Hohepriester*in

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atemkristall
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Hohepriester*in

#1

Beitrag von atemkristall » Do 18. Jul 2019, 15:28

Hallo @ alle,
gibt es eigentlich auch Wicca-Coven ohne Hohepriester*in? Wofür ist das Amt oder der Dienst wirklich notwendig? Nur weil man das eben so seit Gardener oder Sanders so macht? Sind im Coven nicht alle Hexen und Priester*innen? Das heißt doch, dass alle gleich Zugang zu den Göttern haben, nämlich in sich selbst. Warum brauchst es da doch wieder eine Vermittlerolle, die die Göttin und den Gott invoziert? Können das nicht alle gemeinsam?
Beste Grüße vom
atemkristall

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Stadteule
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Re: Hohepriester*in

#2

Beitrag von Stadteule » Do 18. Jul 2019, 19:34

Weiß ich nicht, ehrlich gesagt. Es gibt einige Covens, bei denen ich jetzt so nicht wüßte, wer aus der Runde HP und/oder HPs ist oder ob überhaupt jemand das Amt innehat.

Spannende Frage.
Was mich persönlich und meinen Coven betrifft, sind wir nicht wirklich hierarchisch geregelt, es sei denn, jemand kommt als 'Trainee' dazu. Die Zeit der Vorbereitung auf den 1° empfinde ich schon ziemlich wie ein Mentoring, womit mE auch eine Art Gefälle einhergeht - und wenn es nur das der Verantwortung ist. Bei uns habe ich offiziell das Amt der HPs, was bisher schlicht dadurch begründet ist, dass ich 2°bin und unsere Covenschwester 1° ist und man erst ab dem 2° HP/HPs ist. Wir leben das aber nicht. Wir sind dupfengleichlang Wicca und haben ab Tag 1 unser Wiccasein zusammen verbracht, es würde sich sehr seltsam anfühlen, wenn wir gruppendynamisch nicht auf einer Stufe wären. Eigentlich hatte ich auch gehofft, dass sich das in absehbarer Zeit angleicht, aber nun werde ich dann doch vermutlich den 3° haben, bevor sie in den 2° geht, weshalb vermutlich offiziell das an mir hängen bleibt.

Mit offiziell meine ich nach außen hin. Ich habe schon ein paar Mal erlebt, dass der Ansprechpartner/Verantwortliche eines Covens gesucht wurde. Das ist dann aber eher eine Vermittlerrolle nach außen im Profanen. Dass es an HP/HPs eines Covens hängt eine Vermittlung zu göttlicher Energie herzustellen, halte ich für abwegig im Kreis Initiierter (und dermeisten nicht-Initiierten). Nur diejenigen, die im Ritual die Rolle von HP/HPs übernehmen, haben in dieser Situation tatsächlich diese Funktion - aber das müssen nicht die offiziellen HPs und HP des Covens sein. Sicherlich ist die Praxis da von Coven zu Coven unterschiedlich, aber wir wechseln da durch und sobald jemand den 1° hat, kann er gerne das Amt im Ritual übernehmen.

Ich bin mir gerade unsicher: war das jetzt wirr oder verständlich?


LG, Stadteule
Wer sie nicht kennte, Die Elemente, Ihre Kraft und Eigenschaft, wäre kein Meister über die Geister. (J.W.v.Goethe)

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Re: Hohepriester*in

#3

Beitrag von FreieAtem » Do 18. Jul 2019, 21:16

Bzgl. der Invokationen ist das nicht mit der katholischen Priesterrolle vergleichbar (einer erzählt dem Volk was es zu denken und zu tun hat). Das wird in der Praxis ganz unterschiedlich gehandhabt, kann auch von Ritual zu Ritual unterschiedlich sein und ist kein ein festes Amt von Covenleadern.

Warum man überhaupt invoziert ist eine ganz andere Frage, die sich (glaube ich) auch erst verständlich klärt, wenn man das selbst mal erlebt und miterlebt hat. Miterleben macht da schon auch Sinn :) .

LG FreieAtem
... und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben ...

- Hermann Hesse aus Stufen -

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Hagezorn
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Re: Hohepriester*in

#4

Beitrag von Hagezorn » Fr 19. Jul 2019, 05:47

Bin ja außenstehende......
Mein Eindruck war immer:
Die Hohepriester/in koordinieren was im Ritual passiert.
Sie/er gleichen Energieniveaus aus.Im Reiki lernt man,das das Energieniveau der Menschen verschieden ist.
Im Ritual fließen Energien,eine Steuerung dieser würde für alle erfüllend sein.
Aber wer bin ich schon.....
Menschen brauchen einen Glauben,sonst hätte Ihre Existenz keinen Sinn....

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Dennis
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Re: Hohepriester*in

#5

Beitrag von Dennis » Fr 19. Jul 2019, 06:25

So falsch ist dieser Eindruck gar nicht.
Die Funktion der HP/Hps sind tatsächlich auch solche der energetischen " Harmonisierung" /ausgleichens/ zusammenhaltens....
Wie schon gesagt arbeitet da jeder Coven anders, aber im Großen und Ganzen ist es auch eine organisatorische Aufgabe.
der Punkt der Ausbildung wird auch individuell gehandhabt.... Wir hatten es bei uns oft so gehandhabt, dass zwar der "Lerhrstoff" von HP und HPS festgelegt wurden, aber auch 1.Grade die ewas besonders gut können haben dann diesen Teil der Ausbildung übernommen. Sozusagen um nach und nach in die Rolle des Menthors reinzuwachsen

Edit: Auf die Ursprungsfrage zrückgehend: Ich denke im Wicca gibt es keine Coven ohne HP /HPs.
Wie genau aber so eine Hierarchie ausgegelebt wird, ist sehr unterschiedlich /zumindest in Deustschland

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Asayah
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Re: Hohepriester*in

#6

Beitrag von Asayah » Fr 19. Jul 2019, 13:41

Bei uns gibt es eh nur 1-Grade und Interessierte, daher fällt ein "Hohepriester weil der höchste Grad" schon mal aus.
Der Rest ist ja eigentlich durchaus trennbar:

-Es gibt den organisatorischen Aufwand. Wo wird getroffen, wer kümmert sich darum, dass Termine festgelegt und Arbeiten oder Einkaufsjobs vergeben werden? Wer kümmert sich um Einladungen etc? Das ist Verantwortung und muss getan werden. Im Zweifelsfall nicht von einem alleine aber meistens hilft es einen festen Planer zu haben, der dann an andere deligiert. Muss man das Hohepriester nennen? Oder muss das ein wie auch immer definierter Hohepriester machen? Eigentlich nicht. "Nur" jemand, der Verantwortung tragen kann.

-Dann die Planung vom Ritual. Was genau wird gemacht, wer macht was... Ich kenne viele Coven, wo die Planung der Feste wechselt und jeder mal darf. Oder muss - wie man es nimmt. :-D Oft werden gerade 1Grader und Trainees dazu aufgefordert zu planen, damit sie das üben und den Ablauf besser verinnerlichen. Ansonsten ist bei uns zum Beispiel vieles Gruppenentscheidung. Was dann natürlich regelmäßig dazu führt, dass vor dem Ritual mal wieder drei Leute reinigen und vier den Süden anrufen wollen. Aber bisher lies sich das noch immer ordnen. :D

-Durchführung des Rituals. Gerade, wenn man invoziert oder auch einfach Stellvertreter für Gott und Göttin im Ritual hat, haben die so involvierten Personen für viele eine gefühlt "höhere" Stellung als jemand, der zum Beispiel den Westen anruft. Stimmt eigentlich nicht, denn jeder Teil ist wichtig für das Ritual. Aber es mag sein, das manche Arbeiten mehr Erfahrung benötigen könnten als andere. Aber ist "mehr Erfahrung haben" Zeichen für einen Hohepriester?
Ich kenne Gruppen, da ist "Hohepriester des Tages" derjenige, der Gott oder Göttin im Kreis vertritt. Unabhängig von Grad oder Erfahrung. Da ist es also rein eine Arbeitsbeschreibung.

-Vertreten des Covens nach Außen. Das mag bei manchen Gruppen wichtiger als bei anderen sein. Gibt es einen Sprecher? Wer kümmert sich um Kontakaufnahmen? Dazu sollte man das Vetrauen der anderen haben, dass man nach besten Wissen und mit Gedanken an alle Covenmitglieder entscheidet. Das ist auch Verantwortung und nicht für jeden etwas. Und etwas Erfahrung wäre natürlich nicht schlecht. Aber ist das dann eine Hierachie oder vom Wicca-Gradsystem abhängig?

Zum Thema Energieausgleich: Ich finde nicht, dass so eine Aufgabe bei einer Person liegt. Besonders nicht im Ritual. Und wenn man zum Beispiel annimmt, das der Hohepriester in einem Ritual invoziert, dann ist er sowieso nicht unbedingt zu einem zusätzlichen Energieausgleich fähig. Meiner Meinung nach sollte jeder, der etwas erfahrener ist, auf sowas achten. Genau wie auf Neulinge, die vielleicht überfordert vom Energielevel sind und Hilfe brauchen. Das auf eine Person abzuschieben finde ich irgendwie merkwürdig.
Energieausgleich außerhalb, also quasi auf die Befindlichkeiten der anderen Mitglieder achten, eventuell aufkommenen Streit schlichten und so für Harmonie sorgen - das ist wieder etwas anderes. Das hat für mich viel mit dem organisatorischen Job zu tun. Aber muss man einen besonderen Platz in einer Gruppe haben, um hauptsächlicher Ansprechpartner für emotionale Probleme zu sein?

Ich glaube, jeder versteht unter Hohepriester eh etwas anderes.
Meint man einen Grad höher als 1? Auch darunter kann man eine zusammengehörige Gruppe haben. Und es gibt auch Gruppen mit mehreren höheren Graden. Wie wird das dann dort ausgesucht?
Meint man einen "Anführer", der plant, zusammenhält und vertritt? Das ist rein Gruppendynamisch und geht gut ohne. Oder mit sehr aufgesplitteten Aufgabenverteilungen.
Meint man den, der im Ritual Gott und Göttin vertritt? Ja, im traditionellen Wiccakreis gibt es den fast immer. Aber dann ist die Frage, ob man von einer Aufgabe im individuellen Ritual hochrechnen muss auf "der macht dann auch Orga und Planung und alles andere".
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Re: Hohepriester*in

#7

Beitrag von Dennis » Fr 19. Jul 2019, 14:02

Du hast durchaus Recht mit deinen Aussagen und Ausführungen,aber ein HP eine HPs vereint in sich alle diese angesprochenen Punkte,ohne es jedesmal neu diskutieren zu müssen. (außer dass 4 Leute Feuer anrufen wollen und keiner die Erde :D ) und zur Not muss ein HP (sofern nicht gerade invoziert) jeden anderen Posten ersetzen können, damit alles weitergehen kann.

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Re: Hohepriester*in

#8

Beitrag von Asayah » Fr 19. Jul 2019, 14:07

Ich weiß, dass es Coven mit Hohepriestern gibt, die das alles vereinen. Aber MUSS das wirklich sein?
Dann geht es manchmal in eine "einer kümmert sich und die anderen konsumieren"-Richtung. Oder der Hohepriester nutzt diese Alround-Entscheidungsgewalt eher eigennützig und denkt nicht für den Coven sondern stellt sich in den Vordergrund. Und das mag ich auch nicht.

Und warum wollen nur immer alle Feuer... :D
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Re: Hohepriester*in

#9

Beitrag von Ashar Starchild » Fr 19. Jul 2019, 14:09

Mag sein, dass ich es überlesen habe und es schon genannt wurde - dann bitte einfach ignorieren :)
ich sehe eine wichtige Aufgabe auch in der Prozessbegleitung, die man imo nur dann machen kann, wenn man den Prozess, um den es geht schon erlebt hat und nun in einer gewissen Distanz dazu steht
bei uns (Alexsandrisch) bilden aus diesem Grund auch 2°nicht alleine 1° Trainees aus, stets unter "Schirmherrschaft" des/der 3° HP/HPs ´s
Sieht man nur den priesterlichen Aspekt, die Götterverehrung ist das natürlich nicht relevant, aber im Sinne des "Erkenne Dich Selbst", der Schattenarbeit etc ist das mEn wichtig.

LG Schnee
"Wenn du einen Fehler in deinem Bruder siehst, so ist der Fehler, den du in ihm siehst, in dir selbst." Jalal Ad Din Rumi

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Re: Hohepriester*in

#10

Beitrag von Suraklin » Fr 19. Jul 2019, 14:38

Deswegen (und wegen der geringeren Betonung eines sexuellen Dualismus) hat mich ja Reclaiming so fasziniert: keine Hohepriesterrolle, alle planen und organisieren gleichberechtigt, Eigenverantwortung wird gestärkt und es gibt keine Grade oder Intiationsstufen. Ich finde Hierarchien immer schwierig in spirituellen Dingen. Und wenn es nicht wegen der „Machtkonzentration“ ist, bleibt immer noch die Gefahr des Ausbrennens der Hohepriester*innen, wenn Sie sich allein um alles kümmern dürfen.

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