abzieht, eine göttliche Uressenz bleibt, die immer wieder durch die gleichen Prototypen symbolisiert wird.
Und irgendwie bastelt sich doch auch trotz "Obergruppierungen" und deren Namen jeder sein eigenes "Bild" und seinen eigenen Glauben...oder?

So. Ich hoffe, ich habe die Gedanken in meinem Kopf verständlich rübergebracht - und bin auf eure dazu gespannt.

LG Luce :liebegrüße:
Hallo, mein Senf dazu:-)

Für mich ist der Begriff Heidentum oder Neo-heidentum etwas das ich benutze um anderen zu erklären, dass ich nicht Teil einer der Monotheistischen Religionen bin-für mein Selbstverständnis ist er unzureichend. Für mich selbst könnte der Begriff individualreligiös treffen. Der größte Unterschied ist also ob ich mich der Religion eines anderen anschließe oder meinem Inneren folge. Ich habe also keinen Glauben sondern ein inneres Wissen- ich muss keinem anderen Glauben schenken.
Zum Thema göttliche Uressenz oder Ursprung der Religion habe ich eine interessante Theorie gelesen (ich habe leider keine Quelle), dass die Traditionellen Afrikanischen Religionen (z.B. Voodoo) aufgrund ihrer lokalisation (Zentralafrika ist höchstwahrscheinlich der Entstehungsort der Menschheit) die Grundlage für alle anderen religiösen Traditionen geliefert hat- also die Kulte des alten Orients (z.B. babylonien), und von dort über die verschiedenen Völkerbewegungen mehrmals um die welt immer mit neuen Einflüssen und Schwerpunkten bedingt durch die äußeren Verhältnisse und Ereignisse sowie die Praktizierenden. Mit dieser Theorie lassen sich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Traditionen sehr schön erklären (zum Beispiel Schamanische Praktiken, Totemtiere, Kreisziehung, die 4 Himmelsrichtungen, das Kreuz, Schangenkulte und vieles vieles mehr)- ob es stimmt kann man natürlich nicht beweisen.

Vielen Dank für deinen zum Nachdenken anregenden Post!

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