Lebensmittelverschwendung von Supermärkten

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LiH
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Re: Lebensmittelverschwendung von Supermärkten

#31

Beitrag von LiH » Do 16. Jun 2016, 21:58

izento hat geschrieben:Ich glaube auch eher, das Wegwerfen bei den Supermärkten liegt an falscher Planung.
Ich glaube, es liegt daran, dass jeder dem anderen die Verantwortung in die Schuhe schiebt.

Lebensmittelhandel sagt "die Verbraucher wollens so" und die Verbraucher sagen "die böse Industrie lässt uns keine Wahl".

Ich muss immer wieder an diesen Filmausschnitt denken, bei dem die Käufer vor dem Supermarkt nach ihrer Meinung zum Thema Billigfleisch/Massentierhaltung gefragt wurden. Natürlich waren alle dagegen und fanden es ganz schrecklich. Als sie gebeten wurden, ihre Einkäufe zu zeigen ... ihr könnt euch denken, was für Fleisch da drin war. :worried:

Ich hab das Gefühl, dass ganz viele damit überfordert sind, selber zu denken, selber zu handeln und selber Verantwortung zu übernehmen.

Sowohl auf Seite der Käufer als auch auf der Seite der Händler.

Man wäre ja so gern tierfreundlich, umweltfreundlich und sonstwas, aber nur solange man die eigene Komfortzone nicht verlassen muss. Dann wartet man, bis jemand anders diese Komfortzone vergrößert und solange es nicht passiert...ist dieser andere halt schuld...

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Rotfuchs
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Re: Lebensmittelverschwendung von Supermärkten

#32

Beitrag von Rotfuchs » Do 16. Jun 2016, 22:09

Du hast vollkommen recht. Allerdings sind nicht alle Menschen mit Geld und Bewußtsein privilegiert.

"Konsumentenmacht" ist meiner Ansicht nach echt problematisch. Kann man der klassischen "Unterschicht" vorwerfen wenn sie nur das Billigste vom Billigen und nicht regional, bio oder "Fleisch vom glücklichen Tier" kaufen?
(Liebe LiH dieses Argument lege ich dir nicht in den Mund! Das ist nur zur Veranschaulichung!!) :)

Systemische Probleme (Massentierhaltung, Verschwendung etc) sind oft nur systemisch zu Lösen (Gesetzesänderungen, Änderungen in der Handelsstruktur) da bringt Individualhandeln ("gute Produkte kaufen") nur ganz bedingt was.

Ich bin auf jeden Fall dafür dass jeder bewusst einkauft und bin mir auch sicher dass es was bringt. Man gewinnt dadurch Glaubwürdigkeit und zeigt seinen Mitmenschen das es auch anders geht und treibt damit notwendige "große" Entscheidungen an, aber diese Entscheidungen müssen dann auf einer höheren Ebene besiegelt werden.
..."Gerade das ist es ja, das Leben, wenn es schön und glücklich ist ein Spiel! Natürlich kann man auch alles mögliche andere aus ihm machen, eine Pflicht oder einen Krieg oder ein Gefängnis, aber es wird dadurch nicht hübscher."

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LiH
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Re: Lebensmittelverschwendung von Supermärkten

#33

Beitrag von LiH » Do 16. Jun 2016, 22:43

Rotfuchs hat geschrieben:Du hast vollkommen recht. Allerdings sind nicht alle Menschen mit Geld und Bewußtsein privilegiert.

"Konsumentenmacht" ist meiner Ansicht nach echt problematisch. Kann man der klassischen "Unterschicht" vorwerfen wenn sie nur das Billigste vom Billigen und nicht regional, bio oder "Fleisch vom glücklichen Tier" kaufen?
(Liebe LiH dieses Argument lege ich dir nicht in den Mund! Das ist nur zur Veranschaulichung!!) :)
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht ... kein Geld zu haben ist eine Sache...alles auf "kein Geld" zu schieben, während es unbedingt jedes Jahr Uhrlaub auf Mallorca und jedes Wochenende saufen gehen sein muss...das ist für mich entweder feige (weil man nicht zugeben kann, dass diese Sachen bei einem eine höhere Priorität haben als "gute" Lebensmittel) oder es ist keinen Millimeter nachgedacht. Mittlerweile denke ich tatsächlich auch , dass "Konsumentenmacht" sehr problematisch ist. Aber nicht, weil die Konsumenten keine Macht hätten, von unten her das System zu ändern. Sondern, weil sehr, sehr viele offensichtlich nicht genug Selbstreflexion, Mut und Initiative haben, um das zu tun. (Das ist nicht abwertend diesen Menschen gegenüber gemeint.)

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Maire
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Re: Lebensmittelverschwendung von Supermärkten

#34

Beitrag von Maire » Fr 17. Jun 2016, 05:06

Leider ist die Problematik vielen Menschen gar nicht bewusst (oder egal). Ich kenn sehr viele Leute die sich gar nicht damit beschäftigen wo das Fleisch oder die Milch herkommt. Die steht eben einfach im Laden und wenn das dann auch noch wenig kostet freuen die sich, ohne darüber nachzudenken woran das liegt.
Ist bei Kleidung übrigens genauso.
Ich habe mal einen Bericht gesehen, da wurde Leuten auf einem Markt frische Bratwurst angeboten. Als sie zusagten, ging der Verkäufer hinter den Stand, holte ein Ferkel und steckte das in eine "Maschine" (die war natürlich nicht echt). Ein Knopf wurde gedrückt und spielte Geräusche ab, während der Mitarbeiter unter dem Tisch Bratwurst herausdrückte.
Und die meisten waren entsetzt und geschockt und wollten die Wurst nicht mehr.

Das verstehe ich einfach nicht. Viele nehmen immer alles als gegeben hin und schauen gar nicht über ihren Tellerrand.

Ich habe letzes auf der Arbeit über den milchpreis und die damit verbundenen Probleme für die Bauern gesprochen und das es Milch gibt, die war etwas mehr kostet aber 40 ct für die Bauern garantiert. Als antwortet kam ob das denn wirklich so wäre. Aber ist das ein Grund das dann nicht zu unterstützen weil es sein könnte dass das nicht stimmt? Gestern hab ich gesehen wurde wieder die billig Milch gekauft.
Ich kann das nicht verstehen.
Leider ist den Menschen ihre Nahrung einfach nichts mehr wert. Das ist traurig.
~Gutes zieht Gutes an~

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LiH
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Re: Lebensmittelverschwendung von Supermärkten

#35

Beitrag von LiH » Fr 17. Jun 2016, 08:45

Maire hat geschrieben:Leider ist den Menschen ihre Nahrung einfach nichts mehr wert. Das ist traurig.
Ich frage mich dann immer, was man sich selber wert ist.

Wenn mir andere Menschen, Tiere und die Umwelt völlig wurscht wären, selbst dann würde ich aus reinem Egoismus nur "gute" Sachen kaufen.

"Du bist was du isst" stimmt halt einfach. Aus dem, was ich esse, macht mein Körper meine Haare, meine Hände, meine Augen. Und ich will nicht aus gequälten Tieren oder vergewaltigten Pflanzen bestehen.

Abgesehen vom Mitleid sagt mir mein gesunder Verstand, dass in einem Lebewesen, das durch Mast und chemische Substanzen unter künstlichen Bedingungen gewaltsam auf Masse und Ertrag getrieben wurden, weniger "gute" Sachen für meinen Körper drin sind und bestimmt viele schädliche. Dass ein Lebewesen, das leidet, unter Stress steht und ständig mit Substanzen und Bedingungen konfrontiert ist, für die es von der Evolution her nie gedacht war, kein gutes LEBENSmittel ist.

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Re: Lebensmittelverschwendung von Supermärkten

#36

Beitrag von Rotfuchs » Fr 17. Jun 2016, 08:52

LiH hat geschrieben: "Du bist was du isst" stimmt halt einfach. Aus dem, was ich esse, macht mein Körper meine Haare, meine Hände, meine Augen. Und ich will nicht aus gequälten Tieren oder vergewaltigten Pflanzen bestehen.

Abgesehen vom Mitleid sagt mir mein gesunder Verstand, dass in einem Lebewesen, das durch Mast und chemische Substanzen unter künstlichen Bedingungen gewaltsam auf Masse und Ertrag getrieben wurden, weniger "gute" Sachen für meinen Körper drin sind und bestimmt viele schädliche. Dass ein Lebewesen, das leidet, unter Stress steht und ständig mit Substanzen und Bedingungen konfrontiert ist, für die es von der Evolution her nie gedacht war, kein gutes LEBENSmittel ist.
Absolut!
Ich vermute dass die meisten Menschen die sich nicht kümmern ihren Körper als Maschine sehen, der Eben Brennstoff braucht. Und so wie man an die günstigste Tanke fährt kauft man auch das billigste Essen.
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Re: Lebensmittelverschwendung von Supermärkten

#37

Beitrag von izento » Mo 20. Jun 2016, 11:43

Ich habe gerade erst gesehen das eine Petition in Vorbereitung ist, die von der deutschen Regierung ein ähnliches Gesetz fordert wie es schon in Frankreich gibt.
Frankre­ich und Wal­lo­nien haben es vor­ge­macht: Ein neues Gesetz ver­bi­etet Super­märk­ten, ess­bare Lebens­mit­tel wegzuw­er­fen. Vor­ge­schrie­ben sind Preis­nach­lässe für Unver­kauf­tes, kosten­lose Abgabe an gemein­nützige Organ­i­sa­tio­nen oder zur Tier­füt­terung. Bil­dungsar­beit und eine verän­derte Einkauf­sstrate­gie gehö­ren zum Paket dazu. Hier gibt es zwar voll­mundige Ankündi­gun­gen, aber die unge­heuren Men­gen ess­barer Lebens­mit­tel, die auf den Müll wan­dern, sin­ken kaum.

Mach mit uns Druck auf den Bun­destag ­für einen Weg­w­erf­stopp für Supermärkte!
http://www.leeretonne.de/

Und natürlich habe ich sofort unterschrieben. Ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn die Supermärkte nicht allein an der Lebensmittelverschwendung Schuld sind.
...und es wird der Tag kommen dass die Welt versinkt im Chaos. Und wir werden auferstehen und tanzen auf den Ruinen.
Follow your dreams and be TRUE to yourself.
Der alte Narr sagt: Ich bin ein alter Weiser. Der alte Weise sagt: Ich bin ein alter Narr.

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Re: Lebensmittelverschwendung von Supermärkten

#38

Beitrag von Stadteule » Mo 20. Jun 2016, 12:41

Was das Konsumverhalten von Menschen mit wenig Geld angeht, korreliert leider bei der Mehrheit der Bildungsstand mit dem Einkommen. Und damit auch die Fähigkeit und der Wille, sich mit komplexen Thematiken zu befassen.
Das ist natürlich statistisch, es gibt immer und zum Glück auch eine ordentliche Anzahl an Menschen mit wenig Geld, die sich bewusst ernähren, bzw. bewusst konsumieren. Nur kann man uns hier im Forum leider nicht als Schnittmenge unserer Gesellschaft betrachten, was eine solche Thematik betrifft.

Ich hatte selbst einige Zeit wirklich brutal wenig Geld und ich weiß, dass es teilweise sehr schwer ist, da ökologisch bewusst einzukaufen. Es ist nicht auf ganzer Länge schwer und/oder unmöglich (z.B. bekommt man auch ohne zu containern von Bauern oder auf Märkten Gemüse umsonst oder seeeehr vergünstigt, wenn man kurz vor Verkaufsschluß fragt), aber manche Dinge sind schlicht nicht leistbar, wenn man jeden Cent rumdrehen muss, da kann man bewusst sein, wie man will.


LG, Stadteule
Wer sie nicht kennte, Die Elemente, Ihre Kraft und Eigenschaft, wäre kein Meister über die Geister. (J.W.v.Goethe)

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