Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

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SchwarzesWusel
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Re: Angefeindung für "grüne Werte" -geteilte Erfahrungen?

#21

Beitrag von SchwarzesWusel » Di 21. Aug 2018, 14:05

Stadteule hat geschrieben:
Di 21. Aug 2018, 09:51

Mir fällt in anderen thematischen Diskussionen in letzter Zeit sehr auf, dass Hemmungen gefallen sind im Umgang miteinander. Dass Leute es akzeptabel finden, sich unter der Gürtellinie zu äußern. Wie gesagt habe ich in direkten vis à vis Kontakten bisher solche Erfahrungen nicht machen müssen, daher kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass das eins zu eins übertragbar ist, aber zumindest online gibt es offenbar keine moralischen Grenzen mehr im Umgang miteinander und ich frage mich oft, was für Werte die Leute eigentlich zuhause mitbekommen haben (oder eben nicht).
Abgesehen von der Thematik rund um den Konsum von tierischen Produkten habe ich bei Umweltthemen allerdings bisher noch nicht so ein hitziges Verhalten erlebt, das erlebe ich eher in politisch gefärbten Diskussionen.

@Grundgesetz: Das baut auf den (eigentlichen) moralischen Werten unserer Gesellschaft auf, daher sehe ich das nicht wirklich voneinander trennbar. Wie in jedem Land spiegelt die Gesetzgebung auch bei uns grob die Werte der Gesellschaft wider und entsprechend der Werteentwicklung werden auch die Gesetze angepasst. (Edit: ) Und daher ist imo auch ein zwischenmenschlicher Austausch zu ebensolchen Werten absolut wichtig, denn so bilden sich Meinungen und dadurch mit der Zeit auch die Veränderung der Wertmaßstäbe nicht nur im Einzelnen, sondern in der Gesellschaft. Wäre das anders, hätten wir jetzt noch die Gesetzgebung von vor xxx Jahren.


LG, Stadteule
Liebe Stadteule,

mit gefallenen Hemmungen triffst du den Nagel auf den Kopf. Und auch damit, dass man es bei manchen Thematiken auch einfach nicht erwartet, wie schnell es dann eskaliert.

Peregrin hat geschrieben:
Di 21. Aug 2018, 09:57

ich finde das Nachdenken und den Austausch über Ideen und ihre Umsetzungen, wie man etwas verbessern könnte, für ganz und gar nicht überflüssig, denn in meinen Augen ist die Art, wie wir heute leben, katastrophal.

Ich glaube zudem, dass Menschen es aushalten sollten, wenn ihre Meinung und Lebensführung hinterfragt wird, und das nicht gleich ein Bürgerkrieg daraus entstehen darf, weil eine Gruppe es nicht erträgt, das eine andere eine von ihnen abweichende Weltsicht vertritt. (Dieses Nichtertragen oder Erdulden einer abweichenden Weltsicht ist es m.E. vielmehr, die häufig zu Konflikten führt.)

Das Gesetz würde ich nur als den allerkleinsten gemeinsamen Nenner für das menschliche Zusammenleben nehmen, darüber hinaus aber bietet es meines Erachtens keinen Maßstab für Werte des menschlichen Zusammenlebens. Allein schon deswegen nicht, da es reaktionär ist.
Man darf nicht vergessen, dass zum Beispiel noch vor ein paar Jahrzehnten die Vergewaltigung in der Ehe rechtlich erlaubt war, um nur mal eines der Gesetze zu nennen, die reformiert worden sind. Nur weil ein Gesetz etwas erlaubt, halte ich das nicht automatisch für richtig.
Peregrin,

genau so sehe ich es auch. Natürlich hat jeder im Rahmen der Gesetze die Möglichkeit, freie Entscheidungen zu treffen, und das ist auch erst einmal gut so, allerdings können Gesetze und Gesetzgeber auch irren und es kann nicht blind Folge geleistet werden, allein schon deswegen halte ich ein Grundmaß an "moralischem Kompass" für wichtig.

Außerdem muss ein erwachsener Mensch dann auch in der Lage sein zu diesen Entscheidungen zu stehen, und wenn ein anderer eventuell Kritik daran übt, nicht gleich vollkommen die Fassung zu verlieren.


Lieber Catweazle,

ich meine es nicht böse, aber wie mir scheint, konstruierst Du in Deiner Vorstellung eine Situation, die so in der Realität nicht stattgefunden hat.
Es ging eben nicht um einen Missionierungsveruch. Ich habe in einem Nebensatz etwas fallen lassen, wurde dann bezüglich eines Detailbereichs GEFRAGT, und dann hat die Antwort nicht geschmeckt.
Ich sehe das Ganze selbst sehr ähnlich wie Bodecea es so schön formuliert hat, und es auch bei anderen Vorrednern schon durchgeschimmert hat:
Natürlich liegt einiges im Argen. Daran möchten viele auch etwas tun, allerdings ist in der heutigen Zeit eine richtige Vermeidung mit verhältnismäßig großen Anstrengungen verbunden.
Die kann und will nicht jeder zur Gänze unternehmen. Und das ist auch in Ordnung. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden und auch ich manövriere mich da nur durch meinen ganz eigenen Dschungel an Kompromissen. Deswegen würde ich aber auch niemandem Vorhaltungen machen, was er oder sie zu tun oder zu lassen hat, oder mich zu der Aussage erdreisten, ich würde es ja "so viel besser machen".
Da arbeite ich lieber an mir und an dem Bereich, in dem ich selbst beitragen kann. Da ist meine Zeit sinnvoller investiert =)

Deswegen wäre es fair, nicht jedem der ein SUV als Alltagsauto nicht gutfindet oder für sich selbst (auf dem SELBST liegt hier auch eine wichtige Betonung) Flugreisen so gut es geht reduzieren möchte, daraus einen Strick zu drehen und gleich anzunehmen, dass Unterhaltungen mit diesen Personen automatisch immer gleich nach Schema F ablaufen, oder sie sich bevorzugt aufs sprichwörtliche höhere Ross setzen.

Damit tut man vielen pauschal Unrecht und es entsteht ein Klima, in dem eben auch normale Unterhaltungen und normaler Austausch nicht mehr möglich ist.
Gleichzeitig muss man sich dann auch mit nichts mehr kritisch auseinandersetzen, weil man der Gegenseite gleich eine Agenda unterstellt, und so programmieren wir uns dann alle den absoluten Stillstand damit vor.

Natürlich will man Freunden und Kollegen nicht seine Ideale aufzwingen und ihnen in den Ohren liegen, bis sie keine Widerworte mehr geben. Das ist jenseits von Sinn und Zweck.
Allerdings finde ich auch, dass es da mehr gibt, als nur entweder oder. Ich persönlich halte einen offenen Austausch für sehr wichtig und für eine gute Möglichkeit dazuzulernen. Und mit wem tauscht man sich denn eigentlich lieber und besser aus, als mit dem eigenen Freundeskreis?

Nur am Rande sei angemerkt, dass ich es auch etwas zu einfach finde, zu sagen: es ist rechtlich kein Problem, also kann es einfach so umgesetzt werden.

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