Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

Benutzeravatar
Satyr
Administrator
Beiträge: 2047
Registriert: Do 14. Mär 2013, 21:54
Benutzertitel: Hexenzirkel - STAFF
Wohnort: bei Heidelberg

Re: Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

#11

Beitrag von Satyr » So 25. Jun 2017, 22:27

@ Napgyermek danke für Deine Ausführungen, meine Gedanken betreffend.
BB
Satyr

Napgyermek
Beiträge: 53
Registriert: Mo 8. Apr 2013, 12:21
Kontaktdaten:

Re: Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

#12

Beitrag von Napgyermek » So 25. Jun 2017, 22:33

ArionCGN hat geschrieben:
So 25. Jun 2017, 22:17
Für mich gibt es kein christliches Wicca. Wicca ist lediglich ein initiatorischer Mysterienkult oder eine initiatorische Mysteriengemeinschaft, die ihre Wurzeln in der Arbeit von Gerald Gardner hat. Insofern gibt es imho auch kein freifliegendes Wicca. Entweder man ist in diese Tradition initiiert, dann ist man nicht freifliegend, oder man ist nicht initiiert, dann ist man nicht Wicca.

Klaro - man kann natürlich ins Wicca initiiert sein und dann trotzdem spirituell etwas ganz anderes machen... aber dann ist das, was man da tut, ganz einfach kein traditionelles Wicca, auch wenn man irgendwann mal ins Wicca initiiert wurde. Das wäre das Gleiche, als wenn man Konditor gelernt hat und dann nur noch Brötchen und Brote backt, aber keine Torten mehr... Brötchen und Brot sind Bäckerhandwerk und nicht Konditorenhandwerk.
Ich verstehe diese Argumentation, auch wenn ich persönlich teilweise eine andere Haltung habe.
Diese Logik ist auch eine der Gründe, warum ich mich auf eine BTW-Initiation einliess, denn sie bildet nunmal die Basis - ob man diese weiterspinnt oder nicht, oder wer initiiert und wer nicht, das ist für mich hingegen wieder Auslegungssache... Eben weil die Kunst als solche eben auch noch generationenmässig jung ist - was mich zu Deinem nächsten, durchaus wichtigen Punkt bringt:
ArionCGN hat geschrieben:
So 25. Jun 2017, 22:17
Da es Wicca erst seit Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts gibt, kann man auch nicht von jahrhundertealter und immer noch andauernder Differenzen zwischen der christlichen Kirche (welcher genau??) und Wicca sprechen.
So ist es, Wicca als solches hat noch eine sehr junge Geschichte.
Jedoch hatte ich genug Unterhaltungen, in denen selbst "Traditionalisten" sich mit fast schon prähistorischen Wurzeln im Gedanken an sich brüsteten. Deswegen nahm ich diesen Punkt mit hinein. Für mich steht dieser nicht zur Debatte - aber vielleicht für andere?
ArionCGN hat geschrieben:
So 25. Jun 2017, 22:17
Wicca Werte und christliche Elemente... welche Werte genau meinst Du jetzt?? Ich meine, in der Bibel steht "Du sollst nicht töten"... Wicca erachtet die Schöpfung, egal ob belebt oder unbelebt, als heilig. Da gäbe es schon eine gewisse Schnittmenge. Im Christentum spielt der Begriff der Schuld eine große Rolle... Jesus Christus ist zur Vergebung der Sünde/Erbschuld gestorben, bzw. auferstanden (je nachdem ob evangelisch oder katholisch). Im Wicca spielt der Begriff der Schuld überhaupt keine Rolle. Hier möchte ich Dich also bitten, Deine Frage zu konkretisieren.
Deswegen ergänzte ich auch, dass das Christentum umgekehrt viel aus dem Heidnischen übernommen hat. Allgemein bestehen zwischen Religionen, gerade den drei grössten der Welt, eine beachtliche Anzahl an Überschneidungen...
Ich habe diesen Punkt jedenfalls bewusst offen gelassen, denn das Christentum umfasst in seinen Werten eben viele Punkte und vielleicht sind einige für andere wichtiger als für mich und ihre Meinung setzt sich vielleicht entsprechend anders zusammen.

Ich für meinen Teil distanziere mich u.A. klar von einigen Werten wie x-fach festgehaltenen Gewaltphrasen gegen Mensch und Tier, andererseits erachte ich einige Gebote wie eben zB. "Du sollst nicht töten" durchaus als stimmig.

Napgyermek
Beiträge: 53
Registriert: Mo 8. Apr 2013, 12:21
Kontaktdaten:

Re: Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

#13

Beitrag von Napgyermek » So 25. Jun 2017, 22:34

Satyr hat geschrieben:
So 25. Jun 2017, 22:27
@ Napgyermek danke für Deine Ausführungen, meine Gedanken betreffend.
BB
Satyr
Ich danke Dir für Deine Ausführungen! :liebegrüße:
Mir ist schon mal bewusst geworden, mich wieder mit der Definition von Wicca selbst wieder etwas mehr auseinanderzusetzen... Ein durchaus toller Denkanstoss.

Knufflon
Beiträge: 442
Registriert: Mi 3. Jul 2013, 12:16
Benutzertitel: Dr. Sun
Wohnort: der Göttin sei dank woanders als vorher!

Re: Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

#14

Beitrag von Knufflon » Mo 26. Jun 2017, 08:00

Ein Mitglied im Coven von Gardner hat mir mal gesagt, dass Gardner der Auffassung war, dass die Spiritualität und die Magie, die zu Beginn eines heidnischen spirituellen Weges oft nur im Kreis und zu den Festen stattfinden, in den Alltag gehört, bis die Rituale sich eines Tages selbst überflüssig gemacht haben.
Über die Jahre meines Heidendaseins kann ich mit dieser Auffassung nur anschließen. Ich merke, dass ich gerne noch mit lieben Menschen im Kreis stehe, zum Beispiel bei Treffen, wo ich andere sehe, die sonst nicht in meinem Alltag sind, merke aber auch, dass es letztlich darum geht, zumindest für mich, meine Spiritualität und Magie, meine Kraft direkt ins Leben zu bringen.

Warum schreibe ich das hier? Um zu zeigen, dass es vermutlich gar nicht so sehr um Definitionen eines Weges geht, wenn sogar der Gründer dieses Weges anscheinend der Auffassung war, dass es nicht um festgelegte Dogmen und Strukturen geht.

Liebe Grüße vom
Knufflon
Zuletzt geändert von Knufflon am Mo 26. Jun 2017, 11:51, insgesamt 1-mal geändert.
Love as thou wilt.

As a son of night and day, I am gray

Meine Foto-Homepage: https://www.flickr.com/photos/goldtop57/

Benutzeravatar
Atemwasser
Beiträge: 825
Registriert: Mo 18. Mär 2013, 13:26

Re: Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

#15

Beitrag von Atemwasser » Mo 26. Jun 2017, 09:23

Um mal auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen:

Ich finde es gibt viele schöne Überschneidungen zwischen Wicca und Christentum, aber es gibt dann doch (in meinen Augen) zu viele ganz tiefgründige Unterschiede die ein "Christian Wicca" unmöglich machen. Ich kenne zB in meiner Spiritualität keine Schuld und keine Sühne und viel christliche Spiritualität ist genau darauf aufgebaut. Oder es gibt eine absolutes "Ein Gott" Gebot im Christentum (ist sogar das erste Gebot) und im Wicca gibt's ja traditionell mindestens zwei und die sind auch andere als der Christliche Gott.

Was die "Craft" angeht, also das Hexenhandwerk, da sehe ich wesentlich weniger Probleme, auch wenn es soweit ich weiß unter Christen nicht gerade hoch angesehen ist (ist dann aber nicht mein Problem). Im Christentum gibt's ja auch die Gebete, das Kerzenanzünden, die Wallfahrten und Segnungen, das ist IMO ganz kompatibel.

BB

Knufflon
Beiträge: 442
Registriert: Mi 3. Jul 2013, 12:16
Benutzertitel: Dr. Sun
Wohnort: der Göttin sei dank woanders als vorher!

Re: Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

#16

Beitrag von Knufflon » Mo 26. Jun 2017, 11:52

Ach ja, unter meinen drei "Haus- und Hofgöttern" ist auch Maria. Selbstredend nicht als Muttergottes, sondern als alte Heilerin, Trösterin und eine der wenigen Göttinnenaspekte, die direkt einen liebevollen Bezug zu den Menschen hat.
Love as thou wilt.

As a son of night and day, I am gray

Meine Foto-Homepage: https://www.flickr.com/photos/goldtop57/

Benutzeravatar
Schneewoelfin
Beiträge: 2266
Registriert: Sa 6. Apr 2013, 13:11
Benutzertitel: dunkelbunt
Wohnort: in der mittelhessischen Walachei zwischen Giessen und Marburg

Re: Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

#17

Beitrag von Schneewoelfin » Mo 26. Jun 2017, 17:57

ArionCGN hat geschrieben:
Mo 26. Jun 2017, 16:41
Es geht ja nicht nur um die großen Schlagworte (zumindest nicht für mich) - es geht auch um organisatorische Dinge... Hintergründe... wer feiert welches Fest warum?? Und da gibt es eigentlich so gut wie überhaupt keine Überschneidungen, obwohl es doch GERADE die Feste sind, die anlässlich des Wirkens der Götter in der Welt gefeiert werden. Sollte es nicht insbesonders dort Überschneidungen geben? Ne... das ist mir alles etwas zu wenig.

naja, soooo wenige sind das ja nu doch nicht, zumindest, wenn man sich nicht nur auf die 2 Hauptfeste konzentriert

Allerheiligen/Allerseelen ist an Samhain/Halloween

die Christen feiern die Geburt Jesu am 24/25.12., weil es ihnen im 4 Jh nicht gelang, die Römer davon abzuhalten an dem Tag "Sol Invictus" - Mithraskult zu feiern, so beschlossen sie auf einem der ökumenischen Konzile, die interpretatio romana anzuwenden und Jesu´Bday mal kurz von Juni (oder Mai) in den Dezember zu legen (ist kein Hörensagen, sondern historisch belegbar)

die Fasnacht, der Karneval (Austreiben der Wintergeister) dessen Ende der Beginn der christlichen Fastenzeit ist

Imbolc - die Göttin oder (christl) Hl Brigid

Valentinstag (Hl Valentin) wurde auf den Tag der Lupercalien gelegt

Ostern hat sicherlich ausser dem Zeitpunkt nix mit dem Pessach Fest (Auszug aus Ägypten) zu tun, das wurde iirc einfach "zusammengeschmissen", denn in vielen Gebieten wurde die Geburt des Welteneies durch die jeweilige Göttin gefeiert - ob Isis/Hathor, Astarte/Ischtar oder auch im slawischen Raum, auch unter dem Aspekt, dass früher die Hühner in der dunklen Jahreszeit sich in der Mauser befanden, also (fast) keine Eier mehr legten, die meisten Eier legten Hühner damals im Frühjahr - als das Licht wieder stärker wurde

Mittsommer - St Johanni

15.8 Maria Himmelfahrt - Geburtstag Isis

Erntedankfeste zu unterschiedlichen Zeiten im herbst

viele Namenstage von christlichen Heiligen wurden auf heidnische Festtage gelegt, nicht nur die Lupercalien wurden zum Valentinstag.....

LG Schnee
Es geht immer um die Quintessenz - ich beschäftige mich gerne mit den ursprünglichen Dingen, weniger mit dem "Tamtam" /me

Benutzeravatar
Satyr
Administrator
Beiträge: 2047
Registriert: Do 14. Mär 2013, 21:54
Benutzertitel: Hexenzirkel - STAFF
Wohnort: bei Heidelberg

Re: Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

#18

Beitrag von Satyr » Mo 26. Jun 2017, 18:29

Schneewoelfin hat geschrieben:
Mo 26. Jun 2017, 17:57

Erntedankfeste zu unterschiedlichen Zeiten im herbst
tadaaa,

von Christlichen Inhalten hab ich voll wenig Ahnung,

aaaaber (jetzt kann ich auch mal glänzen) ich weiss, dass Erntedank nie ein christliches Fest war, sondern von der Kirche nur geduldet.

HA!

:liebegrüße:

Liebe Grüße
Satyr

:flitz:

Benutzeravatar
Schneewoelfin
Beiträge: 2266
Registriert: Sa 6. Apr 2013, 13:11
Benutzertitel: dunkelbunt
Wohnort: in der mittelhessischen Walachei zwischen Giessen und Marburg

Re: Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

#19

Beitrag von Schneewoelfin » Mo 26. Jun 2017, 20:45

:luxhello: :luxhello: :luxhello: ;)
Satyr hat geschrieben:
Mo 26. Jun 2017, 18:29
aaaaber (jetzt kann ich auch mal glänzen) ich weiss, dass Erntedank nie ein christliches Fest war, sondern von der Kirche nur geduldet.
kann mir gut vorstellen, dass das ähnlich wie bei "sol invictus" lief, denn:
In der römisch-katholischen Kirche ist ein Erntedankfest seit dem 3. Jahrhundert belegt. Da die Ernte je nach Klimazone zu verschiedenen Zeiten eingebracht wird, gab es nie einen einheitlichen Termin.
Nach der Reformation wurde das Erntedankfest an unterschiedlichen Daten gefeiert. Einige evangelische Kirchenordnungen „verbanden den Dank für die Ernte mit Michaelis, andere legten ihn auf den Bartholomäustag (24. August), auf den Sonntag nach Ägidii (1. September) oder nach Martini (11. November).“[1] Schließlich bürgerte sich die Feier am Michaelistag (29. September) oder – weit überwiegend – am ersten Sonntag nach Michaelis als Termin ein. Diese Regelung geht u. a. auf einen Erlass des preußischen Königs aus dem Jahre 1773 zurück. Dies konnte dazu führen, dass das Erntedankfest noch in den September fällt. Mittlerweile ist in den evangelischen Kirchen in Deutschland der erste Oktobersonntag der Erntedanktermin, da der Michaelistag, wenn er auf einen Samstag fällt, am folgenden Sonntag gefeiert wird.[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Erntedankfest
Es geht immer um die Quintessenz - ich beschäftige mich gerne mit den ursprünglichen Dingen, weniger mit dem "Tamtam" /me

Benutzeravatar
abendhirsch
Beiträge: 859
Registriert: Sa 21. Mär 2015, 20:58
Benutzertitel: Wald-und Wiesenheide
Wohnort: im Wald am See (Olpe)

Re: Ist vermengtes Wicca überhaupt noch Wicca?

#20

Beitrag von abendhirsch » Mo 26. Jun 2017, 21:04

Atemwasser hat geschrieben:
Mo 26. Jun 2017, 09:23
Ich kenne zB in meiner Spiritualität keine Schuld und keine Sühne und viel christliche Spiritualität ist genau darauf aufgebaut. Oder es gibt eine absolutes "Ein Gott" Gebot im Christentum ...
Hei,

ich denke auch, es gibt in einigen Kernbereichen zu gravierende Unterschiede, als dass von einer echten Vermengung gesprochen werden könnte ... und dass es "Überschneidungen" gibt - z.B. Feste zu ähnlichen Zeiten und ggf. auch aus einem Ursprung heraus oder Ähnlichkeiten einzelner Riten - halte ich einfach für eine kosmetische Oberfläche.

Die Kernfragen Schuld und Monotheismus relativieren alle angeblichen, vermuteten oder auch tatsächlichen Überschneidungen.

Ich weise sicherheitshalber noch darauf hin, dass ich selbstverständlich nur für mein Heidentum sprecheen kann und nicht in Wicca initiiert bin, in dem Bereich also keine inneren Einblicke habe.

LG & BB
abendhirsch

PS.: Blöde Tablettastatur ... Wer einen Tippfehler findet, darf ihn behalten ... Der bleibt jetzt da!
)O( Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als unsere Wissenschaftler uns erklären können.

Antworten