Edeltraud & Peter Friedrich: Homöopathie - nur Placebo?

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Rafael_Chiron
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Edeltraud & Peter Friedrich: Homöopathie - nur Placebo?

#1

Beitrag von Rafael_Chiron » Di 12. Nov 2019, 17:18

Hier die Empfehlung für ein sehr interessantes Buch zu einem momentan heiß diskutiertem Thema:

Edeltraud & Peter Friedrich: Homöopathie - nur Placebo?

Die Autoren stellen hier den Heilungsverlauf von 18 akuten Verletzungsfällen dar, die ausschließlich homöopathisch behandelt wurden. Dazu gehören u.a. schwerste Verbrennungen, deren Heilungsverlauf auch bildlich ausführlich dokumentiert wurde. Wichtig ist, dass im Fallverlauf nicht nur die jeweiligen Mittelgaben angegeben werden, sondern darüber hinaus auch die Gesetzmäßigkeit homöopathischen Denkens & Behandelns erläutert wird. Das ist etwas, was man in den sogenannten Rezeptbüchern zur Homöopathie (d.h. man gebe dieses oder jenes Kügelchen bei dieser oder jener Beschwerde!) vergeblich suchen wird. Es ist das authentische Zeugnis echter Homöopathie, die man mittlerweile leider nur noch sehr selten findet. :thumbup:

Ich möchte hier ganz bewusst keine populistische pro & contra Homöopathiediskussion anstoßen. Denn meistens mangelt es diesen Diskussionen am Grundverständnis darüber, was Homöopathie wirklich ist. Denn in den populären Medien werden die Grundlagen der Homöopathie meist sehr verwässert oder sogar vollkommen falsch dargestellt. Wer jedoch einen wirklich authentischen Einblick gewinnen will oder sich das Grundverständnis homöopathischen Denkens erarbeiten will, dem sei dieses Buch als Einstieg in dieses Thema wärmstens empfohlen.

Viel Spaß beim Lesen! :kaffee:

:liebegrüße: Rafael Chiron

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Kätzchen2904
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Re: Edeltraud & Peter Friedrich: Homöopathie - nur Placebo?

#2

Beitrag von Kätzchen2904 » Fr 15. Nov 2019, 20:59

Ich respektiere, dass du diese Diskussion nicht führen willst. Auch wenn es mir sehr schwer fällt, weil ich persönlich allein durch mein Studium sehr viel mit Homöopathie und deren Wirkungsweise zu tun hatte. Was mich interessieren würde: weist das Buch denn auch auf die richtige Anwendungsweise hin? Hahnemann hat ja geschrieben, dass er sich nach dem Regelwerk des alten Organon richtet. Und viele moderne Bücher richten sich daran gar nicht mehr aus. Find ich irgendwie inkonsequent.

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Rafael_Chiron
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Re: Edeltraud & Peter Friedrich: Homöopathie - nur Placebo?

#3

Beitrag von Rafael_Chiron » Sa 16. Nov 2019, 01:43

Kätzchen2904 hat geschrieben:
Fr 15. Nov 2019, 20:59
Was mich interessieren würde: weist das Buch denn auch auf die richtige Anwendungsweise hin? Hahnemann hat ja geschrieben, dass er sich nach dem Regelwerk des alten Organon richtet. Und viele moderne Bücher richten sich daran gar nicht mehr aus. Find ich irgendwie inkonsequent.
@Kätzchen: Deine Frage ist schon okay, da sie einem echten Interesse entspringt...

Also Bücher, die D- Potenzen empfehlen und noch dazu Dosierungsangaben machen wie "3 x täglich drei Globuli D6" oder im "Akuten D6 jede Stunde zwei Globuli bis eine Besserung eintritt" o.ä., klammere ich ich gleich mal aus. Das ist keine Homöopathie, sondern Verabreichung "homöopathischer" Arzneien auf der Grundlage alleopathischen Denkens. Wer die Homöopathie nicht versteht, soll's bitte bleiben lassen...

Aber was Du bezüglich des Organons ansprichst, ist tatsächlich eine gute Beobachtung. :thumbup: Das Problem liegt darin, dass es sechs verschiedene Ausgaben/ Überarbeitungen des Organons gibt, d.h. Hahnemann hat dieses grundlegende Lehrwerk, das die homöopathische Vorgehensweise beschreibt, immer wieder neu überarbeitet. Die letzte, d.h. die 6. Ausgabe entstand kurz vor seinem Tod und war lange verschollen. Sie wurde erst 1921 wieder entdeckt. Sie ist sozusagen das "Testament Hahnemanns" für unsere heutige Zeit. Hier werden u.a. auch die LM/ Q- Potenzen beschrieben. Das Problem ist, dass die "alten Homöopathen" diese letzte Entwicklung Hahnemanns nicht mehr mitbekommen haben. Sie kannten nur die 5. oder sogar nur die 4. Ausgabe des Organon. Bönninghausen, Hering, Kent etc., sie alle haben daher mit C- Potenzen gearbeitet. Insbesondere Kent ist dafür verantwortlich, dass die C- Potenzen dann auch noch in die Höhe getrieben wurden. (C 1.000, C10.000 etc.)

Hahnemann hingegen arbeitete nicht mit diesen Hochpotenzen, er bevorzugte zumindest zuletzt den 30. Potenzgrad. Die Friedrichs orientieren sich sehr stark am 6. Organon und arbeiten - egal ob C oder LM/Q Potenz - ebenfalls fast ausschließlich mit dem 30. Potenzgrad. Alle Mittel werden als Einzelgaben verordnet, d.h. es gibt keine theoretischen Mittelwiederholungen.

Das Buch ist eine Einführung in das Verständnis des homöopathischen Heilprozesses. Es ist nicht so, wie naiv oft gedacht wird, dass das richtige homöopathische Mittel wie ein Wunder alles heilt. Gerade bei schweren Verletzungen kommen oftmals tiefe psychische Themen oder auch chronische Erkrankungstrukturen hoch, die verarbeitet werden müssen. Das Buch dokumentiert solche Fälle, so dass auch ein Laie sie verstehen kann. Es ist kein Ratgeber oder Gebrauchsanweisung, mit der man lustig drauflosarbeiten kann, die Autoren warnen sogar ausdrücklich davor. (Hier der Link zu einem entprechenden Auszug!)

:liebegrüße: Rafael Chiron

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Kätzchen2904
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Re: Edeltraud & Peter Friedrich: Homöopathie - nur Placebo?

#4

Beitrag von Kätzchen2904 » Sa 16. Nov 2019, 10:28

Okay, das hört sich ja auf jeden Fall vernünftig an. Ich hab bis jetzt nur Bücher zu dem Thema kennengelernt, die mit dem heißen Stift geschrieben wurden (sowas von GU oder so :green: ). Interessant was du da erzählst. Das wusste ich zum Beispiel gar nicht!

Im Organon von dem ich weiß - leider weiß ich nicht mehr welche Auflage das war - standen dann auch solche Anweisungen wie keine pfefferminzzahnpasta verwenden, Knoblauch meiden, keinen Sex haben und so weiter. Bisher hab ich diese Hinweise nirgends in den populären Büchern zur Homöopathie gefunden. Ich bin zwar kein Fan aber ich wollte wenigstens informiert sein darüber, deshalb kenne ich so die beliebtesten. Das höchste der Gefühle war wenn überhaupt der Hinweis, dass man die globuli nicht auf einen Metalllöffel packen darf. Das ist auch schon alles. :aufkopf:

Genau solche Bücher unterstützen das Image das Homöopathie mittlerweile hat: Geldmacherei. Und das find ich schade. Wenn Patienten sich dafür entscheiden, dann sollen sie bitte auch anständig beraten und behandelt werden. Und nicht so halbherzig wie es in den meisten Fällen passiert. :girlie-nick:

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Rafael_Chiron
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Re: Edeltraud & Peter Friedrich: Homöopathie - nur Placebo?

#5

Beitrag von Rafael_Chiron » Sa 16. Nov 2019, 21:15

Kätzchen2904 hat geschrieben:
Sa 16. Nov 2019, 10:28
Im Organon von dem ich weiß - leider weiß ich nicht mehr welche Auflage das war - standen dann auch solche Anweisungen wie keine pfefferminzzahnpasta verwenden, Knoblauch meiden, keinen Sex haben und so weiter.
@Kätzchen: Ich glaube kaum, dass Du sowas im "Organon der Heilkunst" - so ist der volle Titel - gelesen hast. Allerdings gibt es viele Autoren, die Teile daraus zitieren (oft ohne den Gesamtkontext zu verstehen!), um damit ihre eigene Vorgehensweise zu rechtfertigen...

Zu Hahnemanns Zeiten gab's z.B. noch gar keine Pferminzzahnpasta, sondern man verwendete Zahnpulver. Es gibt auch nirgends einen Hinweis darauf, dass man homöopathische Arzneimittel nicht auf einem Metalllöffel einnehmen darf. Hahnemann fordert lediglich bei der Arzneimittelherstellung die Verwendung von Keramik- bzw. Glasgefäßen, da diese entsprechend gereinigt und ausgeglüht werden können. Auch verbietet er keinen Sex, er spricht sich lediglich gegen die "unnatürliche Wolllust" und "Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften" aus, ist aber genauso gegen den "unvollkommenen oder ganz unterdrückten Beischlaf". (Siehe Anmerkung zu § 260)

Um Dir einen echten Eindruck vom Organon zu vermitteln, hier mal ein Zitat:
Hahnemann hat geschrieben:§ 259
Bei der so nöthigen als zweckmäßigen Kleinheit der Gabe, im homöopathischen Verfahren, ist es leicht begreiflich, daß in der Cur alles Übrige aus der Diät und Lebensordnung entfernt werden müsse, was nur irgend arzneilich wirken könnte, damit die feine Gabe nicht durch fremdartig arzneilichen Reiz überstimmt und verlöscht, oder auch nur gestört werde
.
Kaffee hat z.B. eine solchen "arzneilichen Reiz", obwohl heutzutage viele Menschen diesbezüglich durch den Dauergebrauch schon total abgestumpft sind. Zu Hahnemanns Zeiten waren die Leute aber nach Kaffeegenuß noch richtig "high". Damals traf man sich daher extra zum Kaffeekränzchen, hatte ganz besondere Mokkatässchen dafür...
:girlie-mr-miyagi:

Tatsächlich ist das Organon in seinem ziemlich altertümlichen Deutsch alles andere, als leicht zu lesen. Hat man sich aber mal an Hahnemanns Schreibstil gewöhnt, ist man fasziniert von seiner genauen Beobachtungsgabe und der Präzision seiner Erklärungen... :girlie-nick:

:liebegrüße: Rafael Chiron

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