Bonsai

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Hagezorn
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Re: Bonsai

#21

Beitrag von Hagezorn » Fr 15. Apr 2016, 11:13

Kenn ich auch.
Ich wurde auch schon von einer Heilpflanze auf einer Wiese angesprochen,sie zu ernten....
Diese Pflanze kannte ich vorher noch garnicht.Ich habe sie also nicht gezielt gesucht.
Bildquelle:http://www.bonsai-fachforum.de/index.php
Zuletzt geändert von Hagezorn am Do 24. Aug 2017, 18:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Kamille

Re: Bonsai

#22

Beitrag von Kamille » Fr 15. Apr 2016, 18:18

Hi,
Haare schneiden und Pflanzen schneiden sehe ich nicht als vergleichbar. Haar ist Horn, tote Masse. Pflanzen sind Lebewesen. Zumal, je nach Pflanze (Ficusse zum Beispiel) ihr milchiger Saft so zusagen ihr Lebenssaft ist. Verliert sie zu viel davon, kann die Pflanze daran auch sterben.

Man kann auch widerum nicht jede Bonsai Pflanze mit einem Obstbaum vergleichen. Die so genannten Warmhaus-Bonsai sind im Prinzip das genaue Gegenteil, da sie ganzjährig Zimmertemperatur brauchen. Hingegen Kalthaus-Bonsai die Temperaturabsenkung im Winter brauchen.

Zumal ich darüber hinaus Kräuterpflanzen auch nicht mit Bäumen vergleichbar finde.

Kann man sich denn nicht einfach so einen Steckling im Topf halten, ohne dass man daraus unbedingt einen Bonsai machen muss?
(Nur weils ein Mini-Baum ist, macht die Pflanze das ja nicht automatisch deswegen zum Bonsai.)

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Stadteule
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Re: Bonsai

#23

Beitrag von Stadteule » Fr 15. Apr 2016, 20:17

Hagezorn hat geschrieben:(auch dort hatte ich Obstbäume-Obstbaumschnitt nach Bonsaitechniken-was gleichmäßig tragende Bäume zur Folge hatte)
Das finde ich interessant.
Hagezorn hat geschrieben:Aber ich sitze zeitweise auf dem Balkon und höre den Bäumen zu.
Es ist ein kurzer Schock,wenn man umtopft.Aber das ist nicht nur notwendig um sie klein zu halten,es schafft auch Dünger, neuen Raum,neues Licht...
Aber nach 2 Wochen ist es wieder gut,und der Baum "räckelt" sich in seiner Schale.
Hm. Ich lass das mal sacken. Das liest sich teilweise achtsam und schön, hinterlässt bei mir aber gleichzeitig ein ungutes disziplinarisches Gefühl. Ich habe keinen sonderlich guten Draht zu Topfpflanzen - ich mag es lieber, wenn sie im Freien Platz haben und gedeihen können, dementsprechend geschah bei mir die Aktion des Umtopfens bisher immer mit dem Ziel, der Pflanze mehr Raum für ihre Entfaltung zu geben und nicht, um sie darin zu beschränken. Aber wie gesagt: ich lass das mal sacken.
Hagezorn hat geschrieben:Der Baum ist an bestimmten Verlusten orientiert .
Natürlich gibt es Grenzen.
Es ist aber mit den verkrüppelten Füßen der chinesischen Frauen nicht zu vergleichen.
Worin siehst Du den Unterschied, könntest Du das beschreiben?
Und hast Du schonmal getan, was LIH als Gedanken geäußert hat? Also so ein Bäumchen einfach fragen, was es möchte?
Hagezorn hat geschrieben:Wie ist es,wenn der Mensch Haare oder Nägel schneidet ?
Wenn man Kräuter zum Räuchern bricht,fügt man der Pflanze auch Schaden zu.
Beides ist imo nicht mit dem Beschneiden von lebenden Pflanzenteilen zu optischen Zwecken vergleichbar. Zum einen sind Haare und Nägel totes Material und man spürt es nicht, zum anderen dient das Ernten von Kräutern zum Essen oder Räuchern einem sinnvollen Zweck. Meiner Ansicht nach rechtfertigt das dieses Handeln, sofern es in angemessenem Rahmen geschieht (ohne zu töten - direkt oder indirekt - kann man als Mensch nicht gesund überleben) und meinem Eindruck nach wird es von Pflanzen ebenso akzeptiert. Optische Zwecke sind aber nicht das, was ich als "angemessenen Rahmen" betrachten würde.
KiraNeko64 hat geschrieben:
LiH hat geschrieben:Da es bei Bonsai und Räucherpflanzen weder um Essen noch um anderweitiges Überleben geht, weiß ich nicht, wie die Bäume/Kräuter das sehen.
Ich denke, das kommt darauf an, wie man Ihnen dafür begegnet. Wenn man die Energie, die man von Ihnen bekommt *sei es über Essen oder Räuchern* mit Bedacht, Respekt und Dank entgegen nimmt, freuen sie sich über diese Wertschätzung. Ich hatte es auch schon, dass mir das Kraut selbst "gezeigt" hat, wie es verwendet werden möchte.
Darin liegt vermutlich der Schlüssel. Auch wenn ich immer noch nicht wirklich warm werden kann mit dem Gedanken.


LG, Stadteule
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Re: Bonsai

#24

Beitrag von Hekate » Fr 15. Apr 2016, 23:46

Bis her macht für mich Bonsai, ausserhalb von Japan wenig Sinn.

Aber wie ist es mit den Blumen, Rasen in Schrebergärten, mit all den englischen Rasen, den Parks und Gärten von Adligen?

Anderseits..
Seit dem Start diesen Threads schwird mir schon der Gedanke rum.

"Bonsai(s) wäre doch was für Stadthexen
."

Gruss

Hekate
Das alles sind meine,
persönlichen Einstellungen, Einsichten und Meinungen.
Niemand braucht mir da zu zustimmen.
Ich, sehe es so und meine es so.
Und das ist schon alles.

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Re: Bonsai

#25

Beitrag von Stadteule » Sa 16. Apr 2016, 02:09

Hekate hat geschrieben:Aber wie ist es mit den Blumen, Rasen in Schrebergärten, mit all den englischen Rasen, den Parks und Gärten von Adligen?"
Da hast Du natürlich auch recht. Obwohl ich den Eindruck habe, dass es Pflanzen(wesen) gibt, die durchaus ein gewisses Maß an Eitelkeit besitzen und gerne schön aussehen wollen. Manche Rosen z.B.
Hekate hat geschrieben:Seit dem Start diesen Threads schwird mir schon der Gedanke rum.

"Bonsai(s) wäre doch was für Stadthexen
."
Ja, in eine ähnliche Richtung gehen meine Gedanken auch seit diesem Thread, ich hab' mich nur noch nicht so ganz drumrum gewickelt, weil sich in mir einfach etwas ganz arg dagegen sträubt, andere Lebewesen so in Kleinheit zu zwingen.
Bäume sind so ungefähr die Lebewesen, vor denen ich den meisten Respekt habe. Sie haben eine so unendliche Geduld, dass ich ehrfürchtig werde, wenn ich das bei einem alten Baum spüre. Mein bisheriger Eindruck ist auch, dass Bäume (hört sich komisch an, ich weiß) irgendwie weise sind und dass sie durchaus Sinn erkennen können, wenn man das bei einer Baumintelligenz so benennen kann. Ich könnte mir daher vorstellen, dass ein Baum so etwas gerne auf sich nimmt, wenn sein Dasein dann z.B. dazu beiträgt, dass sich andere Lebewesen zentrieren und zu innerer Ruhe finden können. Ich denke jetzt dabei an Bonsai-Gärten, die auf mich trotz meiner Vorbehalte eine unheimlich zentrierende, ruhige Ausstrahlung haben.
Was mich vor anderthalb Jahren in dem Gespräch mit dem Bonsai-Meister nachhaltig beeindruckt hat, war seine Aussage, dass ein Bonsai-Meister in seinem Respekt für den Baum dessen Wesen und wahre Form erkennt und dem Baum hilft in diese Form zu wachsen (auf kleinem Raum).
Wie gesagt habe ich mich davor noch nie mit Bonsai näher beschäftigt, weil es mir eben irgendwie weh tut zu sehen - obwohl ein guter Studienfreund meines Liebsten ebenfalls Bonsaimeister ist und da durchaus schon die Gelegenheit gewesen wäre, meine Vorbehalte auf Realität/Eigenanteil zu überprüfen.

Ich finde das ein spannendes Thema. Danke @Hagezorn, dass Du im Thread bleibst trotz der eher skeptischen Reaktionen.


LG, Stadteule
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Re: Bonsai

#26

Beitrag von Hagezorn » Sa 16. Apr 2016, 07:01

Ihr müßt mal die Ehrfürchtigkeit und Anbetung mancher(nicht aller) Bonsaianer erleben.
Das hat fast Tempelqualitäten.
Es gibt nicht nur die Haudraufmentalität.
Ich zum Beispiel stelle nicht auf Bonsaiaustellungen aus.
Grund:Den Streß möchte ich meinen Bäumen nicht aussetzen.Zumal ich den Eindruck auch habe,das es die Eitelkeit der Pflanzen fördert.....
Hinter nen Stein verkriech....
Mich verbindet die Liebe zu den Bäumchen,und ich trauere immer noch um Daphne...
Sie ging mir ein,und ich weiß bis heute noch nicht warum.(vermute Putzwasser,das meine Obermieter vom Balkon gossen! :wolke: )
Ein Blumenhartriegel ,dessen Wurzeln wie eine herraustretende Frau geformt war.
Er war natürlich so gewachsen-ich hab da nichts dran gemacht.
Sie brachte mich wieder darauf,mich mit Bonsai zu beschäftigen.
Das ist jetzt 3 Jahre her.
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Re: Bonsai

#27

Beitrag von Vala Sive » Sa 16. Apr 2016, 19:42

Hi, ich lins mal hier rüber vom Stadthexen-Thread her...

Darf ich mal sagen, dass ich es erschreckend finde, wie viele hier schreiben, es wäre eine Verkrüppelung der Bäume und respektlos etc? Das Wort 'Vergewaltigung', auch wenn es nur am Anfang vorkam, macht mir erst recht Bauchschmerzen. Eine Vergewaltigung ist etwas ganz anderes, etwas menschliches, wo es um Machtmissbrauch geht. Jemand, dem so etwas zugestoßen ist, würde das nie auf Bäume beziehen.

Bäume und Pflanzen wachsen millionenfach, und genauso sterben sie millionenfach. Man kann es gar nicht menschlich betrachten, aber wenn man das tut, dann sieht man doch gleich die Unterschiede: Bei der 'Erziehung' ihrer Kinder, sind Bäume ganz einfach gestrikt. Entweder die 'Kinder' halten sich an dei Regeln, oder sie sterben.
Ich glaube, jeder Baum erfreut sich des Lebens, auch Mini-Bäume. Haben sie überhaupt ein Bewusstsein von Größe/Raum und Zeit? Dass sie immer weiter wachsen, ist klar, das ist das Wesen der Natur. Das heißt nicht, dass der Baum unbedingt ein Riese werden will. Kommt natürlich immer auf den jeweiligen Baum und das Exemplar an, klar, Kommunikation ist hier wie bei so vielem anderen auch einfach der Schlüssel.

Wenn es Menschen erfreut, und sie so eine Verbindung zu Natur in ihren Räumen spüren, dann ist es gut. Selbst, wenn sie es nicht bewusst-spirituell tun.
Das ist natürlich alles nur meine Meinung, ich will niemanden angreifen, und Ausstellungen und so habe ich jetzt erst mal ausgelassen und mir keine Gedanken darüber gemacht.

Aber zurück zum Thema, Hagezorn, kannst du mir Tipps geben, wie ich als blutige Anfängerin mit Bonsai anfangen könnte? Welche Baumart wäre am 'leichtesten'? Ist Weißdorn gut, der wächst nämlich genau vor meiner Haustür, da könnte ich leicht an einen Trieb kommen... wenn es mir gestattet ist, natürlich, hab noch nicht nachgefragt. ;) :liebegrüße:

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Re: Bonsai

#28

Beitrag von FreieAtem » Sa 16. Apr 2016, 22:52

Hallo Vala Sive,

Also ich sehe das ehrlich gesagt nicht ganz so unterschiedlich.
Vala Sive hat geschrieben:Bäume und Pflanzen wachsen millionenfach, und genauso sterben sie millionenfach. Man kann es gar nicht menschlich betrachten, aber wenn man das tut, dann sieht man doch gleich die Unterschiede: Bei der 'Erziehung' ihrer Kinder, sind Bäume ganz einfach gestrikt. Entweder die 'Kinder' halten sich an dei Regeln, oder sie sterben.
Menschen leben auch millonenfach und sterben tun sie früher oder später alle.

Was die "Erziehung" betrifft ist es auch unter Pflanzen nicht so, dass die nur in sich geschlossen für sich alleine leben. Sie kommunizieren um sich zu schützen. Kräuter denen Gefahr von aussen droht schütten ätherische Öle aus, um sich zu wehren und sie kommunizieren und warnen sich über die Grenzen der eigenen Pflanze hinaus.
Vala Sive hat geschrieben:Dass sie immer weiter wachsen, ist klar, das ist das Wesen der Natur. Das heißt nicht, dass der Baum unbedingt ein Riese werden will.
Es ist das Wesen der Bäume groß und alt zu werden. Andere Wesen der Natur (was ja alles ist das lebt) tun das nicht.
Sie wachsen bis es ihnen reicht, bzw. sie ihr inneres Potential in Verbindung mit den äusseren Einflüssen voll ausgeschöpft ist.
Ein Bonsai der nur Zugriff auf den Boden und die Nährstoffe der Schale hat, wird nicht höher wachsen, als wie er sich aus dieser ernähren kann.

Lebewesen -alle- werden mit einer inneren Struktur geboren und entsprechend dieser wachsen sie. Evolutionär bedingt. Es ihnen ein Bedürfnis entsprechend ihrer Struktur zu wachsen - weil sie instiktiv wissen, dass diese Struktur (Über-)Leben bedeutet.

Ich will nicht ausschließen dass es einem Bonsai gut gehen kann und auch er sich seines Lebens freut, wenn er sich seiner Umgebung (der kleinen Schale) angepasst hat. Auch andere Lebewesen die nicht in idealen Bedingungen leben (entsprechend ihrem angelegten Ursprung) können gerne leben und leben wollen.
Aber zu denken gibt mir schon, dass sich die Information ans nächste Baumleben bzw. die Kinder nicht ändern.
D.h. die Größe bleibt den Bäumen wichtig, sie überwinden dieses Bedürfnis nicht. Auch nicht wenn sie sich an ein Leben in der Schale gewöhnt haben.
... die Saat eines Bonsaibaums verliehrt in ihrem Potential ja nicht die ursprüngliche Größe der eigentlichen Baumfamilie. (Oder doch?)

Vala Sive hat geschrieben:Haben sie überhaupt ein Bewusstsein von Größe/Raum und Zeit?
Also soweit ich als Mensch mich da einfühlen kann würde ich sagen ja. Sie nehmen Raum und Zeit ja ein.

Und ich denke auch ein Baum verändert sein Lebensgefühl... zumindest für mich fühlt sich die Kraft eines jungen Baums anders an wie die eines alten.

Eine Andere Sache ist es mal Menschen zu bitten "Zeit" zu beschreiben ... ich nehme mal an die Antworten wären so unterschiedlich, dass man auch da nicht von einem klar definierten Bewusstsein für Zeit sprechen kann.


Ich will die Bonsaihalter hier nicht anfeinden.
Wir alle brauchen Pflanzen um zu überleben. Und ich glaube keiner Lebt so minimalistisch, dass er Pflanzen auch wirklich nur für Lebensnotwendiges gebraucht. .. und wir passen sie uns unser Umwelt und entsprechend unseren Bedürfnisen an.
Ich hab hier einen Benjamini der mich seit 15 Jahren begleitet ... der ist auch nicht besonders groß geworden, dafür hab ich ihn einfach zu wenig oft umgetopft ... aber er dreht seine Blätter Richtung Sonne und wir mögen uns ... diesen Sommer darf er auf meinen Balkon.

Ich glaube nur bei aller Kommunikation und Bereitwilligkeit mit der Pflanzen geben und uns helfen ... Es sind meistens wir, die mit unseren Bedürfnisen deren Leben formen. Das kann, aber muss nicht immer deren Bedürfnissen entsprechen. Sich anzupassen bedeutet nicht, dass sie dieses andere Bedürfnis nicht haben, oder gar vergessen.
Wenn ich dran denke wie freundlich Pflanzen uns gegenüber oft (trotzdem) sind ... dann berührt mich das sehr.

Für mich ist es irgendwie ein Unding ihnen ein Bewusstsein und eigenes Bedürfnis abzusprechen, auch wenn es natürlich ein anderes Erleben des Lebens ist, als meines als Mensch.

LG FreieAtem
... und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben ...

- Hermann Hesse aus Stufen -

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Re: Bonsai

#29

Beitrag von Stadteule » Sa 16. Apr 2016, 23:57

Vala Sive hat geschrieben:Darf ich mal sagen, dass ich es erschreckend finde, wie viele hier schreiben, es wäre eine Verkrüppelung der Bäume und respektlos etc? Das Wort 'Vergewaltigung', auch wenn es nur am Anfang vorkam, macht mir erst recht Bauchschmerzen. Eine Vergewaltigung ist etwas ganz anderes, etwas menschliches, wo es um Machtmissbrauch geht. Jemand, dem so etwas zugestoßen ist, würde das nie auf Bäume beziehen.
Darf ich mal sagen, dass ich es erschreckend finde, anderen Lebewesen, egal welcher Gattung sie angehören, Bewusstsein einfach abzusprechen?
Die Tatsache, dass man nicht weiß wieviel Empfindung oder Bewusstsein ein Lebewesen hat, ermächtigt dazu so zu handeln, als hätte es nichts davon? Ja herzlichen Dank auch. :girlie-oh-my-god:
Vala Sive hat geschrieben:Bäume und Pflanzen wachsen millionenfach, und genauso sterben sie millionenfach.
Menschen auch. täglich.
Menschen sind für die Natur entbehrlich, Bäume nicht.

:umfall:

LG, Stadteule
(Edit PS: ich hab recht spontan geantwortet und erst hinterher gesehen, dass Freie Atem teilweise meine Worte schon vorweg genommen hat :girlie-gfk: )
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Re: Bonsai

#30

Beitrag von CatEye » So 17. Apr 2016, 01:01

Vala Sive hat geschrieben:Darf ich mal sagen, dass ich es erschreckend finde, wie viele hier schreiben, es wäre eine Verkrüppelung der Bäume und respektlos etc? Das Wort 'Vergewaltigung', auch wenn es nur am Anfang vorkam, macht mir erst recht Bauchschmerzen. Eine Vergewaltigung ist etwas ganz anderes, etwas menschliches, wo es um Machtmissbrauch geht. Jemand, dem so etwas zugestoßen ist, würde das nie auf Bäume beziehen.
DAS ist ganz, ganz böse verallgemeinert. Bitte nicht von einem auf alle schließen.




Ich persönlich kann beide Seiten, also „Bonsai Pfleger“ und „Kritiker“ verstehen. Ich kann nachempfinden, welch meditativer Charakter und welch tiefe Spiritualität mit dem Beschneiden, Formen und Hegen verbunden ist. Es ist Meditation, Ausdruck von Liebe und Achtsamkeit, sowie eine Würdigung der Schönheit. Hier ist es wichtig zu berücksichtigen, so denke ich, dass den Menschen im asiatischen Raum kulturgeschichtlich-religiös ein anderer Zugang zur Spiritualität zu Eigen ist, als uns hier im Westen. Es ist eine andere Ebene (ich kann es leider nicht sonderlich gut beschreiben). Genau wie das Anlegen eines Karesansui (Zen-Garten) ist das „wabi-sabi“ welches stark mit dem Zen-Buddhismus verknüpft ist, in der Tradition verankert. Es ist traditionell pure Demut und eine lebenslange Aufgabe sich um die Bonsai zu kümmern und von stetiger Achtsamkeit geprägt. Es geht nicht darum dem Baum irgendeine x-Beliebige Form zu verpassen. Die Form soll den Charakter des Baumes widerspiegeln und es ist die Aufgabe des Gärtners, diesen zu erfassen. Ich hoffe man kann verstehen was ich meine?
Hier im Westen, haben viele mir bekannte Heiden, eine vom Animismus geprägte Weltanschauung. Von diesem Ausgangspunkt betrachtet, ist es eine Verstümmelung eines Lebewesens (und als solche erachte ich zumindest Bäume) mit einem eigenen Bewusstsein, da gibt es nichts dran zu rütteln. Das trifft sowohl auf das Beschneiden eines Bonsais, als auch auf den Apfelbaum auf der Streuobstwiese, als auch auf die zum Haus gehörende Hecke zu. Das heißt aber nicht, dass nicht ein Achtsamer Umgang möglich wäre. Ich für mich erachte es eben als wichtig, sich diesen Umstand des Schmerzzufügens bewusst zu machen. Ich versuche es zumindest mit dem Leben um mich herum in Kontakt zu treten und auch einfach mal Danke zu sagen.

Viele Grüße
CatEye
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