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Re: Lebensbejahung und Tod

Verfasst: Mo 21. Okt 2019, 21:38
von izento
@Peregrin: Das Nirvana tritt zwar vielleicht schon im Leben ein (je nach Lehre), es bedeutet aber immmer das Ende des Reinkarnationszyklus. Das muß nicht unbedingt das Ende des fleischlichen Lebens sein.
Der "Leidensweg" oder "Leidenszyklus" ist ein rein buddhistischer Begriff und mir im Christentum, trotz aller Studien, nur im Leidensweg Christi begegnet.

Bezüglich der Asatru habe ich vielleicht ein wenig zu sehr verallgemeinert. Im Unterschied zu Wiccca ist es aber eine pagane Religion deren Zielsetzung mehr im Jenseits als im Diesseits angesiedelt ist.

Da diese Diskussion aber nichts (mehr) mit dem eigentlichen Fadenthema zu tun hat, beende ich sie jetzt.

Re: Lebensbejahung und Tod

Verfasst: Mi 23. Okt 2019, 20:19
von LiH
Danke, Etain, für die interessante Frage - die habe ich mir so noch nie gestellt.

Für mich gehört die Auseinandersetzung mit dem Tod zu einer lebensbejahenden Grundeinstellung dazu.
Aus dem einfachen Grund: Der physische Tod eines einzelnen Lebewesens ist nur ein Teil vom Konzept "Tod".
Für mich passiert der Tod ständig: Beziehungen sterben, Glaubenssätze, Lebensabschnitte, Projekte etc.
Etwas muss sterben, damit etwas Neues kommen kann - in der materiellen Welt ist es einfach so, denn meine Zeit und meine Ressourcen sind begrenzt.

Eine lebensbejahende Einstellung bedeutet für mich, das Hier und Jetzt zu genießen. Dort findet das Leben statt, nicht gestern oder heute.
Um sich im Hier und Jetzt wohl zu fühlen, ist es meiner Meinung nach notwendig, mit dem Tod als abstraktes Konzept klar zu kommen.
Ansonsten verbringe ich meine wertvolle Lebenszeit damit, Vergangenem hinterher zu trauern oder die Zukunft zu planen in der Überzeugung, dass möglichst nichts von dem, was mir heute wichtig ist, sterben darf.

Deswegen ist es bei mir so, dass je mehr ich mich für Lebensfreude entscheide, desto bewusster habe ich den Tod immer auf meiner Schulter dabei.

Re: Lebensbejahung und Tod

Verfasst: Fr 8. Nov 2019, 17:48
von Nirreaneid
Danke für dieses sehr interessante Thema.

Als etwas naive Extrempragmatikerin aber leider in Wicca und anderen heidnischen Traditionen noch wenig Bewanderte würde ich diese Frage nach Lebensbejahrung vs Orientierung auf das, was nach dem Tod kommt schon als sehr individuell sehen, unabhängig von der Tradition.

Ich schliesse mich hier auch anderen an, die darauf hingewiesen haben, dass Nirwana im Buddhismus kein jenseitiger Ort ist, sondern ein Zustand, in dem die Illusion eines vom Rest des Lebens abgegrenzten Ichs überwunden wurde.

Ich denke schon, dass in unserem Kulturkreis der Tod seit längerer Zeit ausgegrenzt wurde aus dem Leben so als könnte man ein ihn vermeiden, wenn nur lange genug so tut, als gäbe es ihn nicht. Das erlebe ich immer mal wieder bei Patienten und Angehörigen von Sterbenden.

In manchen Traditionen wie manchen buddhistischen wird das Befassen mit dem Tid als Methode genutzt, sich mehr auf das Genau-Jetzt zu besinnen, weil man sich der Vergänglichkeit bewusst wird.

Generell denke ich, dass Kulte und Religionen v. a. dann eine vermehrte Ausrichtung auf das Jenseitige entwickeln, wenn sie mit weltlicher Macht und weltlichen Regelwerken des Zusammenlebens zusammen kommen. Nichts ist doch praktischer, als jemanden, der gegen die Verhaltensregeln verstößt nicht nur im hier und jetzt zu sabktionieren, sondern die Sanktionen gleich noch zu verlängern über dieses Leben hinaus, sei es in Form von ewiger Verdammnis und Fegefeuer, oder eben in Form von Karma, dass in einer zukünftigen Existenz zum tragen kommt.

Weil ich aber zum eigentlichen Thema mangels Wissen nichts beitragen kann, höre ich jetzt mal auf.

Re: Lebensbejahung und Tod

Verfasst: Fr 8. Nov 2019, 17:57
von Peregrin
Hi Nirreaneid
Nirreaneid hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 17:48
Generell denke ich, dass Kulte und Religionen v. a. dann eine vermehrte Ausrichtung auf das Jenseitige entwickeln, wenn sie mit weltlicher Macht und weltlichen Regelwerken des Zusammenlebens zusammen kommen. Nichts ist doch praktischer, als jemanden, der gegen die Verhaltensregeln verstößt nicht nur im hier und jetzt zu sabktionieren, sondern die Sanktionen gleich noch zu verlängern über dieses Leben hinaus, sei es in Form von ewiger Verdammnis und Fegefeuer, oder eben in Form von Karma, dass in einer zukünftigen Existenz zum tragen kommt.
Was genau meinst du mit "Ausrichtung auf das Jenseitige"?

Ich denke schon, dass die christliche Kirche dafür gesorgt hat, dass der Glaube an Wiedergeburt ausgerottet wird (den gab es im Urchristentum noch), einmal um der Heilslehre mehr Gewicht zu verleihen, dann aber auch aus machtpolitischen Gründen, weil man so die Menschen besser kontrollieren konnte. (Meintest du den Aspekt in deinem Posting?)

Allerdings darf man nicht vergessen dass die Christen - in der Zeit ab Paulus herum - davon überzeugt waren, dass das Weltengericht mit Jesus Wiederkehr kurz bevorstünde - das Christentum war also auch schon eine "jenseitig ausgerichtete Rreligion", bevor sie zur mächtigen Staatsreligion wurde.

Re: Lebensbejahung und Tod

Verfasst: Fr 8. Nov 2019, 18:18
von Nirreaneid
Ist es vom Wirkmechanismus her denn wirklich so ein großer Unterschied, ob die Sanktion jetzt an einem genau definierten Ort, also Hölle oder Fegefeuer, oder in einer mit Sicherheit kommenden Geburt irgendwann in der Zukunft stattfinden wird? Darum ging es mir eigentlich. Beides machtpolitisch durchaus nutzbar.

Über die tatsächlichen Ursprünge des Christentums als mögliche Erkenntnisreligion können wir heute nur spekulieren. Ursprünglich war da aber wohl weder Fegefeuer noch Hölle angelegt, dass sind neuere Zusätze die evt. auch durch einflüsse ursprünglich europäischer Religionen geprägt sind.

Re: Lebensbejahung und Tod

Verfasst: Fr 8. Nov 2019, 18:51
von Peregrin
Nirreaneid hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 18:18
Ist es vom Wirkmechanismus her denn wirklich so ein großer Unterschied, ob die Sanktion jetzt an einem genau definierten Ort, also Hölle oder Fegefeuer, oder in einer mit Sicherheit kommenden Geburt irgendwann in der Zukunft stattfinden wird? Darum ging es mir eigentlich. Beides machtpolitisch durchaus nutzbar.
Joa, aber wenn man es so betrachtet, kann man alles missbrauchen. Diejenigen, die sagen: "Es gibt nur das Diesseits, genieße es!" können das nicht nur als Grundlage nehmen um Hedonisten zu sein, sondern - für die Gesellschaft schlimmer - Verbrecher werden, die meinen alles sei erlaubt, da nichts Konsequenzen hat.

Selbst der Wiedergeburtsglaube lässt sich ja missbrauchen wenn man den so auslegt, dass man sich sagt: "Spirituelle Entwicklung und so'n Kram, der vermutlich mit Arbeit (an sich selbst) und womöglich sogar Verzicht daherkommt?! :shocked: Nee, lieber erst mal ein paar Leben genießen. Und he, warum sollte ich mich nicht wie ein Ar--- benehmen? Dann werde ich halt als Tier wieder geboren. So eine Wiedergeburt als Tier ist doch nicht schlimm. Man gucke sich nur mal das Luxusleben der Hauskatzen an..." :nixweiss:

Re: Lebensbejahung und Tod

Verfasst: Fr 8. Nov 2019, 19:39
von Nirreaneid
Peregrin hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 18:51
Nirreaneid hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 18:18
Ist es vom Wirkmechanismus her denn wirklich so ein großer Unterschied, ob die Sanktion jetzt an einem genau definierten Ort, also Hölle oder Fegefeuer, oder in einer mit Sicherheit kommenden Geburt irgendwann in der Zukunft stattfinden wird? Darum ging es mir eigentlich. Beides machtpolitisch durchaus nutzbar.
Joa, aber wenn man es so betrachtet, kann man alles missbrauchen. Diejenigen, die sagen: "Es gibt nur das Diesseits, genieße es!" können das nicht nur als Grundlage nehmen um Hedonisten zu sein, sondern - für die Gesellschaft schlimmer - Verbrecher werden, die meinen alles sei erlaubt, da nichts Konsequenzen hat.

Selbst der Wiedergeburtsglaube lässt sich ja missbrauchen wenn man den so auslegt, dass man sich sagt: "Spirituelle Entwicklung und so'n Kram, der vermutlich mit Arbeit (an sich selbst) und womöglich sogar Verzicht daherkommt?! :shocked: Nee, lieber erst mal ein paar Leben genießen. Und he, warum sollte ich mich nicht wie ein Ar--- benehmen? Dann werde ich halt als Tier wieder geboren. So eine Wiedergeburt als Tier ist doch nicht schlimm. Man gucke sich nur mal das Luxusleben der Hauskatzen an..." :nixweiss:
Könnte auch nach hinten losgehen mit der Katze 😂 am Ende dann als Straßenkatze

Ja, aber das geht in die Richtung, die ich meinte. Letztendlich ist es nicht die Zrafition, der jemand folgt, sondern die Person bestimmt, wie sie die Tradition praktiziert. Auch in den heute sehr strikten Glaubensreligionen gab und gibt es sicher auch heute Anhänger, die sie als hm sagen wir Wegbegleiter für ihre Erkenntnissuche nutzen und auch eine Erkenntnisreligionen wird von einem nicht unerheblichen Teil der Anhänger als reine Glaubensreligion praktiziert.

Re: Lebensbejahung und Tod

Verfasst: Sa 9. Nov 2019, 07:44
von Solasard
@Peregrin

Wieder geboren um ein fetter kastrierter Hauskater zu sein? :shocked:
Ne lass mal stecken :rofl:

Gruß Sola

Re: Lebensbejahung und Tod

Verfasst: Sa 9. Nov 2019, 10:16
von Peregrin
@ Solasard,

wenn du dafür im vorigen Leben so richtig die Sau rauslassen kannst und alles begattet hast, was nicht bei drei auf den Bäumen war, bist du vielleicht irgendwann so übersättigt und abgeturned, dass dir die Vorstellung, im folgenden Leben von dem Trieb verschont zu bleiben und eine ruhige Kugel schieben zu können, sehr erstrebenswert vorkommt.

Einige der größten Hurenböcke unter den Kirchenvätern waren in fortgeschrittenem Alter die strengsten Verfechter der Keuschheit. :teufelchen:

Re: Lebensbejahung und Tod

Verfasst: Sa 9. Nov 2019, 16:04
von Ashar Starchild
[OT] kann´s mir gerade zum Thema Wiedergeburt nicht verkneifen:

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[/OT]

LG Ashar