Die Ignoranz der Menschen

Alles zum Thema Permakultur, Selbstversorger, Transition Towns, Lebensgemeinschaft, Umweltschutz und Ökologischer Fußabdruck
Benutzeravatar
Maire
Beiträge: 88
Registriert: Di 5. Apr 2016, 09:52

Die Ignoranz der Menschen

#1

Beitrag von Maire » Fr 31. Mär 2017, 06:59

Ihr lieben,

ich denke hier sind viele im Umweltschutz aktiv, ich würde sagen das gehört ja irgendwie dazu wenn man der Göttin folgt ;)

Ich achte sehr auf das was ich tue und das was ich bin. Ich achte die Umwelt, achte die Erde und versuche so gut es geht auf meine Umwelt zu achten.
Ich vermeide Müll wo es geht, vermeide Plastik, kaufe Fair Trade und Bio, esse kein Fleisch.

Und ganz ganz oft begegnen mir Menschen die das auch machen :) Das freut mich total.
Aber mir begegnen noch öfter Menschen, denen das alles absolut egal ist. Wirklich total egal.
Hauptsache die Klamotten sind billig, Hauptsache das Fleisch war günsig, Hauptsache der Scheiß Nespresso Kaffee schmeckt.

Ich versuche tolerant zu sein, aber langsam :wolke:

Ich kann einfach nicht nachvollziehen wie man so unglaublich ignorant, dumm, blauäuig(?) durch die Welt laufen kann und denkt, das es ja eh egal was man macht :wall: "och, das machen andere ja auch, warum sollte ich was ändern"

Ich brauche eine sehr sehr große Portion Toleranz. Ich brauche auch Zuversicht, denn der Erde geht es nicht gut und es fast zu spät noch etwas an der Zukunft zu ändern. Aber wenn die Mehrzahl der Menschen so denkt sehe ich schwarz. Und das macht mir echt Angst. Vielleicht bin ich zu pessimistisch.

Ich wollte einfach mal meinen Frust von der Seele schreiben :/ Danke fürs Lesen.
~Gutes zieht Gutes an~

Benutzeravatar
Bodecea
Beiträge: 867
Registriert: Sa 11. Mai 2013, 09:44
Benutzertitel: Wald- und Wiesenhexe
Wohnort: Odenwald
Kontaktdaten:

Re: Die Ignoranz der Menschen

#2

Beitrag von Bodecea » Fr 31. Mär 2017, 07:43

Maire hat geschrieben:
Fr 31. Mär 2017, 06:59
Ich kann einfach nicht nachvollziehen wie man so unglaublich ignorant, dumm, blauäuig(?) durch die Welt laufen kann und denkt, das es ja eh egal was man macht :wall: "och, das machen andere ja auch, warum sollte ich was ändern"
Huhu Maire,

einerseits verstehe ich dich. Ich lebe zwar selbst nicht total umweltbewusst (Asche auf mein Haupt!), aber bemühe mich - bin vegetarisch, kaufe selten Neues, habe ein sparsames Auto, gebe und nehme viel über Freecycle oder Secondhand usw usw... und ich schüttle heimlich auch oft den Kopf, wenn ich Leute mit Autos sehe, die 15 Liter verbrauchen, und ärgere mich, wenn Leute ihren McDo-Müll aus dem Autofenster werfen.

Andererseits ist Umweltschutz in meinen Augen eine wichtige, dennoch nur eine Möglichkeit, die Welt besser zu machen. Andere Menschen sind vielleicht beim Umweltschutz nicht vorbildlich, aber engagieren sich sozial oder tun sonst etwas, um die Welt besser zu machen.

Wieder andere haben den Kopf so voll mit ihrem Alltagsleben, dass da für Ökoshopping kein Platz - oder auch kein Geld bleibt. Für eine alleinerziehende Mutter mit wenig Einkommen ist es fast unmöglich, nur bio, transfair usw. einzukaufen, ohne jede freie Sekunde Einlkaufsplanung zu betreiben; auf dem Dorf erst recht nicht (so wie man hier auch ohne Auto kaum arbeiten gehen kann).

Also bleib gelassen :-)

LG
Bodecea
Tu was du willst, aber trage dann auch die Konsequenzen.

Benutzeravatar
Hekate
Beiträge: 4084
Registriert: Mi 27. Mär 2013, 19:58
Benutzertitel: Alte Hex!
Wohnort: BY

Re: Die Ignoranz der Menschen

#3

Beitrag von Hekate » Fr 31. Mär 2017, 08:29

Dumme Frage

Von was lebst du?
Das alles sind meine,
persönlichen Einstellungen, Einsichten und Meinungen.
Niemand braucht mir da zu zustimmen.
Ich, sehe es so und meine es so.
Und das ist schon alles.

Benutzeravatar
LiH
Beiträge: 523
Registriert: So 22. Nov 2015, 16:49
Wohnort: Enzkreis
Kontaktdaten:

Re: Die Ignoranz der Menschen

#4

Beitrag von LiH » Fr 31. Mär 2017, 09:22

Liebe Maire,

Du hast bei mir ziemlich einen Nerv getroffen - ich bin ehrenamtlich beim Natur- und Umweltschutz und die letzten Wochen hat genau das Verhalten, das Du beschreibst, uns einige sehr unschöne Erlebnisse beschert.

Ich schreibe noch später etwas dazu, auch über die positiven Erlebnisse, wenn die Leute doch noch anfangen nachzudenken nämlich.
Bin aber gerade nur kurz an einem fremden Rechner.
Bodecea hat geschrieben:
Fr 31. Mär 2017, 07:43
Wieder andere haben den Kopf so voll mit ihrem Alltagsleben, dass da für Ökoshopping kein Platz - oder auch kein Geld bleibt. Für eine alleinerziehende Mutter mit wenig Einkommen ist es fast unmöglich, nur bio, transfair usw. einzukaufen, ohne jede freie Sekunde Einlkaufsplanung zu betreiben; auf dem Dorf erst recht nicht (so wie man hier auch ohne Auto kaum arbeiten gehen kann).
Liebe Bodecea,

ich denke, dass in dieser Schlussfolgerung der größte Fehler liegt.
Es ist wahr, was Du schreibst - für Viele ist NUR bio, Fair, usw. wegen ihrer finanziellen Situation oder aus Zeitgründen nicht möglich.
Mich wundert nur, dass mir außerhalb vom Naturschutz so unglaublich oft die Einstellung begegnet:

"Wenn ich es nicht radikal betreiben kann, mache ich's halt gar nicht!"

Wenn man sich z.B. NUR Fleisch aus Massentierhaltung leisten kann - warum kauft man Fleisch von glücklichen Tieren GAR nicht mehr? Man könnte es wenigstens einmal im Monat oder von mir aus einmal im Jahr kaufen. Damit ändert man nicht die Welt...oder doch? Für das eine Tier, das ein gutes Leben hatte, vielleicht schon. Nur dieses eine Mal im Jahr kann indirekt bedeuten, dass es ein glückliches Hühnerleben mehr, und ein gequältes Dasein weniger gibt.

Deswegen sehe ich ab dem Punkt, wo man es gar nicht versucht, wo man sich nicht einmal zu einer Kompromisslösung bewegt, nicht einmal einen winzigen Schritt tut - an dem Punkt sind Mangel an Zeit und Geld faule Ausreden.
Hekate hat geschrieben:
Fr 31. Mär 2017, 08:29
Dumme Frage

Von was lebst du?
Du möchtest vermutlich darauf hinaus, dass so ziemlich alles, was man in unserer "zivilisierten" Gesellschaft hier tun kann, immer darauf hinausläuft, dass irgendwo am Ende der Kette ausgebeutete Menschen, ruinierte Ökosysteme und leidende Tiere stehen?

Ich denke, es geht nicht darum, die perfekte Lösung zu suchen. Da landet man in letzter Konsequenz mMn als Einsiedler im Wald. Und ob das perfekt ist, sei mal dahingestellt.
Weil - aktive Arbeit im Naturschutz würde damit z.B. weitestgehend flach fallen.

Für mich geht es darum, wenigstens den VERSUCH zu unternehmen, möglichst wenig Schaden anzurichten. Jeder wie er kann, jeder in dem Bereich, der ihm besser liegt.
Einer kauft vielleicht 1X bewusst Wild anstatt Billigfleisch, einer trägt einmal im Jahr 5 Kröten über die Straße.

Aber GAR nicht nachdenken, GAR nicht handeln, weil man sich dafür 1mm aus der eigenen Komfortzone bewegen müsste, das ist für mich *diesen Ausdruck öffentlich zu äußern, wäre unter meinem Niveau*.

WICHTIG: Nichts in diesem Beitrag ist eine Unterstellung an jemanden hier!!! Nur das, was ich erlebe, wenn ich wo auch immer über meine Arbeit beim Naturschutz rede sowie die daraus gezogenen Schlüsse.

Benutzeravatar
Maire
Beiträge: 88
Registriert: Di 5. Apr 2016, 09:52

Re: Die Ignoranz der Menschen

#5

Beitrag von Maire » Fr 31. Mär 2017, 17:51

Liebe LiH,

Ganz genau darum geht es mir.
Es geht mir nicht darum wie Leute was machen, sondern das sie eben ETWAS machen. Wenn es nur der Verzicht auf Plastiktaschen ist oder eben generell etwas ihr Verhalten überdenken.

Aber genau das machen viele nicht. Das Menschen in Bangladesch von ihrer Arbeit nicht leben können weil wir hier billige Kleidung kaufen oder das Tiere leiden weil wir hier billiges Fleisch kaufen - das alles sind Dinge die änderbar wären wenn man bewusster Entscheidungen treffen würde.
Mir ist klar dass das nicht jeder kann - aber jeder sollte Rahmen seiner Möglichkeit es zumindest versuchen.

Ich bin auch nicht perfekt - ich fahre Auto, das muss ich weil meine Arbeit halt nicht nebenan ist. Ich arbeite dazu noch in der Automobilbranche, auch nicht das gelbe vom Ei. Es gibt eben Umstände die kann man (gar nicht oder schwierig) nur ändern.

Aber ich mache mir Gedanken und versuche etwas zu ändern. Das sollte das jedem Möglich sein.
~Gutes zieht Gutes an~

Benutzeravatar
Hagezorn
Beiträge: 522
Registriert: Mo 29. Feb 2016, 17:45

Re: Die Ignoranz der Menschen

#6

Beitrag von Hagezorn » Fr 31. Mär 2017, 17:57

Missionierung ist aber auch nicht der Weg.
Und keiner mag Leute,die einem ein schlechtes Gewissen einreden wollen.
Menschen brauchen einen Glauben,sonst hätte Ihre Existenz keinen Sinn....

Benutzeravatar
Weiße-Kerivoula
Beiträge: 39
Registriert: Mi 21. Sep 2016, 18:59
Benutzertitel: Bokor/Houngan
Wohnort: Erfurt

Re: Die Ignoranz der Menschen

#7

Beitrag von Weiße-Kerivoula » Fr 31. Mär 2017, 19:16

Wenn ich etwas zu dieser Problematik sagen dürfte:
Es bringst uns auf unserem Wege keinen Schritt weiter wen wir anfangen zu verbittern oder Groll zu hegen. Alles im Leben hat einen Grund und wo Licht ist entsteht auch Schatten. Das Schicksal wollte auch dass es solche Menschen gibt. Sie sollen uns zeigen was richtig und was falsch ist, sozusagen als negatives Beispiel. Es ist nun an uns mit guten Beispiel voran zu gehen, richtig und Weise zu handeln. Hass zerstört uns nur selbst, besser ist es ihnen zu zeigen ihr Leben im Einklang mit der Natur zu führen. Ich sehe das ganze nicht als Missionierung, sondern eher als Erleuchtung denn kein Mensch ist in der Lage die Natur zu schaden ohne auch sich selbst zu verletzen. Der Mensch von heute denkt leider oft nur an sich selbst und hat seine Wurzeln zur Göttlichkeit verloren...

Ich hab oft genug um die Menschheit geweint, doch seit dem ich gelernt habe auf das Schicksal zu vertrauen sehe ich die Welt mit anderen Augen. Auch wenn ich nur wenig tun kann, kann ich mit meinem Werk doch etwas bewegen. Selbst wenn ich nur mein Umfeld zum ökologischen denken anregen kann, ist ein erster Schritt zu einer besseren Zukunft.

Bitte nicht aufgeben und immer weiter hoffen, beten und helfen
Das Schicksal hat uns hierher getragen und Licht von Dunkel zu trennen, den Schatten die Krone zu entreißen und der Natur die Ehre zu geben die ihr gebührt... :D :wolke: :D

Benutzeravatar
LiH
Beiträge: 523
Registriert: So 22. Nov 2015, 16:49
Wohnort: Enzkreis
Kontaktdaten:

Re: Die Ignoranz der Menschen

#8

Beitrag von LiH » Fr 31. Mär 2017, 21:39

Hagezorn hat geschrieben:
Fr 31. Mär 2017, 17:57
Missionierung ist aber auch nicht der Weg.
Und keiner mag Leute,die einem ein schlechtes Gewissen einreden wollen.
Ich bin da absolut bei Dir. Das, was sich Maire von der Seele geredet hat, und Deine Aussage eben sind für mich zwierlei:
Das, was Maire beschreibt und viele auch so ähnlich sehen/empfinden, sind zunächst Gefühle. Die sind eben manchmal negativ und fallen auch zugunsten der Mitmenschen aus.
Das, was Du beschreibst, ist Handeln.
Ich sehe keinen Widerspruch darin, z.B. Groll zu empfinden und dann besonnen und freundlich zu handeln.

Das war übrigens das Positive worüber ich vorhin schreiben wollte.
Im Herzen sind die meisten Menschen doch ganz lieb, wollen niemandem weh tun und nichts kaputt machen.
Ja - ich finde das oben beschriebene ignorante Verhalten trotzdem bescheuert.
Aber wenn ich etwas ändern will, muss ich einen Zugang zu ihnen finden.
Missionierung oder schlechtes Gewissen einreden erzeugt fast immer nur Antipathie, außerdem finde ich so ein Verhalten grundsätzlich anmaßend.
Ich bin mehr für positive Motivation und da lassen sich die Menschen oftmals gerne mitnehmen.
Oft (meistens? fast immer?)hat ein tierliebes, ökologisch bewusstes usw. Verhalten ja Mehrwert für einen selber.
Sobald es jemandem auffällt (weil zuvor jemand anderes das Thema in kleinen Häppchen auf dem silbernen Tablett ausgebreitet hat), entscheiden sich viele von selber dafür, zumindest bei Kleinigkeiten. Das ist schön.

Und dann gibt es wieder Momente, wo man denkt "du hast dein eigenes Hirn, benutz es doch mal endlich" und man freut sich, wenn dieser Groll verstanden wird.
Dann regt man sich gemeinsam auf, kommt vielleicht auf Ideen und ist am nächsten Tag wieder in der Lage, seine Ideale einfach nur auf eine freundliche Art und Weise vorzuleben.

Benutzeravatar
Bodecea
Beiträge: 867
Registriert: Sa 11. Mai 2013, 09:44
Benutzertitel: Wald- und Wiesenhexe
Wohnort: Odenwald
Kontaktdaten:

Re: Die Ignoranz der Menschen

#9

Beitrag von Bodecea » Sa 1. Apr 2017, 09:19

Hallo,

ja, ich denke auch, es ist gut, wenn Menschen _etwas_ machen, wie LiH schreibt. Und klar, wie du, Maire, sagst, wir können nicht umweltneutral leben, das wäre Illusion, außer, wir wohnen nackt im Wald und essen nur noch Käfer und Borke. Und ich denke, da wir alle an einem PC oder Smartphone sitzen, kann und will das keiner von uns. Und doch kann man allein durch etwas Achtsamkeit beim Konsum schon ein klein bisschen umweltverträglicher sein, ohne gleich zum Totalöko zu mutieren. Ich kauf z.B. auch lieber regional aus konventioneller Landwirtschaft als Bioobst, das um die halbe Erde reisen musste.

Ich kenne eigentlich drei Arten von Menschen in dem Bereich - die einen machen gar nichts, ja, werfen auch noch den Müll in die Gegend. Denen scheint alles egal zu sein, wieso auch immer. Das sind auch die, die immer meckern auf Facebook, dass "die Politik" und überhaupt alles doof ist, aber wenn ich sage, engagiere dich doch selbst vor Ort mal irgendwo - schweigen im Walde.

Die zweite Gruppe würde ja gerne, aber fühlt sich von den Ansprüchen irgendwie überfordert. Ich stelle mir das so abschreckend vor, wie mich ein hochdesigntes Fitnesstudio vom Sport abschrecken würde, wenn ich denken würde, nur so darf ich Fitness betreiben. Statt eben innerhalb ihrer Möglichkeiten etwas bewusster zu leben, verzichten sie gleich ganz drauf. Oft sind die ja auch recht motzig gegenüber Veganern usw., weil denen schon bewusst ist, dass z.B. Massentierhaltung eklig ist, aber sie nicht so recht wissen, wie sie anders als schon immer essen sollen. Oder wie man(n) sich vor Kumpels rechtfertigt, ein Auto mit "nur" 50-60 PS zu fahren.

Die dritten geben sich Mühe, aber manchmal habe ich das Gefühl, die sind am zerknirschtesten, weil ihnen bewusst ist, wie wenig ihr handeln weltweit bewegt bzw. wie viel Kompromisse sie eingehen müssen.

LG
Bodecea
Tu was du willst, aber trage dann auch die Konsequenzen.

mrsmushroom
Beiträge: 42
Registriert: Do 23. Feb 2017, 14:33
Wohnort: Köln

Re: Die Ignoranz der Menschen

#10

Beitrag von mrsmushroom » Sa 1. Apr 2017, 23:48

Es gibt viele Menschen, die sich etwas nehmen ohne zu geben. Es tut einem aber auch nicht gut, wenn man auf diese schaut und darüber wütend wird. Viel positiver ist es doch, wenn man sich auf die konzentriert, die mit guten Taten voranschreiten. Wenn ich mich aus der Komfortzone bewegen will, brauche ich positive Anreize und keine negativen Gefühle oder Gedanken. Wer will das schon, da bleibe ich dann lieber in meiner Abwehrhaltung und Komfortzone.

Antworten