Lebendige Hexenküche

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Peregrin
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Lebendige Hexenküche

#1

Beitrag von Peregrin » Di 12. Sep 2017, 22:19

:kessel1:

Habe ich mit dem Titel neugierig gemacht? Ich hoffe es. :green:

Mit "lebendig" meine ich das Backen, Brauen und Einlegen mit Hilfe von lebendigen Kulturen.

Ich finde Lebensmittel - im wahrsten Sinne des Wortes - wie selbst angesetzten Sauerteig, selbstgebrautes Bier, selbsteingelegtes Gemüse, Joghurt, Kombucha, Kefir und so weiter einfach faszinierend.

Das gibt es meist nicht zu kaufen, da ja aus Hygienegründen fast alles pasteurisiert sein muss. Was ja auch seine guten Gründe hat. Aber ich mag gerade das Risiko, dass mal auch etwas nicht klappt.

Für unsere Vorfahren war es selbstverständlich, das jeder Haushalt seine eigenen "lebendigen" Nahrungsmittel machte, da es eben eine Art der Konservierung war. Einige haben vielleicht noch erlebt, das Oma oder Uroma ihren Sauerkraut selbst gemacht hat? Heute ist das eher eine alernative Hippie-Sache geworden.

Wer ist alt genug, um "Hermann" noch zu kennen? Für die, die es nicht sind, das war eine Art Sauerteig, der in den 80 Jahren in Kettenbriefmanier in der Öko-Szene weitergegeben wurde. Irgendwann hatte jeder die Schnauze voll davon und hat den armen Kerl sterben lassen. Danach kam die Kefir-Welle, bei der jeder seine überschüssige Kefirknollen an den Mann und die Frau bringen wollte. Kombucha hatte auch seine Zeit - ist aber wohl wieder im Kommen mit dem Superfood-Hype - nicht zuletzt, da man da ja Goi-Beeren reinschmeißen und ihn als Grundlagen für Smoothis verwenden kann. :heu:

Zum Bierbrauen habe ich momentan leider nicht die Räumlichkeiten, kommt aber irgendwann sicher noch.

Mit Milchkefir kann man mich jagen, aber ich mag Kombucha und Wasserkefir und habe hier immer welchen "in der Mache". (Wasserkefir im Sommer, der mag meine kalte Winterwohnung nicht und fällt in einen Art Winterschlaf. :( )

Meinen Joghurt mache ich auch selbst. Sauerkraut mag ich auch nicht. (Und liebe Götter, das lebendige Zeug stinkt! Wer das im Haus aufmacht, hat olifaktorisch da die nächsten Tage etwas von. :umfall: ) Dafür mag ich die asiatischen Varianten milchsauer eingelegten Gemüses wie Kimchi (Vorteil: Man kann es weniger scharf machen als die gekaufte Variante) und Tsukemono (geht schneller als so Varianten, bei denen das Gemüse a la Sauerkraut eingelegt werden).

Und ich bin echt traurig, das ich keine Quelle für unbehandelte Milch habe, um selbst Sauermilch, Skyr oder Filmjölk zu machen. (Wer ländlich wohnt mit Milchtankstelle: Probiert es aus!)

Für die, die sich fragen, warum man so etwas selbst machen sollte, da es doch zeitaufwendig ist: Es macht Spaß (That's Alchemie, Baby! :luxhello: ), es ist gesund, es ist lehrreich (würde ich allen Leuten mit Kindern empfehlen, interessanter als jeder Chemiebaukasten), es kann billiger und umweltfreundlicher sein als gekauftes Essen, es ist absolut fassettenreich, da das Auskommen nie das gleiche ist, da die Variablen da so groß sind. (Und he, Varianten brauchen wir! Es hat ja wohl seinen Grund, das überall Microbreweries aus dem Boden schießen wie Pilze - keiner hat mehr Lust auf Bier, wo die eine Sorte schmeckt wie die andere!)

Es ist etwas absolut persönliches (der "Starter" für milchsauer eingelegtes Gemüse sind die Milchsäurebakterien auf der Haut desjenigen, der das zubereitet) und es ist immer von der Umwelt abhängig. (Kombucha z.B. von der jeweiligen Zimmertemperatur, der im Sommer schneller wächst und anders schmeckt.) Man kann Honig heimischer Imker nehmen (für Met oder Kombucha), Früchte und Gemüse aus dem eigenen Garten. Wie kann man sich mit dem Leben um sich herum besser verbinden als so? :)


Wer macht hier noch etwas in der Art? Oder hat vor es zu tun? :kessel:

P.S.: Gesund nicht nur in dem Sinne, das Laktobazillen für die Verdaung gesund sind (was jeder aus der Werbung für die überteuerten, müllproduzierenden, pasteurisierten [o the Ironie...] "probiotischen Joghurts weiß. Ich halte auch viel von der Theorie, das die heute so sprunghaft angestiegene Weizenunverträglichkeit häufig keine Glutenunverträglichkeit ist, sondern eher daher stammt, dass das Getreide, das wir essen, "misshandelt" wird. Nicht nur mit Herbiziden und Schimmelhemmern (wenn es in Containerschiffen aus Übersee kommt) sondern das vor allem auch der "Reifungsprozess" gekaufter Brote zu schnell abgebrochen wird und die Bakterien nicht die Zeit haben, ihre Arbeit zu tun, die das Brot verdaulicher macht.
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Re: Lebendige Hexenküche

#2

Beitrag von Stadteule » Mi 13. Sep 2017, 00:00

Yay, Hexenküche ist voll mein Thema - auch die, die Du "lebendig" nennst @Peregrin.

Herrmann (gibts immer noch, habe ich neulich bei meiner Schwester entdeckt), Wasser- und Milchkefir, Milchsäurebakterien, Weinhefen etc... hat oder hatte alles bei mir schon seinen Stellenwert.
  • Herrmann war mir irgendwann man zuviel - ich backe gerne, aber nicht gerne 2x die Woche Herrmann.
  • Kefir liebe ich beide Sorten und sie halten über die Jahre immer wieder eine Weile bei mir Einzug. Aber ich bin alleine als Kefirtrinkerin in unserem Haushalt, daher gebe ich sie dann nach einer Weile wieder ab für eine Kefirpause. Neulich habe ich gelesen, dass sie jemand mit Erfolg eingefroren haben soll - wenn das tatsächlich klappen sollte, wäre das natürlich eine klasse Sache für Kefirpausenmonate.
  • Joghurt ist nicht so mein Ding, aber Quark und Frischkäse. Frischer selbstgemachter Quark schmeckt unglaublich lecker und ist überhaupt nicht mit gekauftem Quark zu vergleichen. Genau wie die dabei gewonnene Molke schmeckt er fast gar nicht sauer und eher etwas süßlich.
  • Käse steht bei mir noch auf dem Programm als logische Weiterverarbeitung von Quark. Das Equipment habe ich bereits und ich war schon einige Male beim Käsen dabei, habe aber im Moment bei uns nicht die Möglichkeit das gut umzusetzen, da unsere Räumlichkeiten baustellenbedingt gerade sehr beengt sind.
  • Fruchtwein und Met mache ich immer mal wieder, im Moment blubbert bei mir der Holunderwein. Allerdings habe ich schon so viele fürchterliche selbst gekelterte "Weine" mit Weinfehlern gekostet, dass ich hier nicht gerne auf die mittelalterliche Methode setze den wilden Hefen ihren Lauf zu lassen. Ich denke, wenn sie vor einem halben Jahrtausend schon die Möglichkeit gehabt hätten die Gärung zu steuern, hätten sie es getan. Da setze ich also auf den Fortschritt und nutze Weinhefekulturen statt Spucke oder Brot.
  • Sauerteig setze ich auch gerne an zum Brotbacken - gemeinsam mit normaler Backhefe (die ja aber auch noch lebt).
  • Essig habe ich schon ein paar mal gemacht, aber Essigmuttern unterfüttere ich nach einiger Zeit irgendwie offenbar, jedenfalls ist bei mir noch nie eine älter geworden als ein Jahr. Aber alle paar Jahre findet eine neue ihren Weg zu mir, wenn irgendjemand eine Essigmutter hat, die zu schnell wächst.

Sauerkraut möchte ich gerne mal machen. Ich kenne immer noch viele, die das traditionell und ganz unhippiesk machen und finde es großartig, habe mich selbst aber noch nie dran gewagt.


LG, Stadteule
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Re: Lebendige Hexenküche

#3

Beitrag von Schneewoelfin » Mi 13. Sep 2017, 00:08

vielen Dank für das Thema :thumbup:
leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, das für nur 1 Person (mich) umzusetzen, finde es aber spannend, darüber wenigstens zu lesen :girlie-nick:

LG Schnee
Es geht immer um die Quintessenz - ich beschäftige mich gerne mit den ursprünglichen Dingen, weniger mit dem "Tamtam" /me

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Re: Lebendige Hexenküche

#4

Beitrag von abendhirsch » Mi 13. Sep 2017, 04:57

Hei,
diesen Bereich hab ich ja noch gar nicht als hexisch oder heidnisch angesehen ...

Ich habe selbst nur Erfahrung mit "Viili" ... Das ist Finnisch und könnte der o.g. "Filmjölk" entsprechen. Von der hab ich zwar noch nicht gehört, würde ich aber mal aus dem Schwedischen mit Fil-Milch übersetzen.
Stadteule hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 00:00
Neulich habe ich gelesen, dass sie jemand mit Erfolg eingefroren haben soll - wenn das tatsächlich klappen sollte, wäre das natürlich eine klasse Sache für Kefirpausenmonate.
Unser Viili ist eine Art Dickmilch, die stichfest, also löffelbar ist. Davon habe ich derzeit ein paar kleine Gläschen eingefroren. Das habe ich schon öfter gemacht ... geht problemlos.

LG & BB
abendhirsch
)O( Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als unsere Wissenschaftler uns erklären können.

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Re: Lebendige Hexenküche

#5

Beitrag von Stadteule » Mi 13. Sep 2017, 08:32

abendhirsch hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 04:57
Stadteule hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 00:00
Neulich habe ich gelesen, dass sie jemand mit Erfolg eingefroren haben soll - wenn das tatsächlich klappen sollte, wäre das natürlich eine klasse Sache für Kefirpausenmonate.
Unser Viili ist eine Art Dickmilch, die stichfest, also löffelbar ist. Davon habe ich derzeit ein paar kleine Gläschen eingefroren. Das habe ich schon öfter gemacht ... geht problemlos.
Ich meinte den Kefirpilz selbst, nicht die Flüssigkeit - meinst Du das Gleiche?
Viili hört sich interessant an, schmeckt das ähnlich, wie das, was man hier als "Dickmilch" kennt?


Übrigens wäre ich aber nie darauf gekommen, den Einsatz lebender Kulturen in dem Kontext mit Alchemie in Verbindung zu bringen. Eher - im übertragenen Sinne - mit Tierhaltung oder Gärtnern. Was mich darauf bringt, dass das Kochen mit frischem Obst oder Gemüse und vor allem mit Sprossen imo auch "lebendige Küche" ist.


LG, Stadteule
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Re: Lebendige Hexenküche

#6

Beitrag von Peregrin » Mi 13. Sep 2017, 10:59

Hallo @ all!
Stadteule hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 00:00
[*]Käse steht bei mir noch auf dem Programm als logische Weiterverarbeitung von Quark. Das Equipment habe ich bereits und ich war schon einige Male beim Käsen dabei,
Das hätte ich fast vergessen: Tofu selbst machen ist auch klasse. Das Produkt schmeckt völlig anders als diese "Gummiblöcke", die in Europa unter "Tofu" verstanden werden. Es ist eher ein milder Streichkäse, der dabei herauskommt. (Will man daraus fluffigen Tofu machen, wie man ihn vom Asia-Restaurant kennt, muss man den selbst gemachten einmal einfrieren.)

Ich meine, dass meine Mutter auch mal mit dem Einfrieren von Kevir Erfolg hatte. Ich glaube, dass ist eine Sache der Zeit: eine große Knolle verträgt einige Wochen, ob Monate, dass ist die Frage... Einfach mal ausprobieren. Ich könnte mir vorstellen, dass die Verpackung eine Rolle spielt. Nicht einfach nur in eine Tüte packen, damit der Pilz nicht ganz durchfriert und die Eiskristalle seine Zellen sprengen. Besser in ein dickwandiges Gefäß packen.)
Stadteule hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 00:00
Ich denke, wenn sie vor einem halben Jahrtausend schon die Möglichkeit gehabt hätten die Gärung zu steuern, hätten sie es getan. Da setze ich also auf den Fortschritt und nutze Weinhefekulturen statt Spucke oder Brot.
Oh ja, Wildhefen... :heu: Schimmelkulturen lassen grüßen...
Schneewoelfin hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 00:08
leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, das für nur 1 Person (mich) umzusetzen

:shocked: Ich habe auch einen 1 Personen-Haushalt. Das hat mich bisher noch nicht abgehalten, irgendetwas in der Art zu machen. Man kann doch alles in kleiner Menge fabrizieren. (Es gibt immer Ausweichmöglichkeiten. Wer z.B. nicht so ein Riesenvieh von Gärtopf herumstehen haben will - die kleinsten sind ja 5 Liter - der nimmt einfach einen Rumtopf, die gibts schon für 1,5 Liter und passen auf jede Fensterbank.)
abendhirsch hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 04:57
diesen Bereich hab ich ja noch gar nicht als hexisch oder heidnisch angesehen ...
Dann hast du es nicht mit der germanischen Mythologie? ;) Ich denke immer sofort an Kvasir.
Und bei "Kvasir" an "Kwas". :D (Wer das nicht kennt: Gibt's in Russischen Lebensmittelläden als Softdrink und ist aus vergorenem Brot hergestellt. Aber keine Angst, das schmeckt nicht wie der ekelige Brottrunk aus dem Reformhaus, sondern eher wie Malzbier.)
Und die ganzen Storl-Fans kommen bei dem Thema hier sicher gleich mit psychoaktiven Bierzutaten, wie sie bei alten Völkern üblich waren. Oh, und Kumys (vergorene Stutenmilch) ist ja auch im wahrsten Sinne des Wortes "legendär" und wird mit eurasischem Schamanismus in Verbindung gebracht.
abendhirsch hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 04:57
Unser Viili ist eine Art Dickmilch, die stichfest, also löffelbar ist. Davon habe ich derzeit ein paar kleine Gläschen eingefroren. Das habe ich schon öfter gemacht ... geht problemlos.
Das heißt, man kann das als Starter für weitere selbstgemachte Kulturen nehmen?

Alchemie sehe ich auf jeden Fall darin. Nicht nur in den Gärprozessen, die unverzichtbarer Bestandteil der Alchemie sind. Auch im übertragenden Sinne. Man darf nicht vergessen, dass unser enterischen Nervensystem im Magen-Darm-Trag beheimatet ist. Die Art der Bakterienbesiedlung dort hat einen riesigen Einfluss auf unsere Emotionen.
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Re: Lebendige Hexenküche

#7

Beitrag von Stadteule » Mi 13. Sep 2017, 11:48

Peregrin hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 10:59
Das hätte ich fast vergessen: Tofu selbst machen ist auch klasse. Das Produkt schmeckt völlig anders als diese "Gummiblöcke", die in Europa unter "Tofu" verstanden werden. Es ist eher ein milder Streichkäse, der dabei herauskommt. (Will man daraus fluffigen Tofu machen, wie man ihn vom Asia-Restaurant kennt, muss man den selbst gemachten einmal einfrieren.)
Oh, wie machst Du das? Damit habe ich auch schonmal geliebäugelt, habe aber bisher davon abgesehen, weil ich ein bisschen befürchte, dass der Sojabohnengeschmack zu sehr durchkommt (Sojabohnenmehl finde ich nämlich ziemlich fürchterlich). Scheinbar brauche ich das aber gar nicht zu befürchten *?*

Peregrin hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 10:59
Ich meine, dass meine Mutter auch mal mit dem Einfrieren von Kevir Erfolg hatte. Ich glaube, dass ist eine Sache der Zeit: eine große Knolle verträgt einige Wochen, ob Monate, dass ist die Frage... Einfach mal ausprobieren. Ich könnte mir vorstellen, dass die Verpackung eine Rolle spielt. Nicht einfach nur in eine Tüte packen, damit der Pilz nicht ganz durchfriert und die Eiskristalle seine Zellen sprengen. Besser in ein dickwandiges Gefäß packen.
Okay, vielleicht probiere ich das mit einem Teil vom nächsten Kefirpilz einfach mal aus.Mehr als schiefgehen kanns ja eigentlich nicht. :kaffee:

Peregrin hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 10:59
Oh ja, Wildhefen... :heu: Schimmelkulturen lassen grüßen...
Genau :würg: Aber auch wilde Hefen, die einen Gärprozess starten, erzeugen nicht alle genießbaren Wein.

Peregrin hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 10:59
Dann hast du es nicht mit der germanischen Mythologie? ;) Ich denke immer sofort an Kvasir. Und bei "Kvasir" an "Kwas". (Wer das nicht kennt: Gibt's in Russischen Lebensmittelläden als Softdrink und ist aus vergorenem Brot hergestellt. Aber keine Angst, das schmeckt nicht wie der ekelige Brottrunk aus dem Reformhaus, sondern eher wie Malzbier.)
Boah ja, Kwas! Kann man auch ganz gut selbst machen.
:kessel1:

Peregrin hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 10:59
Schneewoelfin hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 00:08
leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, das für nur 1 Person (mich) umzusetzen

:shocked: Ich habe auch einen 1 Personen-Haushalt. Das hat mich bisher noch nicht abgehalten, irgendetwas in der Art zu machen. Man kann doch alles in kleiner Menge fabrizieren
Ich finde auch, dass das zumindest bei vielen Sachen wirklich gut geht. Fruchtwein und Met geht z.B. auch in 10L-Kanistern (obwohl der dann doch eigentlich immer zu schnell weg ist), Quark kann man gut in kleinen Mengen machen, denn 1L Milch ergibt nur etwa 300g Quark, der Rest ist Molke (die aber wirklich ganz anders und viel leckerer schmeckt, als das ungenießbare Zeug aus dem Kühlregal), Käse hält sich richtig gelagert ewig, Essig in sterilisierten Flaschen hält sich ebenfalls ewig etc... Nur so Sachen wie Sauerteig oder Herrmann, die man relativ regelmäßig verbrauchen und weitervermehren sollte, sind ein bisschen blöd alleine.
(Möchtest Du beim HZ-Treffen mal in mein Quark-Käse-Einsteiger-Buch schnuppern @Schneewölfin? Wenn es Dich interessiert, bringe ich es mit.)

Peregrin hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 10:59
Alchemie sehe ich auf jeden Fall darin. Nicht nur in den Gärprozessen, die unverzichtbarer Bestandteil der Alchemie sind. Auch im übertragenden Sinne. Man darf nicht vergessen, dass unser enterischen Nervensystem im Magen-Darm-Trag beheimatet ist. Die Art der Bakterienbesiedlung dort hat einen riesigen Einfluss auf unsere Emotionen.
Deine Sichtweise finde ich durchaus spannend und irgendwie nachvollziehbar, auch wenn ich sie aus dem Bauch raus nicht ganz teilen kann.


LG, Dtadteule
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Re: Lebendige Hexenküche

#8

Beitrag von Peregrin » Mi 13. Sep 2017, 12:49

Stadteule hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 11:48
Oh, wie machst Du das? Damit habe ich auch schonmal geliebäugelt, habe aber bisher davon abgesehen, weil ich ein bisschen befürchte, dass der Sojabohnengeschmack zu sehr durchkommt (Sojabohnenmehl finde ich nämlich ziemlich fürchterlich). Scheinbar brauche ich das aber gar nicht zu befürchten *?*
Absolut nicht. :girlie-oh-my-god:
Du musst nur einfach einen Liter Sojamilch kaufen (die ungesüßte!), 5 EL Zitronensaft (echten, nicht die Teezitrone aus der gelben Pastikflasche) und 1/2 TL Salz nehmen. (Kräuter, Zwiebeln, Gewürze nach Belieben).
Wenn du Käse machen willst, hast du ja schon ein Käsetuch und eine Käsepresse, musst also nicht mit anderen Küchengeräten tricksen. Dann kann's also gleich losgehen:

- das Salz in der „Sojamilch“ verrühren (am einfachsten: das Tetrapack aufschneiden und es direkt darin machen)
- Zitronensaft in ein leeres Gefäß geben, die Sojamilch vorsichtig am Rand des Gefäßen auf den Zitronensaft gießen. (Nicht anders herum, denn hier sollte man nicht rühren. - Eine Viertelstunde stehen lassen, bis die Milch durchgehend "flockig" wird.
- alles mit Schöpfkelle in die mit dem Käsetuch ausgelegte Käsepresse schaufeln. (Solltest du die Molke auffangen und weiterverwenden wollen, die Käsepresse in eine flache Schüssel stellen. Ich nehme dafür ein tiefes Backblech.)
- Deckel auf die Presse und den beschweren (ein volles Tetrapack hat genau das richtige Gewicht.)
- Das alles eine 3/4 Stunde stehen lassen, et voilà - Leckerer "Streichkäse", den man geschmacklich nicht von der Kuhvariante unterscheiden kann, wenn man es nicht weiß. (Obwohl das glaube ich auch etwas von der verwendeten Sojamilch abhängt. Ich nehme immer "Soja Bio-Drink Naturell" - aber wie gesagt: Achtung, darauf achten, nicht die gezuckerte Variante zu erwischen... :altersack:) Aus einem Liter Sojamilch bekommt du ungefähr 250g Tofu.

Das mit dem Einfrieren um fluffigen schnittfesten Tofu zu bekommen, habe ich bisher noch nicht selbst ausprobieren können, da ich kein Tiefkühlfach oder -truhe habe.
Die Anleitung lautet aber folgendermaßen:

- Tofu-Block etwas länger in der Presse lassen als bei der "Streichkäse-Variante" (mind 1 h, besser 1,5 h.)
- im Käsetuch eingewickelt lassen und ins Tiefkühlfach legen. Mindestens über Nacht einfrieren: Der Tofublock muss komplett durchfrieren.
- Zum Auftauen in eine Schüssel legen (dauert c.a. 4-5 h)
- vorsichtig soviel Wasser wie möglich aus dem Tofu herausdrücken (am besten mit etwas beschweren, wenn man auf die "Blockform" wert legt. Auch das wird ein bröseliger Block.

Eine extra Essigmutter habe ich nicht, dafür braucht man ja nur seinen Kombucha lange stehen lassen und bekommt auch leckeren Tee-Essig.
Stadteule hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 11:48
Nur so Sachen wie Sauerteig oder Herrmann, die man relativ regelmäßig verbrauchen und weitervermehren sollte, sind ein bisschen blöd alleine.
Was ich dann aber auch nicht sooo tragisch finde, wenn man dann einfach mal so eine halbe Tasse voll einfach auf dem Kompost entsorgt.

Stadteule hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 11:48
Deine Sichtweise finde ich durchaus spannend und irgendwie nachvollziehbar, auch wenn ich sie aus dem Bauch raus nicht ganz teilen kann.
Das die Darmflora Einfluss auf unser Gemüt hat, ist nicht nur meine Sichtweise, sondern auch wissenschaftlich untersucht und belegt: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ ... p?id=57551


P.S.: Mit Sojamilch mache ich übrigens auch meinen Joghurt. Das geht auch mit Joghurtkulturen aus Kuhmilch als Starter. Nur mal so als Tipp für alle Vegetarier, die Richtung vegan tendieren, aber nicht einsehen, überteuerte vegane Produkte - wie eben Joghurt und Käse - zu kaufen.
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Re: Lebendige Hexenküche

#9

Beitrag von Stadteule » Mi 13. Sep 2017, 13:08

Super, vielen Dank für die Tofu-Anleitung, das probiere ich direkt in den nächsten Tagen mal aus! (Macht man so eigentlich auch den vielgelobten Cashew-Käse? Ich konnte mir bisher nie vorstellen, dass das mit pflanzlicher Milch so einfach geht.)

Peregrin hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 12:49
Stadteule hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 11:48
Nur so Sachen wie Sauerteig oder Herrmann, die man relativ regelmäßig verbrauchen und weitervermehren sollte, sind ein bisschen blöd alleine.
Was ich dann aber auch nicht sooo tragisch finde, wenn man dann einfach mal so eine halbe Tasse voll einfach auf dem Kompost entsorgt.
Simmt natürlich auch wieder.

Peregrin hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 12:49
Das die Darmflora Einfluss auf unser Gemüt hat, ist nicht nur meine Sichtweise, sondern auch wissenschaftlich untersucht und belegt
Das meinte ich nicht. :neinnein: Mir gings nur um die emotionale Besetzung des Begriffes Alchemie.


Essigmutter kann man auch mit Obstsaft, Most oder saftigem Obst selbst herstellen, im alten Kochbuch meiner Oma steht dazu noch eine Anleitung. Mit ungefiltertem Apfelsaft geht das auch so ganz zackig, wenn man den offen, aber mit einem Tuch abgedeckt stehen lässt. Ich habe das bisher aber erst einmal gezielt mit Apfelmost gemacht (und kann seither keinen Apfelessig mehr sehen :umfall: ), da ich ohnehin immer mal wieder eine Essigmutter geschenkt bekomme.



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Re: Lebendige Hexenküche

#10

Beitrag von Peregrin » Mi 13. Sep 2017, 13:18

Stadteule hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 13:08
Mir gings nur um die emotionale Besetzung des Begriffes Alchemie.
:D Ich glaube, da haben wir uns missverstanden! Ich finde Alchemie nicht "emotional besetzt".
Ich habe nur zwischen tatsächlicher Alchemie (also der philosophischen und laboratorischen) unterscheiden wollen im Unterschied zu all dem, was man so landläufig als "alchemistisch" bezeichnet, also alles, was irgendwie gährt, blubbert, brodelt und bunte Dämpfe fabriziert. :green:
Stadteule hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 13:08
Essigmutter kann man auch mit Obstsaft, Most oder saftigem Obst selbst herstellen, im alten Kochbuch meiner Oma steht dazu noch eine Anleitung. Mit ungefiltertem Apfelsaft geht das auch so ganz zackig, wenn man den offen, aber mit einem Tuch abgedeckt stehen lässt. Ich habe das bisher aber erst einmal gezielt mit Apfelmost gemacht (und kann seither keinen Apfelessig mehr sehen :umfall: ), da ich ohnehin immer mal wieder eine Essigmutter geschenkt bekomme.
Wie behandelt man den Fruchtsaft denn, dass der tatsächlich zu Essig wird, anstatt Schimmel anzusetzen? :shocked:
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