Haarseife selber herstellen

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Kupferacetat
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Haarseife selber herstellen

#1

Beitrag von Kupferacetat » Do 2. Nov 2017, 14:20

Falls es so einen Thread schon gibt, tut mir leid, habe ihn nicht gefunden :)
Aber hat jemand von euch schonmal Haarseife selber hergestellt? Bin von dem Prinzip sehr angefixt, hatte aber bis jetzt mit vielen Haarseifen kein Glück, entweder war trotz sauren Rinsen zuviel Kalkseife nach einer Weile in meinen Haaren, oder sie wurden ganz spröde und strohig etc. ...
Da ich gern weiterhin NK verwenden udn Abfall vermeiden möchte (aber nicht viel Geld verschwenden will bis ich eine passende Siefe finde), dachte ich ich frag mal nach, vll kann man ja sowas "relative einfach" selber herstellen und dann die Überfettungsgrade an seine Bedüfrnisse anpassen? Natürlich kann ich auch quer das Internet durchforsten, aber ich dachte bevor ich irgendwas zusammenpansche hat wer persönliche Erfahrungsberichte!
Aber vll bin ich auch einfach nur dusselig, da ich mich wirklich nicht auskenne und so etwas sollte man auf keinen Fall ohne fundiertes chemisches Grundwissen selber herstellen?
Würde mich über Erfahrungen freuen :) :liebegrüße:

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Stadteule
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Re: Haarseife selber herstellen

#2

Beitrag von Stadteule » Do 2. Nov 2017, 14:37

Huhu Kupferacetat,
die Herstellung selbst und die Anpassung der ÜF ist sicherlich nicht das Problem, wenn Du Erfahrung im Sieden hast, anspruchsvoll ist eher die Rezeptfindung, weil Kopfhaut bei vielen anders reagiert als Gesichtshaut und auch das vorab-Testen der unverseiften Öle auf dem Kopf nur bedingt Aussagekraft hat über die Reaktion der Haut auf die verseiften Öle. Vielleicht wirfst Du mal einen Blick auf das/die Etikette/n Deiner vorhandenen Haarseife/n, die Du von der lästigen Kalkseife mal abgesehen gut verträgst, um zu sehen, welche Öle für Dich in Frage kommen?
Je nach Wahl der Öle und Zusätze finde ich persönlich übrigens Heißverseifung sinnvoller, als das Kaltrührverfahren. Man kann besser steuern, womit man überfettet und verhindern, dass wertvolle Inhaltsstoffe dem hohen Ausgangs-PH-Wert ausgesetzt sind.

Gegen Kalkseife kann man sich bedingt helfen, indem man Zitronensäure ins Rezept einbaut - üblicherweise macht man das mit ca. 5% (die NaOH-Menge muss dann entsprechend angepasst werden). Das durch die Reaktion von Zitronensäure und NaOH entstehende Natriumcitrat ist zusätzlich ein guter Schaumförderer, was in Haarseife ja auch ganz nett ist.


Und generell gefragt: hast Du bereits Erfahrung im Seifesieden oder bist Du Neuling auf dem Gebiet? Falls ja, könnten wir hier gerne ein Rezept gemeinsam austüfteln, außer mir sieden hier noch mehr User.


LG, Stadteule
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<kranich>
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Re: Haarseife selber herstellen

#3

Beitrag von <kranich> » Do 2. Nov 2017, 17:54

Gegen Kalkseife kann man sich bedingt helfen, indem man Zitronensäure ins Rezept einbaut - üblicherweise macht man das mit ca. 5% (die NaOH-Menge muss dann entsprechend angepasst werden). Das durch die Reaktion von Zitronensäure und NaOH entstehende Natriumcitrat ist zusätzlich ein guter Schaumförderer, was in Haarseife ja auch ganz nett ist.
Kann man den Kalk nicht als Karbonat mit NaHCO_3 in der Seife fällen? (http://www.seilnacht.com/Chemie/ch_nahco.htm)

P.S.: Nein, ich verstehe nichts von Seife.

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Stadteule
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Re: Haarseife selber herstellen

#4

Beitrag von Stadteule » Do 2. Nov 2017, 18:58

Huhu Kranich, interessanter Gedanke,
rein faktisch würde das vielleicht gehen, muss ich mal probieren. Allerdings hat die Verwendung von Speisenatron/Natriumhydrogencarbonat mindestens 2 Nachteile, die mir ohne es zu testen schon klar sind: a) bei der Herstellung fängt nach Zugabe von Natron der Seifenleim an zu schäumen, was unter Umständen schwierig sein kann (der SL hat im unverseiften Zustand einen PH-Wert von ca. 14 und man möchte ihn normalerweise gerne konrolliert im Rührgefäß behalten) und b) wenn das Natriumhydrogencarbonat mit Kalk reagiert, hat man wieder eine Ausfällung, was man ja vermeiden möchte.

LG, Stadteule
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Sarf
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Re: Haarseife selber herstellen

#5

Beitrag von Sarf » Do 2. Nov 2017, 19:31

<kranich> hat geschrieben:
Do 2. Nov 2017, 17:54

Kann man den Kalk nicht als Karbonat mit NaHCO_3 in der Seife fällen? (http://www.seilnacht.com/Chemie/ch_nahco.htm)

P.S.: Nein, ich verstehe nichts von Seife.
Nein, kann man nicht. Die Hydrogencarbonate der Erdalkalimetalle haben eine deutlich bessere Löslichkeit in Wasser als die entsprechenden Carbonate. Diesen Sachverhalt kann man z.B. auch bei der Härtebestimmung von Wasser beobachten, wo die Konzentration der Hydrogencarbonate als vorübergehende ("weiche") Härte des Wassers bezeichnet wird.
Erdalkalikationen werden für gewöhnlich mit Carbonat oder Sulfat (auch Phosphat möglich) gefällt.
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Das Schiff ist zum Segeln, der Schild zum Decken gut,
Die Klinge zum Hiebe, zum Küssen das Mädchen."

- Edda, Hávamál 81

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Kupferacetat
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Re: Haarseife selber herstellen

#6

Beitrag von Kupferacetat » Sa 4. Nov 2017, 17:44

Stadteule hat geschrieben:
Do 2. Nov 2017, 14:37
Huhu Kupferacetat,
die Herstellung selbst und die Anpassung der ÜF ist sicherlich nicht das Problem, wenn Du Erfahrung im Sieden hast, anspruchsvoll ist eher die Rezeptfindung, weil Kopfhaut bei vielen anders reagiert als Gesichtshaut und auch das vorab-Testen der unverseiften Öle auf dem Kopf nur bedingt Aussagekraft hat über die Reaktion der Haut auf die verseiften Öle. Vielleicht wirfst Du mal einen Blick auf das/die Etikette/n Deiner vorhandenen Haarseife/n, die Du von der lästigen Kalkseife mal abgesehen gut verträgst, um zu sehen, welche Öle für Dich in Frage kommen?
Je nach Wahl der Öle und Zusätze finde ich persönlich übrigens Heißverseifung sinnvoller, als das Kaltrührverfahren. Man kann besser steuern, womit man überfettet und verhindern, dass wertvolle Inhaltsstoffe dem hohen Ausgangs-PH-Wert ausgesetzt sind.

Gegen Kalkseife kann man sich bedingt helfen, indem man Zitronensäure ins Rezept einbaut - üblicherweise macht man das mit ca. 5% (die NaOH-Menge muss dann entsprechend angepasst werden). Das durch die Reaktion von Zitronensäure und NaOH entstehende Natriumcitrat ist zusätzlich ein guter Schaumförderer, was in Haarseife ja auch ganz nett ist.


Und generell gefragt: hast Du bereits Erfahrung im Seifesieden oder bist Du Neuling auf dem Gebiet? Falls ja, könnten wir hier gerne ein Rezept gemeinsam austüfteln, außer mir sieden hier noch mehr User.


LG, Stadteule

Hallo Stadteule!

Danke für die rasche Antwort :) Bin selbst kompletter Neuling auf dem Gebiet. Weiß auch gar nicht inwiefern ich das alles tatsächlich umsetzen kann, da ich mit den Dämpfen in meiner 20m2 Wohnung nicht weit komme, ich versuche gerade meinen Freund von der Idee zu begeistern, seine Eltern haben einen riesigen Garten und dort wären solche Experimente eventuell möglich. Wollte mich mehr auch mal nach Erfahrungen umhören wie gut man mit sowas zu Recht kommt, bzw was für einen Aufwand (und auch Kosten) so ein Hobby birgt.
Seit einem krassen Blondierunfall von vor zwei Jahren bei dem die Frisörin dank Olaplex darauf schwor dass nichts passieren kann und mit dann stellenweise ganze Strähnen von knapp 60 cm auf stolze 5 cm weggebröselt sind, befasse ich mich viel mit dem Thema Haarpflege. Hab dann schnell wieder dunkel gefärbt und dann nochmal rot gefärbt und versuche sie jetzt schön lang zu züchten. Mit allen Ölen die ich durchprobiert habe komme ich am besten mit Macadamia Öl und Klettenwurzelöl zu Recht (Olive ist ok, nach Kokosnussöl kann man mein Haar schmeißen!!) weil ich zu 99,9% auf NK bin, nur grad zum Beginn der Heizsaison brauche ich ein bisschen vom alten silikon spitzenfluid weil sie sonst wieder brechen, Proteinmangel hab ich aber nicht, von allen Proteinkuren werden sie nur rau und knirschig. Die einzige Zeit in der ich nichtmal Condi verwendet hab (da keiner nötig war), war eben während meiner Haarseifen experimente, die die bei mir am besten gingen waren sehr hoch überfettet, mit etwas 8%, nur nach zwei monaten waren sie dauer klätschig. Egal wie lang ich gespült hab und wieviel ich gerinst hab. Lange Rede kurz, ich möcht mich wieder den Seifen zu wenden und würd gern selber ein bisschen herumpanschen (wenn dann was nicht klappt, bin ich wenigstens selber schuld.)
Auf jeden Fall danke schonmal für die Infos in dem Post, klingt alles sehr interessant :) !!

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Re: Haarseife selber herstellen

#7

Beitrag von Stadteule » So 5. Nov 2017, 16:08

Huhu Kupferacetat,
wenn Du ganz neu bist im Thema Seifesieden, würde ich empfehlen, zunächst mal einen Kurs zu machen oder Dich generell in das Thema etwas einzuarbeiten und ein paar Seifen zu sieden, bevor Du Dir ein so spezielles Projekt wie eine Haarseife vornimmst. Haar- und Rasierseifen (Haarseifen noch mehr) sind ein sehr vielfältiges Thema für sich, weil die Möglichkeiten nahezu unendlich sind, die Toleranz der eigenen Kopfhaut aber nicht und es ist meist eher Glückssache als Ergebnis gründlicher Recherche, wenn man auf Anhieb eine individuell passende Haarseife hinbekommt (wobei es natürlich ein erheblicher Erfahrungsvorsprung ist, wenn man schon einige Haarseifen getestet hat und weiß, welche man vertrug und welche nicht).
Wenn Du Dich ins Thema Haarseifen etwas einlesen möchtest, könntest Du Dich im Seifentreff-Forum umsehen, da gibt es (eben weil es so ein vielfältiges Thema ist) viele Threads und viele Rezeptansätze für Haarseifen.

Die Überfettung von Haarseifen liegt üblicherweise bei 3-5%, individuelle Ausreißer je nach Bedürfnis sind aber natürlich sowohl nach oben als auch nach unten möglich. Spannender wird es eigentlich, wenn es darum geht, welche Öle die Kopfhaut im verseiften Zustand in welcher Kombination verträgt und welche Zusätze man evtl. gerne in Haarseife verarbeiten möchte. Dass es bei den Zusätzen Grenzen in den Einsatzmöglichkeiten gibt, ergibt sich schon alleine durch die thermische Reaktion beim Verseifungsprozess und durch den basischen PH-Wert, aber dennoch sind die Möglichkeiten gewaltig vielfältig.
Ich persönlich mag in meinen Haarseifen eher wenig Zusätze, aber ätherische Öle, die für meine Kopfhaut gut sind (Rosmarin, Weihrauch, Niauli) und mir ist wichtig, dass meine Überfettung aus bestimmten Ölen (u.a. Brokkolisamenöl) besteht. Letzteres geht im normalen Kaltrührverfahren nicht, weil man der Lauge schlecht vorschreiben kann, ein bestimmtes Öl unberührt zu lassen, daher verseife ich Haarseifen heiß und gebe die ÜF erst nach der Verseifung und vor dem Einformen hinzu.

Da Du erwähnst, dass Du alle paar Monate Silikon in die Spitzen brauchst: hast Du das schonmal mit Brokkolisamenöl probiert? Das hat zunächst einen ähnlichen Effekt wie Silikon, indem es sich glättend um die Haare legt, sie kämmbar macht und glänzt. Aber es ist ein natürliches Pflanzenöl und hat nicht den Negativeffekt des Silikons, dass es sich anlagert.
Und zum Kokosöl: Da es wenige schaumerzeugende Fette gibt (sie enthalten nennenswerte Mengen an Laurin- und/oder Myristinsäure), wirst Du wahrscheinlich nicht ganz um Kokos rumkommen in Seife, es sei denn Du ersetzt es durch ein anderes online erhältliches Schaumfett wie Babassu oder Palmkernöl (die wenigen anderen schaumerzeugenden Öle sind eher schwer zu bekommen und recht teuer).


Ich weiß ja nicht, in welcher Gegend Du bist, aber ich würde mal gucken, ob es in Deiner Umgebung nicht entweder Hobbysieder gibt, die mal gemeinsam mit Dir sieden würden oder Kurse, so dass Du mal reinschnuppern kannst. Man produziert einfach doch wesentlich mehr "Versuchsstücke", wenn man sich die Praxis völlig autodidaktisch aneignet.


LG, Stadteule
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