Spontan vegan

Alles zum Thema Permakultur, Selbstversorger, Transition Towns, Lebensgemeinschaft, Umweltschutz und Ökologischer Fußabdruck
Greenie
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Re: Spontan vegan

#31

Beitrag von Greenie » So 3. Nov 2013, 11:51

Ohne eine ideologische Diskussion daraus machen zu wollen, will ich kurz zwei Punkte anbringen:
1. Das Soja, das Menschen in Form von Tofu/Sojamilch etc. verspeisen, stammt in der Regel, sofern es Bio ist, aus der Eifel oder aus Österreich. Kein Witz.
Das Soja, das Tiere, die für Menschen zum Verzehr gezüchtet weren, verspeisen, stammt zu einem sehr großen Teil (90% glaub ich) aus Brasilien. Der rasante Anstieg des weltweiten Sojaanbaus - und die damit verbundenen Problematiken der Abholzung des Regenwaldes, Monokulturen etc., hat also nichts mit den Veganern zu tun (außer in der Eifel ;)), sondern damit, dass Soja Mais als Futterpflanze immer mehr ablöst und der Fleischkonsum vor allem in Schwellenländern steigt.
2. Auch die Futterpflanzen werden chemisch gedüngt und gelangen dann über das verspeiste Tier in den menschlichen Körper. Hier hilft nur (zumindest teilweise) den ökologischen Anbau zu unterstützen.

So, Erdkundelehrerinnen-Modus aus.. wer mehr Infos/Quellen/Zahlen will, liefere ich gerne im Mai, dann muss ich das Thema wieder mit der 11. Klasse genau aufrollen. Steht so größtenteils in modernen Schulbüchern. Im Rahmen der Unterrichtsreihe letztes Jahr haben wir übrigens auch so einen Ö-Fußabdruck-Test gemacht und ich als 80%Öko-99%Veganerin ohne Führerschein und Auto hatte einen horrend hohen Wert, weil ich täglich 20 km hin und zurück und ca. 4x jährlich 600 km hin und zurück mit der Bahn fahre und einmal in zwei Jahren nach Ostasien fliege. So viel dazu.

Veganerinnen-Modus an:
Wenn du Ersatzprodukte konsumierst, sind die schon sehr teuer.. und nicht immer besonders gesund.. mir wird bei den Zutatenlisten schwindelig und oft denke ich dann auch, wenn ich Käse wollte, sollte ich lieber schauen, dass ich in irgendeiner lokalen Käserei einen bekomme, der ohne Lab hergestellt wird.. aber ich habe nach all den Jahren kaum Verlangen mehr danach oder weiß mir anders zu helfen, wenn ich unbedingt Käsespätzle will in der Schwangerschaft ;). Googlen hilft hier ungemein, Hefeflocken sind eine (leider auch nicht ganz billige) essentielle Zutat :).
Ich kaufe hauptsächlich Bioprodukte seit ich das erste Mal diese Landwirtschaftsreihe in der 11 unterrichten musste.. wir brauchen zu zweit (davon ich mit erhöhtem Bedarf durch das Vollstillen) im Moment ca. 200 Euro monatlich für Lebensmittel, davon aber 140-150 für frisches Obst und Gemüse, das wir als Gemüsekiste nach Hause geliefert bekommen. Das ist gerade mein Luxus als voll berufstätige junge Mama. Als Studenten haben wir noch konventionell angebautes Frischzeug vom Aldi gekauft, da kamen wir mit 120 Euro monatlich für zwei Personen gut hin.
Ich bin aber auch alles andere als heilig: Ich nutze z.B. TVP, obwohl es stark bearbeitet ist, weil ich meinen Eiweiß-Bedarf damit gut decken kann und nicht immer Zeit habe, Seitan herzustellen - nicht mal, wenn ich mit dem Pulver anfange. (Das kann man übrigens bei vegan-wonderland oder alles-vegetarisch bestellen.. früher habe ich immer ausgewaschen, was für eine Sauerei!)
Vitamin B12 substituiere ich, aber das müssen mittlerweile auch viele Omnivore. Ich finde das nicht schlimm, weil mir meine Ernährungsweise so wichtig ist.. sonst sind meine Blutwerte auch immer alle top, sogar in der Schwangerschaft und Stillzeit und ich bin auch nicht gerade ein Strich in der Landschaft.

Letztlich muss aber jeder seinen eigenen Weg finden. Ich missioniere niemanden, auch nicht meine Schüler - die wissen nicht mal, dass ich vegan lebe. Aber die "Erziehung zur Nachhaltigkeit" schreibt lustigerweise genau diese Themen vor: Sojaanbau, Legehennenproduktionsketten, Milchwirtschaft.. da wird selbst mir noch immer ganz anders.

So viel von mir. Um zum Hexentum/Wicca zurückzukehren: In meinem Fast-Coven sind 3 Veganerinnen, eine die pendelt zwischen den Ernährungsformen und ach ja, wir haben da noch so einen Hohepriester irgendwo rumfliegen - der hat sich daran gewöhnt, dass unsere Cakes and Wines immer vegan sind. Ich sehe mein vegan sein nicht unbedingt in Verbindung mit meinem Glauben, außer dass es mir in allem was ich tue, schon um Nachhaltigkeit geht, aber die anderen beiden sehen das teilweise anders. Immer wieder spannend..

Ich hoffe dennoch, ich trete jetzt hier keine ideologische Zerfleischungsdiskussion an.. dann bin ich nämlich definitiv raus. Jedem das Seine und mir mein Tofu.

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Hekate
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Re: Spontan vegan

#32

Beitrag von Hekate » So 3. Nov 2013, 13:02

Ich habe früher öfters mal Tofu gegessen, aber ich bin nun soweit, das für mich Soja ein absolutes - No-Go ist.

Und es ist eine Illussion zu gleiben, das allein bei der Menge, die so in Deutschland an Soja verwendet wird, zu glauben, das das NUR Bio wäre und damit Gen frei.

Kein Hersteller von Sojaprodukten kann absolut garantieren, das in seinen Produkten KEIN Gen-Soja ist.

Was übrings für alle sogenanntne Bio-Produkte/Waren gilt. Sieh Babybrei von Demeter.

Und immer wieder Berichte, das Sachen als Bio verkaut werden, die es nicht sind.

Gruss von

Hekate
(die gerade einen schönen, guten Schweinebraten hatte)
Das alles sind meine,
persönlichen Einstellungen, Einsichten und Meinungen.
Niemand braucht mir da zu zustimmen.
Ich, sehe es so und meine es so.
Und das ist schon alles.

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Re: Spontan vegan

#33

Beitrag von Zombie » So 3. Nov 2013, 17:00

Guten Nachmittag!
Also, der Thread ist ja nun schon ein paar Tage alt und ich will nochmal betonen, dass es ich niemanden dafür verurteile (und es auch nie tun würde), was er isst, alles, was ich wollte, waren ein paar Erfahrungsberichte und Tipps, einfach, weil mein Gehalt nunmal nicht so üppig ausfällt ;)! Genausowenig wollte ich eigentlich eine Grundsatzdiskussion lostreten, ob Veganismus jetzt besser ist als Fleisch essen oder nicht. Mittlerweile versuch ich mich ja schon ein paar Tage an dieser Ernährungsweise und ich finde es gar nicht so einfach, ganz zu verzichten, ich trinke zum Beispiel noch des Öfteren Milch im Kaffee oder schmiere Butter auf meinen Wecken. Es ist halt doch eine umfassende Umstellung.
Außerdem habe ich festgestellt: Ich mag den Geruch von Soja nicht, weshalb ich es nicht esse, ohne es warm zu machen. Sojamilch fällt also schonmal weg, Sojaschnetzel und Räuchertofu mag ich aber ganz gern. Ich kaufe mein Tofu auf dem Wochenmarkt und alle spezielleren Sachen auf vegan-wonderland.de. Viel lieber als Tofu mag ich Seitan, aber das ist immer ein bisschen anstrengend zu machen finde ich. Was ich im Laden kaufe, das kaufe ich nicht unbedingt in Bioqualität, einfach weil mein Geldbeutel das nicht hergibt. Ich bin auch weit davon entfernt mein GANZES Leben nach diesem Lebensstil zu richten, ob das noch kommt, wer weiß, man wird sehen. Für den Moment danke ich jedenfalls mal allen für ihre Meldungen und Berichte und
@Greenie: Ich greife nicht auf Käse zurück, zum Überbacken habe ich immer Mandelmus mit Wasser angerührt, das wird ganz knusprig. Ist nicht perfekt, aber ich mags :), obwohl ich den Käse auf der Pizza usw. ja schon vermisse :(. TVP hab ich glaub ich noch nie gegessen, ich mag auch keine Tofuwürstchen. Allen anderen zum Trotz: das schmeckt nicht nach Würstchen! Zumindest nicht die, die ich hatte! Kässpätzle, hm, ich könnte mir denken, dass man die Eier weglassen kann, aber den Bergkäse?
Aber vielen Dank für deine Erfahrungen :).
Mit meinem neuen Arbeitsplatz, der noch weiter weg liegt bin ich sicher kein Engel, was Ökologie angeht, aber mittlerweile kommt bei mir noch der Tieraspekt hinzu. Ist manchmal schon hart, was man hört, liest und sieht, ich zieh da also meine persönlichen Konsequenzen, wie andere das regeln ist ja nicht mein Problem sondern deren ;).
Und wer sich fürs Fleisch essen entscheidet (macht mein Freund ja auch!), der entscheidet sich halt dafür und hat dafür seine persönlichen Gründe, das geht ja auch niemanden sonst was an eigentlich. Ich freu mich jedenfalls über alle Meinungen und hoffe, dass sich kein Fleischesser wegen mir auf den Schlips getreten fühlt, das war nicht meine Absicht!

Viele Grüße,
Zombie
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Re: Spontan vegan

#34

Beitrag von Krähengold » So 3. Nov 2013, 18:37

Zombie hat geschrieben:Und wer sich fürs Fleisch essen entscheidet (macht mein Freund ja auch!), der entscheidet sich halt dafür und hat dafür seine persönlichen Gründe, das geht ja auch niemanden sonst was an eigentlich. Ich freu mich jedenfalls über alle Meinungen und hoffe, dass sich kein Fleischesser wegen mir auf den Schlips getreten fühlt, das war nicht meine Absicht!
Nein, wirklich nicht, kein Stück :) :girlie-nick:

BlackDeer

Re: Spontan vegan

#35

Beitrag von BlackDeer » Sa 27. Jul 2019, 06:50

Eine Diskussion, die sich in jedem Forum findet und meist immer ad absurdum...
Letztendlich ist Vegetarismus oder Veganismus, der sich bloß auf Aussagen wie "ich töte keine Tiere" stützt, lächerlich.
Denn im Mähdrescher für das Getreide endet auch genug Wild oder unter den Rädern anderer Maschinen.
Liegt dieser Lebenseinstellung doch Bewusstsein und Nachdenken zugrunde, so frage ich mich dann, welches der bewusstere Weg ist?
Ersatzprodukte zu konsumieren, um seinen Veg*ismus unbedigt aufrechtzuerhalten, deren Anbau und Herstellung wenig umweltfreundlich sind, oder nicht doch lieber seine Nahrung selbst und direkt aus der umgebenden Natur zu beziehen, inklusive Fleisch? Für mich ist die Antwort hier jedenfalls klar.

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Re: Spontan vegan

#36

Beitrag von Peregrin » Sa 27. Jul 2019, 13:09

Das klingt für mich nach einer guten Entschuldigung: "Wenn ich sowieso nicht über eine Wiese gehen kann, ohne Insekten zu zertreten, also schon Tiere töte, dann kann ich auch gleich Fleisch essen. Ist ja nur konsequent."

Die Einstellung kann man haben, aber sie scheint mir nicht weniger lächerlich als die, in deren Rahmen versucht wird, keine Tiere zu töten.
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Re: Spontan vegan

#37

Beitrag von Bodecea » Sa 27. Jul 2019, 13:32

Hallo BlackDeer,

Regional einkaufen - auf jeden Fall dafür! Und ich würde auch noch eher ein Stück Wild essen als ein Massentierhaltungopfer. Noch lieber esse ich aber gar kein Fleisch. Und als Wildkräutertante halt ich auch viel davon, zu wissen, was man eigentlich von dem essen kann, was vor der Haustür wächst.

Aber...
BlackDeer hat geschrieben:
Sa 27. Jul 2019, 06:50
oder nicht doch lieber seine Nahrung selbst und direkt aus der umgebenden Natur zu beziehen, inklusive Fleisch?
Soll das (selbst und direkt) heißen, optimal wäre, wenn wir alle wieder 100%ige Jäger und Sammler würden?

Viele Grüße
Bodecea
Tu was du willst, aber trage dann auch die Konsequenzen.

BlackDeer

Re: Spontan vegan

#38

Beitrag von BlackDeer » Sa 27. Jul 2019, 16:08

Ich bin Jägerin, liebe Bodeca und muss deswegen mein Wild durch Verschmähung auch nicht beleidigen - warum ohne Fleisch trotzdem besser sein soll, kann ich also nicht ganz nachvollziehen!? Zudem bin ich auch stolz auf meine vollständige Verwertung inklusive Leder, Rohhaut, Knochen oder Huf...
Die Ernährung von Pflanzen klappt auch nicht immer ohne das Töten der Pflanze, die für mich nicht weniger ein Lebewesen ist, das nicht "wertvoller", aber eben auch nicht "wertloser" als jedes andere Lebewesen, einschließlich mir ist. Trotzdem kann und darf ich von anderen Lebewesen auch existieren, mit Achtung und Wetschätzung. Der Mensch neigt aber leider zu dieser hierarchischen Einstufung der Natur und stellt sich gern ganz oben auf.

Was mir an der Jagd so zusagt, ist die Tatsache, dass der Wald mir ein Stück Wild geben kann oder nicht. Ich kann darum bitten und mich bedanken, ich kann es aber nicht erzwingen. Das wissen die meisten Menschen garnicht! Wenn es nicht sein soll, kommt kein Wild oder ich sehe es nur von hinten oder es klappt eben nicht. Da helfen auch alle modernen Waffen, Hochsitze und Können nichts. Jagd ist Intuition, Können und Glück. Ersteres und letzteres sind immer auch mit der Anderswelt verbunden!

Wenn ich so in den Supermarkt gehe (gehen muss...), frage ich mich, wozu 70 % der Lebensmittel eigentlich sind? Brauchen tun wir sie nicht zum Leben...

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Re: Spontan vegan

#39

Beitrag von Peregrin » Sa 27. Jul 2019, 20:44

Was machst du denn mit dem Leder, Rohhaut, Knochen oder Huf?

Isst du nur das von dir erlegte Wild und sonst kein Fleisch?

Wir brauchen so vieles nicht zum Leben. Ist halt die Frage, wo man Prioritäten setzt.
Zuletzt geändert von Peregrin am Sa 27. Jul 2019, 20:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Spontan vegan

#40

Beitrag von LiH » Sa 27. Jul 2019, 20:48

BlackDeer hat geschrieben:
Sa 27. Jul 2019, 16:08
Die Ernährung von Pflanzen klappt auch nicht immer ohne das Töten der Pflanze, die für mich nicht weniger ein Lebewesen ist, das nicht "wertvoller", aber eben auch nicht "wertloser" als jedes andere Lebewesen, einschließlich mir ist.
Wenn man dieses Argument zuende denkt, dann läuft es ja doch wieder darauf hinaus, dass Tiere essen Leid und/oder Tod von Pflanzen bedeutet. Am Ende der Kette war ja ein tierisches Produkt auch mal eine Pflanze, die vom Tier selber oder seiner Beute gegessen wurde. Nur habe ich, wenn ich eine bestimmte Menge Pflanzen esse, eben diese Pflanzen getötet. Und wenn ich Produkte von Tieren esse, habe ich diese Menge mal X, weil sie ja die Pflanzen nicht mit einer Effizienz von 1:1 in eigene Körpermasse umbauen. Also habe ich effektiv für den Tod von mehr Pflanzen gesorgt, als wenn ich sie direkt gegessen hätte. Das wollte ich mal der Vollständigkeit halber angemerkt haben.


Ansonsten gibt es zig Gründe, vegan zu leben: Gesundheit, schöner Teint, zu wenig Geld für die Qualität, die man verantworten kann. Etc. Genauso gibt es auch zig Arten, es zu leben...vernünftig/gesund/mangelhaft/missionarisch/undogmatisch/...


Ich bin froh, dass es Menschen wie Dich gibt, die verantwortungsvoll mit Tieren, die sie essen, umgehen, alles verwerten und auch den spirituellen Aspekt der Natur darin sehen. Für mich ist diese Art des Fleischkonsums etwas vollkommen Anderes, als jeden Tag sein in Plastik verpacktes Billigschnitzel aus dem Supermarkt zu holen. So unterschiedlich wie die Leute sind, die Fleisch essen, sind auch die, die es lassen.

Und selbst wenn man Tiere einfach süß findet und den Gedanken daran nicht ertragen kann, dass man für ihren Tod verantwortlich ist...was solls...es darf doch jede_r so leben, wie man sich emotional wohl fühlt...

liebe Grüße,

LiH

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